Promi-Interviews

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42 Fragen an 
 Thomas Seifert

Achim Achilles bittet wieder zum Marathon-Interview. 42 interessante, intime und indiskrete Fragen an 
 Thomas Seifert, Deutschland-Chef von Polar. Ein GesprĂ€ch ĂŒber sportliche Mittagspausen, lehrreiche Marathonvorbereitungen und peinliche Laufmomente.

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Alex Huber von den Huberbuam: "Man muss sein Leben mit Leben fĂŒllen"

Alexander Huber von den "Huberbuam" gehört seit Jahrzehnten auch mit Mitte 40 noch zu den besten Extremkletterern der Welt. Im Interview spricht er ĂŒber das Altern als Bergsteiger, den Burnout von BĂŒromenschen und darĂŒber, warum die Angst sein bester Freund ist.

Die letzte große Expedition haben die Huberbuam - Alexander und Thomas - im August vergangenen Jahres unternommen. Sie bezwangen den  Mount Asgard, Baffin Island, in der kanadischen Arktis. Das Abenteuer steht im Fokus des kĂŒrzlich erschienen Dokumentarfilms "Bavarian Direct".

Achim-Achilles.de: Sie und Ihr Bruder sind in die Arktis aufgebrochen, um 800 Meter an einer steilen Bergwand unter schwersten klimatischen Bedingungen zu klettern. Sind Sie nicht langsam zu alt fĂŒr solche Expeditionen?

Alexander Huber: Sicher, mit jenseits von Vierzig sind wir schon fast zu alt fĂŒr Spitzensport - aber eben nur fast (lacht).

Macht Ihnen Ihr Alter zu schaffen?

Massiv (lacht). Mit 28 Jahren war ich an der Weltspitze beim Sportklettern. Maximalkraft ist hier das Maß der Dinge. Mit spĂ€testens Dreißig beginnt es dann langsam bergab zu gehen mit der Maximalkraft und schon da habe ich gemerkt, dass ich ĂŒber den erreichten Horizont beim Sportklettern nicht hinauskommen werde. Ich habe in mich hineingehört und intuitiv gespĂŒrt, dass meine Ziele in der Zukunft mehr in der Ausdauerleistung liegen werden. Deshalb habe ich mich mehr den großen WĂ€nden an den großen Bergen unserer Erde zugewandt.
Eine dieser "Big Walls" ist die Steilwand in Baffin Island. Sie waren Sie zehn Tage insgesamt in der Wand unterwegs.

War diese Besteigung ihre bislang grĂ¶ĂŸte Herausforderung - gerade weil Sie auch nicht mehr die JĂŒngsten sind?

Es war ohne Frage einer der echten Höhepunkte in unserem Bergsteigerleben, aber ich tue mich schwer, ein Ranking bei den Highlights rauszugeben. Andere Sportler können auch oft nicht sagen, ob der Weltmeister- oder der Olympiasieg bedeutender war.

Wie viele Highlights haben Sie denn noch geplant? Oder war es das jetzt?

Ich habe keine Ahnung, ob und wenn wie viele Highlights uns im Bergsteigen noch gelingen werden. Aber es ist fĂŒr uns Bergsteiger auch nicht notwendig, sich darĂŒber Gedanken zu machen. Wir als Individualsportler sind nicht abhĂ€ngig von VerbĂ€nden und sind somit nicht gezwungen, uns zu ĂŒberlegen, wann wir am besten vom aktiven Sport zurĂŒcktreten sollten. Ich werde weiter in die Berge gehen und was dabei rauskommt, kommt dabei raus. Mein Vater ist 73 Jahre alt und geht immer noch mit voller Begeisterung in die Berge. Wunderbar. FĂŒr den ist jede Tour ein Highlight.

"Man braucht einen Leidenschaft fĂŒr ein zufriedenes Leben"

Gibt es auch Tage, an denen Sie nicht klettern gehen?

Klar, als Sportler des gehobenen Alters brauche ich mittlerweile richtige Pausen und Ruhetage, an denen man dem Körper Zeit gibt, sich zu erholen.

Sie gehen in die Berge, seit Sie zwölf Jahre alt sind, seit mehr als 30 Jahren. Was hat Ihnen das Klettern gelehrt?

