Achim Achilles

Achilles' Verse: Ampelfieber bei LĂ€ufern

Geschrieben von: Achim Achilles
lĂ€ufer im straßenverkehr

Achim kĂŒmmert sich um die wirklich wichtigen Bewegungs- und Gesundheitsthemen. Heute: Wie verhalte ich mich als Jogger möglichst unpeinlich an Ampeln? Stretchen, hĂŒpfen, nur warten? Achim meint: Ein Ratgeberbuch muss her.

Die drei großen ungelösten Fragen der Menschheit lauten: Wer steckt im Don

ald-Trump-KostĂŒm? Besuchen Außerirdische die Erde nur, weil es hier die coolsten Sneaker gibt? Und wie um Himmels willen verhalten sich LĂ€ufer möglichst unpeinlich an roten FußgĂ€ngerampeln? FĂŒr erfahrene Sportsfreunde ist die Sache klar: Jede Sekunde Regeneration zĂ€hlt. Daher lĂ€ssig an den Ampelpfahl lehnen, um mit der Ein-Fingertechnik die Nase zu leeren.

Hektisches PulsuhrdrĂŒcken und verschĂ€rftes HĂŒpfen

Alle anderen bilden eine unselige Ampelkoalition, in der Hektik und Irrsinn herrschen. AnfÀnger wollen maximale Sportentschlossenheit demonstrieren, was im Wald eher schwierig ist, weil da kaum einer guckt.

Deswegen ist darstellendes Bewegen zur Hauptverkehrszeit beim Neu-Jogger so beliebt: Sollen alle sehen, wie hammerfit ich bin, vor allem die adipösen SUV-Piloten mit der Pappschachtel Donuts auf dem Beifahrersitz. Also verschĂ€rftes HĂŒpfen, Skippings oder Stretchen, was trainingstechnisch keinen Sinn macht, aber total aktiv aussieht.

Der Trainingsobsessive wiederum vertreibt sich die Wartezeit mit hektischem PulsuhrendrĂŒcken: Wo war noch mal die Stopptaste? WĂ€re ja eine Katastrophe, wenn 23 Sekunden Ampelwarten in die Gesamtzeit eingingen; versaut den Tagesschnitt total.

Und, oh Schreck, die 17 Facebook-Freunde werden die Pause als ein Zeichen von SchwÀche deuten.

Geht gar nicht: Trippeln auf der Stelle

Ganz oben in der Rangliste peinlichen Ampelverhaltens steht das Trippeln auf der Stelle. MarathonlÀufer kennen diese Strategie der sehr kleinen Schritte von der Warteschlange vorm Dixi-Klo.

LĂ€ufer ĂŒber 50 wiederum kennen gar nichts anderes mehr. Eine zunehmend steuerlose Blase beschert angehenden Senioren exakt zwei ZustĂ€nde: Gut 95 Prozent der Lebenszeit, vor allem nachts und beim Laufen, beherrscht wachsender Entleerungsdruck alles Denken und Handeln, dagegen stehen lĂ€ppische fĂŒnf Prozent wohltuenden ErleichterungsgefĂŒhls.

Das Leben ist ein langer, unruhiger Harnfluss. Angehende Inkontinenzkandidaten und AmpelhĂŒpfer ahnen: Trippeln hilft nichts, hĂ€lt aber die Beine wenigstens straff.

Ein Ratgeberbuch muss her

Und dann wĂ€ren da noch die RotlĂ€ufer, die das natĂŒrliche ÜberlegenheitsgefĂŒhl aller Freizeitsportler ausleben. Entweder mit diesem erhabenen Bessermenschenblick, von wegen: Ich entlaste das Gesundheitssystem, da wird man ja wohl mal kleinere VerkehrssĂŒnden begehen dĂŒrfen.

Oder mit dem Eh-alles-zu-spÀt-Gestus, also: Die paar Jahre, die mein Meniskusrest noch nicht vollstÀndig weg geschreddert ist, benehme ich mich halt wie der letzte Husten. Nichtmehrlaufenkönnen oder Knast, wo ist der Unterschied?

Wir fassen zusammen: Die Verhaltensunsicherheiten an der Ampel sind immens, umgehend muss ein Ratgeberbuch her. „Ampelstretching“ wĂ€re ein erfolgversprechender Titel, oder „Wartefitness fĂŒr Eilige“, vielleicht auch „Ampelfit ohne GerĂ€te (bis auf die Ampel)“. Fehlt nur noch „Ampel-Yoga fĂŒr Veganer“ und das kontrovers diskutierte „Rot ist fĂŒr Loser“.

Klare Sache: Wer warten muss, hat die GrĂŒnphase davor nicht geschafft. Der finale Geheimtipp: Einfach mehr Tempo trainieren

 

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