Kältekammer New York: Halbmarathon im Pinguinmodus

Geschrieben von: Claudia McClure

Der diesjährige New York Halbmarathon geht beinahe vor dem Wintersturm Stella in die Knie. Dann können die 20.000 Läufer doch noch starten - trotz widrigen Bedingungen. Mit dabei: Leserin Claudia McClure. Ein Laufbericht.

Es ist März. Es ist kalt. Stella will mir wohl einen Strich durch die Rechnung machen, ärgere ich mich.
 Der Wintersturm macht sich genau zwei Tage vor meinem Abflug in die USA auf den Weg zur Nordostküste. Wird es klappen mit dem New York Halbmarathon?

Nach ein paar Verletzungspausen hatte ich mich im Frühjahr entschlossen, als Wiedereinstieg den New York Half zu laufen. 
Ich war vorher schon zweimal den kompletten NY-Marathon gelaufen – aber diese Metropole fasziniert immer wieder aufs Neue. Dank meines Berufs als Stewardess bin ich häufig in der Stadt: Aber so durch Manhattan zu laufen, die Stadt zu Fuß zu sehen, ohne dass einem ständig Touristen vor die Füße stolpern, ist einfach unglaublich und sonst ja nicht möglich.

Stella lässt selbst Merkel warten

Wäre da nicht diese verflixte Stella. Der Bürgermeister von New York ruft sogar den Notstand aus, alle Schulen und Behörden werden geschlossen, Flüge gestrichen. Selbst Angela Merkel muss ihren ersten Staatsbesuch beim neuen US-Präsidenten Donald Trump im nahgelegenen Washington verschieben.


Zum Glück hat Stella ein Herz für Läufer. Das Wetter beruhigt sich wieder und ich kann zusammen mit meiner Reisegruppe pünktlich abfliegen.
 Gegen 17 Uhr Ortszeit am Donnerstag in New York gelandet, verläuft die Einreiseprozedur erstaunlich schnell.
 Ein letztes Mal greift Stella noch ein: Aufgrund vereister Straßen verspätet sich unser Hoteltransfer um mehrere Stunden.


Laufen am Gefrierpunkt

Die zwei Tage bis zum rennen vergehen – wie immer in dieser Stadt – rasend schnell. Auch die Abholung der Startnummern ist fix erledigt, da die Ausgabestelle von unserem Hotel am Time Square einfach zu erreichen ist.
 Dann, endlich, der Sonntag: Wettkampftag. Um 6 Uhr morgens geht’s im Dunkeln los mit der Reisegruppe. Der Start im Central Park ist fĂĽr 7.30 Uhr geplant.
 Kalt und dunkel. Ich ziehe mir zwei kurze und zwei lange Shirts an, darĂĽber noch zwei Jacken. Ich zittere trotzdem ein wenig, weil die Temperatur bei null Grad liegt. Zum GlĂĽck ist vom Schnee zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr viel zu sehen.
 Stella hat Gnade mit uns.

Am Central Park angekommen müssen wir wie alle 20.000 Läufer aus den antretenden 88 Nationen durch ein spezielles Security-Screening. Alles geklappt – jetzt geht’s Richtung Start.
 Wieder heißt es bibbern. Wie die Pinguine drücken wir uns wartend aneinander, aber immerhin kommt die Sonne so langsam zum Vorschein. Die schnellen Läufer ganz vorne erscheinen trotzdem in kurzen Hosen und Tanktops. Verrückt.

NewYorkHalf1


Durchgefroren aber happy

Endlich, der Startschuss.
 Die ersten zehn Kilometer führen durch den hügeligen Central Park. Ganz schön schweißtreibend. Aber jetzt kommt ja mein persönliches Highlight: Es geht Richtung Time Square.
 Einfach genial, ohne entgegenkommende Menschenmassen da durch laufen zu dürfen. Die Lichterwelt fasziniert auch im Hellen. Jetzt lege ich meine letzten warmen Sachen ab.


Die Strecke fĂĽhrt weiter ĂĽber die 42nd Street zum Hudson River.
 Ăśberall spielen Bands, die Stimmung ist der Hammer! Die Fans feuern uns trotz Kälte frenetisch an, teilweise sind sie noch grĂĽn verleidet vom St. Patricks Day am Vortag. Mittlerweile befinde ich mich auf der Zielgeraden Richtung Wallstreet.
 Man sieht von hier aus links das neue One World Center, das Memorial fĂĽr den 11. September, und rechts die Freiheitsstatue aus dem Wasser ragen. Ein einmaliges Erlebnis.


Da: Das Ziel. Finally. Durchgefroren aber happy komme ich an. Meine erhoffte Zeit von zwei Stunden habe ich erreicht und an die irrsinnigen Eindrücke von der Strecke werde ich mich ewig erinnern. See you soon, New York Half - 
und zieh dich warm an. Nächstes Jahr komme ich wieder, dann hoffentlich ohne Schneesturm.

 

Zur Person: Claudia McClure, Jahrgang 1962, ist Flugbegleiterin von Beruf. Die passionierte Hobbyläuferin startete bereits mehrmals in New York und ist immer wieder beeindruckt von der Atmosphäre beim Lauf am Big Apple.

 

Wenn ihr auch mal beim NYC-Halbmarathon mitlaufen wollt:

Der nächste New-York-Halbmarathon findet im März 2018 statt. Anmeldungen können über den NYRR Club oder über Marathonreiseveranstalter interAir GmbH erfolgen.

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