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Fatbike – "Das Rad ist ein Hingucker und Sympathieträger"

Geschrieben von: Frank Joung
fatbike

Das Fatbike ist der Geländewagen unter den Fahrrädern. Ob Schnee, Sand oder Schlamm – es kommt überall durch. Wir sprachen mit Daniel Schneider, Gründer der Website fat-bike.de über dicken Reifen, Anfängertipps und maximalem Fahrspaß.

Ursprung USA: Allzweckräder fürs Militär

Um es gleich auf den Punkt zu bringen, ein Fatbike fährt man nicht zwingend um von A nach B zu kommen. Aber auch das geht. Letztendlich ist der Weg aber das Ziel. Und dieser fängt da an, wo andere Fahrräder mit erschwerten Bedingung zu kämpfen haben.

Nicht so Fatbikes: Ihr Revier sind schneebedeckte Pfade oder das Wattenmeer. Kurzum, überall dort, wo die mindestens vier Zoll breiten Reifen ihre Vorteile erst so richtig ausspielen können. Der Trend selbst ist nicht unbedingt neu, schwappte aber erst in den letzten Jahren nach Europa.

Wie bei vielen Themen im Fahrradbereich waren hier die Amerikaner Vorreiter, galt es doch seinerzeit Allzweck-Räder für das Militär zu bauen, die quasi überall durchkommen. Wenn nun der Spaß im Vordergrund stehen darf – umso besser!

"Das Bike entschleunigt, ohne träge zu sein"

Achim-Achilles.de: Daniel, was macht am Fahren mit dem Fatbike so viel Spaß?

Daniel Schneider: Wenn man auf einem Fatbike fährt, bekommt man das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht und will nicht mehr herunter. Es rollt eben wie kein anderes Rad: auf Schnee, Sand, Schlamm. Aber eben nicht nur. Man kann überall damit fahren. Und dazu sieht es auch noch geil aus – in der Realität noch viel fetter als auf Fotos.

Das Fatbike sieht ein wenig schwerfällig aus. Ist es das?

Gar nicht, im Gegenteil. Die Leute denken immer, dass das Treten wegen des Rollwiderstands schwer sein muss, aber das stimmt nicht. Das Tolle ist: Das Bike entschleunigt, ohne träge zu sein. Es ist der Geländewagen unter den Fahrrädern, und die riesigen Reifen sind wie eine sensible Federung. Sie überrumpeln die Hindernisse nicht, sie werden sanft geschluckt.

Wie sind die Reaktionen von den Leuten, wenn du einen auf "dicke Reifen" machst?

Das Fatbike ist ein Hingucker und Sympathieträger. Du wirst ständig angequatscht und ausgefragt. Die Reaktionen sind immer positiv und die Leute sagen sowas wie: "Krass, cool, was ist das denn für ein Rad? Wo kann man sowas kaufen?"

Wo fährst du am liebsten?

Mein Spezialgebiet sind technische Single Trails, also schmale, steile Wege mit Wurzeln und Felsen, wo gute Fahrtechnik Voraussetzung ist. Ganz egal ob Mittel- oder Hochgebirge. Aber ich fahre auch normale Touren damit.

Schon mal auf die Schnauze gefallen?

Klar kommt das beim Radfahren schon mal vor, aber das hält sich in Grenzen und ist ja auch ist unabhängig vom Radtyp. Ich kann die Schnittmenge zwischen Risiko und Spaß gut abschätzen.

Nicht zu viel Luft auf die Reifen

Welchen Tipp würdest du Anfängern geben?

Wie jedes gute Fahrrad sind Fatbikes nicht ganz günstig. Zwar gibts auch im Baumarkt so genannte Fatbikes für 300 Euro, aber qualitativ hochwertige Räder gibts erst ab tausend Euro, nach oben natürlich keine Grenzen. Da kann man schon mal 7.000 Euro für ein Rad ausgeben. Da ist dann aber auch fast alles aus Carbon.

Und fürs Fahren?

Fürs Fahren ist der Luftdruck der Reifen sehr wichtig. Man darf nicht den Fehler machen und drei Bar draufhauen, so wie man es von anderen Rädern gewöhnt ist. Ich fahre mit mit einem Druck von unter 0,5 Bar. Erst dann spielst du die Vorteile des Fatbikes – Traktion, Komfort – wirklich aus.

Bekommt man bei den Fatbikes auch mal einen Platten?

Ja. Das passiert schon mal. Gerade downhill, wenn man scharfe Felsen und Steine in der Kurve mitnimmt. Es gibt natürlich auch hier wie bei anderen Rädern die Option auf schlauchlos.

Gibt es irgendeinen Untergrund, der selbst fürs Fatbike unüberwindbar ist?

Ist mir noch nicht untergekommen. Bei unserer Tour über die Alpen hatten wir von 20 cm Neuschnee bis 70 Kilometer Straßenetappe alles dabei. Da haben wir uns sogar Rennen mit den Rennradfahrern geliefert. Aber das Fatbike ist klar ein Abenteurer-Rad. Es spornt dich an, Wege zu fahren und Gelände zu erkunden, durch die du mit einem normalen Rad nicht kommst.

 

Zur Person: Daniel Schneider, Jahrgang 1981, ist Gründer und Redakteur der Website fat-bike.de, die er gemeinsam mit Matthias Buße betreibt. 2014 haben die beiden die erste offizielle FATBike Transalp gemacht und die Alpen von Oberstdorf zum Gardasee in sechs Tagen überquert – mit dem Fatbike. www.fat-bike.de.

Über die Alpen mit dem Fatbike

FATBike Transalp Etappe 1 von Oberstdorf nach Dalaas" data-autoplay="">

 

Tipps: Einsteiger-Rad und Schnee-Touren

conway-ft-500-kDas Angebot ist mittlerweile relativ groß, viele Hersteller bieten Fat-Bike-Modelle an. Die Preise gehen gerne auch mal schnell über die 3.000 Euro-Schallmauer hinaus. Für ein bestenfalls Zweit- eher aber Dritt- oder Viertrad ist das schon eine Stange Geld.

Für ein ordentliches Fatbike sollte man aber schon mit einer vierstelligen Summe rechnen. Das „FT 500" vom norddeutschen Hersteller Conway gibt es bereits für rund 1.200 Euro. Eine Auswahl an Einsteiger-Räder findet ihr auf fat-bike.de.

Den Trend haben übrigens auch Tourenanbieter für sich entdeckt. Nördlich von Frankfurt im Vogelsbergkreis bietet Koko-Pelli beispielsweise spezielle Schnee-Touren mit Fatbikes an: www.koko-pelli.de.

 

Fotostrecke: Fatbike: Schwere Jungs im schweren Gelände

Daniel Schneider und sein Kollege Matthias Buße sind mit dem Fatbike über die Alpen geradelt (alle Fotos: fat-bike.de).

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