Parkrun: Einfach, kostenlos, regelmäßig

Geschrieben von: Ellen-Jane Austin

Aus einem kleinen Lauftreff in England ist eine weltweite Laufveranstaltung geworden, die jedes Wochenende Tausende Menschen bewegt.

Samstagmorgen, kurz vor 9 Uhr im Bushy-Park, London. Dawn Potter schaut sich um, wippt noch einmal hin und her. Gleicht geht’s los. Die 35-jährige Bautechnikerin steht am Start eines Fünf-Kilometer-Laufs. So oft sie die Zeit findet, kommt sie in den königlichen Park, um am Lauf teilzunehmen. Denn das Rennen findet jede Woche statt. Immer samstags, immer 9 Uhr.

Dass Bewegung gesund ist, fit hält und Spaß macht, weiß jedes Kind. Trotzdem belegt der gute Vorsatz "Ich will mehr Sport treiben" jeden Silvesterabend einen der vorderen Plätze. Die Menschen treiben meist weniger Sport, als sie wollen, obwohl sie wissen, dass es ihnen gut tun würde. Warum ist das so?

November Project: Sport, Schweiß und viele Umarmungen gibt Einblick, was die Menschen in Deutschland von mehr gezielter Bewegung abhält. Die Hälfte der Befragten nannten als Grund "fehlende Motivation". 22 Prozent gaben an, es mangele ihnen an geeigneten Trainingspartnern und 17 Prozent sagten aus, Sport sei ihnen zu teuer.

Dabei bestätigt die Umfrage: "Wer sich mehr bewegt, fühlt sich gesünder. Zwei Drittel der Befragten, die regelmäßig Sport treiben, schätzen ihre Gesundheit als (sehr) gut ein. Bei den Antisportlern und Sportmuffeln (Menschen, die keinen oder nur sehr wenig Sport betreiben) hält sich nicht einmal jeder Zweite für gesund."

Der Anfang: 13 Läufer am Start

Dawn Potter findet es großartig, dass sie jede Woche die Möglichkeit hat, an einem offiziellen Lauf teilzunehmen – es ist eine sportliche Abwechslung von ihrem sonstigen Rudertraining. Parkrun http://www.parkrun.com/ heißt die Non-Profit-Laufserie, die 2004 genau hier im Bushy-Park entstand. Damals gingen 13 Läufer an den Start. Mittlerweile treffen sich regelmäßig tausende von Menschen in verschiedenen Parks in 14 Ländern weltweit, um die Fünf-Kilometer-Runde zu absolvieren. Inzwischen gibt es auch den Zwei-Kilometer-junior parkrun für Kinder zwischen 4 und 14 Jahren. Derzeit sind über eine Millionen Läufer bei parkrun registriert.

Ein Grund für das enorme Wachstum, dürfte die kostenlose und einfache Teilnahme sein. Um mitzulaufen, muss man sich vor dem ersten Lauf nur einmal online registrieren und seinen individuellen Strichcode ausdrucken. Am Ende des Laufs lässt man den Code von einem Freiwilligen einlesen. So wird die Zeit erfasst. Das Ergebnis wird dem Teilnehmer ein bis zwei Stunden nach dem Lauf automatisch per E-Mail oder SMS zugesandt. Der Strichcode ist bei jedem parkrun in jedem teilnehmenden Land an jedem Samstag gültig.

Entstanden ist das Laufphänomen, weil der ehemalige britische Leistungsläufer Paul Sinton-Hewitt aufgrund einer anhaltenden Knieverletzung nicht mehr in seinem Verein trainieren konnte. Er vermisste das kameradschaftliche Beisammensein. Also beschloss er, einen kostenlosen Lauf in einem Park in seiner Nähe anzubieten. Jeder war willkommen. Er organisierte die Zeitmessung, und danach gingen die Läufer zusammen einen Kaffee trinken.

