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Micha: Soll ich Marathon laufen oder nicht?

Micha Klotzbier

Die Zeit wird knapp: Zwar hat Micha Klotzbier in einem Jahr 50 Kilo abgespeckt. Aber er bringt noch immer 110 Kilo auf die Waage und ist untrainiert. Kann er seinen Traum vom Berlin-Marathon in diesem Jahr trotzdem realisieren? Hier listet er Pro und Contra auf.

Acht Monate habe ich noch. Dann fällt der Startschuss zum Berlin-Marathon 2016 – mein großes Ziel. Als ich vor einem Jahr mit 160 Kilo zum Arzt gegangen bin und ihm erzählt habe, was ich vorhabe – nämlich einen Marathon laufen –, hat er mich angeguckt, als wäre ich ein totaler Volltrottel. Vielleicht war ich wirklich zu naiv, aber manchmal ist Naivität auch förderlich – fürs Abnehmen war es das zumindest.

Das sagt Michas Arzt Fernando Dimeo" data-autoplay="">

Derzeit liege ich bei rund 110 Kilo. Im ersten halben Jahr fielen die Pfunde gefühlt sekündlich. Nach acht Monaten war ich 50 Kilo leichter, aber seit Oktober komme ich nicht weiter runter. Doch die Zeit drängt. Für den Marathon wollte ich mich eigentlich auf ein Kampfgewicht von maximal 100 Kilo runterbringen. Besser wären 90.

Die Sache ist: Ich kann mich nicht entscheiden. Soll ich Marathon laufen oder nicht? Falls ja, muss ich jetzt schon in den Abnehm-Endspurt gehen, dann ein Crashkurs-Marathontraining absolvieren und hoffen, nein beten, dass ich lebend im Ziel ankomme. Falls nicht, fehlt mir mein großes Ziel – ich weiß nicht, ob ich dann überhaupt motiviert bin weiter abzunehmen.

Was soll ich tun? Meine Pro-und-Contra-Liste Marathon:

Motivation: Notaufnahme oder Zieleinlauf?

Pro: Traum Zieleinlauf

Die Visualisierung meines Traums Marathon hat mich unheimlich motiviert. Bei dem Gedanken daran, nach 42,195 Kilometern jubelnd und mit erhobenen Hauptes ins Ziel zu laufen, kriege ich schon jetzt Gänsehaut. "Ich bin einen Marathon gelaufen." Dieser Satz würde mir sehr viel bedeuten, nach all dem, was ich durchgemacht habe.

Es soll das berauschende Happy End meiner Geschichte werden: "Früher: 160 Kilo, kann sich seine Schuhe nicht zu binden. Heute: 90 Kilo, hat einen Marathon absolviert."

Contra: Alptraum Notaufnahme

Keiner weiß, ob mein erster Marathon mit dem Zieleinlauf endet. Wenn ich heil ankäme, wäre das schon ein Erfolg, aber was ist, wenn ich auf halben Weg zusammenbreche? Was, wenn ich gar langfristige gesundheitliche Probleme mitnehme?

Knieprobleme, die danach chronisch werden, so dass ich gar keinen Sport mehr ausüben kann? Was, wenn ich nicht jubelnd durchs Ziel laufe, sondern mit dem Krankenwagen in die Notaufnahme gefahren werde? Wie geht's mir, wenn ich nicht finishe?

Dann denke ich wieder: 2017 ist auch noch Marathon.

Trainingsstand: Bauchgefühl oder Vernunft?

Pro: Zieh dein Ding durch

Mein Trainer Piet, mein Arzt Fernando, meine Kollegen – sie alle sind skeptisch, dass ich in der Lage bin, einen Marathon zu absolvieren. Meine derzeitige körperliche und sportliche Verfassung lässt auch keinen anderen Schluss zu. Sie sagen: Lass es lieber, denk langfristig und peile den Marathon 2017 an.

