Laufschuhe im Test: Asics fuzeX

Geschrieben von: Namri Dagyab
asics fuzex

Asics geht neue Wege. Die technischste aller Laufschuhmarken bringt mit dem fuzeX einen Laufschuh auf den Markt, der schlichter und modischer daherkommt als die üblichen Asics-Laufschuhe. Aber hält er auch dem Probelauf stand? Laufschuh-Blogger Namri hat den fuzeX getestet – und findet ihn gut: als Freizeitschuh.

Modell: Asics fuzeX

Marke: Asics

Modell: fuzeX

Das sagt der Hersteller: Vereint leichtes Design mit Schutz und Dämpfung

Passform: Neutral

Obermaterial: Synthetisches Mesh, Sockliner

Gewicht: 299 g / 270 g (mit / ohne Innensohle) bei Größe 44

Sprengung: 8 mm

Gelaufen auf: Asphalt, Laufband

UVP: 130 €

Asics: die Mutter aller Laufschuhfirmen

Gefühlt ist wohl jeder Läufer mindestens ein Paar Asics Schuhe im Leben gelaufen. Ich auch. Mein erster Laufschuh war der Asics GT-2040, gekauft, ganz ohne Laufanalyse oder Testbericht. Wenn ich jemanden laufen sah und auf die Schuhe blickte, waren meist Asics an den Füßen. Also dachte ich: Die Schuhe können so schlecht nicht sein.

Auch in den Folgejahren blieb Asics die Marke meines Vertrauens. Treu ergeben kaufte ich die aktualisierten Schuhmodelle der Asics GT-Serie, ohne andere Marken nur eines Blickes zu würdigen. Ich reihte mich also nahtlos ein in die Reihe von pronationsstützgierigen Asics-Jüngern.

Läufer stimmen mit den Füßen ab

Mittlerweile ist eine halbe Ewigkeit vergangen. Im Laufschuhschrank befinden sich über 20 Paar Schuhe. Aber nur ein Paar von Asics. Ein in die Jahre gekommener GT-2170 aus der 2000er Serie, die in einem Atemzug mit weiteren legendären Namen wie Kayano, DS Trainer und der 1000er Linie genannt werden.

Viele dieser Schuhe sind immer noch erhältlich und genießen eine treue Gefolgschaft. Das sehe ich auf jeder Runde durch den Berliner Friedrichshain.

Meta Run & fuzeX: Endlich Leben in der Bude

Ungeachtet dessen verbinde ich mit der Laufschuhmarke Asics nicht wirklich Innovation. Außer der Gel-Technologie wird den meisten wohl nicht viel zu dem Thema einfallen. Modische Trends setzen Asics Laufschuhe auch nicht. Oder wann hast Du das letzte Mal jemanden gesehen, der einen Asics-Laufschuh als Freizeitschuh trägt? Vielleicht irgendwo zwischen Troja, Antalya und Ephesos.

Umso mehr begrüße ich es, dass Asics dieses angestaubte Image etwas aufpolieren möchte. Einerseits mit dem Luxusmodell Meta Run und sozusagen "für die Straße" mit dem neuen fuzeX und fuzeX Lyte. Jetzt kommt Leben in die Bude!

Das Versprechen: mehr Energie

Mit dem fuzeX will Asics einen neuen Läufertypus ansprechen. Und zwar jüngere Kunden, die einen Schuh suchen, mit dem man sowohl sporttechnisch als auch modemäßig glänzen kann. Auf der technischen Seite feiert das fuzeGEL seine Premiere.

Fusioniert werden die Asics-ureigenste Gel-Dämpfung mit EVA-Schaumstoff. Versprochen werden revolutionäre Dämpfungseigenschaften sowie erhöhte Energierückgabe in der Vorwärtsbewegung.

Ich bin vorsichtiger geworden mit Versprechen aller Art, seitdem ich Vater geworden bin. Jeder, dem ein beherztes „Du hast es versprochen. Und versprochen ist versprochen" seines Kindes in einem ungünstigen Moment entgegenschlägt, weiß wovon ich spreche.

Ob der fuzeX den Versprechungen standhalten kann?

