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E-Bike und Pedelecs – Radfahren mit Rückenwind

Geschrieben von: Frank Joung
e-bike pedelec conway

E-Bike und Pedelecs sind stark im Kommen. Was viele unterschätzen: Die Fahrräder mit Elektromotor haben zwar einen Turbo, aber Sporttreiben ist damit dennoch möglich. Ein Gespräch über das wechselnde Image von E-Bikes, Bewegung im richtigen Pulsbereich und Steckdosen im Biergarten.

E-Bikes, E-Räder und Pedelecs – Fahrräder mit Elektromotor sind seit einigen Jahren das Zugpferd der Radbranche. Noch vor wenigen Jahren belächelt, liegt der Marktanteil mittlerweile bei nahezu 15 Prozent, alleine 2015 wurden über eine halbe Millionen Modelle in Deutschland verkauft.

Das E-Bike entwickelt sich dabei mehr und mehr zum alltäglichen Mobilitätspartner der Bundesbürger, besonders im urbanen Raum. Wir sprachen mit Zweiradmechaniker und Bikestore-Inhaber Jürgen Raab, der geführte E-Bike-Touren in der Rhön anbietet.

"Die Kundschaft von Pedelecs wird immer jünger"

Achim-Achilles.de: Herr Raab, was ist das größte Missverständnis, wenn es um Pedelecs geht?

Jürgen Raab: Viele Leute meinen, das Pedelec würde von alleine fahren und man bräuchte sich körperlich nicht anstrengen. Dabei wird jeder schnell merken, dass das nicht der Fall ist.

Das Pedelec ist also kein Rentnerrad?

Klares nein. Das Image wird aber langsam aufgeweicht. Wir haben einen Pedelec-Verleih – und merken, dass die Kundschaft immer jünger wird. Langsam spricht sich rum, dass man damit gerade auf dem Land gut unterwegs ist.

Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen einem Pedelec und einem E-Bike?

Ein Pedelec kann nur durch Treten der Kurbel in Bewegung gesetzt werden und unterstützt dich nur bis 25 km/h. Für das E-Bike benötigt man eine Zulassung und ein Mofa-Kennzeichen.

Es ist versicherungspflichtig und fährt bis zu 45 km/h. Im Allgemeinen wird der Begriff „E-Bike" aber auch synonym fürs Pedelec verwendet. Das ist auch das, was zu geschätzt 90 Prozent gekauft wird.

Wo liegt der Sinn darin, ein Pedelec zu fahren?

Gerade im leicht hügeligen oder bergigen Gelände ist das Pedelec ein ideales Instrument, um im richtigen Pulsbereich Sport zu treiben. Und wenn man am Berg faul sein möchte, haut man den Turbo rein.

Man hat die Möglichkeit, aus vier verschiedenen Unterstützungsstufen zu wählen: Eco, Sport, Tour und Power. Es ist wie beim Joggen: Lange und langsam laufen hat ja auch was Gutes.

"Bergauffahren macht jetzt Spaß"

Besteht der Spaß dann nicht eher darin, dass man sich nicht so anstrengen muss?

Naja, zum Teil stimmt das. Bergauf-Fahren macht jetzt auch Spaß. Es ist wie Radfahren mit Rückenwind. Das ist natürlich cool.

CONWAY EMRetro Race kDas Tolle ist, dass sich der Aktionsradius vergrößert. Vor allem bei uns im Mittelgebirge nimmt man mit dem Pedelec Berge mit, die man sonst umfahren hätte (Foto: CONWAY Bikes)

Auch Menschen, die gehandicapt sind, Knieprobleme haben oder andere Beschwerden, können wieder aktiv sein mit dem Rad.

Genau. Bestes Beispiel ist mein Vater. Der ist 84 Jahre alt, hat zwei künstliche Kniegelenke und ist vergangenes Jahr 4000 Kilometer geradelt.

Radfahren auf dem Pedelec ist das Beste, was du machen kannst: Du hast wenig Belastung auf dem Knie und wenn es schwer wird am Berg, wirst du unterstützt.

Muss man sich an das Fahren auf dem Pedelec gewöhnen?

Man muss schon sagen: In Alltagssituationen ist man schon schneller unterwegs. Wenn man auf der Straße mit normalem Rad gemütlich fährt, hat man so 17 bis 19 km/h auf dem Tacho.

Mit einem Pedelec bist du bei 25 km/h. Wenn die Unterstützung einsetzt, gibt es einen kleinen Ruck. Daran gewöhnt man sich aber schnell.

Trotzdem: Gerade Menschen, die womöglich lange nicht geradelt sind, sollten sich nicht scheuen, ein bisschen auf dem Supermarkt-Parkplatz zu üben.

"Es ist keine Hexerei, so ein Rad zu fahren"

Ist Radfahren auf dem Pedelec gefährlicher, weil man schneller unterwegs sein kann?

Nein, da wird überdramatisiert. Die Leistung eines E-Bikes wird oft überschätzt. Die Unterstützung endet ja bei 25 km/h. Danach musst du mit Muskelkraft beschleunigen.
Mit einem normalen Rad kannst du als Sportler viel schneller unterwegs sein.

Die Gefahr besteht eher beim langsameren Fahren in der Kurve, wenn man tritt und der Motor noch schiebt, dann muss man aufpassen, dass man nicht wegrutscht. Aber auch da bessern die Hersteller stets nach. Das passiert jetzt immer sanfter. Also: Es ist keine Hexerei, so ein Rad zu fahren.

Eignet sich das Rad auch für die Stadt?

Unbedingt. Gerade für den längeren Weg zur Arbeit ist es ideal. Alles im Umkreis von zehn Kilometern erreiche ich schneller als mit dem Auto. Auch was Umweltbelastung, Spritkosten und Gesundheit angeht, hat das Radfahren zur Arbeit Vorteile. Man bewegt sich morgens und abends und muss nicht nach der Arbeit noch Sport treiben.

Was verbraucht so ein Pedelec überhaupt und wie lange kann ich damit fahren?

Mit einer Vollladung kann man im Mittel rund 80 Kilometer fahren, inklusive kleiner Steigungen. Das Ganze kostet keine 20 Cent und du kannst den Akku an jeder Steckdose in vier Stunden wieder aufladen.

Selbst wenn man eine Stunde im Biergarten ist und sein Rad auflädt, kann man schon wieder 20 Kilometer länger radeln.

 

Zur Person: Jürgen Raab, Jahrgang 1967, ist seit zehn Jahren Eigentümer des A7 Bikestore in Kalbach, Nähe Fulda. Der gelernte Zweiradmechaniker organisiert geführte E-Bike-Touren in der Rhön. www.a7-bikestore.com.

 

Tipp: Großen Anteil am Markt haben Traditionsmarken wie Victoria, die im Laufe der Jahrzehnte mit überdurchschnittlich hoher Produktqualität aber auch durch Design-Auszeichnungen wie dem Red Dot Award überzeugen können.

Victoria achtet auf geschultes Verkaufspersonal, Beratung und Service in mehr als 700  Stores in Deutschland. Mehr Info auf: www.victoria-fahrrad.de (Foto: VICTORIA Bikes).

VICTORIA eTrekking Linie2016 09

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