Es hat mir besondere Momente im Leben beschert, mich gelehrt, ein erfahrungsintensives Leben zu fĂŒhren. Der Wert des Lebens hĂ€ngt nicht von der Anzahl der rein nominell gelebten Jahre ab. Es kommt darauf an, wie Du dein Leben mit Leben fĂŒllst. Ich selbst verschaffe mir intensive Momente im Leben ĂŒber das Bergsteigen, andere Menschen haben andere Leidenschaften. Ich bin sicher, dass jeder ein zufriedenes und ein orientiertes Leben fĂŒhren kann, wenn er eine Leidenschaft hat und diese auch auslebt.

Video: Die Huberbuam - Trailer "Bavaria Direct"

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Und dennoch sind viele Menschen unzufrieden, gestresst und ĂŒberfordert vom Job, immer an der Grenze zum Burnout, so scheint es.

Nicht nur die Erwachsenen. Gerade kam bei einer Unicef-Studie heraus: Deutschen Kindern geht es materiell so gut wie noch nie. Sie sind aber auch unzufrieden. Warum sind die Jugendlichen in Deutschland so unzufrieden?

Haben Sie eine Antwort?

Eins ist klar: Zufriedenheit hĂ€ngt nicht von Reichtum ab. Über die GrĂŒnde kann ich aber nur spekulieren. Vielleicht ist mit all den neuen Medien das Leben zu schnell und unĂŒbersichtlich geworden? Und es kann auch gut sein, dass die Erwartungshaltung der heutigen Eltern an die Kinder und Jugendliche einfach zu hoch ist. Wissen und Bildung ist extrem wichtig, wir sollten aber auch verstehen, dass die Bildung dafĂŒr da ist, uns das Leben leichter zu machen. Der Leistungsdruck, der heute in der Bildung aufgebaut wird, kann aber durchaus auch das Gegenteil bewirken: Der Stress bei den Kindern steigt, die LebensqualitĂ€t sinkt.

Auf der nÀchsten Seite: "In den Bergen bedeutet NachlÀssigkeit den Tod"

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Fotos: Die Huberbuam in der Arktis: Expedition am Mount Asgard



Achim-Achilles.de: Sie reprĂ€sentieren den Gegenentwurf zum gehetzten BĂŒromenschen. Sie tun das, was Sie glĂŒcklich macht: klettern. Wie findet man sein GlĂŒck?

Alex Huber: Im Grunde ist es ganz einfach: Wenn man einen Beruf hat, der nicht glĂŒcklich macht, sollte man sich ernsthaft ĂŒberlegen, ob man nicht sein Leben umkrempelt und sich auf die Suche macht nach einem Job, der einem wirklich Freude bereitet.

Das klingt einfach, ist es aber nicht.

Ich weiß, aber man sollte es trotzdem in ErwĂ€gung ziehen. Was die Freizeitgestaltung angeht: Man findet sein GlĂŒck nur dann, wenn man auch was dafĂŒr tut! Wer jeden Tag nur vor der Glotze abhĂ€ngt und nichts tut, der wird auch nichts erleben. Das sind die grauen Tage im Leben. Tage, die sich durch nichts von anderen grauen Tagen unterscheiden.

Diese grauen Tage nennt man Alltag.

Es liegt doch klar auf der Hand: ein Abend vor dem Fernseher hinterlĂ€sst keine Spuren im Leben. In meinem VerstĂ€ndnis sind Falten im Gesicht ein Zeichen dafĂŒr, dass man was erlebt hat. Falten werden gerne als Übel des Alters stigmatisiert und doch schauen wir gerne in das ausdrucksstarke Gesicht eines alten Menschen, der mit sich und seiner Welt im Reinen ist. Die Falten als Ausdruck eines gelebten Lebens erzĂ€hlen doch mehr als eine mit Botox auffrisierte, aalglatte Fassade.

Ihrem Bruder Thomas wurde 2011 ein Nierentumor entfernt, der sich zum GlĂŒck als gutartig herausgestellt hat. Hat das Ihren Blick aufs Leben verĂ€ndert?

