Anna Achilles

Achilles‘ Verse: Lauf-Mantras fĂŒr den Halbmarathon

Geschrieben von: Frank Joung

Anfang April ist Anna Achilles Halbmarathon gelaufen. Ohne Lauf-Mantras wÀre das nicht gegangen. Ihr helfen die Verse, die sie sich vor und wÀhrend des Wettkampfs immer wieder aufsagen kann. Zur Beruhigung und zur Motivation.

Am Abend davor: „Entspann dich, es ist nur ein Lauf“

Habe ich durch meine ErkĂ€ltung zu viel Training verloren? HĂ€tte ich frĂŒher beginnen sollen? HĂ€rter trainieren? Diese Zweifel werden kommen. Aber, verdammt: Ein Halbmarathon ist keine K2-Besteigung. Es ist einfach nur Laufen. Völlig machbar. Außerdem: Keiner zwingt mich, diesen Halbmarathon zu laufen. Ich tue das fĂŒr mich. Kein Grund durchzudrehen.

Im Startblock: „Genieße es, du hast es dir verdient“

Ich habe seit Wochen auf diesen Moment hingearbeitet. Habe in Laufklamotten geschlafen, bin durch Schneeregen gestapft, habe Freunde mit meinem Trainingsplan genervt. Heute ist Schluss damit. Der Tag der Tage ist da. Ich habe es verdient, mich zu freuen. Außerdem, ich stehe hier, in Berlin, mit 29.999 anderen LaufverrĂŒckten. Die Innenstadt ist nur fĂŒr uns LĂ€ufer gesperrt. Keine Autos weit und breit. Und wir haben auch noch Publikum. Wie cool ist das denn?

Startschuss: „Langsam laufen“

Der typische AnfĂ€ngerfehler: zu schnell losrennen. Ist mir schon so oft passiert. Unnötig und Ă€rgerlich, weil nach hinten raus die Puste fehlt. Also: Ich darf mich nicht mitreißen lassen, wenn andere beim Startschuss lossprinten. Ich werde schön langsam beginnen. Die Puste muss schließlich fĂŒr zwei Stunden reichen. Die Schnellstarter hole ich sowieso spĂ€testens bei Kilometer 18 ein.

Kilometer 3: „Ich schaffe das mit links“

Die ersten drei Kilometer sind die schlimmsten. Ich muss ins Rennen hineinkommen und meinen Rhythmus finden. 18 Kilometer liegen noch vor mir. FĂŒhlt sich an wie ein riesiger Berg. Und ich muss hoch bis zur Spitze. Schaffe ich das? NatĂŒrlich, schaffe ich das. Weg mit der Angst.

Ich habe schon ganz andere Sachen hinbekommen. Bin bei einem 10-Kilometer-Rennen unter 55 Minuten geblieben, habe Crossfit-Training ĂŒberlebt und muss stĂ€ndig meinen Onkel Achim Achilles ertragen. Also, wenn ich das kann, dann schaffe ich auch diesen Halbmarathon. Und zwar mit links.   

Kilometer 7: „LĂ€uft, weiter so“

Der Moment, wenn ich im Rennen angekommen bin. Ich fĂŒhle mich gut, bin im Flow. Dieses GefĂŒhl sollte ich jetzt möglichst lange bewahren. Keine negativen Gedanken aufkommen lassen. Genießen. Sich in der Menge mittreiben lassen. Sich freuen, dass so viele Zuschauer da sind. Sie jubeln fĂŒr uns. Geiles GefĂŒhl.

Kilometer 10: „Trinken und Gehen“

Die HĂ€lfte ist knapp geschafft. Hier werde ich mir einen Wasserbecher schnappen und ganz wichtig: Ich halte kurz an, gehe ein paar Meter und trinke dabei. Manche glauben ja, dass man dadurch wichtige Sekunden verlieren wĂŒrde. Blödsinn. Was habe ich davon, wenn ich weiterlaufe, mich verschlucke und auch noch die HĂ€lfte verschĂŒtte? Eben. Darum lieber kurze Pause und dann mit Vollgas weiter.

Kilometer 16: „Ich kann das“

So, jetzt wird es hart. Denn weiter als bis hierhin bin ich noch nie im Training gelaufen. Damit muss mein Körper erstmal klarkommen. Die Waden werden schmerzen, die Oberschenkel brennen. Sie wollen mir miteilen: So, liebe Anna, du hattest deinen Spaß.

Aber jetzt ist’s genug. Mein Kopf muss dagegenhalten. Überzeugungsarbeit leisten. Ach Körper, so schlimm ist es doch gar nicht. Du kannst schon noch. Man muss auch sich auch mal was trauen. Du kannst das nĂ€mlich.

Kilometer 19: „Ich bin eine Maschine“

Noch drei Kilometer. Wenn ich es bis hierhin schaffe, hĂ€lt mich nichts mehr auf. Mein Kopf schaltet um auf Autopilot. Ich denke an nichts mehr, nur noch ans Ankommen. Weiterhin setze ich einen Fuß vor den anderen, auch wenn der Körper murrt und ziept.

Ich fĂŒhle nichts mehr. Ich spĂŒre nichts mehr. Auf den letzten drei Kilometern bin ich kein Mensch mehr, sondern eine Maschine.

Zielgerade: „LĂ€cheln“

Völlig egal, wie ich auf den letzten Metern daherkomme. Ob ich noch locker sprinten kann oder ins Ziel kriechen muss. Das Wichtigste dabei ist LÀcheln. Denn erstens: Ich habe es verdammt noch mal geschafft. Ich bin 21,0975 Kilometer gelaufen. Wie cool ist das? Da muss man sich einfach freuen.

Und zweitens: das Zielfoto. Mein Lauf wird schließlich fĂŒr die Nachwelt dokumentiert. Da darf man schon mal ein freundliches Gesicht machen.

 

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