Der erste Eindruck: optisch gut, aber …

Um es vorzuwegzunehmen: Der fuzeX eignet sich nur bedingt zum Laufen. Ich werde versuchen das nachfolgend zu erläutern.

Optisch gefällt mir der Schuh. Man merkt, dass Asics sich Mühe gegeben hat, den Schuh einheitlicher und schlichter zu gestalten. Das Obermaterial ist fast durchgängig im Blauton gehalten, die untere Hälfte des Schuhs orangefarben.

Die sichtfensterähnlichen lateralen Einkerbungen geben den Blick auf das FuzeGel frei. Schön auch, dass der vordere Teil des Obermaterials nahtlos ist. Das geriffelte Design des Obermaterials, das an "Ruffles"-Kartoffelchips erinnert, runden den guten Designeindruck ab.

Alle Fotos: Namri Dagyab

Passform: Halbe Nummer größer nehmen

Der Schuh läuft nach vorne hin recht spitz zu und nimmt im Zehenbereich an Höhe ab. Deswegen empfiehlt es sich den Schuh eine halbe Nummer größer anzuschauen, um den Zehen genug Platz zu geben. Die integrierte Fersenkappe ist deutlich ausgeprägt und verursachte beim Laufen keine Probleme. Der Mittelfuß wird auf der Innenseite durch ein plastikähnliches Gitter gestützt.

Bemerkenswert ist, dass der Rand des Obermaterials deutlich verstärkt ist wie es üblicherweise nur bei Trailschuhen der Fall ist, um die Zehen leicht zu schützen. Da das Obermaterial sehr dicht und dementsprechend wenig luftdurchlässig ist, empfiehlt sich der Einsatz der Schuhe zu kühlerer Tageszeit.

Dämpfung: Der Trick mit dem Innenschaum

Der Ballenbereich besteht aus Schaumstoff. Der mittlere und hintere Mittelsohlenteil, wo sich das fuzeGel befindet, ist deutlich härter. Allerdings macht der Schuh beim Fersenauftritt einen weicheren Eindruck, als ich erwartet hätte. Ich konnte es mir nicht so recht erklären.

Bis ich die Innensohle entfernte und einen Blick ins Innere warf. Dort, auf der gesamten Schuhlänge, direkt unter der Innensohle, ist ein blaufarbiges, weiches, schaumstoffähnliches Material verarbeitet. Ich nenne es den mal Innenschaum. Den findet man bei einigen der neuen Asicsmodelle wie beispielsweise dem Cumulus.

Aufgrund des Duos, Innenschaum und weiche Innensohle, entstand dieses angenehme Gefühl beim Auftreten, das nichts mit der Mittelsohle zu tun hat. Diesen „Innenschaum-Trick" hatte ich aber schon vorher woanders gesehen. Von der Idee her ist das vergleichbar mit der Saucony Everun Technologie. Nur wer hat da von wem kopiert? Darüber können sich andere streiten.

Probelauf: Gehen geht gut, Laufen läuft nicht

Nach der langen Einleitung und technischen Details komme ich zum wichtigsten Teil, zum Probelauf. Um mit der Tür ins Haus zu fallen, der Schuh ist für meinen Geschmack zu steif. Es wollte sich kein flüssiger Laufrhythmus einstellen. Schuld daran sind das stabile Obermaterial als auch die wenig flexible Mittelsohle. Da hilft es auch nichts, dass der Schuh mit seinen 299 Gramm noch recht leicht ist.

Leider bekam ich beim Laufen Druckstellen an den äußeren Fußknöcheln. Die seitliche, äußere Schuhoberkante, schabte unangenehm am Knöchel. Beim Gehen aber nicht. Ein Erklärungsversuch: Beim Aufsetzen des Fußes geben die dämpfenden Schuhelemente nach und werden zusammengedrückt. Für gewöhnlich übernimmt die Mittelsohle die Hauptfunktion des Dämpfens. Beim fuzeX ist das nicht so. Hier kommt dem Innenschaum auch eine wesentliche Rolle zu.

Denn bei jedem Schritt sinkt der Fuß aufgrund des nachgebenden Innenschaums innerhalb des Schuhs ab. Beim Laufen tut er das mehr, als es beim Gehen der Fall ist – wegen der höheren Aufprallkraft. Wenn der Fuß so weit absinkt, dass der Knöchel die steife Oberkante des Schuhs berührt, dann hat Houston ein Problem. So wie bei mir. I rest my case.

