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"Swimrun ist Abenteuer, Natur und Wettkampf"

Geschrieben von: Frank Joung
swimrun ötillö

Swimrun ist eine Kombination aus Freiwasser-Schwimmen und Querfeldein-Laufen. André Hook ist einer besten deutschen Athleten. Im Interview er erklärt er, warum man immer zu zwei unterwegs ist und wieso man beim Schwimmen die Schuhe anbehält.

Achim-Achilles.de: Herr Hook, was bitte ist ein Schläufer?

André Hook: Das ist eine Wortkreation, die wir ganz lustig fanden. Viele denken, Swimrun sei wie Triathlon ohne Fahrradfahren – das ist es nicht. Man ist eher ein Amphibienwesen: Man schwimmt mit Schuhen und läuft im Neoprenanzug. Deshalb: Schläufer – eine Mischung aus Schwimmer und Läufer.

Warum tragen die Athleten beim Laufen Neoprenanzug und beim Schwimmen Schuhe?

Ein Umziehen in der Wechselzone wie beim Triathlon würde zu viel Zeit kosten. Bei der Weltmeisterschaft nächste Woche in Schweden müssen wir mehr als 20 Inseln überqueren. Das würde über 40 Wechsel bedeuten – zu viel.

Aber Laufen im Neoprenanzug ist doch brutal ...

Meist ist es weniger schlimm, als man es sich vorstellt. Damit es an Armen und Beinen nicht so scheuert, schneiden wir den Anzug über dem Ellenbogen am Arm bzw. über dem Knie am Bein ab. Das sorgt für ein wenig mehr Kühlung.

Schwimmen mit Schuhen ist doch kräftezehrend.

Ja, das macht schwere Beine und ist nicht gut für die Wasserlage, aber man darf Hilfsmittel wie einen Pullbuoy benutzen. Das ist so ein Styropording, das wir uns zwischen die Beine klemmen. Das gibt Auftrieb.

"Flossen sind eher kontraproduktiv"

Tragen Sie normale Laufschuhe?

Wir tragen Trail-Run-Schuhe mit Grip. Manche Athleten bohren zusätzlich Löcher in ihre Schuhe, damit das Wasser beim Laufen herausläuft. Ist aber kein Muss, wenn der Schuh, wie bei uns, auch so das Wasser schnell wieder abgibt.

Schafft das nicht ein großes Ungleichgewicht im Feld, wenn man so viele Hilfsmittel verwenden darf?

Als die Swimrun-Idee entstand, hat man gedacht, dass die Distanzen so groß sind, dass niemand sie an einem Tag schaffen kann. Daher hat man Hilfsmittel erlaubt. Mittlerweile relativiert sich das Wettrüsten. Wir sind vergangenes Jahr ohne Paddles angetreten. Flossen zum Beispiel müsste man ständig an- und ausziehen und beim Laufen in der Hand tragen. Das ist deswegen auch eher kontraproduktiv.

Was ist an Swimrun so reizvoll?

Früher bin ich wochenlang durch die Alpen getourt. Das geht heute nicht mehr, weil ich mittlerweile Familienvater bin. Swimrun bietet mir jedoch immer noch die Möglichkeit für Abenteuer, Natur und Wettkampf – und zwar gebündelt an einem Tag. Das finde ich bei keiner anderen Sportart.

Sie bereiten sich gerade auf die ÖTILLÖ Swimrun-WM im Stockholmer Schärengarten vor. Was müssen Sie da leisten?

Das ist das Highlight des Jahres. Wir laufen quer durch die Pampa und schwimmen durch die wellige Ostsee. Immer abwechselnd, von Insel zu Insel. Insgesamt sind es 26 Inseln, 65 Kilometer Laufen, 10 Kilometer Schwimmen.

Klingt nach Stress. Können Sie die Natur überhaupt genießen?

Auf jeden Fall. Wir wollen zwar vorne mitlaufen, aber genießen immer wieder bewusst den Ausblick und den Augenblick. Das gehört dazu.

Warum laufen und schwimmen die Athleten immer in Zweier-Teams?

Aus Sicherheitsgründen. Man kann die gesamte Strecke nicht mit Sicherheitspersonal ausstatten. Der Aufwand wäre zu groß. Daher hat man immer einen persönlichen Sicherheitsmann an seiner Seite: nämlich den Teampartner.

Man schwimmt und läuft immer gemeinsam?

Ja, das ist die große Herausforderung: Man braucht jemanden, der genauso tickt wie man selbst und der auch das selbe Leistungsniveau und Ziel hat. Beim Laufen darf man sich nie weiter als 50 Meter voneinander entfernen, beim Schwimmen nie mehr als zehn Meter.

Manche verbinden sich auch mit einem Seil. Das macht den Sport interessant: Du bist kein Einzelkämpfer. Ich komme vom Lauf- und Triathlonsport. Da musst du immer alleine durch die Tiefs durch. Hier motiviert dich immer jemand.

Engadin-Swimrun2 Fredrik Jakobsson

André Hook (rechts) und sein Swimrun-Partner Wolfgang Grohé (Foto: Fredrik Jakobsson/ Engadin14)

"Bei einem Rennen haben wir uns einmal böse verlaufen"

CNN hat das Rennen als eines der härtesten Ausdauerevents der Welt bezeichnet. Gibt es viele Un- oder Ausfälle?

Bislang ist noch nichts Schlimmes passiert. Das soll auch so bleiben. Hart ist es trotzdem und die Cut-Off-Zeiten sind streng. Deswegen kommen auch nicht alle Teilnehmer ins Ziel.

Wovor haben Sie am meisten Respekt?

Bei einem Rennen haben wir uns einmal böse verlaufen. Wir sind querfeldein gelaufen und waren einen Moment unaufmerksam. Das war damals sehr schade, weil wir auf Platz drei lagen. Deswegen sind wir diesbezüglich achtsam und vorsichtig. Ansonsten hast du immer Respekt vor einem plötzlichen Tief: Müdigkeit, Hunger etc.

Sie sind rund zehn Stunden unterwegs: Wann und wo essen Sie?

Bei Ötillö gibt sehr viele Verpflegungsstationen. Man hat kaum aufgekaut, da kommt schon die nächste Station. Es wird viel angeboten: von schwedischen Spezialitäten über Hot Dogs bis zu Energiegels.

Was haben Sie immer dabei?

Zur Pflichtausrüstung gehören Verbandszeug, Trillerpfeile, Kompass, Landkarte und ein GPS-Sender, über den man getrackt werden kann.

Bei welcher Disziplin quälen Sie sich mehr?

Wenn ich laufe, denke ich: Laufen ist schlimmer. Wenn ich gegen die Wellen anschwimme, denke ich: Schwimmen strengt mehr an. Beides ist schön, beides ist anstrengend. Das Gute ist: Ich freue mich immer auf den nächsten Streckenabschnitt und die nächste Disziplin.

Zur Person: André Hook, Jahrgang 1978, startet mit seinem Sportpartner Wolfgang Grohé als deutsches Männerteam bei den Swimrun-Weltmeisterschaften Ötillö in Schweden. Im vergangenen Jahr landete das Duo auf dem 14. Platz. Dieses Jahr wollen sie unter zehn Stunden bleiben und in die Top Ten kommen. www.swimrun.de.

Fotos Ötillö 2015

 

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