Achim Achilles

AchillesÂŽ Verse: Achim im Schwimmtrainingslager (2/2) – RĂŒcken braucht kein Mensch

Achim vor Sprung ins Schwimmbecken

Schwimmen ist ja so gesund, dachte sich Ausdauer-Experte Achim Achilles und buchte leichtsinnigerweise ein Schwimm-Trainingslager. Fazit: Unbedingt Kleidung mit Reißverschluss mit nehmen. Denn spĂ€testens am zweiten Tag wollen die Arme sich nicht mehr heben lassen. Teil 2 des unterhaltsamen Martyriums.

Mein Sohn stiehlt mir die Show

Training auf nĂŒchternen Magen ist ja eines von vielen Erfolgsgeheimnissen jener Topsportler, zu denen ich nie gehören wollte. Zum GlĂŒck liegt der pikante Wurstsalat vom Abendessen noch quer wie ein T-TrĂ€ger im Verdauungstrakt. Hans, mein zehnjĂ€hriger Sohn, hatte sich bereits 200 Meter eingeschwommen als ich mich endlich von der warmen Dusche losreiße.

Die anderen Teilnehmer des Schwimmtrainingslagers machen bereits spitze Bemerkungen ĂŒber den flinken Jungen und seinen irgendwie anders begabten Vater. Und das Kind genießt es auch noch, seinen ErnĂ€hrer durch freches Grinsen und gelungene Rollwenden öffentlich zu demĂŒtigen.

Wo gestern Arme waren, hĂ€ngen heute zwei Eisenröhren, die sich weder heben noch knicken lassen. Denkbar schlechte Voraussetzung fĂŒrs Schwimmen. Gut, dass man durch die verklebten Lider nichts sieht.

Heute morgen ist RĂŒckenschwimmen angesagt. RĂŒcken braucht kein Mensch. Nach dem dritten schmerzhaften Patschen der Hand auf den Beckenrand weiß ich immerhin, dass zwischen den FĂ€hnchen ĂŒber der Bahn und dem Ende des Beckens nicht mehr so viel Platz ist. Nur noch 76 Minuten.

Hans wird zum widerholten Mal gelobt, wĂ€hrend die Gruppe auf meine Ankunft wartet. Ein guter Hecht schwimmt nicht schneller als er muss, RĂŒcken schon gar nicht. Hoffi und Lara, die beiden erschreckend jungen Trainer, sind sportlich erfolgreich, durchtrainiert und gucken höflich-mitleidig.

Nach der MorgenquÀlerei dann Laufen

Warum tun sie alten Menschen 3x800 Meter an? Da ist doch mit den eigenen Eltern was schiefgelaufen. Etwas mehr Respekt vor der Generation Werner Lampe bitte. „Nur noch zwei Trainingseinheiten heute“, grient Hoffi wĂ€hrend mich zwei Sportsfreunde aus dem Becken ziehen, „die eine ganz locker, nur Technik.“

Wie zum Teufel kann etwas locker sein, das man nicht beherrscht?

Nach dem FrĂŒhstĂŒcks-Wurstsalat zur Entspannung erst mal laufen, 8 Kilometer um den Wutzsee. Total locker natĂŒrlich, flunkern alle, und rennen dann weg. Gut so. Kaffee, Quark, RĂŒhrei, die KĂ€seauswahl, eine Alibi-Kiwi und ein dramatischer Chlorspiegel brauen sich im Magen zu Hochtoxischem zusammen.

Die Lauferei hat einen Ă€hnlichen Effekt wie das SchĂŒtteln eines Reagenzglas mit TNT drin. Brandenburgs Einsamkeit hat auch seine VorzĂŒge.

Schullandheim-AtmosphÀre: Essen satt

Endlich Mittagessen, Sportschulen-Cuisine, mit einem Pfiff Deftigem. NatĂŒrlich haben die vegan-verwöhnten GroßstĂ€dter wieder was zu maulen, weil zu wenig Quinoa geboten wird. Sportschule und Schweinemast funktionieren nun mal nach sehr Ă€hnlichen Prinzipien.

Darf nichts kosten, muss viel sein und sattmachen. Abfertigung in Schichten. Vor uns eine Rotte Hamburger Triabolos, stylisch vorn: die MĂ€nner mit Haarknubbeln, Frauen mit Text-Tattoos auf den Oberschenkelvorderseiten, alle nett und hirntot.

