07 September 2011 00:00
Ein Rennen zu laufen, ist manchmal schon hart. Aber wie kompliziert ist es eigentlich, wenn man einen Wettkampf selbst organisiert? Der Berliner Harry Mehner und seine Lauffreunde haben es ausprobiert – demnächst feiert ihr Elly-Beinhorn-Lauf Premiere.
Achim-Achilles.de: Harry, wie kamen Du und deine Mitstreiter auf die Idee, einen Volkslauf ins Leben zu rufen?
Harry Mehner: Vor zwei Jahren haben wir auf dem ersten deutschen Motorflugplatz in Johannisthal ein großes Fest zum 100jährigen Jubiläum mitorganisiert. Das war ein großer Erfolg, und so fingen wir an zu überlegen, was man noch machen könnte. Die Idee haben wir zu dritt ausgeheckt; inzwischen sind wir im Organisationsteam zu zehnt.
Seid Ihr selbst Läufer?
Etliche von uns sind Läufer, das geht vom lockeren Gesundheits-Jogging bis zum Super-Marathon. Auf jeden Fall haben wir alle Spaß am Sport. Manche von uns reisen übers Jahr verteilt kreuz und quer durchs Land, um irgendwo an den Start zu gehen. Und da fiel uns auf, dass es direkt vor unserer Haustür noch keinen Volkslauf gibt, obwohl die Bedingungen geradezu danach schreien. Außerdem sind einige von uns beruflich und auch ehrenamtlich erfahren in der Organisation von Veranstaltungen.
Das Organisationsteam des Elly-Beinhorn-Laufs: Reihe hinten: Christian Luther (li.), Frank Lauterbach (re.)
Reihe Mitte: Peter Schmidt (li.), Harry Mehner (re.)
Reihe vorn: Christian Mehner (li.), Ingo Schneider (re.)
Was muss man eigentlich alles beachten, wenn man einen Lauf veranstalten will?
Vieles und immer wieder Neues. Der richtige Termin ist wichtig. Wie ist an diesem Tag die Konkurrenz zu anderen Laufveranstaltungen? Ist vielleicht gerade Urlaubszeit? Gibt es Sperrungen auf der Strecke, die man sich ausgesucht hat? Oder große Baustellen? Wo soll der Start sein, wo das Ziel? Wird es eine Runde? Geht’s von A nach B? An Start und Ziel muss bedacht sein, wie die Teilnehmer hin- bzw. wegkommen, ob die nötige Infrastruktur vorhanden ist. Gibt es Anlieger, die man um Unterstützung bitten kann?
Woran muss man denken, wenn man die Strecke festlegt?
Die Streckenführung sollte attraktiv sein. Gut ist auch, rechtzeitig zu bedenken, ob es vielleicht Komplikationen mit amtlichen Genehmigungen geben könnte. Der Elly-Beinhorn-Lauf führt durch einen Landschaftspark. Deshalb haben wir frühzeitig in Erfahrung gebracht, dass wir da überhaupt rein dürfen.
Was ist noch wichtig?
Unsere Aktiven wissen aus eigener Erfahrung, wie sensibel so ein Läufer vor dem Start ist. Manche müssen noch fünfmal auf die Toilette. Andere dürfen nicht zu laut angesprochen werden. Das ist dann zum Beispiel wichtig für die Helfer, die die Nachmeldungen entgegennehmen. Überhaupt ist es ein entscheidender Faktor, von Anfang an zu wissen, dass man genügend Menschen mobilisieren kann, die am Wettkampftag für die vielen großen und kleinen Aufgaben zur Verfügung stehen. Wir sind da zum Glück durch unseren Verein, AUDIO e.V., und das Bürgerforum Johannisthal gut vernetzt.
Habt Ihr den organisatorischen Aufwand unterschätzt?
Das werden wir spätestens am 23. Oktober merken. Aktuell sind wir voll im Plan und hoffen natürlich, dass der Plan stimmt. Jedenfalls ist der Aufwand ganz schön groß. Vieles ist "work in progress“. So mussten wir mehrmals den Streckenverlauf ändern, weil einige Wege über Privatgrundstücke gehen. Wer weiß das schon vorher? Und dann ist es natürlich so, dass eine Punkt-zu-Punkt-Strecke wie unser Lauf immer mehr Arbeit erfordert als ein Rundkurs.
Was hat es mit der Strecke auf sich?
Die Idee war von Anfang an, einen Lauf zwischen zwei Flugplätzen zu veranstalten, dem ältesten und dem modernsten Deutschlands. Die ersten Flieger vor über 100 Jahren hätten die Strecke übrigens nicht geschafft, die waren froh, wenn sie 100 Meter weit flogen. Und viel schneller als ein guter Läufer waren sie auch nicht. Unsere 10 Kilometer sind reizvoll: Mauerradweg, Wissenschaftsstandort Adlershof, Landschaftspark Johannisthal-Adlershof … Wir konnten so auch viele Partner finden, die uns helfen. Die Wege sind gut, meist ist es flach. Bei Rückenwind werden die Bestzeiten nur so fallen.
Elly Beinhorn war eine berühmte Fliegerin. Warum ist der Lauf ausgerechnet nach ihr benannt?Wir haben nach einem Namen gesucht, der mit der Fliegerei zu tun hat. Zuerst hat es uns einfach nur gefallen, einen Lauf "Beinhorn“ zu nennen. Nach und nach haben wir dann mehr über Elly Beinhorn herausbekommen. Sie ist zwar nie in Johannisthal gestartet oder gelandet, weil das Flugfeld dort 1919 geschlossen wurde, da war sie erst zwölf Jahre alt. Aber sie hat in Berlin gelebt und immer eine enge Bindung zu dieser Stadt gehabt. Und vor allem hat sie sich immer als Sportfliegerin verstanden. Eine gute Läuferin muss sie wohl auch gewesen sein. Als sie 1931 in Afrika notlanden musste, hat sie sich tagelang zu Fuß durchgeschlagen. Schließlich konnten wir ihren Sohn ausfindig machen. Professor Bernd Rosemeyer ist Orthopäde und Sportarzt, lebt in München. Er hat die Schirmherrschaft für den nach seiner Mutter benannten Lauf übernommen, wird im Oktober dabei sein und die Sieger ehren.
Wie kann man den Lauf unterstützen?
Indem man sich anmeldet. Wir als Neulinge freuen uns, wenn Ihr das alle frühzeitig macht, damit wir wissen, was auf uns zukommt. Natürlich kann auch jeder gern als Zuschauer dabei sein. Oder um gutes Wetter bitten. Und erzählt überall und jedem, dass es am 23. Oktober den ersten Elly-Beinhorn-Lauf gibt.
Wird es im nächsten Jahr eine weitere Auflage geben?
Ja. Obwohl es noch nicht einmal den ersten Lauf gab, bereiten wir uns schon auf den zweiten vor. Und einige unserer Partner wollen auch langfristig mit uns zusammenarbeiten, um die Veranstaltung hier im Berliner Südosten zur festen Einrichtung zu machen.
Die Fragen stellte Wendelin Hübner

|
Wettkämpfe |
|
Wettkämpfe |
|
Wettkämpfe |
|
Wettkämpfe |
Hinweis: Diese Website verwendet Facebook-Plugins – sind Sie bei Facebook eingeloggt, werden Daten an Facebook übertragen. Mehr Infos dazu gibt es hier.