Die Vermessung des Micha Klotzbiers: Zu Besuch im IFD Köln

Geschrieben von: Julia Schweinberger
Michael Klotzbier

Micha Klotzbier will laufen. Aber wie stark ist die Belastung für seine Gelenke? Wie fit sind seine Muskeln? Im Institut für Funktionelle Leistungsdiagnostik in Köln wird Micha Klotzbier komplett durchleuchtet.

Michael Klotzbier hat große Ziele: Er will Marathon laufen. Doch der 35-Jährige wiegt 140 Kilo – zu viel, um einen Marathon gesund zu überstehen. Jahrelang hat der ehemalige Fußballer keinen Sport getrieben und sich schlecht ernährt. Im Januar 2015 entschloss er sich, gegen das Übergewicht vorzugehen. Seitdem hat er seine Alltagsgewohnheiten geändert: Er achtet auf eine gesunde Ernährung, fährt mit dem Rad zur Arbeit und geht drei Mal die Woche Walken. 20 Kilo hat er dadurch abgenommen – ohne, dass er sich quälen musste.

Die neue Lebensweise bekommt ihm gut. Er fühle sich wohler und fitter, sagt er. Aber wie schaut es im Körperinneren aus? Wie stark hat das Übergewicht seinen Gelenken zugesetzt? Um das herauszufinden, ist Klotzbier zum Gesundheitscheck im Institut für Funktionelle Leistungsdiagnostik (IFD) in Köln.

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Was ist das Institut für Funktionelle Diagnostik in Köln?

Das IFD in Köln wird von der Deutschen Sporthochschule und Medizinern betrieben, dazu gehört auch Paul Klein, Mannschaftsarzt des FC Köln. Im Untersuchungsraum surrt und blinkt es. Überall befinden sich Monitore und Kameras – man fühlt sich wie in einem Science-Fiction-Film. Die Fußballer des FC Köln und andere Sportler lassen sich hier regelmäßig durchleuchten, wenn sie verletzt sind oder zur Prophylaxe. Auf MRT- und Röntgenbildern erkenne man zwar die Verletzung, aber nicht deren Ursache, sagt Gert-Peter Brüggemann, Mitbegründer des IFDs. „Bei der funktionellen Leistungsdiagnostik dagegen sehen wir, wie die Muskeln arbeiten und ob es muskuläre Dysbalancen gibt." Mit entsprechenden Kräftigungsübungen könne man so Verletzungen verhindern, bevor sie entstehen.

Warum ist Michael Klotzbier hier?

Mit 19 Jahren erlitt Klotzbier beim Fußballspielen einen Kreuzbandriss. Seitdem ist sein linkes Knie instabil. Das Übergewicht setzte dem beschädigten Knie zusätzlich zu. Im IFD wird geprüft, in welchem Zustand sich Klotzbiers Knie befinden. Beim Gehen wirke das eineinhalbfache des Körpergewichts auf die Gelenke ein, beim Joggen das Dreifache, erklärt Brüggemann. Für Klotzbier bedeutet das: Würde er joggen, müssten seine Knie 420 Kilo stemmen.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Vor der Untersuchung wird Klotzbier verkabelt – eine halbe Stunde lang. Zwei Forscher kleben 40 Marker an Schultern, Rücken, Hüfte und Beine, bis Klotzbier am ganzen Körper mit kleinen Punkten übersät ist. Diese sollen Lichtimpulse an die Kameras senden, um von Klotzbier eine 3D-Ansicht zu erstellen.

Seine Oberschenkel werden erst rasiert, mit Alkohol desinfiziert und schließlich mit kleinen Elektroden versehen. Diese messen die Aktivität der Muskeln. Gleichzeitig berechnen die im Boden eingelassenen Kraftmessplatten, wie hoch die Belastung auf die Gelenke ist. 20 Mal muss Klotzbier dafür eine 20-Meter lange Strecke auf- und ablaufen.

Was ist das Ergebnis?

Obwohl sich Klotzbier jahrelang nicht um seinen Körper gekümmert hat, fällt die Bewegungsanalyse erstaunlich positiv aus. Die Belastung auf die Gelenke sei zwar hoch, aber nicht exzessiv, so Brüggemann. Man merke, dass Klotzbier mal trainierter Sportler war. Ein Teil der Muskeln sei noch vorhanden und stütze die Gelenke. Gleichzeitig fällt aber auf, dass Klotzbier sein linkes Knie weniger stark belastet als das rechte. Ob diese Schonhaltung mit dem Kreuzbandriss zu tun hat? Vermutlich.

Um eine Schädigung des Knies auszuschließen, ordnet Brüggemann zusätzlich ein MRT an. Das Ergebnis der Untersuchung ist niederschmetternd: ein Knorpelschaden an der Innenseite des Knies. Die Diagnose gleicht einer Katastrophe für einen angehenden Läufer.

Wie geht es jetzt weiter?

Marathon laufen mit Knorpelschaden? Brüggemann rät davon ab. Er empfiehlt den „Bouncing Walk" – eine Mischung aus Laufen und Gehen, nur ohne Flugphase. Ein Fuß bleibe dabei immer auf dem Boden. Das verbrenne mehr Kalorien als Walken, sei aber gelenkschonender als Laufen, erklärt der Professor. Solange Klotzbier keine Schmerzen habe, könne er mit dieser neuen Bewegungsform weitermachen.

Für Klotzbier selbst ist das Marathon-Vorhaben noch nicht abgeschrieben. Er denkt in kleinen Schritten: Bis Ende des Jahres will er noch 40 Kilo abnehmen. Ob er dann mit Lauftraining starten kann? Man wird sehen.

Wie es mit Michael Klotzbiers Marathon-Vorhaben weitergeht, lest ihr in seinem Abnehm-Blog, bei Facebook und auf Spiegel Online.

 

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Fotostrecke: Micha Klotzbier im IFD Köln

 

alle Fotos: Julia Schweinberger

 

 

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