29 September 2011 00:00
Die USA – ob in den Städten, entlang der Küste oder quer durchs Land, überall wird gelaufen. RUNNING – Das Laufmagazin begab sich über den großen Teich und machte sich auf die Suche nach Rennen, die ewig in der Läufererinnerung bleiben.
Von Edith Zuschmann
Mit seinen bisher 115 Jahren schrieb der Boston-Marathon wichtige Teile der Marathongeschichte mit. Was 1897 mit 15 Startern begann, entwickelte sich mit rund 25.000 Teilnehmern zu einem der größten und begehrenswertesten Rennen weltweit.
Jeden dritten Montag im April, dem Patriots’ Day, startet das Feld in Hopkinton auf der traditionsreichen Strecke in Richtung Boston. Der wellige und durchaus anspruchsvolle One-Way-Kurs genießt nicht gerade den Ruf einer schnellen Strecke. Doch weht der Wind in die richtige Richtung und herrschen optimale Wetterbedingungen, kann es ganz schön schnell hergehen, wie Geoffrey Mutai mit seiner inoffiziellen Weltrekordzeit von 2:03:02 Stunden im April dieses Jahres bewies.
Teilnahmerecht erhält man entweder dadurch, dass man eine entsprechende Limitzeit aus einem früheren Lauf nachweisen kann, oder über die Buchung eines Reiseveranstalter-Paketes samt Flug, Hotel und Startnummer.
Das emotionale Highlight vieler Läufer: die Teilnahme am New York City Marathon, mit rund 45.000 Teilnehmern der Größte seiner Art. Jeden ersten Sonntag im November fällt am Fuße der Verrazano-Narrows Bridge der Startschuss. Durch fünf Stadtteile und über zahlreiche Höhenmeter geht es in die grüne Lunge von Manhattan, den Central Park.
Was New York so besonders macht, sind sicherlich die hunderttausenden Zuschauer entlang der Strecke, wobei der Einlauf in die irst Avenue besonders atemberaubend ist. Um eine Startnummer zu ergattern, heißt es schnell sein. Der bequemste Weg nach New York führt über ein Komplettpaket von einem lizenzierten Reiseveranstalter. Wer die Individualität liebt, der benötigt entweder die geforderte Limitzeit in seiner Altersgruppe oder viel Geduld, aber vor allem Glück bei der Startnummernlotterie.
RUNNING - Das Laufmagazin erscheint einmal im Monat. Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe ist das Laufland USA. Außerdem gibt es u.a. Schuhtests, Mentaltipps für den Marathon und Tricks für das Bergtraining. Auch Achim Achilles ist in dieser Ausgabe wieder als Kolumnist vertreten. Das Heft kostet 3,50 Euro und gibt es am Kiosk oder hier zu bestellen.Auf Grund seines extrem flachen und schnellen Rundkurses erfreut sich der Chicago-Marathon größter Beliebtheit. Mehrere Weltrekorde fielen auf dieser Strecke und mit seinen über 40.000 Teilnehmern zählt er neben New York und Berlin zu den größten Rennen weltweit.
Gelaufen wird jeweils am zweiten Oktober-Sonntag. Um dabei zu sein, ist keine Limitzeit notwendig, dafür aber eine frühe Online-Anmeldung. Für
2011 werden keine Startnummern mehr angeboten, die Registrierung für 2012 startet am 1. Februar und endet nach Vergabe des letzten verfügbaren Platzes. 2011 dauerte dies gerade einmal 31 Tage.
Exotisch mit einer Extraportion Urlaubsfeeling – so präsentiert sich der Honolulu-Marathon. Wer die Flucht aus dem trüb-kalten Dezemberwetter Mitteleuropas starten möchte, ist hier absolut richtig.
Trotz der relativ flachen Strecke, die unter anderem am berühmten Waikiki Beach vorbeiführt, ist dieser Marathon alles andere als einfach. Die Gründe: die Zeitverschiebung, der frühe Start in der Dunkelheit und die mit der aufgehenden Sonne rasch kletternden Temperaturen. Doch Verbissenheit und Rekordhatz sind so oder so fehl am Platz, vielmehr lohnt es sich, diesen Lauf mit allen Sinnen zu genießen und sich im Ziel mit der traditionellen Hawaii-Blumenkette feiern zu lassen.
Wer meint, die USA hätten nur Stadtmarathons zu bieten, der wird spätestens bei der Teilnahme am Big Sur International Marathon in Kalifornien eines Besseren belehrt. Südlich von San Francisco wartet einer der schönste Landschaftsmarathons Nordamerikas.
Mit Start im Pfeiffer Big Sur State Park geht es 42 Kilometer auf dem legendären Highway No. One in nördliche Richtung zum Ziel in Carmel. Auch wenn die Strecke so gut wie keinen flachen Kilometer zu bieten hat, die atemberaubenden Ausblicke auf den Pazifik entschädigen für die Qualen. Die nächste Chance bietet sich Ende April 2012, wenn um 6.45 Uhr früh wieder der Startschuss für die rund 4.600 Läufer ertönt.
