Aller guten Dinge sind ...4
Erstellt von: hermann67
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am 27. Oktober 2011
Was für ein Jahr, kann ich euch sagen. Bis auf einen verkorksten Halbmarathon Anfang April, den ich dem plötzlichen Sommereinbruch in die Schuhe schiebe, verlief es einfach großartig. Neue 5km-Bestzeit, dreimal die 10km-Bestzeit verbessert, Geschwindigkeiten, die mir vor einem Jahr noch den Schweiß auf die Stirn getrieben haben werden jetzt als quasi Easy/Locker/Angenehm eingestuft. Man kann sagen, ein eigentlich bisher rundum zufriedenstellendes Jahr. EIGENTLICH. Wäre da nicht dieser Halbmarathon im Frühjahr. Zum dritten Mal an den als Ziel gesetzten 1.45h gescheitert. Das kratzt doch etwas am Ego. Der Hermann wäre ja nicht der Hermann, wenn er sich von so was kleinkriegen lassen würde.
Somit wurde über den Sommer fleißig weiter trainiert, denn das Ziel war klar formuliert: Am 23.10. sollte in Dresden ein erneuter Angriff auf die 1:45h erfolgen.
Ich nehme das Ergebnis mal vorweg: JA, ich habe diese 1:45h endlich geknackt! :-)
Und dabei hatte ich vor dem Start noch so meine Zweifel. Vielleicht war es ja auch einfach nur Nervosität? Auf den letzten Trainingseinheiten vermisste ich aber schon etwas die gewohnte Lockerheit. Innere Panik? Ihr mögt mich vielleicht auslachen, aber Halbmarathon ist für mich das, was für andere der Marathon ist. Einfach mal so nebenbei laufe ich keinen HM (mehr) und die Strecke flößt mir noch immer Respekt ein. Mag auch daran liegen, dass von meinen fünf bisher gelaufenen Halbmarathons ich drei gerne wieder vergessen würde. Eine eher schlechte Quote also. So lässt sich der Bammel vielleicht erklären.
Die letzte Nacht vor dem Lauf war auch alles andere als erholsam. Ständig aufgeschreckt, Blick auf die Uhr, ja nicht verschlafen! Wie ein Lauf einen schon fertig machen kann, noch bevor er überhaupt begonnen hat. Ist schon unglaublich.
Die Startnummer hatte ich schon am Vortag abgeholt, um mich dem Gedränge und Stress kurz vor dem entscheidenden Lauf nicht mehr aussetzen zu müssen. Das Gepäck bei nem guten Bekannten gelassen und dann ging es auch schon Richtung Start. Da ich diesmal glücklicherweise kurz vor dem Start kein Bedürfnis verspürte, nochmal wohin zu verschwinden, konnte ich mich doch relativ weit vorn in meinem Startblock einordnen. Ein Problem der vergangenen Jahre hier in Dresden war, dass ich auf den ersten Kilometern ausgebremst wurde und somit immer schon von Beginn an meiner Zielzeit hinterherlaufen musste. Hoffentlich würde mir das diesmal nicht passieren. Was ich aber bereits bereute war, dass ich nicht doch das das kurze Laufshirt gewählt hatte. Musste jetzt aber so gehen.
Pünktlich um 10 Uhr erfolgte der Start bei noch angenehm kühlen Temperaturen und Sonnenschein. Mein dritter Start in Dresden bei dieser Veranstaltung. Und wie sich schnell herausstellte, diesmal hatte ich einen super Startplatz erwischt. Gleich von Beginn an konnte ich mein Tempo laufen und Ellenbogeneinsatz war nicht nötig. Für den Kopf war das ungemein wichtig. Keine verlorengeglaubte Zeit aufholen müssen. Das befreit. Ich konnte schon mal locker an die ersten Kilometer rangehen. Die erste Kurve. Die erste Brücke. Alles easy! Vorbei am Dresdener Zwinger (ging es das letzte Mal hier auch schon lang?) Dem Sog der anderen Läufer folgend. Sogar arg aufpassen müssen, mich nicht zu sehr mitreißen zu lassen. Aber es lief sich so schön locker und leicht. 4.44 – 4.45 – 4.39... ich war viel zu schnell für einen Halbmarathon! Und trotzdem ging es in diesem Tempo weiter. Im Hinterkopf tauchten mahnende Worte auf: Das ist hier kein 10km-Rennen! Du musst 21,1km durchhalten, also mach langsamer! Aber wie ich es schon öfters festgestellt habe, wenn ich erstmal in meinem Trott bin ist es schwer, mich bewusst runterzubremsen. Und schwupps waren die ersten 5km um. Gar nicht zu vergleichen mit der letzten Trainingseinheit im angestrebten Wettkampftempo. Da dachte ich noch, das hältst du keine 21km durch. Aber heute einfach tolles Gefühl! Anstatt jetzt ruhiger zu werden, wurden die Kilometerzeiten sogar minimal schneller. Gedanklich hatte ich die Strecke in mehrere Zwischenetappen aufgeteilt. Der nächste Punkt war Kilometer 7. Ein Drittel geschafft und noch gut im Rennen. Nur leider noch zu früh für irgendwelche Prognosen.
Was mich unterwegs etwas aufbrachte waren die Verpflegungsstellen, bzw. die Läufer, die plötzlich einfach vor einem stehen blieben. „Idioten! Becher fassen und weiterlaufen!“, hätte ich da gerne am liebsten das ein oder andere Mal gerufen. Mich aber eines besseren besonnen ;-)
Und schon waren die nächsten 5km rum. 47:13min zeigte meine Uhr an der 10km-Marke, was schon für ein 10km-Rennen eine beachtliche Zeit ist. Und jetzt im Rahmen eines Halbmarathons erst recht nicht zu verachten. Wieder zweifelnde Gedanken. Hatte ich mich bereits übernommen? Würde jetzt jeden Augenblick der Einbruch kommen? Noch nicht einmal die Hälfte der Distanz hatte ich bisher zurückgelegt. Noch fühlte es sich weiterhin gut an. Immer wieder Bereiche mit erhöhten Zuschauerzahlen. Trommlergruppen mit Anfeuerungsrhythmen. So ließ es sich laufen. Die Kilometer vergingen wie im Fluge.

