17 August 2009 02:00
Die Tickets zu teuer, die Nachfrage schleppend und das Stadion oft halbleer. Umso besser lief es am Straßenrand: Hier feuerten die Berliner die Marathonläufer an und sorgten für gute Stimmung – kostete ja auch nix.
500 Tage vor dem Start der Leichtathletik-Weltmeisterschaft rollte der Kartenvorverkauf an. Drei Monate vor Beginn der Veranstaltung waren 100.000 Tickets verkauft. Daraufhin erklärte der Veranstalter, dass er 500.000 Tickets unters Volk bekommen wolle.
Doch das Volk murrte. Zum einen, weil die WM in Berlin über die Bühne ging, und der Berliner das Murren quasi erfunden hat. Zum anderen beschwerten sich potentielle Stadiongänger über die Ticketpreise: Die gab es für 34,90 Euro in der günstigsten und für 153,55 Euro in der teuersten Kategorie – zu viel für den Berliner Durchschnittsverdiener.
Daher war das Interesse der Zuschauer an der Leichtathletik-WM in Berlin eher verhalten. Am gesamten Montag kamen gerade mal rund 30.000 Zuschauer ins Olympiastadion. Tags drauf, bei Steffi Nerius' WM-Sieg im Speerwurf, sahen etwa genauso viele zu. 56.000 hätten hineingepasst. Nicht einmal zu Bolts 100-Meter-Spektakel bekamen die Berliner das Olympiastadion voll.
Schnell fanden sich eine Handvoll Berliner Politiker, die forderten, Karten zu Dumpingpreisen rauszuhauen – Hauptsache das Stadion wird voll. Doch die Verantwortlichen entschieden sich, diejenigen nicht zu verärgern, die frühzeitig Tickets gekauft hatten. Die Preise blieben teuer.
Immerhin wurde den Berlinern vier Mal die Gelegenheit geboten, sich für lau an den Straßenrand zu stellen, um sich Marathon und Gehen anzugucken. Diesem Angebot folgten rund 450.000 Menschen, sagt der Veranstalter. Ins Olympiastadion kamen während der neun WM-Tage 518.582 Zuschauer.
An den letzten drei Veranstaltungstagen kamen dann deutlich mehr Menschen ins Stadion als in der ersten Wochenhälfte. Die Athleten störten sich jedoch nicht an den halbleeren Rängen zu Beginn der WM, sondern lobten die wenigen, die gekommen waren. Vermutlich auch deswegen, weil sich das Berliner Publikum als ein sehr faires erwies.
Das Stadionpublikum in der Historie der Leichtathletik-Weltmeisterschaften
WM 1983 – Helsinki: 322.402 Zuschauer
WM 1987 – Rom: 518.000
WM 1991 – Tokio: 581.552
WM 1993 – Stuttgart: 576.918
WM 1995 – Göteborg: 564.676
WM 1997 – Athen: 760.029
WM 1999 – Sevilla: 497.484
WM 2001 – Edmonton: 402.916
WM 2003 – Paris: 550.132
WM 2005 – Helsinki: 345.090
WM 2007 – Osaka: 254.399
WM 2009 – Berlin 518.582
Superlative in Düsseldorf und Hannover
Rekord verpasst – und dennoch Geschichte geschrieben
Streckenrekord beim Dresden-Marathon

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