Nach uns eine Horde Judo-Kampfrichter, nicht ganz austrainiert, dafĂŒr entschlossener Schiri-Blick. Zwischendrin eine Walkinggruppe aus Pankow sowie ein paar wasserfest geschminkte Jazzdance-Damen, die frĂŒher sicher rĂŒbergelĂ€chelt hĂ€tten.

Aber der Ranzgeruch von Schwimmbad und feuchtwarmer Kunstfaser sowie die gekrÀuselte Körperhaltung scheinen keinerlei Aussicht auf einen hotten Sportschulenflirt zu versprechen.

Beide HĂ€nde im Essen. Der Kalorienbedarf ist immens. Denn am Nachmittag gehtÂŽs gleich wieder ins Becken, mit vollem Bauch Schwimmtechnik, was eine anderes Wort ist fĂŒr unzĂ€hlige 50 Meter-Bahnen verzwiefleten Kampfes gegens das Absaufen.

MĂŒde bin ich, geh' zur Ruh'

Dann StabilisationsĂŒbungen fĂŒr alle Körperteile, die noch nicht wehtun, schließlich abends noch mal zwei Stunden Schwimmen, ganz entspannt wie die Trainer betonen, dafĂŒr ein bisschen mehr Strecke. WĂŒrde gern im OrthopĂ€diefachgeschĂ€ft zwei neue Arme erwerben.

21.30 Uhr. Zeit fĂŒrs Abendprogramm. Die Bowlingbahn ist von den Hamburgern besetzt. Die Luschen. Wer jetzt noch eine Kugel heben kann oder ein Bier, der hat nicht hart genug trainiert. Wir vergnĂŒgen uns mit leerem Starren in Alkoholfreies bis wir sitzend einnicken.

Vor dem Schlafengehen meldet die Polar fast 400 Prozent meines normalen Tagesprogramms – kein Witz. Das Bett ist gemĂŒtliche 60 Zentimeter breit, dafĂŒr kaum lĂ€nger als ein Wookie. Der Matratzenschonbezug aus Plastik knistert ein sanftes Schlaflied.

Hans schnarcht leise. Um 2.32 Uhr schaue ich das letzte Mal vor dem Einschlafen auf die Uhr. Um 2.47h das erste Mal nach dem Aufwachen. Sehr erholsam. Woran denke ich mal als erstes? Die schmerzende Schulter? Den aufziehenden Krampf? Das Training in vier Stunden? Oder Wurstsalat, herzhaft?

Hat jemand Ersatzarme fĂŒr mich?

Um 7 Uhr immerhin meine Lieblingseinheit: 50 Meter volle Pulle, dann raus aus dem Wasser und LiegestĂŒtz, am anderen Ende Kniebeugen. Wer die Treppe nimmt, ist eine Uschi. Wer die Treppe nicht nimmt, knallt mit dem Kinn auf den Beckenrand, weil die Arme nicht aufstĂŒtzen wollen. Ich werde wie ein Quastenflosser in die Dusche robben.

Zum GlĂŒck habe ich Sachen mit Reißverschluss dabei. Über Kopf geht nichts mehr. Auffallend ausgiebig befasse ich mich mit den Strippen an der Schwimmbrille; aufs Klo könnte man auch mal wieder. Profis bringen extra brĂŒchige BademĂŒtzen, Jahrgang 2012 mit. Da hat man auch immer was zu Fummeln was vorm Schwimmen schĂŒtzt.

„Irgendwann ist der Kopf ganz leer“, stellt eine Sportskameradin fest. Ich stiere sie regungslos an. Wer, wo, was, warum bin ich? Ist das jetzt schon Erleuchtung? Armer Dalai Lama.

Hans will nach dem FrĂŒhstĂŒck Tischtennis spielen. Im Prinzip gern. Aber wer hĂ€lt den SchlĂ€ger? Außerdem ist noch Laufen und Stabis und Basketball.

Sonntagnachmittag. Halleluja, endlich geschafft. Jetzt sechs Wochen Pause, damit vom Trainingseffekt auch garantiert nichts bleibt. Und dann machen wir das nÀchste Trainingslager, vielleicht was mit Rennrad.

 

Video "Finde deinen Sport": Schwimmen

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Zum Weiterlesen aus der Achim Achilles Bewegungsbibliothek:

Lecker Laufen: Einfache Rezepte fĂŒr hungrige Ausdauersportler. Das Beste aus AchillesÂŽ Lauf-Gourmet & neue Leckereien (Band 16)

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