Klug wäre es, auf sie zu hören, denn die Argumente sind stichhaltig – aber auch die größten Experten wissen nicht alles: Niemand von ihnen hätte gedacht, dass ich in acht Monaten 50 Kilo abnehmen könnte. Wenn ich DAS geschafft habe, warum sollte mir kein Marathon gelingen?

Es wäre cool, allen Skeptikern zu zeigen, dass es möglich ist. Trainieren kann ich, verzichten auch. Vielleicht bin ich am effektivsten, wenn ich einen Tunnelblick habe. Ein Teil in mir sagt deshalb: Ziele die ich mir stecke, erreiche ich auch! Ich will, ich kann, ich tue es!

Contra: Sei vernünftig

Sicher ist eins: Ich bin alles andere als in Marathon-Form. Bislang bin ich nicht einmal im Lauf-Training. Ich walke, "bounce"  und jogge – auf dem Crosstrainer. Trainer und Arzt verbieten mir das richtige Laufen. Die Gelenke. Ab und zu, wenn ich gut drauf bin, laufe ich natürlich trotzdem schon – heimlich. Noch hält alles.

Fakt ist: Der Marathon ist kein Spaziergang. Für eine ordentliche Vorbereitung benötigt man mindestens ein Jahr – das gilt für Menschen ohne Gewichtsprobleme. Ich bin übergewichtig und untrainiert.

Wie soll jemand wie ich 42,195 Kilometer am Stück gesund hinter sich bringen? Das ist nahezu unmöglich. Wenn man eins (übergewichtig) und eins (untrainiert) zusammenzählen kann, weiß man: Marathon ist eine Schnapsidee. Vergiss es. Zumindest für 2016.

Anerkennung: Inspiration oder Größenwahn?

Pro: Sei Inspiration für andere

Ich habe meine eigenen Erwartungen übertroffen, habe Leute inspiriert mit meinem Abnehmerfolg. Ich bin stolz auf meine Leistung, dankbar für das positive Feedback von allen Seiten und froh über die Entscheidung, an die Öffentlicheit gegangen zu sein. Ich wusste, das würde mir helfen. Die Anerkennung von außen hat mich beflügelt, sie hat mich in meinem Selbstbewusstsein gestärkt.

Doch wo Anerkennung ist, ist auch Druck. Freunde und Bekannte haben sich meinetwegen zum Berlin-Marathon angemeldet. Sportpartner treiben mich an, dass ich das "Ding durchziehe". Sie sagen: "Jetzt oder nie." Ich will sie nicht enttäuschen, ich will mich nicht enttäuschen. Ein Teil in mir sagt: Du darfst dich nicht abbringen lassen von deinem Weg. Du machst das Unmöglich möglich und verschiebst die Grenzen. Wer wahre Größe zeigen will, darf nicht zweifeln.

Contra: Sei nicht größenwahnsinnig

Es gibt einen Unterschied zwischen positivem Denken und Größenwahn. Wenn ich den Marathon absage, wird es keinen Shitstorm im Netz geben. Klar, es gibt sicher Leute, die enttäuscht sein werden, aber keiner meiner Freunde wird schockiert oder sauer sein, dass ich nicht antrete.

Alle, die einen gesunden Menschenverstand haben, werden es verstehen. Und die, die es nicht tun – auf die kann ich verzichten. Also, doch kein Marathon dieses Jahr?

Mein Fazit: Ich weiß es nicht

Ich bin immer noch zerrissen. Mein Wunsch, den Marathon zu laufen ist riesig, die rationalen Argumente sprechen eher dagegen. Natürlich will ich gesund bleiben, aber ich will auch glücklich sein. Ich wusste immer: Der Marathon wird schwer. Was ich nicht ahnte: Dass die Entscheidung, ob man einen Marathon laufen soll oder nicht, so schwer sein würde.

 

So stimmten Achilles- und SPON-Leser ab:

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