Laufschuhe im Test: Under Armour SpeedForm Gemini 2 Record Equipped

Geschrieben von: Namri Dagyab
SpeedForm Gemini 2 Record Equipped

Under was? Der Under Armour Laufschuh SpeedForm Gemini 2 Record Equipped kommt mit Fitnesstracker und in den Schuh eingearbeiteter Innensohle. Doch Knöchelschmerzen und ein nicht auffindbarer Mehrwert bedeuten Minuspunkte. Der Lauftest von "Probelauf"-Blogger Namri Dagyab.


Modell: SpeedForm Gemini 2 Record Equipped

Marke: Under Armour

Das sagt der Hersteller: „Der erste Schuh, der in einer BH-Fabrik gefertigt wurde.“

Passform: Neutral

Obermaterial: Perforiert mit ultraschallverschweißter Versiegelung

Gewicht: (links rechts) bei Größe 44: 304g / 313g

Sprengung: 8 mm

Gelaufen auf: Asphalt, Laufband

Preis: 130 € (UVP)

Under was? Under Armour!

In letzter Zeit bin ich immer wieder über das Logo von Under Armour gestolpert, das mich an eine Art Spinne erinnert. Finde ich schon mal nicht so schlecht, denn Spinnen sind tolle Nutztiere.Hat mir meine Sachkundelehrerin schon in der 3. Schulklasse beigebracht. Nur den martialisch anmutenden Namen, lose übersetzt „Unterliegende Rüstung“ finde ich für den Laufsport gewöhnungsbedürftig.

Im Laufsport liegen aber auch nicht die Ursprünge des Unternehmens, sondern im American Football. Wenn ich es mir richtig überlege, könnten die Staturen von American-Football-Spielern und Läufern ja kaum unterschiedlicher sein. Was hat das mit dem neuen Schuh Gemini 2 zu tun? Rein gar nichts. Ich wollte es nur mal gesagt haben.

Fitnesstracker im Schuh

Jetzt tief Luft holen und mir nachsprechen: Under Armour SpeedForm Gemini 2 Record Equipped. So lautet die offizielle Bezeichnung des Schuhs. Und das „Record Equipped“ weist auf die Besonderheit hin, dass es sich um keinen gewöhnlichen Schuh handelt.

Ähnlich zu Nike+ befindet sich im Schuh ein Bewegungstracker. Nur ist der Tracker im Gegensatz zum Nike+ untrennbar mit dem Schuh verbunden. Doch dazu später mehr.

Bevor es weitergeht, möchte ich noch etwas klarstellen, auch wenn Gefahr besteht, dass ich mich wiederhole: Ich trete jedem neuen Schuh so unvoreingenommen wie möglich gegenüber und analysiere ihn möglichst sachlich.

Dass ich das eine oder andere Mal ein klitzekleinesbißchen vom Thema abkomme, möge man mir bitte verzeihen. Und den Ingeborg-Bachmann-Journalistenpreis werde ich sicherlich auch nicht gewinnen.

Prolog zum ersten Eindruck

Vor dem ersten Anprobieren inspiziere ich einen neuen Schuh. Ich überlege, ob ich bereits kritische Punkte entdecken kann und für welche Art von Lauf ich den Schuh idealerweise einsetzen könnte.

Grob überschlagen habe ich diese Einsatzbereiche:

  • - Langer Lauf
  • - Alltagslauf
  • - Tempolauf in Renngeschwindigkeit
  • - Schnelle Intervalle
  • - Trail

Erst wenn gar nichts mehr geht, kommen die Spezialkategorien:

  • Muckibude und Malle

Der erste Eindruck

Der Schuh ist fast komplett grau und besteht größtenteils aus Synthetikmesh. Optisch gesehen nicht mein Fall, erinnern mich die Oberflächenstruktur und das Grau entfernt an eine Ritterrüstung.

Also im Sinne von „Under Armour“: Auftrag erfüllt.

Offensichtliche Pronationsstützen kann ich keine erkennen.

Also: Neutralschuh.

Die Mittelsohle ist eher weich. Sofern ich das mittels Daumendruck überhaupt beurteilen kann. Eine Besonderheit stellt der Innensohlenbereich dar, dort befindet sich nämlich keine bzw. sie ist vollständig mit dem Schuh verarbeitet, was ich als äußerst angenehm empfinde.

Es befindet sich eine leichte Erhöhung im Fußgewölbenbereich, was den taillierten Eindruck im Mittelfuß akzentuiert. Gepaart mit dem Fersenbereich, der durch einen äußeren Plastikrahmen verstärkt wird (ähnlich wie der Nike Lunarglide 6), sitzt der Schuh bei mir bestens.

Segen und Fluch

Auf Innen- und Außenseite im Knöchelbereich sowie bei der Schuhzunge des Geminis wurde auf die übliche Polsterung verzichtet und mit dünnem Material ausgearbeitet. Dadurch sitzt der Schuh enger am Fuß. Und ich empfinde den Schuh weniger als Fremdkörper am Fuß, sondern eher wie eine anliegende Socke. Eine tolle Idee.

Nur in meinem Fall hat es sich als Segen und Fluch zugleich erwiesen. Sehr bedauerlich. Denn ich vermute, dass die „Rüstung“ gerade wegen des engen Sitzes um den Knöchel herum auch bei schnelleren Einheiten eine gute Figur abgeben würde.

Erfahrungsgemäß ist ein übertrieben gepolsterter Knöchelbereich bereits bei etwas schnelleren Läufen hinderlich. Denn solche Schuhe tendieren dazu unangenehm stark hin und her zu wabern sobald man auf die Tube drückt.

