Achim Achilles

Achilles’ Verse: Von Studiohengsten und Mentalathleten

Geschrieben von: Achim Achilles

Und plötzlich ist der Lenz so nah, aber die FrĂŒhlingsform noch in weiter Ferne. Auf einmal stĂŒrmen die Warmwetter-LĂ€ufer wieder ins Freie und bevölkern die Geh- und Laufwege. Achim Achilles hat acht Trainingstypen identifiziert.

Ach Du Schreck: Der FrĂŒhling scheint es ernst zu meinen. Nach dem Eis kommt die Matsche kommt ideales Laufwetter.

Wie grausam. Welche guten VorsÀtze hatte ich gleich noch mal gefasst? Und wie war das mit dieser Wette in der Silvesternacht, als ich voll des Schaumweins mit einem entfernten Bekannten per MÀnnerhandschlag ein Duell beim Berliner Halbmarathon verabredete?

Im April. Ich fĂŒhle mich verletzt.

Ich hoffe mal, dass meine Silvesterbekanntschaft den Halbmarathon vergessen hat. Mona kann sich nur noch erinnern, wie ich vor einem durchtrainierten Mittdreißiger mit Heldentaten aus der Jugend geprahlt hatte. Leider alternative facts. Zum Abschied hatte ich meinen neuen Freundfeind umarmt, um nicht umzufallen.

Er fĂŒhlte sich hart an; könnten Muskeln gewesen sein.

Und dann war da noch die Wette mit dem Kollegen Micha, der noch voll der Marathon-Endorphine mich beim Berliner Volkstriathlon plattzumachen verkĂŒndete. Der Verlierer darf sich die Initialen des Siegers an eine Körperstelle seiner Wahl tĂ€towieren lassen.

Toll. Vielleicht zĂ€hlt Henna auch? Oder Kugelschreiber? Mona weiß noch nichts davon; ich werde sie ĂŒberraschen. Selbstdiagnose: GroßmĂ€ulige AnkĂŒndigungen zum Jahresbeginn weisen auf Trumpismus im fortgeschrittenen Stadium hin.

Und jetzt? Ist wohl Training gefragt. Kein Entkommen. Aber nach welcher Methode? Hier die gelĂ€ufigsten Typen von FrĂŒhlingstrainierern. Scheitern inklusive.

Martin, der Mentalathlet

Ist besonders stark beim Planen. Verbringt die kĂŒhlen Monate mit dem Trendsport Heizkörperumarmen und sucht sich aus Fachzeitschriften die schönsten WettkĂ€mpfe des Jahres aus, dazu ambitionierte TrainingsplĂ€ne.

Weil er ErkĂ€ltungen fĂŒrchtet und StĂŒrze wegen glatten GelĂ€ufs, bleibt er ein Meister der Kopfreisen. Kleines Problem: Auch Anfang MĂ€rz immer noch ohne einen einzigen Trainingskilometer.

Olaf, der Optimierer

Hat im Winter statt Sport alles ĂŒber HIIT-Training, Faszien und Zeit-Management gelesen. Glaubt, dass er mit 15 optimierten Hochleistungsminuten pro Tag schneller, schlanker und schöner wird.

Ist seit Mitte Februar im Freiluft-Training, kennt alle ParkbĂ€nke der nĂ€heren Umgebung, verspĂŒrt aber außer Muskelkater und Sehnenreizung bislang keine positiven Körpersignale.

Vielleicht waren die Hanteln zu leicht. Einfach hÀrter trainieren, denkt er sich. Vorsichtshalber schon mal Termin beim Chiropraktiker gemacht.

Helmut, der Heimtrainierer

Hat Wohn- und Schlafzimmer zu einem Fitnessstudio umgebaut. Überall Matten, Hanteln, Bandagen, Schmerztabletten. Die Familie erwacht morgens kurz nach fĂŒnf vom Rauschen des WasserrudergerĂ€ts, das einen Hauch von Wedau ins Eigenheim zaubert.

Kurz darauf ein Aufschreis der verdammte RĂŒcken. Knistern von Pillenpackungen. Abends Stabilisierungsgymnastik statt Beischlaf. Zuvor zwei Stunden auf dem Rennradergometer, fĂŒr die Grundlagenausdauer. Die ausgelegten HandtĂŒcher saugen fast allen Schweiß auf. Fast. Die Bude riecht wie ein Pumagehege. Die Familie quartiert sich wochenweise bei Freunden ein.

Tim, der Trainingslagerist

Sonne, Urlaub, gute Laune. Tim hat eine Woche Kanaren gebucht, ein sĂŒndteures Rennrad im Flugzeug mitgenommen und die ersten beiden Tage tapfer gegen Wind und Berge angestrampelt.

Mittags erschöpft am Pool eingeschlafen; mit Monstersonnenbrand aufgewacht. Alles brennt, leichtes Fieber, der Kreislauf ruckelt. Immerhin: Toter Mann im Pool geht noch. Das schicke Rad wurde leider auf dem RĂŒckflug geschrottet.

Stefan, der Studiohengst

War ein Heimtrainierer, bis ihn seine Familie verlassen hat. Hat das Fitnessstudio zur neuen Heimat gemacht, verbringt jeden Morgen und Abend dort, gern im Bademantel. Trainiert nur, wenn Frauen zugucken; spannt dann am liebsten seine Waden vorm Spiegel an. FĂŒrchtet den Moment, wenn er wieder ins Freie muss. Da sind keine Spiegel.

Hans, der Hektiker

Glaubt die Versprechen der Fachzeitschriften und absolviert das Wunderprogramm: „In 14 Tagen zum Halbmarathon“. Trifft im Wartezimmer des Chiropraktikers den Optimierer.

Phil, der Phlegmatiker

Glaubte ĂŒber Jahre die Versprechen der Fachzeitschriften und absolviert nun sein eigenes Programm: „In 14 Monaten zum Halbmarathon“. Absolviert um Ostern rum einen Drei-Kilometer-Testtrab. Plant fĂŒr Pfingsten den nĂ€chsten. 2018 ist auch noch ein Jahr.

Ede, der Entspannte

Hat schon viele Winter durchlitten und kennt das grĂ¶ĂŸte Geheimnis ewiger Fitness: einfach immer weiterlaufen. Hat sich drei- bis viermal die Woche an die frische Luft begeben, Nieselregen gespĂŒrt, Schneeflocken mit der Zunge aufgefangen und Wildschweinspuren gelesen.

War eher vorsichtig als schnell unterwegs, aber regelmĂ€ĂŸig. FĂŒhlt sich pĂŒnktlich zu den steigenden Temperaturen fit genug, so langsam mit Tempoeinheiten zu beginnen. Ein kluger LĂ€ufer. Leider die Ausnahme.

 

Achim Achilles hat den richtigen Lauf-Trainingsplan fĂŒr die FrĂŒhlingsform. Kein Schnell-Schnell, sondern langsam zur Ausdauer.

 

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