AOK-Heldenstaffel: Laufen für die LöwenKinder

Geschrieben von: Piet Könnicke

Manchmal finden sich beim Laufen Menschen, die ein besonderes Schicksal teilen. So wie bei der AOK-Heldenstaffel, einer Initiative von AOK Nordost, gotorun.de und Micha Klotzbier. Dieses Mal lief die Staffel beim Lauf ohne Grenzen gemeinsam mit den LöwenKindern.

Wenn Wibke läuft, fühlt sie sich frei und glücklich „und hinterher unglaublich leicht, fast schwerelos“, sagt sie. Auch wenn es Mitte Juli beim Lauf ohne Grenzen von Slubice nach Frankfurt (Oder) und zurück nur die letzten 600 Meter des Drittelmarathons waren, empfand sie Glück und Dankbarkeit.

Die 19-Jährige lief in der AOK-Heldenstaffel, die nach dem Berliner Müggelturm, dem Potsdamer Schlösserlauf und der Firmenstaffel in Brandenburg (Havel) bereits zum vierten Mal in diesem Jahr in eine Laufveranstaltung integriert wurde.

Beim Lauf ohne Grenzen wurde durch die Heldenstaffeln auf die LöwenKinder aufmerksam gemacht, einem Frankfurter Kompetenznetzwerk für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die an schweren oder lebensverkürzenden Erkrankungen leiden.

Wibke hat den Verein im vergangenen Jahr kennengelernt, „deshalb wollte ich unbedingt mitlaufen“, sagt sie. Die Geschichten der LöwenKinder hätten sie ungemein berührt, sodass es ihr ein besonderes Anliegen war, mit betroffenen Jugendlichen oder deren Angehörigen in einer Staffel zu laufen.

"Laufen ist wie ein Ventil"

Doch ist die junge Frau selbst dabei, sich ins Leben zurück zu kämpfen und schwere Schicksalsschläge zu verarbeiten. In kurzer Zeit verlor sie zwei Familienangehörige auf tragische Weise, sie litt körperlich und psychisch, Leistungsdruck und schlechtes Gerede setzten ihr zu. „Laufen wirkt bei mir wie ein Ventil, durch das ich immer wieder alles Negative aus meinem Leben schaffen konnte“, sagt sie.

Laurin Wendland weiß genau was sie meint. Sport hat bei seinem Weg zurück ins Leben „eine sehr große Rolle gespielt“, sagt der 16-Jährige. Als er 13 war, erkrankte er an Lymphdrüsenkrebs. „Zunächst dachte ich, es sei eine Erkältung, als mein Hals dick wurde“, erzählt er.

Die Ärzte seien etwas ratlos gewesen, bis eine Biopsie zur Diagnose „Krebs“ führte. „Ich konnte damit gar nicht so viel anfangen“, sagt er, „meine erste Frage war, wann ich wieder Sport machen kann“, so der leidenschaftliche Basketballspieler. „Ich glaube, meine Eltern hat es mehr belastet als mich, weil sie wussten, was auf uns zukommt“, sagt Laurin.

„Ich war wie vor den Kopf geschlagen, hätte nie gedacht, dass es Krebs sein könnte“, sagte sein Vater Lars Wendland. Laurins älterer Bruder Florian wollte es nicht wahrhaben. „Warum er und nicht ich?“, habe er sich gefragt.

Sechs Monte Chemotherapie durchlitt Laurin, anderthalb Jahre lang musste er Tabletten nehmen. Dreimal in der Woche fuhr sein Bruder von Frankfurt nach Berlin, um Laurin im Krankenhaus zu besuchen.

„Viel geredet haben wir da nicht. Aber auf dem Flur stand ein Tischkicker, da haben wir immer gespielt und Spaß gehabt. Das genügte, um uns auch ohne Worte zu verstehen“, erinnert sich Florian. Es sei auch für ihn eine schwierige Zeit gewesen. „Ich begann mehr Sport als zuvor zu treiben, machte beim Basketball extra Trainingseinheiten, um Wut abzulassen“, erzählt er.

"Irgendwie muss es doch weitergehen"

Für Lars Wendland verband sich das Schicksal seines Sohnes mit einem anderen. Im Mai 2014 musste das von einer Stiftung geführte Kinderhospiz in Frankfurt (Oder) aufgeben. „Ich dachte, dass es doch irgendwie weitergehen muss“, sagt der 44-Jährige.

Er bekam Unterstützung von der freien Wohlfahrtshilfe, fand Sponsoren und Förderer und gründete im März 2015 den Verein „LöwenKinder“. Inzwischen werden dort 60 Familien betreut: Sie bekommen neben Trost und Rat auch praktische Hilfen und Betreuung der kranken Kinder.

So wie Melanie (26) und David Drunk (29.). Deren jüngere Schwester ist ein LöwenKind. Sie leidet an Tumoren im Gehirn, von Geburt an. „Wir sind als Geschwister mit der Krankheit aufgewachsen und haben daher keine Berührungsängste“, sagt Melanie Drunck.

Doch helfe auch ihr das Laufen, sich von Sorgen freizumachen und Ausgleich zu finden. Ihr Bruder David sei weniger laufbegeistert, doch mit der Heldenstaffel unterwegs zu sein, war ihm wichtig.

„Unsere Schwester ist oft bei den Löwenkindern und hat dort viel Spaß“, meint er. „Daher ist es schön, wenn wir als Geschwister hier in der Heldenstaffel laufen und etwas zurückgeben können.“

 

Zur AOK-Heldenstaffel:

Vorbild und auch Gesicht der Heldenstaffeln ist Michael Klotzbier. Er hat nach einer Wette innerhalb von zwei Jahren fast 60 Kilogramm abgenommen, um 2016 an seinem 37. Geburtstag den Marathon in Berlin zu laufen.

Unterstützt wurde er bei diesem Vorhaben von vielen Menschen, die sein Training und auch seine Rückschläge in seinem Online-Blog verfolgt haben. Bei Volksläufen traf er immer wieder interessierte Läufer, die ihm ihre eigene Geschichte erzählten, sodass ihm bewusst wurde: "So wie mir geht es vielen Menschen."

Es entstand die Idee, gemeinsam mit der AOK Nordost andere Menschen zu finden, die Bemerkenswertes in ihrem Leben geschafft haben und mit ihnen gemeinsam bei Laufveranstaltungen als "AOK-Heldenstaffel" an den Start zu gehen.

Melanie und David Drunks jüngere Schwester ist ein LöwenKind. Sie leidet an Tumoren im Gehirn, von Geburt an (Foto: Piet Könnicke).

 

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