AOK Heldenstaffel: Lauf rund um den MĂĽggelturm

Am vergangenen Sonntag bin ich die zweite Heldenstaffel der AOK Nordost mitgelaufen - und es war wie im letzten November – etwas ganz Besonderes. Wir waren beim "Lauf rund um den Müggelturm" dabei. Es waren nicht die Strecke, nicht die Zeit, nicht das Wetter, die mich beschäftigt haben, sondern meine Staffel-Team-Läufer, die mich diesmal begleitet haben.

Thomas, ein Laufkollege mit Down-Syndrom in meinem Alter und über 14 Mitläufer mit Handicap, die in den Lichtenberger Werkstätten für Behinderte arbeiten, haben diesen Lauf zu etwas ganz Besonderem gemacht.

"Ein Lauf, bei dem ich Demut und Dankbarkeit lernen konnte"

Während ich jedes Wochenende an einer Laufveranstaltung teilnehmen könnte, mit meinem Gewicht hadere und auch sonst immer mal wieder die "Drama Queen" raushängen lasse, obwohl alles gar nicht so schlimm ist, wie es auszusehen scheint, war es für Thomas und die anderen Helden heute ein Highlight und SIE waren es, die es auch zu einem Highlight für mich gemacht haben.

Es war zwar kalt, aber zum GlĂĽck ohne Regen, aber eigentlich war das auch egal: Es war eine unverkrampfte, heitere Stimmung und auch herrlich unkompliziert. Thomas und alle anderen waren einfach nur herzlich! Ganz klar: Es sind nicht die Menschen mit Handicap, die Probleme mit ihrem Handicap haben, sondern es sind die "normalen" Menschen, wie ich, die unsicher sind.

Es kam nicht darauf an, ob das Trikot richtig sitzt oder wie man aussieht, auch nicht welche Zeit man heute rennen will. FĂĽr mich war es ein Lauf, an dem ich wieder mal Respekt, Demut und Dankbarkeit lernen konnte. Wir hatten alle zusammen SpaĂź und ein gemeinsames Ziel: 5 km zusammen zu laufen.

Die persönlichen Gespräche mit jedem einzelnen haben mir gezeigt, dass es eigentlich gar kein Problem ist, ob man 80, 90 oder 110 Kilo wiegt. Ich habe auch erfahren, dass meine "Probleme" relativ gesehen gar keine Herausforderungen sind, wenn ich sehe mit wie viel Freude Thomas mit mir und Jörg, seinem Begleiter aus unserer gotorun-Laufgruppe, diesen Lauf vom Start bis ins Ziel genossen hat.

Für ihn und auch die anderen Helden ist es eben nicht selbstverständlich, sich für einen Lauf anzumelden, die Startgebühren zu bezahlen, dort hinzufahren, die Startnummer anzuheften und dann loszulaufen. Er ist auf die Hilfe seiner Familie und Freunde angewiesen.

Selbst, dass er nach der Hälfte des Laufes über eine Wurzel gestürzt ist, konnte seinem sonnigen Gemüt nichts anhaben. Jörg und ich haben ihn aufgerichtet und schon lief Thomas weiter, ohne zu jammern.

(Alle Fotos: goturun)

"Ich habe ein Gewichtsproblem, aber kein Problem von Gewicht"

Am Start waren alle wie wild losgerannt. Da ich derzeit faste und auch mit Thomas und Jörg laufen wollte, haben ich es langsam angehen lassen. So nach und nach haben wir dann einige andere Helden eingeholt.

Bei den Erzählungen von Jörg, dessen Tochter ebenfalls Down-Syndrom hat, konnte ich während des Laufes viel von der Laufgruppe 21 erfahren. Wie aufwändig es ist, solch eine Laufgruppe zu organisieren, da es eine Eins-zu-Eins-Betreuung geben muss. Während der 5 km wurde mir klar, dass ich ein Gewichtsproblem haben mag, aber kein Problem von Gewicht.

Im Ziel haben sich alle Helden miteinander gefreut und wir haben gewartet bis auch der letzte Held mit Applaus und Jubel empfangen wurde. So kann es eben auch laufen. Wir waren ein Team und konnten unterschiedlicher nicht sein.

Ein Held ist ohne Abklatschen, direkt durchs Ziel gelaufen: "Leute, ich muss auf die Toilette bis gleich!" Alle mussten lachen und haben ihn anschlieĂźend herzlich abgeklatscht.

Diesen Lauf werde ich nicht vergessen.

Ganz im Gegenteil, es war ein sehr schöner Lauf mit tollen Helden, der mich mal wieder auf den Boden der Tatsachen geholt und mir gezeigt hat, dass man insgesamt mehr Dankbarkeit und Demut haben sollte und sich nicht ständig vergleichen und nach noch mehr, noch schlanker, noch höher, schneller weiter streben, sondern einfach mal zufrieden sein darf.

 

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