Topmodel Barbara Meier: "Beim Laufen kann man nicht schummeln"

Geschrieben von: David BedĂĽrftig

Am Sonntag treten sie mit ihren Staffeln beim Frankfurt Marathon gegeneinander an – hier packen sie gemeinsam aus: Die Models und Schauspielerinnen Barbara Meier und Birgit Niethammer über verkleidungsreiche Frauenläufe, Make-Up-loses Joggen - und alkoholisierte Wetten mit weitreichenden Folgen.

Achim-Achilles.de: Hallo Barbara, hallo Birgit. Ihr tretet am Wochenende beim Frankfurt Marathon mit Frauen-Staffeln gegeneinander an – was für eine Idee steckt dahinter?

Birgit: Wir haben uns jeweils bei den vergangenen sechs Women’s Runs in ganz Deutschland drei Läuferinnen herausgesucht, um am Sonntag die 42 Kilometer zu bewältigen.

Barbara: Dabei haben wir nicht gelost, sondern in Gesprächen tolle Frauen kennengelernt, mit denen das Laufen einfach Spaß macht und die wir gerne dabei haben wollten.

"Beim Women's Run geht's um Girlpower"

Women’s Run heißt, dass nur Frauen mitlaufen. Wieso gibt es so was?

Birgit: Bei einem Women’s Run ist die Hemmschwelle mitzumachen für Frauen geringer als bei anderen Laufveranstaltungen. Nach dieser ersten Hürde trauen sich viele auch zu anderen Wettkämpfen.

Barbara: Da geht’s um Girlpower. Es entsteht eine besondere Dynamik, weil die Frauen kommen, um Spaß zu haben und ihren Körpern etwas Gutes zu tun.

Birgit: Ja, es ist total spannend zu sehen, was da für eine Motivation und ein Teamgeist entsteht, weil kein Konkurrenzdenken herrscht. Für die, die es möchten, geht es aber trotzdem noch ums Gewinnen.

Barbara: Mir ging es aber nie um die Zeit. Ich fand es viel schöner, mit meinen Mitläuferinnen zu quatschen oder mal einen Erinnerungsselfie zu machen.

"Streckenkönigin" in Pink

Laufen Frauen generell anders als Männer?

Barbara: Bei einem Men’s Run würde es garantiert nur um Zeit gehen, jeder würde versuchen, der Schnellste zu sein (lacht). Frauen legen vom naturell her eher auf Zusammenhalt wert und laufen gerne als Team ins Ziel.

Und wie laufen Frauen, wenn keine Männer dabei sind?

Barbara: Wir fĂĽhlen uns befreiter, weil man unter sich ist und kein Leistungsdruck herrscht. Man vergleicht sich nicht so sehr.

Birgit: Es macht einfach mehr Spaß ohne Männer (lacht). Das diesjährige Motto war "Streckenkönigin" und viele sind wirklich mit Kronen gelaufen.

Barbara: Genau. Wenn der eigene Freund oder Ehemann dabei wäre, würde man eher nicht als Prinzessin verkleidet laufen.

Apropos Verkleidung: Ihr geht bei den Women’s Runs mit pinken Baumwoll-Shirts an den Start. Ist das nicht zu „Klischee girly“ und ein No-Go für Models?

Birgit: Ich bin persönlich keine Pink-Trägerin. Aber irgendwann wurde das pinke Shirt zu "unserem" Gruppenshirt und ich trage es jetzt sogar zu Hause zum Sport.

Barbara: Also ich fand das ganz passend, denn ich habe auch viele pinke Laufschuhe.

"Laufen kann man ĂĽberall"

Wie kommt man als Model ĂĽberhaupt zum Laufen?

Birgit: Ich komme ja aus dem Musiktheater und Tanzbereich, da hatte ich schon eine Grundausdauer. Als ich dann anfing mit der Schauspielerei, brauchte ich eine neue Bewegungsquelle. Laufen war fĂĽr mich die praktikabelste Sportart, das geht ĂĽberall.

Barbara: Ich war nie ein großer Lauf-Fan. Auf einer Party machten dann Freunde von mir eine Marathon-Wette. Als sie meinten, wir Frauen könnten während des Laufs Schuhe shoppen gehen, habe ich aus Trotz einfach bei der Wette mitgemacht. Ein wenig Alkohol war vielleicht auch im Spiel (lacht). Nach einem halben Jahr Training bin ich den New-York-Marathon dann immerhin in 3.59 Stunden gelaufen.

Unter vier Stunden nach einem halben Jahr Lauftraining: Nicht schlecht. Warst du vorher schon austrainiert, weil Heidi Klum so eine harte Fitnesstrainerin ist?

Barbara: Nein, Heidi war nie streng. Die hat mit ihrer amerikanischen Art immer eher positive und motivierende Dinge gesagt. Bei Model-Castings in Paris geht es härter zu. Oder die Agentur ruft an und sagt, man müsse noch mal fünf Kilo abnehmen. Früher habe ich vor allem darauf geachtet, möglichst dünn zu sein.

"Regelmäßiges Lauftraining ist besser als eine Crash-Diät"

Das Model-Business inklusive Diät-Wahn gilt als sehr ungesund.

Birgit: Ich bin froh, dass ein sportliches Aussehen mittlerweile wieder Trend ist und zum Schönheitsideal dazugehört.

