28 Juni 2010 02:00
Mehr als 26.000 Läufer werden beim Berliner Halbmarathon erwartet. Laufcoach Klemmbrett-Karraß gibt 14 Tipps für die unmittelbare Wettkampf-Vorbereitung. Dabei verrät er auch, wie man stilecht jubelt.
1. Ausgeruht antreten
Am Freitag ist Ruhe angesagt. Am Samstag kannst Du ein wenig tänzeln – aber nur ganz locker. Ja! Du wirst merken: Ungebändigte Kraft macht sich breit. Deshalb ist der Samstag eher für den Kopf gut und die Psyche, als für eine weitere Formentwicklung.
2. Halbmarathon-Messe vital
Auf der Halbmarathon-Messe die Startnummer abholen, den Chip testen, eine Portion Nudeln essen und ein – aber wirklich nur ein – Schnäppchen beim Schuhkauf machen. Dann nichts wie weg. Massen von orientierungslosen Läufern verbreiten zwei Dinge, die wir absolut nicht brauchen: Stress und Milliarden Bazillen.
3. Samstag früh ins Bett
Am Wettkampfmorgen gilt es, gut ausgeschlafen zu sein und ausgiebig zu frühstücken. Bloß nicht vom Partner provozieren lassen. Du siehst gut aus, egal was er/sie sagt. Deine Laune könnte nicht besser sein. Und: Lass Deine Aufregung nicht am Partner aus. Er/sie hat es nicht so gemeint mit dem schlecht aussehen.
4. Zeitig am Tatort eintreffen
Am Ort des Geschehens solltest Du Dich ganz in Ruhe orientieren und dabei ganz überheblich vor dem ärgsten Konkurrenten herumhüpfen. Setze Deine fieseste Miene auf. Aber vergiss nicht, dass es muss Spaß machen muss. Also nach innen richtig schön fröhlich sein.
5. Klamotten zeitig abgeben
Der Weg zum Startkessel kann zur Falle werden. Schon dafür ein Powergel einplanen. Und dabei schön lieb sein, wenn man Dir den Laufschuh von den Fersen tritt.
6. Stimmung aufnehmen
Sauge die mitreißende SCC-Running-Musik voll auf. Danach kannst Du zwei Stunden auf dem Rhythmus durch Berlin fegen. Nimm dabei die Arme hoch, mach bei der Laola und den Ahhhhh!-Rufen mit.
7. Achtung dieser Tipp ist wichtig!
Beim Überqueren der Startlinie die Stoppuhr starten. Und schön winken – die Fans, Du weißt schon ...
8. Nach 300 Metern ist Schluss mit lustig
Jetzt wird der Event-Zirkus ausgeblendet. Spätestens jetzt musst Du Dich ernsthaft auf die Aufgabe konzentrieren: 21 Kilometer gleichmäßig im Bereich der neuen Bestzeit laufen. Da wird nicht gequatscht. Da wird gerannt.
9. Einbremsen
Jetzt voll auf die Eisen gehen. Du bist so gut vorbereitet, dass Du die ersten Kilometerzeiten locker unter vier Minuten treiben könntest. Weit drunter sogar. Aber das wäre ja eine Endzeit unter den besten Berlinern. Soweit bist Du noch nicht. Also bloß nicht mitreißen lassen, es sei denn, Du suchst eine neue Erfahrung: eine Grenzerfahrung ab Kilometer 14.
10. Keine Interviews unterwegs
Der RBB wird Dich nerven wollen. Reporter laufen neben Dir her und wollen Dich damit demütigen. Klassische Frage: „Wie geht es Ihnen?“ Deine Gegenfrage: "Sind wir live drauf? Ich grüße meine Mutti!" Ich verspreche Dir, das macht Spaß.
11. Die E-Mail von Achilles
Folgende E-Mail von Achim Achilles löste Alarm bei mir aus: "So, heute erst mal schön auf die Laufmesse. Bei Powerbar hole ich mir zehn Beutel Gel, mit lecker Guarana, das kickt total und bringt mich so gerade über die 21 Kilometer. Dann noch zwei Dosen Ultra-Buffer für den kleinen Hungerast zwischendurch, und natürlich Ultra Starter fürs Frühstück. Basica nicht zu vergessen. Dann haue ich mir noch ein Pfund Epo rein, eine Handvoll Kuh-Hormone pro Nasenloch und dazu ne Spritze Haschisch in jede Vene. Das soll ja wohl reichen als Halbmarathon-Vorbereitung. Klemmbrett merkt davon bestimmt nichts." Ich sage nur: Vorsicht vor zu viel Basica!
12. Wenn es nicht warm ist – nicht zu viel trinken
Auch wenn überall Versorgungspunkte sind und alle anderen es unentwegt tun: Nicht so viel trinken. Das muss beim Halbmarathon echt nicht sein. Ein bis zwei Mal reicht. Mehr hast Du doch im Training auch nicht getrunken. Es sei denn, wir haben 18 Grad und mehr. Dann heißt es sogar: Auf die Rübe gießen! Schon mal Danke an SCC-Running für eine sicher ausreichende Versorgung! Tolle Leistung bei über 24.000 Säufern!
13. Vorletzter Tipp
Mache jetzt alles so, wie Du es in den vergangenen Wochen geübt hast. Lächeln, husten, pusten – und immer schön weiterlaufen. Einen Fuß vor den anderen. Nie nachlassen. Erst bremsen – so bis Kilometer 10, dann langsam den ganz angenehmen Schmerz genießen, das aufkommende erhabene Gefühl, ein Halbmarathon-Gott zu sein. Rückwärts zählen. Noch sechs Kilometer. Noch fünf. Gas geben! Aber trotzdem bescheiden bleiben.
14. Zieleinlauf – aber bitte mit Stil
Man kann dabei so viel falsch machen. Denn der Zieleinlauf ist besonders schwer zu erlernen, weil man es ja nicht so oft tut. Jodeln? Nein! Beckerfaust? Jein! Tarzan-Urschrei? Auf keinen Fall! Am besten läufst Du den letzten Kilometer so, als wäre es Dein erster. Gekonnt rhythmisch, zügig, kontrolliert, nicht überhastet. Ganz allmählich, mit abnehmender Meterzahl, nimmst Du mehr Fahrt auf. Bis zum quergelegten roten Teppich, der letzten pipsenden Wahrheit. Zügig drüber. Uhr stoppen. Tief durchatmen, langsam austrudeln. Und nun: zum Himmel schauen, Augen schließen, Stolz sein. Medaille als Krönung noch dazu. So wird es kommen. Viel Spaß!
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