14 September 2009 02:00
Gut gelaunter Wunderläufer: Haile Gebrselassie berichtet, wie er den Tag vorm Marathon verbringt, was er von seinem Konkurrenten hält und warum Berlin für ihn ein besonderes Pflaster ist.
Von Piet Könnicke
Ein lockeres Läufchen, Frühstück, Massage, Lunch, Mittagsruhe – so will Haile Gebreselassie morgen seinen Vormittag gestalten. Am Nachmittag noch mal eine kurze Joggingrunde und eine weitere Massage. "Zweimal kann nicht schaden", meint der beste Marathonläufer der Welt, bevor er am Sonntag zum vierten Mal in Folge beim Berlin-Marathon an den Start geht.
Ob er seinen eigenen Weltrekord aus dem Vorjahr von 2:03:59 Stunden unterbieten wird – zur dieser Prognose ist selbst der äthiopische Wunderläufer nicht fähig. "Berlin ist eine schnelle Strecke mit viel Atmosphäre", sagt er. "Da denkt man natürlich an eine schnelle Zeit. Aber allein das Rennen zu gewinnen, ist ein besonderes Etwas. Weltrekord zu laufen, ist etwas Besonderes."
Seit Juni bereitet sich Gebreselassie auf den Berlin-Marathon vor. Seit der Kenianer Duncan Kibet seinen Start in Berlin angekündigt hat, freut sich die Szene auf ein packendes Duell. Kibet kam in diesem Frühjahr bei seinem Marathon-Debüt in Rotterdam bis auf 28 Sekunden an Hailes Weltbestmarke heran.
Ob der Zweikampf gegen den Kenianer die bislang größte Herausforderung in Berlin darstellt, wurde Haile Gebreselassie von einem Journalisten gefragt. In seiner Antwort liegt ein Stück von dem, was den Äthiopier zu einem so populären Läufer macht: "Nun ja", sagt er, "es ist ein Marathon. Und da gibt es nicht nur Duncan Kibet und viele andere gute Läufer, an die du denken musst. Konkurrenz ist das eine. Die andere Herausforderung sind diese 42 Kilometer. Es geht hauptsächlich um den Kampf mit der Strecke." Das hat der Weltrekordler mit den anderen 32.080 Läufern gemein. Sein Vorhaben, die Halbmarathon-Marke bei 61:30 Stunden zu passieren will, verdeutlicht dann aber doch eindrucksvoll, dass er die Herausforderung wesentlich schneller bewältigen will als der große Rest des Feldes.
"Weltrekord und Olympiasieg", formuliert der 36-Jährige als Ziele für seine Läufer-Zukunft. "Im Marathon", beeilt er sich zu betonen, "denn Alternativen habe ich nicht mehr." Längst ist Kenenisa Bekele auf den mittleren Distanzen in seine Fußstapfen getreten: Bei der Leichtathletik-WM vor wenigen Wochen gewann der Äthiopier über 5.000 und 10.000 Meter. "Natürlich ist Kenenisa für uns Langstreckenläufer der wahre Star der WM", meint Haile Gebreselassie. Aber dass Usain Bolt 70.000 Zuschauer ins Olympiastadion lockte, müsse man erkennen. "Das ist wichtig für die Leichtathletik und ich begrüße das sehr." Und mit einem Lächeln fügt Haile Gebreselasie an: "Vielleicht gelingt mir ja ähnliches am Sonntag." Nun ja, es werden gut eine Millionen Zuschauer an der Strecke stehen. "Und denen", verspricht er, "wollen wir eine große Show bieten."
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