Geschrieben von: Frank Joung 14. Jan. 2013 | Kategorie: Aus aller Welt
Der größte Feind des Läufers ist der Hund. Martin Rütter, Deutschlands bekanntester Hunde-Trainer, erklärt, warum sich Hunde und Jogger in die Quere kommen, weshalb Weglaufen keinen Zweck hat und warum mehr Männer als Frauen gebissen werden.
Achim-Achilles.de: Herr Rütter, warum haben es Hunde auf Jogger abgesehen?
Martin Rütter: Hunde finden alles spannend, was sich bewegt. Sie lieben das Jagen. Ernsthaft gefährlich ist das aber nur selten. Es geht dem Hund ums Hinterherrennen, nicht ums Reinbeißen.
Was sollten Läufer auf keinen Fall tun, wenn sie ein Hund verfolgt?Versuchen, schneller zu werden. Selbst die kleinsten Hunde würden Usain Bolt über 100 Meter schlagen. Wegrennen macht also überhaupt keinen Sinn. Verlangsamen und stehenbleiben ist die effektivste Methode, um den Hund stoppen. In diesem Moment ist das Spiel für den Hund nicht mehr interessant.
Stehenbleiben? Ist das wirklich so eine tolle Idee?
Abrupt stehenbleiben ist nicht gut, denn dann wird der Läufer für den Hund womöglich zur Bedrohung. So entsteht schnell die Situation, dass der Hund um den plötzlich stehengebliebenen Jogger herumrennt und ihn ankläfft. Optimal wäre: langsamer werden, zum Stehen kommen, den Hund ignorieren und wieder abdampfen.
Ich soll den Hund ignorieren?
Ja, ich gucke an ihm vorbei oder über ihn rüber und dann haut er wieder ab. Das ist die Theorie, ich weiß. In der Praxis läuft es meist anders: Der Jogger mault den Hund an, die Hundehalter beschweren sich und sagen: ‚Der tut doch nichts.’ Dann gibt’s Streit, und das ist das eigentlich Blöde.
Wie erkenne ich, ob ein Hund wirklich nur spielen will?
Man sieht es gut an der Körper-Steifigkeit der Hunde. Wenn ein Hund vor mir steht, mich anguckt – der Schwanz bömmelt runter, Muskeln sind nicht angespannt –, kann ich prima an ihm vorbei, kein Drama. Wenn ich merke, dass sich der Körper des Hundes anspannt, er den Kopf hoch hält und der Schwanz steif wird, kann es ernst werden. Genauso ist es beim Verfolgen: Wenn der ganze Hund in sich weich aussieht, er trabt, galoppiert und der Po wackelt – ist er nicht bedrohlich.
Kann man einem fremden Hund verbal Einhalt gebieten, indem man zum Beispiel ‚Aus’ oder ‚Stopp’ ruft?
Wenn der Hund gut erzogen ist, können Standardbefehle wie ‚Aus’ oder ‚Sitz’ eine Hilfe sein. Aber meine Erfahrung zeigt mir: Die Leute, die es nicht schaffen, den Hund vom Jogger abzuhalten, haben ihm auch nicht die elementaren Erziehungsregeln beigebracht. Befehle zu rufen, ist also nicht effektiv. Im Übrigen sind die meisten Jogger, die gebissen werden Männer.
Aha, und woran liegt das?
Wenn ein Hund angedonnert kommt, kriegt der Mensch einen Schreck und bleibt stehen – das ist ein normaler Impuls. Die Frau trabt erleichtert weiter, wenn der Hund stehenbleibt und nichts passiert ist. Der Mann aber will sich behaupten, geht auf den Hund zu, beschimpft ihn und versucht ihn zu verjagen. Der Hund merkt, dass in dieser Situation irgendwas nicht zusammenpasst. Erst die Angst, dann das Beschimpfen. Da kann es gefährlich werden.
Gibt es eine Art Revierverhalten zwischen Hunden und Männern?
Das ist kein klassisches Konkurrenzdenken, so nach dem Motto: Das ist mein Park. Es ist vielmehr eine Reaktion auf körpersprachliche Muster. Generell ist es so: Wenn ich eine starke körperliche Präsenz habe und mich bedrohlich vor einem einigermaßen verträglichen Hund aufbaue, werden 99 von 100 Hunden sagen: Okay, ich lasse es lieber.
Welche Hunde sind am angriffslustigsten?
Die reinen Jagdhunderassen neigen natürlich mehr dazu, den Jogger zu verfolge. Es ist also statistisch wahrscheinlicher, von einem Dackel als von einem Bernhardiner verfolgt zu werden. Wichtig ist aber: Ein Hund, der dem Jogger hinterherrennt, ist ein saumäßig schlecht erzogener Hund.
Hunde und Jogger haben ja an sich einen ähnlichen Bewegungsdrang. Welcher Hund außer dem Schweinehund passt zu einem Läufer?