Barbara: Barbara: Der Großteil der Fashion-Industrie ist aber leider immer noch darauf getrimmt, dass man nicht dünn genug sein kann. Die vielen Diäten und der Stress haben mir oft auch nicht gut getan. Heute arbeite ich nicht mehr so viel im High-Fashion-Bereich, sondern eher in anderen Bereichen des Modelns. Dort kann ich glücklicherweise „normal-schlank“ sein.

Modeln und Laufen passen also nicht wirklich zusammen, oder?

Barbara: Ich denke doch. Auch wenn es nicht geplant war, aber ich habe mit keiner Diät so viel abgenommen wie in der Marathon-Zeit. Regelmäßiges Lauftraining ist für Models sicherlich gesünder als eine Crash-Diät nach der anderen.

Beim Laufen wie beim Modeln: "Immer weiter machen und nicht aufgeben"

Beim Laufen geht’s aber in erster Linie nicht ums Abnehmen.

Barbara: Natürlich nicht, aber das war für mich ein positiver Nebeneffekt. Ich bin seitdem auch ausgeglichener und habe mehr Energie. Erst durch den Marathon habe ich angefangen, Essen nicht nur als Kalorienberg zu sehen. Heute schaue ich auf Vitamine und darauf, was mein Körper braucht.

Birgit: Ich arbeite ja auch als Physiotherapeutin und sehe, dass die Figur nicht definierter und die Haut nicht straffer wird, wenn Menschen nur abnehmen. Positive Effekte erreicht man eigentlich nur mit Sport.

Barbara, bringt man aus der Modelbranche gewisse Fähigkeiten fürs Laufen mit?

Barbara: Als Model ist man es vor allem gewöhnt, viele Rückschläge zu haben. Nach 60 Castings bekommt man mal einen Job. Man lernt, wiederaufzustehen und sich nicht entmutigen zu lassen.

Und wie ist das als Schauspielerin, Birgit?

Birgit: Da brauchst du definitiv auch körperliche Ausdauer. Manchmal lasse ich bei den Proben meinen Fitnesstracker an: Ich verbrauche da fast die gleiche Energie wie bei einem Lauf und komme auf einen Puls von 120-130.

Was nehmt ihr von euren Lauferfahrungen ins Model-Business mit?

Barbara: Beim Laufen habe ich gelernt, wie wichtig Pausen und Erholung sind. Man kann ja nicht jeden Tag knüppeln. Früher habe ich im Job immer Vollgas gegeben und mir nicht mal erlaubt, eine Woche Urlaub zu machen. Jetzt weiß ich, dass ich meine Kräfte einteilen muss.

Birgit: In Sachen Ehrgeiz ergänzen sich die Bereiche auch: Immer weiter machen und nicht aufgeben.

"Beim Sport darf man ruhig verschwitzt sein"

Wird man als laufendes Model nicht manchmal belächelt?

Barbara: Beim Laufen kann man nicht schummeln. Man muss Leistung bringen, das wissen die Leute zu schätzen. Ich habe nur positives Feedback bekommen.

Es wird erwartet, dass Models und Schauspielerinnen gut aussehen. MĂĽsst ihr als Frauen selbst beim Laufen immer noch auf euer Ă„uĂźeres achten?

Birgit: Wir müssen gar nichts. Es macht schon mal Spaß, sich mit Laufbekleidung ästhetisch anzuziehen. Aber gerade beim Women’s Run darf Frau ja laufen, wie sie möchte. Wir tragen alle die gleichen T-Shirts: Das zeigt, dass das Äußere nicht so wichtig ist.

Barbara: Eben, beim Sport darf man ruhig verschwitzt sein. Ich finde, es motiviert, auf sein sportliches Ă„uĂźeres zu achten, aber man muss nicht perfekt aussehen. Zu viel Make-Up macht da eh keinen Sinn.

Geht Topmodel Barbara Meier etwa ungeschminkt joggen?

Barbara: Na klar. Dann laufe ich manchmal noch schneller... wenn jemand versucht, ein Bild zu machen (lacht).

Am Sonntag heiĂźt es: Warm anziehen

Worum geht es denn am Sonntag beim Frankfurt Marathon: Wer die schönste Staffel hat, oder wer am schnellsten ist?

Barbara: Wir haben sechs coole Frauen ausgewählt und uns geht es darum ein schönes, gemeinsames Erlebnis zu haben. Ich möchte die Zeit einfach genießen.

Birgit: Also ich will schon sehen, wer die schnellste Staffel hat (lacht). Ich bin gespannt und will mit meiner Staffel eine gut Marathonzeit schaffen.

Barbara: Oh, so sieht das also aus. Da muss ich wohl noch extra Energie tanken bis zum Sonntag.

Birgit: Ja, Barbara, zieh dich warm an.

Barbara: Ha. Zieh dich wärmer an.

 

Zur Person: Barabara Meier, Jahrgang 1986, ist Model und Schauspierin und gewann 2007 die zweite Staffel der Castingshow Germany's Next Top Model.  Birgit Niethammer, Jahrgang 1989, ist Musicaldarstellerin und Model. Ausserdem ist sie seit ihrer Wahl zum Polar Topmodel 2016 als Polar-Botschafterin unterwegs.

 

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