Fazit fuzeX: sportlicher Freizeitschuh

Das tapfere Schneiderlein Asics war ausgezogen, um zwei Fliegen mit einer Klatsche zu erlegen. Mit dem fuzeX wollte man einen Laufschuh auf den Markt bringen, der „zufällig" so gut aussieht, dass man ihn auch im Alltag anzieht.

Designmäßig und farblich hebt sich der fuzeX angenehm ab von der üblichen Asics-Aufmachung. Deshalb ziehe ich den Schuh gerne in meiner Freizeit an, auch wenn er nicht so modisch ist wie ein Adidas Ultra Boost oder Nike AirMax. Aber glücklicherweise lässt sich über (Mode-) Geschmack vortrefflich streiten.

Es waren nie die schnittigsten Designs, mit denen Asics bei mir als Läufer punkteten, sondern vielmehr das Gefühl Laufschuhe eines kompetenten Herstellers zu tragen, der weiß worauf es beim Laufen ankommt. Sicherlich kann man mit diesem Schuh dem abfahrbereiten Bus oder Bahn hinterher sprinten, aber im Lauftraining werde ich ihn kaum einsetzen.

Aufgrund des harten Obermaterials und kaum flexiblen Abrollverhaltens lädt der Schuh nicht zu dynamischem Laufen ein. Das Druckstellenproblem am Knöchel tat sein übriges, weshalb der fuzeX mein Läuferherz nicht höher schlagen ließ.

Ich finde es spannend, wenn ein Unternehmen den Mut aufbringt neue Wege zu beschreiten, um letztlich auch neue Kunden anzusprechen. So wie in diesem Fall. Ich sehe nur zwei Schwierigkeiten. Erstens – Grundkurs Marketing – ist es für Unternehmen schwieriger und gleichzeitig teurer, Neukunden zu gewinnen als Bestandskundenpflege zu betreiben.

Und zweitens bergen massive unternehmerische Richtungsänderungen die Gefahr, die Stammkunden zu verwirren oder sogar zu vergraulen. Und von denen hat Asics jede Menge. Die Kernkompetenz von Asics ist nun mal der Laufsport. Deshalb scheint es mir sinnvoller, wenn sie sich auf ihre bestehenden Schuhmodelle konzentrieren würden anstatt als Lifestyle-Marke reüssieren zu wollen.

Gilt der Spruch: Schuster bleib bei deinen Leisten?

Zum Glück bietet Asics immer noch richtige Laufschuhe an. Die sehen zwar nicht so hip aus, sind aber technisch ausgereifter als der fuzeX, der gut als sportlicher Freizeitschuh funktioniert – und vielleicht auch nicht mehr sein will.

Urteil

Design: 2

Verarbeitung: 1

Laufvergnügen: 4-

Preis- / Leistungsverhältnis: 3-

Gesamt: 3+

 

 

Namri Dagyab portraitZur Person: Namri Dagyab, Jahrgang 1975, entdeckte seine Lauf (schuh) leidenschaft während des Studiums in Bonn. Sein erster Laufschuh war der Asics 2040. Ein Jahr später lief er in Köln seinen ersten Marathon in 4:18 Stunden.

Viele Trainingsrunden am Rhein später stellte er mit 3:17 Stunden seine Bestzeit in Budapest 2007 auf. In der Folgezeit lief er aus Spaß an der Freud', bis der Ehrgeiz ihn nochmals packte.

Sein Ziel ist es, den Marathon in unter 3:15 Stunden zu laufen, um sich so für den Boston Marathon zu qualifizieren. Sein Lieblingsverein ist der 1.FC Köln.

Disclaimer: Einige der in diesem Blog getesteten Produkte hat der Tester gekauft, andere wurden von den Herstellern zur Verfügung gestellt, ohne dass sie Einfluss auf Inhalt oder Bewertung hatten. Der Beitrag spiegelt die persönliche Meinung des Testers und nicht automatisch die Meinung der Achilles-Redaktion wider.

 

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