AOK-Heldenstaffel: Self-Made-Athlet steht wieder auf

Vor einem Jahr feierte die AOK-Heldenstaffel mit Micha Klotzbier ihre Premiere.  Beim Frankfurt-Marathon am 29. Oktober 2017 wird es jetzt erstmals zwei Heldenstaffeln geben: Die AOK Nordost und Micha Klotzbier schicken LĂ€ufer auf die Strecke, die bei ihrem Kampf gegen Herausforderungen und Lebenskrisen das Laufen als wichtige Motivation und Begleiter entdeckt haben.

„Der Esslinger MarathonlĂ€ufer Steffen HĂ€ntzschel hat ein großes Ziel: ‚Ich will fĂŒr Deutschland laufen.‘“ So begann vor neun Jahren ein Beitrag auf dem Laufportal von „German Road Race“ ĂŒber einen damals 26 Jahre alten MarathonlĂ€ufer.

Er hatte 2008 mit Siegen beim Schwarzwald- und Ermstal-Marathon auf sich aufmerksam gemacht, ein Jahr spĂ€ter lief er beim Frankfurt-Marathon unter 2:30 Stunden. Der Self-Made-Athlet, der sich seine TrainingsplĂ€ne selbst austĂŒftelte und seinen Wettkampfkalender nach eigenem Befinden kreierte, hatte große PlĂ€ne. Eine Zeit von 2:15 Stunden ĂŒber die 42 Kilometer hielt er fĂŒr machbar.

Traum von der Europameisterschaft

Steffen galt schon lange als begabt. In der Schule, als SechstklĂ€ssler, fiel sein Lauftalent das erste Mal auf, als er die 1000 Meter unter drei Minuten lief. Aber erst mit 21 begann er, ernsthaft und regelmĂ€ĂŸig zu trainieren und den therapeutischen Wert des Laufens zu entdecken: „Ich konnte beim Laufen meinen Unfall verarbeiten, bei dem ich mein linkes Augenlicht komplett verlor.“

Als er 2009 beim Frankfurt-Marathon als drittbester Deutscher in die Festhalle einlief, noch vor 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann, begann er von den Europameisterschaften 2010 zu trĂ€umen. „Heute weiß ich, dass das Ziel und vor allem der Preis viel zu hoch waren“, sagt der inzwischen 35-jĂ€hrige IT-Berater aus Stuttgart.

"Die ersten Schritte waren eine Befreiung"

Hinter ihm liegt ein schmerzhafter Weg. FĂŒr sein Ziel schraubte er das Trainingspensum höher und höher, lief mehr als 200 Kilometer in der Woche. Viel Training, aber wenig Regeneration – das MissverhĂ€ltnis sollte sich rĂ€chen: „Ich wollte mehr, habe aber nie auf meinen Körper gehört“. Der Körper sagte 2011 Stopp. Beide HĂŒften waren kaputt, „mein Alltag war geprĂ€gt von Schmerzen“, erzĂ€hlt Steffen. „Ich konnte nicht liegen, nicht sitzen. Gehen war eine Qual.“

Es folgten Operationen, der LĂ€ufer stĂŒrzte in eine tiefe Lebenskrise, fand lange Zeit nicht die richtigen Ärzte: „Keiner hat sich so richtig ran getraut“, sagt er. Erst in diesem FrĂŒhjahr fĂŒhlte er sich in den richtigen medizinischen HĂ€nden, ließ sich erneut operieren. Mit Erfolg. Steffen begann wieder zu laufen. „Die ersten Schritte, der erste geschaffte Kilometer waren wie eine Befreiung. Unbeschreiblich.“ Heute lĂ€uft er wieder schmerzfrei.

"Laufen ist wie Therapie"

Jetzt, im Herbst 2017, nach sechs Jahren schmerzhafter QuĂ€lerei, sieht der 35-JĂ€hrige sich am Ende seines Leidenswegs: „Ich war mal LĂ€ufer. Und darf mich wieder so bezeichnen.“ Dreimal in der Woche geht er laufen, 20 Kilometer sind ohne Probleme und vor allem ohne Schmerzen machbar.

Auf seinen frĂŒheren Ehrgeiz und Anspruch schaut Steffen heute sehr kritisch zurĂŒck: „Im Nachhinein war es ein großer Fehler, es so ĂŒbertrieben zu haben.“ Doch den viel grĂ¶ĂŸeren Benefit des Laufens spĂŒrt er wieder - oder nach wie vor. „Laufen ist fĂŒr mich immer wieder Erdung. Wie eine Therapie und Medizin im Alltag, die von jetzt auf gleich wirkt“, sagt er. „Jetzt, wo ich es wiederhabe, merke ich, wie sehr es mir gefehlt hat.“

ZurĂŒck zum Frankfurt-Marathon

Und kĂŒnftige Ambitionen? Der zweifache Familienvater: „Ich will mit meinen Kindern bei einem Marathon ins Ziel laufen.“

Am 29. Oktober wird Steffen zurĂŒck kehren zum Frankfurt-Marathon – mit der AOK-Heldenstaffel, in der er mit anderen LĂ€ufern unterwegs ist, die sich gleichfalls aus einer Lebenskrise befreit haben. Er wird wieder in die Festhalle einlaufen – diesmal mit ganz anderen GefĂŒhlen.

 

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