Bei Thomas hat es sicher etwas verĂ€ndert. Ich denke, das passiert zwangslĂ€ufig, weil Körper und Geist ja untrennbar miteinander verbunden sind. Wenn eine schwerwiegende Krankheit den Körper angreift, hinterlĂ€sst es immer Spuren. Ich selbst war ja nicht unmittelbar betroffen, ich wĂŒrde daher bei mir nicht von einer signifikanten Änderung in meinem Leben sprechen. Aber eins ist klar: Eine kleine Spur hat dieses Ereignis auch bei mir hinterlassen.

Inwiefern hat sich Ihr Bruder Thomas durch die Krankheit verÀndert?

Das kann man schwer sagen. Es ist nicht so, dass Thomas vorher ein grundlegen anderes Leben gefĂŒhrt hat. Wir haben vor der Erkrankung intensiv gelebt und das machen wir nach wie vor. Aber ich wĂŒrde sagen, dass wir unsere Philosophie jetzt eher doppelt unterstreichen und sagen: Ja, genau, wir haben es bislang richtig gemacht und machen es auch weiter so. Jeder Tag ist ein Geschenk und man weiß nie, wie viele Geschenke man noch bekommt.

"In den Bergen bedeutet NachlÀssigkeit den Tod"

Kletterer gelten als waghalsige DraufgÀnger, als Adrenalin-Junkies, dabei ist Angst ein wichtiger Faktor in den Bergen.

Angst in den Bergen ist ĂŒberlebenswichtig, weil sie vorsichtig macht. Wenn ich in der Bergwelt unterwegs bin, bin ich permanent in absturzgefĂ€hrdetem GelĂ€nde und immer direkt lebensbedroht. Wenn ich da nicht stets wachsam agieren wĂŒrde, dann schlĂ€gt die Gefahr zu. Im Bergsteigen bedeutet das den Tod. NachlĂ€ssigkeit darf dabei nicht aufkommen. Man muss gesunden Respekt vor dem Berg haben. Denn ihm ist es völlig egal, ob ich an ihm sterbe oder einen schönen Tag erlebe. Ich muss auf mich selbst schauen - und das gelingt mir durch die Angst.

Statt schneller, höher, weiter, heißt das dann manchmal auch als Bergsteiger, dass man einen Schritt zurĂŒckmachen muss.

Klar, die Angst teilt einem das schon mit. Wenn man zu nervös wird, hat man nicht das nötige Selbstbewusstsein und dann treibt sie einen dazu umzudrehen. So gesehen kann man sagen: In den Bergen ist die Angst dein bester Freund.

Es heißt aber: Im Leben ist Angst ein schlechter Berater.

Die Angst ist nur dann ein schlechter Berater, wenn man sich nicht mit ihr auseinandersetzt. Der Fehler liegt meistens darin, dass man dem, was einem Angst macht, aus dem Weg geht. Man sollte der Angst ins Auge schauen. Und wenn man den Dingen auf den Grund geht, wird sich dann auch irgendwann die richtige Lösung zum Problem finden. Man könnte auch sehr philosophisch sagen: Der Weg ist dort, wo die Angst ist.

Interview: Frank Joung

Alexander HUber von den Huberbuam PorträtZur Person: Alexander Huber, Jahrgang 1968, ist zwei Jahre jĂŒnger als sein Bruder Thomas. Seit rund drei Jahrzehnten verbindet die beiden Bergsteiger-BrĂŒder eine Seilschaft, die sie zu einem der besten Duos in der internationalen Kletterszene macht. Der Dokumentarfilm "Am Limit" stellte sie einem breiteren Publikum in Deutschland vor. Alexander Huber beherrscht auch den Free Solo Stil, Klettern ohne Seil und Absicherung. Im August 2012 bezwangen die Huberbuam die 800-Meter-Steilwand am Mount Asgard in Baffin Island, Kanada. Der Film "Bavarian Direct" dokumentiert diese Expedition. Die DVD ist seit MĂ€rz 2013 im Handel. Huber lebt im oberbayrischen Traunstein. Mehr Infos: www.huberbuam.de.

Ob Klettern oder Laufen. Hauptsache Bewegung: "Bewegt Euch! Die GlĂŒcks-Philosophie des Achim Achilles."