Jeder ist willkommen

Am „Spirit“ hat sich bis heute nicht viel geändert, nur der Umfang ist massiv gestiegen. Auch heute noch zieht die Veranstaltungen primär Freizeitläufer an. Manchmal stehen zwar Profis wie Mo Farah, Olympiasieger über 5.000 Meter und 10.000 Meter, am Start. Doch parkrun sei kein Wettbewerb, sagt Tom Williams, COO von parkrun. „Es geht darum, sich zusammen zu bewegen und danach noch ein wenig zusammen zu sein. Entweder in einem Café in der Nähe des jeweiligen Parks oder man quatscht noch ein bisschen vor Ort.“

Die parkrun-Events werden komplett durch Freiwillige gestemmt – wer 25 Mal hilft, bekommt ein T-Shirt. Die Läufer müssen mindestens 50 Mal an der Start gehen, um eines zu bekommen. Die Shirts sind heiß begehrt. Beim parkrun werden nicht die Schnellsten angehimmelt, sondern diejenigen respektiert, die besonders oft dabei waren und in den goldenen „250-Teilnahmen-Club“ aufgestiegen sind. Mittlerweile gibt es sogar parkrun-Touristen, die versuchen, möglichst viele verschiedene Events zu absolvieren.

„Die Läufer haben die verschiedensten Gründe, um bei parkrun mitzumachen. Manche wollen ihre Gesundheit und Fitness verbessern. Andere möchten einfach unter Leute kommen oder auf etwas stolz sein. Und einige andere suchen ein wenig freundschaftlichen Wettbewerb“, sagt Williams.

Das Prinzip „Bewegung leicht gemacht“ funktioniert. Seit 2016 erhält die Organisation parkrun UK finanzielle Unterstützung von der britischen Regierung für ein Projekt zur gesundheitlichen Förderung von Menschen mit Behinderung und ausgegrenzten Gruppen durch Bewegung und soziale Integration. Auch in Ländern wie Australien, Südafrika, Polen, Schweden, Russland und Frankreich halten die parkrun-Events immer mehr Einzug. Deutschland ist nicht dabei, aber geplant.

Parkrun in Deutschland?

„Wir denken, Deutschland ist definitiv ein Land in dem unsere Laufevents Erfolg haben könnten, noch fehlt uns aber das breite Interesse, um es konkret in Angriff zu nehmen“, sagt Williams. Über die letzten Jahre hätten sich aber immer mehr Menschen bei der Organisation gemeldet, die parkrun in Deutschland erleben wollen. (Anmerkung der Redaktion: Unter www.parkrun.de findet sich eine eigenständige Gruppe, die die Idee übernommen hat und vorerst mit einem Standort in Düsseldorf aktiv ist.)

Bevor sich parkrun in neuen Ländern ansiedelt, gehen die Organisatoren nach eigener Aussage sicher, dass es in dem neuen Mitgliedsland einen festen Kern an Freiwilligen gibt, der das Konzept und die Philosophie hinter parkrun versteht und sich verbindlich engagiert, um diese Werte zu verbreiten.

„Die Freiwilligen müssen einen Wachstumsplan entwickeln, der nicht nur zeigt, dass genug Läufer kommen würden, sondern auch, dass die Events wirtschaftlich fundiert sein können. Dieser Prozess kann über ein Jahr dauern“, sagt Williams. Um die anfallenden Kosten zu decken, geht parkrun kommerzielle Partnerschaften mit Sponsoren ein.

„Parkrun ist der perfekte Start ins Wochenende. Um 10 Uhr bin ich schon stolz gelaufen zu sein und am Abend schmeckt das Glas Wein noch besser“, sagt Dawn Potter. Über eine Verbreitung nach Deutschland würde sie sich sehr freuen. „Meine Eltern sind vor einigen Jahren nach Deutschland gezogen. Wenn ich sie besuche, fallen meine Samstagläufe aus. Ich fände es cool, parkrun auch in Deutschland zu haben.“

Jeder, der Interesse an parkrun-Events in Deutschland hat, kann eine E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! schreiben.

Achilles-Lesung bei Parkrun Düsseldorf

Wunderläufer Achim Achilles kommt in den Hofgarten und liest aus seinem neuen Bestseller "Sehnen lügen nicht". Aber es wird keine normale Lesung werden, sondern eine Live-Lauf-Lesung. Kommt vorbei, seid dabei, lauft mit. Eintritt frei! 

  • - 23. September 2017
  • - 10 bis 12 Uhr
  • - Treffpunkt: Inselstrasse 40, am Ehrenhof
  • - Weitre Informationen bei facebook

 

Das könnte dich auch interessieren:

November Project: Sport, Schweiß und viele Umarmungen

Motivationstief? Öfter mal was Neues ausprobieren

Meine Parkrunde am Sonntagmorgen und der Nachmittag