73-jährige Sigrid Eichner: Mein Ziel sind 1940 Marathons

Geschrieben von: Alexander von Uleniecki

Der erste Marathon

"1981, in Berlin-Lichtenberg. Start des Marathon war damals im Zachertstadion. Ich kam dort zufällig vorbei und dachte mir: Ach, da machste einfach mal mit! Trainingsjacke ausgezogen und los gings. Am Ende bin ich eine 4:20 oder so gelaufen, ohne dafür vorher trainiert zu haben.

Ich war schon 41 und hatte keine Ahnung vom Marathon, ich kannte das gar nicht. Ich wusste noch nicht mal, wie lang genau so ein Marathon ist. Ich bin vorher nur die kürzeren Distanzen gelaufen, also 10 bis 25 Kilometer. Aber dann hat mich der Marathon neugierig gemacht."

Der schönste Marathon

"Es gab viele schöne Erlebnisse. Réunion war einer meiner Höhepunkte. Die Anreise zum Grand Raid war alleine schon anstrengend, aber dann auch noch diese Strecke: 162 Kilometer mit 9.000 Höhenmetern! Start in der Nacht um eins, Aufstieg zu einem Vulkan in einem Bachbett, Felsen, Stein, Klettern über Weidezäune.63-Jähriger beim Badwater Run: Ich habe es genossen

Der Weg ist zwar markiert, aber in der Dunkelheit auch schwer zu finden. Dazu noch die tropische Hitze! Nur ein Drittel der Teilnehmer kommt im Ziel an. Das war schon eine große Herausforderung."

Alter

"Ich versuche mit diesem Abbau zurecht zu kommen. Durch Diabetes habe ich wenig Gefühl in den Fingern. Das merke ich dann, wenn ich einen Joghurtbecher nicht mehr aufbekomme. Dann nehme ich die Zange und ziehe den Deckel auf.

Beim Training laufe ich alleine, aber bei den Veranstaltungen triffst du Menschen, die du magst oder dann erst kennenlernst. Ich kenne so viele Leute nur durchs Laufen.

Ich fühle mich nicht alt, eher wie Mitte 40! So benehme ich mich auch. Wenn ich mit den jungen Leuten in unserem Club („100MarathonClub") zusammen laufe, dann denke ich immer: Ich bin Ihresgleichen! Dass ich natürlich etwas anders aussehe, wenn ich in den Spiegel gucke, ist klar. Aber vom Gefühl her bleibe ich jung."

Ziele

"Im nächsten Jahr möchte ich unbedingt den Comrades-Marathon in Südafrika laufen (ca. 90 Km, um die Stimmung zu erleben. Und zum 75. Geburtstag möchte ich mein Geburtsjahr „erlaufen", also 1940 Ultra- oder Marathonläufe absolviert haben. Das wäre ein erreichbares Ziel, ist ja nicht mehr so viel Zeit."

Karriereende

„Ich denke nie daran, dass es irgendwann nicht mehr geht. Aber falls doch, dann fahre ich eben Rollstuhl und helfe bei Laufveranstaltungen."

Teil 2 des Interviews auf Spiegel Online: 73-jährige Ultraläuferin: "Man muss ertragen, wenn es wehtut"

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