Es muss nicht immer ein Marathon sein. Auch kürzere Rennen oder Staffelevents sind in den USA natürlich populär. Farbenfroh und ausgelassen
wälzt sich das größte Teilnehmerfeld beim Bay to Breakers jeden dritten Sonntag im Mai über zwölf Kilometer vom nordöstlichen Downtown-Ende
San Franciscos in Richtung Pazifikküste.
1986 trug sich dieses Rennen mit 110.000 Teilnehmern ins Guinness-Buch der Rekorde ein, wurde aber 2010 vom "10.10.10 A Run for the Pasig
River“ auf den Philippinen als größtes Rennen abgelöst. In den vergangenen Jahren pendelte sich die Läuferzahl bei rund 70.000 bis 80.000 ein. Wie viele es tatsächlich waren, lässt sich nur schätzen. Doch genau das macht diese Veranstaltung, die 2012 ihr 101-jähriges Bestehen feiert, aus: Die Mehrheit läuft als "bandit“, also unangemeldet, mit.
Aber auch die zahlreichen Läufer in Kostümen machen das Flair dieses Rennens aus, wobei die kreativsten und außergewöhnlichsten Verkleidungen ebenso prämiert werden, wie die schnellsten Läufer. (Erfahrungsbericht von Achilles-Leser Wolfgang)
Thanksgiving gilt als das amerikanische Fest schlechthin und verwandelt am letzten Novemberwochenende den gesamten Staat in eine einzige Familienparty. Da darf natürlich ein Fun Run nicht fehlen. Daher werden auch in diesem November wieder über 35.000 Menschen ihren Trot, wie sie den Capital One Bank Dallas YMCA Turkey Trot liebevoll nennen, laufen.
Die Geburtsstunde schlug 1968, als rund 170 Sportler den Acht-Meilen-Lauf am White Rock Lake absolvierten. Heute führt die Strecke quer durch die Innenstadt von Dallas mit Start und Ziel vor der City Hall.
Auf 1.655 Metern Seehöhe, am Fuße der Rocky Mountains, liegt nicht nur einer der US-Trainings-Hotspots für Ausdauersportler. Jedes Jahr treffen sich am Memorial Day (letzter Montag im Mai) über 55.000 Aktive – internationale Profis wie Hobbyläufer –, um Teil des „America’s All Time Best 10K Race“ – dem BolderBoulder – zu sein.
Ende der Siebzigerjahre zum ersten Mal ausgetragen, entwickelte sich das Rennen zum Highlight in der US-Straßenlaufszene. Während es für die einen um "Dabeisein ist alles“ geht, wollen die anderen den welligen, aber trotzdem schnellen Kurs für neue Bestzeiten nutzen und sich mit Weltstars messen. Immerhin erscheint die Siegerliste der vergangenen 33 Rennen wie das "Who’s who“ der Laufwelt: von Frank Shorter und Rosa Mota bis zu Edna Kiplagat und Belete Assefa. Für Kurzentschlossene gibt es auch vor Ort noch die Möglichkeit einer Nachmeldung, jedoch zu erhöhten Preisen.
Die Idee für den "Hood to Coast Relay" hatte der passionierte Marathon- und Ultraläufer Bob Foote, der 1982 in einer Vollmondnacht von seinem Wohnort Timberline am Mt. Hood, im Hinterland von Portland mit Freunden in einer Staffel an die Pazifikküste von Oregon lief.
Heute, 30 Jahre später, ist dieses Staffelrennen über 317 Kilometer eine fixe Institution und startet alljährlich am letzten Freitag im August. Wer mitmachen möchte, der muss nicht nur fast ein Jahr vorher, pünktlich Mitte Oktober, seine Teambewerbung absenden, er benötigt auch ein acht- bis zwölfköpfiges Team, das sich die 36 Etappen von Timberline nach Seaside untereinander aufteilt. Der Veranstalter zieht per Zufall schlussendlich 1.250 Teams.
Nicht nur Hitze, sondern auch die dunkle Nacht und 3.000 Meter Höhenunterschied sind zu bewältigen. Die Siegertruppe 2010 kam nach 17:24:16 Stunden am Meer an, das langsamste Team benötigte mehr als doppelt so lange.
Klein und überschaubar wirkt dagegen das noch relativ junge Staffelrennfest im Bundesstaat Vermont, das 2012 zum siebten Mal ausgetragen wird. Zu einem ganz besonderen Rennen macht es die wohl landschaftlich reizvollste Staffelstrecke der USA. Mit ihren 200 Meilen und 4.624 Höhenmetern führt sie von Jeffersonville, im Norden Vermonts, über die Berge in Richtung Süden nach Bennington und verläuft parallel zur beliebten Route 100.
Zugelassen werden maximal 100 Teams mit wahlweise vier bis sechs oder sieben bis zwölf Läufern, die sich die 36 Etappen untereinander aufteilen.

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