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Hunde-Trainer Martin Rütter: Der Hund will rennen, nicht reinbeißen

Geschrieben von: Frank Joung
Martin Rütter Interview Läufer und Hunde

Der größte Feind des Läufers ist der Hund. Martin Rütter, Deutschlands bekanntester Hunde-Trainer, erklärt, warum sich Hunde und Jogger in die Quere kommen, weshalb Weglaufen keinen Zweck hat und warum mehr Männer als Frauen gebissen werden.

Achim-Achilles.de: Herr Rütter, warum haben es Hunde auf Jogger abgesehen?

Martin Rütter: Hunde finden alles spannend, was sich bewegt. Sie lieben das Jagen. Ernsthaft gefährlich ist das aber nur selten. Es geht dem Hund ums Hinterherrennen, nicht ums Reinbeißen.

Was sollten Läufer auf keinen Fall tun, wenn sie ein Hund verfolgt?

Versuchen, schneller zu werden. Selbst die kleinsten Hunde würden Usain Bolt über 100 Meter schlagen. Wegrennen macht also überhaupt keinen Sinn. Verlangsamen und stehenbleiben ist die effektivste Methode, um den Hund stoppen. In diesem Moment ist das Spiel für den Hund nicht mehr interessant.

Stehenbleiben? Ist das wirklich so eine tolle Idee?

Abrupt stehenbleiben ist nicht gut, denn dann wird der Läufer für den Hund womöglich zur Bedrohung. So entsteht schnell die Situation, dass der Hund um den plötzlich stehengebliebenen Jogger herumrennt und ihn ankläfft. Optimal wäre: langsamer werden, zum Stehen kommen, den Hund ignorieren und wieder abdampfen.

Ich soll den Hund ignorieren?

Ja, ich gucke an ihm vorbei oder über ihn rüber und dann haut er wieder ab. Das ist die Theorie, ich weiß. In der Praxis läuft es meist anders: Der Jogger mault den Hund an, die Hundehalter beschweren sich und sagen: ‚Der tut doch nichts.’ Dann gibt’s Streit, und das ist das eigentlich Blöde.

"Männliche Läufer werden häufiger gebissen"

Wie erkenne ich, ob ein Hund wirklich nur spielen will?

Man sieht es gut an der Körper-Steifigkeit der Hunde. Wenn ein Hund vor mir steht, mich anguckt – der Schwanz bömmelt runter, Muskeln sind nicht angespannt –, kann ich prima an ihm vorbei, kein Drama. Wenn ich merke, dass sich der Körper des Hundes anspannt, er den Kopf hoch hält und der Schwanz steif wird, kann es ernst werden. Genauso ist es beim Verfolgen: Wenn der ganze Hund in sich weich aussieht, er trabt, galoppiert und der Po wackelt – ist er nicht bedrohlich.

Kann man einem fremden Hund verbal Einhalt gebieten, indem man zum Beispiel ‚Aus’ oder ‚Stopp’ ruft?

Wenn der Hund gut erzogen ist, können Standardbefehle wie ‚Aus’ oder ‚Sitz’ eine Hilfe sein. Aber meine Erfahrung zeigt mir: Die Leute, die es nicht schaffen, den Hund vom Jogger abzuhalten, haben ihm auch nicht die elementaren Erziehungsregeln beigebracht. Befehle zu rufen, ist also nicht effektiv. Im Übrigen sind die meisten Jogger, die gebissen werden Männer.

Aha, und woran liegt das?

Wenn ein Hund angedonnert kommt, kriegt der Mensch einen Schreck und bleibt stehen – das ist ein normaler Impuls. Die Frau trabt erleichtert weiter, wenn der Hund stehenbleibt und nichts passiert ist. Der Mann aber will sich behaupten, geht auf den Hund zu, beschimpft ihn und versucht ihn zu verjagen. Der Hund merkt, dass in dieser Situation irgendwas nicht zusammenpasst. Erst die Angst, dann das Beschimpfen. Da kann es gefährlich werden.

Gibt es eine Art Revierverhalten zwischen Hunden und Männern?

Das ist kein klassisches Konkurrenzdenken, so nach dem Motto: Das ist mein Park. Es ist vielmehr eine Reaktion auf körpersprachliche Muster. Generell ist es so: Wenn ich eine starke körperliche Präsenz habe und mich bedrohlich vor einem einigermaßen verträglichen Hund aufbaue, werden 99 von 100 Hunden sagen: Okay, ich lasse es lieber.

Welche Hunde sind am angriffslustigsten?

Die reinen Jagdhunderassen neigen natürlich mehr dazu, den Jogger zu verfolge. Es ist also statistisch wahrscheinlicher, von einem Dackel als von einem Bernhardiner verfolgt zu werden. Wichtig ist aber: Ein Hund, der dem Jogger hinterherrennt, ist ein saumäßig schlecht erzogener Hund.

 

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