Jetzt führte die Strecke Richtung Großer Garten bzw. durch ihn hindurch. Und zu meiner Überraschung näherten sich meine Kilometerzeiten der 4.30/km. Das war nun wirklich deutlich zu schnell, und so allmählich merkte ich das auch in den Beinen. Ab Kilometer 13 was es dann mit dem „lockeren“ Laufen vorbei. Jetzt fühlte es sich doch merklich nach Wettkampf an. Aber immerhin mehr als die Hälfte der Strecke hatte ich hinter mir. Kilometer 15: 1:10:16h. Die dritten 5km waren noch mal schneller als die vorangegangen. Jetzt war ich mir sicher. Die 1:45h werden heute fallen. Da muss es schon mit dem Teufel zugehen, wenn ich diese Zeit erneut verfehlen würde. Fast 36min noch für 6,1km. Das musste doch zu schaffen sein! Obwohl jetzt das anstrengendste (da die Kraft nachließ) Teilstück vor mir lag, überkam mich innerlich schon ein kleines Glücksgefühl. Ich war voll auf mich und den Lauf fokussiert. Bis KM 17 konnte ich das Tempo noch hochhalten. Ziemlich genau an der 18km-Marke war es dann aber schlagartig um mich geschehen. Schluss- Aus-Ende. Als hätte wer die sämtliche noch verbliebene Kraft aus meinen Beinen gesaugt. Ab sofort kostete jeder Schritt immense Überwindung. Die Beine einfach nur schwer. Auf der anderen Seite der Elbe konnte ich schon das Ziel erahnen. Wie gemein. Für die Sehenswürdigkeiten hatte ich kein Auge. Viel zu sehr auf mich und den nächsten Schritt konzentriert. Noch eine Schleife drehen. Über die letzte Brücke gequält, nur noch mit gutem Willen und dem Wissen: Nur noch einen Kilometer, „schlich“ ich vorwärts Die Zuschauermenge wurde wieder dichter. Gleich! Nur noch wenige Meter, die letzten Kurven, das Ziel vor Augen. JAAA! Gut, noch ein paar Meter mehr, da die Zeitmessmatten etwas hinter dem Zieltor lagen, aber die paar Schritte schaffte ich dann auch noch.
Keine 1:41h zeigte die Uhr im Zielbereich. Was für ein Rennen! Das musste ich erst einmal verdauen. Im vierten Anlauf hat es endlich geklappt mit dieser <1:45h. Bestzeit um über 5min verbessert. Da hat diesmal wirklich alles gepasst. Soagr noch Lust verspürt, mich danach etwas auszulaufen. Freiwillig! Das will was heißen ;-)
Und es hat sich wieder mal bestätigt, in Dresden laufen liegt mir. Schöne Stadt. Schnelle Strecke. Super drumherum. Ich komme wieder!

geschrieben von feuerraeder, October 29, 2011
geschrieben von kittymuc, October 28, 2011
geschrieben von lurch, October 28, 2011
Super gemacht und schön beschrieben, gute Erholung und sonne dich im Glanze deines hart erarbeiteten ruhmes, du hast es dir verdient.
Gruß vom Lurch
geschrieben von otti, October 28, 2011
geschrieben von catcat, October 28, 2011
geschrieben von nickeneck, October 28, 2011
Diese "Idioten" finde ich auch furchtbar! Mitlerweile achte ich tunlichst darauf niemanden direkt vor mir zu haben, wenn ich einen Getränkepunkt ansteuere. Bei meinem 2.Marathon (der erste war noch mit Eigenverpflegung) hätte ich so einen Depp, der gleich vor dem ersten Becher stehen bleiben musste, um ein Haar über den Haufen gebügelt.
Die 1:40 ist dann wohl nächstes Jahr fällig, oder gleich die 1:35?











Noch viel Spaß mit dem Rest der Saison!