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Trainer Piet: "Micha befindet sich längst in einem Marathon"

Micha Klotzbier

Micha hat einen Traum: Berlin-Marathon 2016. Aber er ist – Stand Februar – noch übergewichtig und untrainiert. Sein Wille sagt: Das schaffe ich. Trainer Piet dagegen ist sehr skeptisch. Er findet: Micha könne seine Pläne auch ändern, wenn alles dagegen spricht. Das sei kein Zeichen von Schwäche – im Gegenteil.

Stagnation oder Entwicklung?

Es hakt bei Micha Klotzbier. Das Gewicht stagniert und er kommt bei der Frage nicht voran, ob er im Herbst den Berlin-Marathon laufen soll oder nicht. Doch es ist nur eine scheinbare Stagnation.

Tatsächlich aber gehört es dazu, sich mit Zweifeln auseinanderzusetzen, abzuwägen und auch zu hinterfragen, warum es vermeintlich nicht vorangeht. Dies gehört zu einem Prozess – auch zum „Klotzbier-Projekt", von 160 auf unter 100 Kilo abzuspecken und nach anderthalb Jahren einen Marathon zu laufen.

Abwägen, Rat einholen, sich mit Argumenten und Empfehlungen auseinanderzusetzen, Entscheidungen vorbereiten, finden und treffen – all das ist ja kein Stillstand, sondern Entwicklung.

Natürlich sollte das nicht endlos sein, ein ewiges Hin und Her. Sonst wird die Zerrissenheit, wie sie Micha bei der Ja- oder Nein-Frage für einen Marathon in diesem Jahr derzeit empfindet, zur Belastung. Eine Entscheidung treffen und diese dann selbstbewusst vertreten und leben, ist wichtig.

Für einen Marathon müssen viele Voraussetzungen stimmen

Wir von gotorun – Sporttherapeutin und Heilpraktikerin Diana Lehmann und ich – waren von Beginn an zurückhaltend bei Michas Idee, im Herbst 2016 einen Marathon zu laufen. Die Erfahrung, die wir mit vielen unseren Läufern machen, ist uns ein guter Lehrmeister. Oft gilt ein Marathon als Maß aller Dinge – obwohl die Voraussetzungen nicht stimmen.

Das Training für einen Marathon muss in einen Rahmen passen, in dem auch Familie, Job, Gesundheit, Spaß, soziale Kontakte Platz haben müssen. Füllen diese Faktoren den Rahmen, macht ein umfangreiches Training keinen Sinn, denn das Risiko ist zu groß, sich zu verletzten, zu scheitern, noch mehr Druck zu haben oder die Lust und den Spaß zu verlieren.

Job, Familie und die durch seinen Gang in die Öffentlichkeit verbundenen öffentlichen Auftritte sind für Micha bereits ein ordentliches Pensum. In den Alltag Bewegung zu integrieren, eine Fitnessroutine zu entwickeln und Spaß am Sport zu haben sowie die Ernährungsgewohnheiten zu ändern, um dauerhaft abzunehmen – das war zu Beginn das Ziel. Zu diesem Ursprung gilt es immer wieder zurückzukehren. Und Micha ist noch längst nicht da, wo er sein möchte. Er befindet sich längst in einem Marathon.

Natürlich ist es ein Wagnis, mit seinem Vorhaben derart in die Öffentlichkeit zu gehen, wie Micha es getan hat. Denn das erzeugt Aufmerksamkeit, Druck und Erwartungen. Tatsächlich aber ist Micha niemanden was schuldig außer sich selbst. Er schuldet sich einen verantwortungsvollen Umgang mit seiner Gesundheit und seinem Körper.

Es ist keine Schwäche, Ziele zu korrigieren

Keiner kann besser urteilen, ob er versagt hat, gut oder schlecht war, als Micha selbst. Denn auch wenn viele Leser und Außenstehende verfolgen, was er macht, so vermag niemand zu sagen, wie er sich fühlt, wie sehr ihn Frau und Kind und Job fordern, was ihn stresst oder belastet, freut oder motiviert.

All das beeinflusst unser Leistungsvermögen – positiv wie negativ. Insofern ist er selbst sein erster Ratgeber – dann folgen Ärzte, Trainer und Freunde.

Micha sieht sich selbst als Macher: Ein Mann, ein Wort! Er hat einen 42-Kilometer-Lauf angekündigt, also zieht er den auch durch. Das kann beeindrucken, muss aber nicht. Es ist keine Schwäche, Ziele zu korrigieren, wenn sie sich als nicht machbar erweisen oder die Zeit dafür nicht reif ist. Vielmehr erfordert es Mut und Stärke, zu verzichten und Ziele dem Machbaren anpassen.

Der Entschluss, etwas in seinem Leben ändern zu wollen, muss nicht bei mehr Sport und bewusster Ernährung aufhören. Aufgrund neuer Erfahrungen und Situationen Herangehensweisen zu ändern und damit vielleicht auch eine völlige neue Seite zu zeigen, kann Teil und Ergebnis dieses Prozesses sein.

Daher sehe ich überhaupt keine Gefahr, dass mit einer möglichen Verschiebung des Marathons auf einen späteren Zeitpunkt Motivation verloren geht – so wie Micha es befürchtet.

Zum einen ändert sich nichts am ursprünglichen Ziel, mit Spaß mehr Bewegung, Sport, ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise in den Alltag zu integrieren. Zum anderen bleibt es so was von spannend, wie sich Training und Gewicht weiterentwickeln, was Zielkorrekturen und Entscheidungen bewirken, wie Reaktionen ausfallen, dass Micha vor Neugierde platzen müsste.

Neugierig bleiben auf das was kommt und passiert, ist eine tolle Triebfeder.

10 Dinge, die Micha in der jetzigen Situation tun sollte:

1.) weiter kontinuierlich und regelmäßig trainieren
2.) für mehr Vielfalt im Training sorgen – durch Kräftigung, Schwimmen, Radfahren, Laufen
3.) Trainingserlebnisse teilen: mit Partnern trainieren, zum Gruppentraining kommen
4.) sportliche Zwischenziele für das Frühjahr finden – 2-3 kleine Laufveranstaltungen
5.) mehr Disziplin für Kräftigungstraining entwickeln, denn das ist die Voraussetzung für den nächsten Schritt zum Laufen
6.) die Zerreißprobe, ob Marathon ja oder nein, bewusst als Herausforderung annehmen
7.) sich seine ursprünglichen Ziele immer wieder bewusst machen – und illustrieren
8.) weiter Essgewohnheiten überprüfen und bestenfalls protokollieren
9.) „Fallen" im Ernährungsumfeld entfernen: Süßigkeiten im Büro, Schokoladen-Nester im Schrank
10.) Lebensmittel-Checkup in der eigenen Küche. Zunächst: alles, was viel Zucker hat, raus.

 

Der Autor: Früher war Piet Könnicke selbst erfolgreicher Läufer, unter anderem mit einer Halbmarathon-Bestzeit von 63:40 Minuten.

Heute macht er gemeinsam mit den Trainern von gotorun.de Freizeitläufer fit. Er betreut Micha auf seinem gesunden Weg zum Marathon.

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