Probelauf oder wie ich eine gute und eine schlechte Nachricht habe

Wie gerne würde ich über die schönen Landschaften schreiben, die ich mit diesem Schuh erlaufen habe. Und darüber wie hart diese verdammten Tempoläufe waren, die ich mit dem Gemini zurückgelegt habe. Und darüber wie lang meine langen Läufe waren. Nichts von dem werde ich schreiben können.

Denn leider bewahrheitete sich meine ursprüngliche Befürchtung, was den verstärkten ungepolsterten Knöchelbereich angeht. Das ist die Chronologie der Ereignisse gewesen:

Den ersten Lauf habe ich nach 2-3 km abbrechen müssen, weil meine Außenknöchel wundgescheuert waren.

Das zweite Mal habe ich den Under Armour beim Gehen angehabt in der Hoffnung, dass ich den Schuh würde „einlaufen“ können. Denkste.

Stattdessen: Außenknöchelschmerz 2.0. Ein Schuhwechsel war nicht möglich und auf Socken wollte ich nicht durch Neukölln gehen. Gut, dass ich an einer Apotheke vorbeikam, um mich mit Compeed Blasenpflastern einzudecken. Ohne die hätte ich an dem Tag ziemlich gelitten. Da die Pflaster aber super hielten, habe ich am Folgetag auf dem Laufband gut elf Kilometer in den Schuhen zurückgelegt.

Im besten Sinne läuft sich der Gemini „unauffällig bequem“. Aber seitdem stehen die Gemini leider im Laufschuhschrank. Eine „Anschlussverwendung“ bei mir sehe ich nicht, außer ein Jahresvorrat an Blasenpflastern fiele plötzlich aus heiterem Himmel in meinen Schoß.

Ich bitte also die geneigten Leser um Nachsicht, dass ich aufgrund der wenigen Gemini-Laufkilometer nur wenig zum Laufverhalten des Schuhs schreiben konnte.

Was kann das „Record Equipped“?

Nach dem versprochenen Absatz zum Laufverhalten widme ich mich der technischen Neuerung, dem „Record Equipped“, das in der Schuhbezeichnung steht. Mithilfe eines Trackers, der im rechten Schuh verarbeitet ist, kann man über die Under Armour Apps „Record“ und „MapMyFitness“ eigene Aktivitäten aufnehmen, z.B. zurückgelegte Schritte, Läufe.

Das ganze funktioniert simpel über die „Auto Start“ Funktion. Beginnt man zu laufen, beginnt die Aufnahme. Macht Sinn. Technische Details erspare ich euch an dieser Stelle, aber vielleicht möchte unser In-House-Technik-Spezialist „Kalibrator“ dazu noch mehr schreiben. Trotzdem möchte ich gerne meine Überlegungen zum „Record Equipped“ mit euch teilen.

Meine vier Gedanken zum UA Fitnesstracker

1. Für Läufer, die bereits eine GPS-Laufuhr haben, erkenne ich keinen Mehrwert wenn sie sich „Record Equipped“ Schuhe kaufen. So wie bei mir, denn ich habe bei jedem Lauf eine Laufuhr an, die meinen Lauf aufnimmt. In der Regel werden diese Läufe dann auf eine Plattform, z.B. MapMyRun, Strava, Runtastic, etc. hochgeladen. Dafür brauche ich nicht noch eine Aufnahmefeature im Schuh.

2. Hat man keine Laufuhr und verwendet auch Schuhe ohne „Record Equipped“ Funktion, dann sind nicht alle Läufe aufgenommen. Außer man nimmt dafür das Handy, GPS-Uhr, Fitnesstracker usw.

Dann würde es mir aber schon wieder zu kompliziert, die Übersicht zu behalten, wo ich welche Läufe aufgenommen habe und noch synchronisieren muss. Ich wollte eigentlich nur eine Runde im Park laufen gehen und nicht Stunden vor dem Rechner hocken. Ich sag nur „Datenexport“.

3. Wenn man nur mit „Record Equipped“ Schuhen alle Läufe aufnehmen will, dann ist man zwangsläufig beim Schuhkauf an Under Armour gebunden. Ich in meiner kleinen „Läufer-Bubble“-Welt kann mir schwer vorstellen, dass sich halbwegs ernsthafte Läufer/-innen freiwillig an eine einzige Schuhmarke binden wollen.

Noch ärgerlicher finde ich, dass der Tracker untrennbar mit dem Schuh verbunden ist, denn wenn er nach ein paar Hundert Kilometern aussortiert wird, dann muss der nächste „Record-Equipped“-Schuh parat stehen. Da fand ich das Nike+ System mit dem herausnehmbaren Tracker besser.

4. Fitnesstracker wie Fitbit und Konsorten sind bereits verbreitet und erledigen ihren Job gut im Alltagseinsatz. Hab zwar selber keinen, aber diejenigen, die sowas benutzen, schwören darauf. Diese Tracker sind flexibel einsetzbar und bieten direkt vom Handgelenk abrufbare Funktionen und Informationen. Ein echter Mehrwert für den Nutzer gegenüber dem „Record Equipped“.

Fazit SpeedForm Gemini 2 Record Equipped

Insgesamt will ich damit sagen, dass mir unklar ist, wer die konkrete Zielgruppe des „Record Equipped“ sein soll und was dessen einzigartiger Mehrwert ist. Aber wie ich eingangs gesagt habe. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Schreibt doch einfach in die Facebook-Kommentare, was Eure Meinung zu Under Armour und seinem Tracker ist.

Liebe Probelauf-Leser/-innen: Schließen möchte ich mit dem Satz – im Geiste von René Margritte: „Das ist kein Probelauf.“

Urteil SpeedForm Gemini 2 Record Equipped

Design: 3+
Verarbeitung: 2
Laufkomfort: 2 (mit Blasenpflaster)
Preis- / Leistungsverhältnis: 3
Gesamt: 2-

 

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