73-jährige Sigrid Eichner: Mein Ziel sind 1940 Marathons

Geschrieben von: Alexander von Uleniecki
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Sigrid Eichner, Jahrgang 1940, ist schon jetzt eine Lauf-Legende. Sie ist mit derzeit 1813 absolvierten Ultra- und Marathonläufen die Weltrekordhalterin. Warum die 73-Jährige nie trainiert, wie sie Schmerz verarbeitet und warum sie nie mit dem Laufen aufhören will.

Training

„Ich trainiere gar nicht unter der Woche. Wenn man am Wochenende zwei Marathons läuft und unter der Woche auch noch arbeitet, dann muss sich der Köper erholen. Und inzwischen merke ich, dass es mich jetzt auch anstrengt. Aber sonst bin ich nach der Arbeit nach Hause gekommen, Laufschuhe angezogen, dann eine Stunde gelaufen – aber ohne Ziel und ohne Plan. Ich habe noch nie nach Trainingsplan trainiert. Ich bin immer nur gelaufen."

Motivation

„Das Schönste am Marathon – auch wenn er noch so schmerzhaft ist – ist das Ankommen. Wenn du über die Ziellinie läufst, die Zuschauer Beifall klatschen und Anerkennung zollen. Das ist so ein Moment, auf den man nicht verzichten möchte. Und für diesen Zieleinlauf leidest du! Für den überwindest du alle Schmerzen – das ist einfach so. Wer es nicht kann, muss es probieren. Und wer es gar nicht probiert, lässt es eben sein. Dann kommt er nicht an und erlebt dieses Gefühl nicht."

Energie

„Ich glaube, ich habe einfach diese Energie. Mein Arzt hat mal gesagt: Man hat nur ein gewisses Quantum an Lebensenergie. Und wenn die verbraucht ist, stirbt man. Aber daran glaube ich nicht. Ich glaube, man kann Energie auch aufbauen. Ich will es!"


sigrid-eichner-portraitZur Person: Sigrid Eichner, Jahrgang 1940. Zu ihren größten Erfolgen zählen unter anderem die Teilnahme am Badwater mit 65 Jahren), die 100 Kilometer lief sie schon mal in 9:27 Stunden und in New York legte Sigrid Eichner in sechs Tagen etwa 555 Kilometer zurück.

Ihre Marathon-Bestmarke liegt bei stolzen 3:33:05 Stunden. Am 16. August wird die Berliner Ultralauf-Legende als voraussichtlich älteste Teilnehmerin an den Start des Mauerweglaufs 100MeilenBerlin gehen. (Foto: Jörg Levermann)


Rituale

„Das Übliche. Füße eincremen, paar Mal aufs Klo rennen und die Handschuhe nicht vergessen. Ich laufe immer mit Handschuhen, weil ich so kalte Hände habe. Und im Gelände bieten sie Schutz bei Stürzen. Unverzichtbar sind auch meine Stutzen, die verhindern, dass Steine in meinen Schuh geraten."

Ausrüstung

„Natürlich habe ich mehrere Paar Laufschuhe, aber wenn die hinten abgelaufen sind, lasse ich sie vom Schuster neu besohlen. Das ist preiswerter und sie sind dann auch gleich schon eingelaufen."

Glücksbringer

„Ich bin nicht abergläubisch. Also binde ich mir auch kein Stofftier oder so was an den Gürtel. Ich glaube beim Laufen an mich. An wen denn sonst?"

Schmerzen

„Da gibt es ja dieses Schlagwort: Schmerz geht, Stolz bleibt. Ja, es tut immer mal was weh. Aber wenn man bei jedem Wehwehchen aufhört, dann braucht man gar nicht erst anzufangen mit dem Ultralaufen. Man muss ja auch ins Ziel kommen. Und man kann das auch! Man kann auch mit Schmerzen laufen, mit einem verrenkten Fuß, auch mit einem Krampf oder mit einem gerissenen Muskel."

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