Achim Achilles empfiehlt:Keine Ausreden: Die besten Tipps, Tricks und Regeln für den sicheren Winterlauf. |
14 Juli 2009 02:00
John Kunkeler, selbst erfahrener Marathoni, hat für die Leichtathletik-WM die Marathon-Strecke entworfen. Im Interview erzählt er, was eine attraktive Route ausmacht und warum das Vermessen so kompliziert ist.
Achim-Achilles.de: Herr Kunkeler, wie kam es dazu, dass Sie die WM-Strecke vermessen durften?
John Kunkeler: Die IAAF (Dachverband aller nationalen Sportverbände für Leichtathletik., d. Red.) wollte, dass der WM-Marathon nicht im Stadion gestartet wird. Stattdessen sollte das Flair eines Großstadtmarathons kopiert werden. Deshalb wurde ich damit beauftragt, in Berlin eine Streckenführung zu finden.
Achim-Achilles.de: Wieso gerade Sie?
Kunkeler: Ich bin ein so genannter A-Grad-Vermesser bei der AIMS, dem Verband der Marathon-Vermesser. Das heißt, ich darf Großstadtmarathons- und Meisterschaftsstrecken vermessen. Ich habe zum Beispiel die Strecke des Berlin-Marathons entworfen und vermessen. Außerdem werde ich sehr häufig von Veranstaltern eingeladen, neue Strecken zu vermessen, etwa in Japan oder Dubai.
Achim-Achilles.de: Sie haben schon einigen Spitzenläufern die WM-Strecke vorgestellt. Wie waren die Reaktionen?
Kunkeler: Die Läufer haben den Eindruck, dass es eine schnelle Strecke ist. Es gibt keine scharfen Kurven und zwei kurze, gut sichtbare Anstiege an Brücken. Alle empfanden die Strecke als kurzweilig und interessant.
Achim-Achilles.de: Sind Sie selbst zufrieden mit der WM-Strecke?
Kunkeler: Ich halte es für einen richtigen Schritt, dass die Läufer in die Stadt kommen. Am Brandenburger Tor sind gigantische Tribünen mit Public Viewing aufgebaut worden. Außerdem finde ich es eine gute Idee, dass beim "Champions Run" auch normale Läufer die Strecke rennen dürfen. Das ist eine wirklich einzigartige Sache.
Achim-Achilles.de: Wie wird man überhaupt Marathon-Streckenvermesser?
Kunkeler: Es gab vor einigen Jahren einen Lehrgang, der mich sehr interessierte, weil ich selbst mal eine sehr zweifelhafte Zeit gelaufen war und nicht annehmen konnte, dass die Streckenlänge stimmte. Als Mitglied des Berlin-Marathon-Organisationsteams kam ich dann in Kontakt mit den Großmeistern des Vermessens von der AIMS. Die haben mich dann eingeladen, als Ko-Vermesser beim Den-Haag-Marathon mitzumachen. Später wurde ich dann zum A-Grad-Vermesser berufen.
Achim-Achilles.de: Ist es ein schöpferischer Prozess, eine neue Strecke zu finden, oder eher Fleißarbeit?
Kunkeler: Es ist ein Puzzle, das Jahre dauert. Man muss sich mit der Verkehrslenkung abstimmen, Krankenhäuser und Feuerwachen dürfen nicht eingekesselt werden, die Anwohner müssen immer die Möglichkeit haben, von ihren Häusern wegzukommen. An der Strecke für den Berlin-Marathon habe ich zwei Jahre gepuzzelt.
Achim-Achilles.de: Was macht eine gute Marathon-Strecke aus?
Kunkeler: Bei Großstadtmarathons gibt es ein paar wichtige Kriterien: Man muss viele Teilnehmer ermöglichen, das heißt, die Straßen müssen breit sein. Das Stadtbild muss repräsentativ in die Strecke integriert werden, die Strecke muss gut asphaltiert sein und für die Top-Athleten schnelle Zeiten ermöglichen.
Achim-Achilles.de: Sie haben selbst 80 Marathons gefinisht. Wodurch werden die 42,195 Kilometer für den Hobbyläufer attraktiv?
Kunkeler: Läufer sind oft multikulturell interessierte Menschen, die sich für die Umgebung und das Stadtbild interessieren, durch das sie laufen. Und natürlich sorgen die Zuschauer und das ganze Drumherum für Flair.
Achim-Achilles.de: Wie ist es, wenn Sie auf Reisen sind – sehen Sie überall potenzielle Marathon-Strecken?
Kunkeler: Na klar. Wenn ich irgendwo eine frisch gemachte Straße sehe, fängt die Grübelei an. Ich bin nach vielen Jahrzehnten Lauferei einfach so konditioniert, dass sich wirklich sehr viel darum dreht.
Zur Person: John Kunkeler hat selbst 80 Marathons in den Beinen. Der Niederländer ist eine ehrenamtliche "Allzweckwaffe" im Laufsport: Trainer, Betreuer, Vermesser und Initiator vieler Laufaktivitäten sowie sportlicher Leiter der RBB-Laufbewegung. Außerdem betreibt er den Jazzclub Schlot in Berlin-Mitte.
Hamburg-Marathon: Kigen siegt im sechsten Anlauf
Sahara-Marathon: "Höchste Strapazen für den Körper"
Marathons in Europa: 48 Sekunden fehlen zum Weltrekord
Acht Dinge über den Boston-Marathon
Köln-Marathon: Suche Startnummer – biete Frau (blond, 33)

|
Wettkämpfe |
|
Wettkämpfe |
|
Wettkämpfe |
|
Wettkämpfe |
Hinweis: Diese Website verwendet Facebook-Plugins – sind Sie bei Facebook eingeloggt, werden Daten an Facebook übertragen. Mehr Infos dazu gibt es hier.