Ex-160-Kilo-Mann: Woran ich merke, dass ich abgenommen habe

Geschrieben von: Micha Klotzbier
Micha und Arne walken

Micha Klotzbier hat in einem Dreivierteljahr rund 50 Kilo abgespeckt. Aber es dauert, bis die neue Figur auch im Kopf ankommt. Immer noch gibt es diese kleinen alltäglichen Momente, an denen er erkennt: Es hat sich was geändert. Ich bin nicht mehr fett.

1. Im Restaurant

Als ich frĂĽher zum meinem Lieblingsrestaurant ging, lief das wie folgt ab: Gebackener Camembert mit Preiselbeeren als Vorspeise, Riesenschnitzel mit Pommes als Hauptgang und einen Kaiserschmarrn zum Nachtisch. Dazu gab es einen zuckerhaltigen Softdrink.

Jetzt bounce ich mehrmals in der Woche an diesem Restaurant vorbei. Und wenn ich doch mal wieder reingehe, nehme ich: Lachs mit Spinat und Reis.

2. Am Kleiderschrank

Wenn selbst 4XL zu eng ist, verliert man schnell die Lust an Mode. FrĂĽher habe ich mir immer wieder mal Klamotten gekauft, die mir zu klein waren, um mir einen Anreiz zu geben abzunehmen.

Geklappt hat das natürlich nicht. Aber jetzt ist das richtig nützlich, denn mir passen plötzlich Kleidungsstücke, die seit Ewigkeiten im Kleiderschrank auf ihren Einsatz gewartet haben: unter anderem auch ein Trikot der rumänischen Nationalmannschaft in XL.

Das hatte mir eine Freundin geschenkt, weil ihr Mann und ein Teil meiner Vorfahren aus Rumänien stammen. Nach sechs Jahren habe ich es zum ersten Mal getragen. Es hat die Größe XL.

3. Am Geburtstag

Verrückt, wie sich von einem auf den anderen Geburtstag die Geschenke verändert haben. Früher waren es vermehrt Dinge für den passiven Genuss wie DVDs, Kino-Gutscheine und dicke Sahnetorten.

Jetzt bekomme ich LaufbĂĽcher, Laufschuhe, Laufsocken, LaufmĂĽtze und Werkzeug fĂĽrs Fahrrad geschenkt. Und ja, auch SĂĽĂźigkeiten sind noch dabei, aber deutlich weniger und deutlich gesĂĽndere Alternativen.

4. Im Auto

Ich kann wieder in mein Auto einsteigen, ohne mich zu quetschen oder den Innenraum in Gefahr zu bringen. Zwischen Lenkrad und Bauch ist wieder Luft. FrĂĽher konnte ich kaum ausatmen, so eng war es. Besonderer Bonus: Ich kann jetzt auch bei meinem Arbeitskollegen im kleinen Smart mitfahren.

5. In der Badewanne

Ich passe wieder bequem in die Badewanne! Es ist so ein schönes Gefühl, sich nach dem Sport mal im warmen Nass treiben zu lassen. Bei 160 Kilo Körpermasse blieb nicht viel Raum für Wasser. Jetzt ist die Wanne wieder ordentlich gefüllt – und mein ganzer Körper bedeckt.

6. Bei Laufveranstaltungen

Von Laufveranstaltungen hatte ich mich immer ferngehalten. Das war nicht meine Welt. Doch nach meinem Walking-Training habe ich mich im April getraut. Bei meinem ersten offiziellen Volkslauf wog ich rund 135 Kilo. Ich war der einzige Walker unter Läufern und hatte mit Mitleid, Spott und Gelächter gerechnet.

Doch ein Gros der Läufergemeinde respektiert es, wenn du es überhaupt versuchst. Dieses Jahr habe ich bereits an sechs Laufveranstaltungen teilgenommen und wurde auf der Strecke mehrmals erkannt. Das ist ein sehr starkes Gefühl, besonders, weil die meisten mich motivieren, mein Projekt weiter so ehrgeizig zu verfolgen.

Es gab sogar eine Veranstaltung, bei der mich zwei Unbekannte mit einem alkoholfreien Bier direkt hinter der Ziellinie empfangen haben. So viel Aufmunterung und UnterstĂĽtzung hatte ich nicht erwartet.

7. Im Freundeskreis

Freunde kramen in ihren Fotoarchiven und schicken mir Bilder, auf denen ich mich kaum selbst wiedererkenne. So sah ich aus? Warum hat denn keiner was gesagt?, geht mir da durch den Kopf. Die Fotos haben eins gemeinsam: Sie sind allesam sehr unvorteilhaft – beispielsweise im Neoprenanzug oder in der Badehose.

Wenn ich die Bilder sehe, bin ich geschockt, dass ich mal so fett war – und erleichtert, dass ich mich verändert habe. Mittlerweile erkennen mich meine besten Freunde nicht mehr. Bei einem Treffen vor ein paar Wochen schauten sie durch mich hindurch.

Erst als ich kurz vor ihnen stand, wurde ihnen bewusst, dass ich es war. Sie sagten: "Normalerweise wird es immer dunkel, wenn du kommst." Auch sie müssen sich erst an meine neue abgespeckte Silhouette gewöhnen.

Die Aktivitäten mit den Kumpels haben sich verändert. Anstatt auf dem Sofa oder in der Kneipe abzuhängen, gehen wir zusammen im Wald walken oder machen Radtouren.

8. Im Kino

Vorbei ist die Zeit, in der Kinositze meinen Hintern unbequem einquetschten. Es ist schön, dass der Sitznachbar nun keine Angst mehr haben, dass ich mich halb bei ihm oder ihr auf den Schoß setzen werde.

Generell muss ich mich an meinem Augenmaß arbeiten. Lücken, um die ich früher einen Bogen gemacht habe, weil ich mit dem Bauch hängengeblieben wäre, umgehe ich immer noch ab und zu. Und das, obwohl ich längst locker durchpassen würde.

9. In der Familie

Das Schönste am Dünnersein: Ich kann wieder mehr Kind sein – und mit meinem dreijährigen Sohn spielen. Zusammen mit ihm aktiv sein. Immer öfter nehme ich den Kleinen mit zum Walken und auf Radtouren.

Besonders schön für mich ist, dass ich mit ihm gemeinsam die Übungen bei der Physiotherapie ausüben kann. Bislang musste das immer die Physiotherapeutin machen. Er hat schon gefragt: "Wo ist dein Bauch?" Da sage ich immer: "Der ist weg und kommt hoffentlich nie wieder."

 

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