Durchschnittliche Freizeitläufer, die einmal am Tag für eine Stunde joggen, können im Grunde jede Rasse prima mitnehmen. Zehn Kilometer übersteht jeder Hund, der einigermaßen trainiert ist. Wenn man aber am Tag zwei Stunden läuft, dann muss es ein Hund sein, der ein hohes Maß an Sportlichkeit mitbringt, etwa Border Collies, Australien Shepherds, Weimaraner oder Münsterländer.
Was muss ich bedenken, wenn ich mit meinem Hund Laufen gehen möchte?
Einfach nur rennen, ist für den Hund zu wenig. Ich kenne sehr viele Hundehalter, die sehr intensiv mit den Hunden laufen und Spazieren gehen, aber ihn geistig zu wenig fordern, zum Beispiel mit Suchspielen. Man darf Bewegung nicht mit Beschäftigung verwechseln. Es gibt aber auch Hunde, die nur mit Laufen glücklich sind.
Kann ein Hund Marathon laufen?
Sicher, wenn man ihn sorgfältig darauf vorbereitet. Ich habe sogar mal einen Mops gesehen, der Marathon gelaufen ist, aber das ist eine absolute Ausnahme. Man sollte es generell langsam angehen. Der Hund sollte sich beim Tierarzt einem Fitness-Check unterziehen und vor dem Laufen muss ich den Hund aufwärmen, damit er keine Sehnen- und Gelenkprobleme bekommt. Das vergessen viele.
Wie reagieren Hunde eigentlich auf Walker?
Anfangs, als dieser Trend aufkam, war das tatsächlich ein Problem (lacht). Da kommen diese Menschen mit überdimensionierten Stöcken, häufig mit viel zu weit nach vorn geneigter Körperhaltung, dazu noch diese Geräusche: Klack, klack, klack. Das fanden Hunde spannend und ungewöhnlich – und hat des Öfteren dazu geführt, dass sie Walker angekläfft haben. Inzwischen gehört dieses Erscheinungsbild aber anscheinend so zum Stadtbild, dass die meisten Hunde sich schon daran gewöhnt haben.
Das Interview führte Frank Joung
Zur Person:
Martin Rütter, Jahrgang 1970, ist der beliebteste Hundetrainer Deutschlands und bekannt aus TV-Shows wie "Eine Couch für alle Felle" oder "Der Hundeprofi". Mitte der neunziger Jahre eröffnete er sein erstes Zentrum für Menschen mit Hund, wo er Hunde und ihre Halter nach der D.O.G.S.-Methode (Dog Orientated Guiding System) trainiert. Inzwischen existiert ein umfassendes Netzwerk in Deutschland und der Schweiz mit über 50 Standorten und über 100 ausgebildeten D.O.G.S.-Coaches. Auch auf der Bühne ist der gebürtige Duisburger äußerst erfolgreich. Mehr Infos auf: www.martin-ruetter-live.de.
Seit dem 5. September 2012 ist Rütter wieder auf der Bühne zu sehen. Sein neues Programm heißt „Der tut nix!“.
Am 16. März 2013 will er in Berlin die 02-Arena füllen.


als Läuferin höflich und erwarte auch von meinem Hund gutes
Benehmen. Leider erlebe ich sowohl Hunde mit schlechter
Kinderstube als auch Läufer mit schlechter Kinderstube.
Wenn mein Dackel bellen würde, Leuten hinterher laufen würde oder
sich weiter als 2 m von mir entfernen würde käme er an die Leine. Im Bochumer Wald
darf er aber ansonsten freilaufen ( auch behördlich). Im Park läuft er an der 3 m Leine.
Natürlich erlebe ich auch Hundehalter die schlecht erzogene Hunde haben. Erst heute wieder (Zitat):
Das ist ein spanischer Strassenhund, die hören alle schlecht und sind aggressiv. Na dann gehört der Hund wohl an die Leine und ansonsten in eine Hundeschule und nicht in den Park. Aber nun zu schlecht erzogenen Läufern: mein Dackel und ich traben durch den Park. Der Dackel trabt an der lockeren Leine neben mir her. Ein Läufer nährt sich, er kommt uns entgegen. Kapuze ins Gesicht gezogen , Kopfhörer auf den Ohren. Er läuft mitten auf dem Weg . 10m Entfernung der Dackel und ich orientieren uns seitlich. Der Mann bleibt auf seiner Spur, mein Dackel auch . Der Mann springt
über die Leine . Mein Dackel erschreckt sich und läuft Hilfesuchend zu mir . ( immer noch kein Ton von meinem Hund ) der Mann stolpert über den Hund schreit blöde Tölle und setzt seinen weg fort. Mein Dackel wird mit Leckerchen belohnt. Das war nun das extremste was ich erlebt habe. Aber schreiende und schimpfende Läufer schon häufiger mal. Mehrfach bin ich schon aufgefordert worden mich mit samt Hund aufzulösen und zwar sofort oder die Ideallinie zu verlassen, mein Hund läuft auch gerne Ideallinie . Also mein Fazit : Höflichkeit auf beiden Seiten wäre gut.
P. S Die hundebilder finde ich gar nicht hilfreich. Ich würde lieber Hundehalterbilder veröffentlichen, bei denen man die Füße in die Hand nehmen sollte.