Furioser Start ins Wettkampfjahr - Senftenberg 2011
Erstellt von: hermann67
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am 08. Februar 2011
Was für ein furioser Start in die Wettkampfsaison 2011. Wenn mir jemand solch eine Zeit im Vorfeld prophezeit hätte, den hätte ich für bekloppt gehalten. Ich war momentan richtig gut drauf, das hatte ich bei den Trainingsläufen durchaus bemerkt, aber gleich derart?
Meine Saison sollte wie auch schon in den vergangenen Jahren in Senftenberg beim Hallenmarathon beginnen. Nicht beim 3.000m-, nicht beim 5.000m- sondern beim 10.000m-Lauf wollte ich mein Glück versuchen. Nach dem Start im letzten Jahr war ich zwar noch davon überzeugt gewesen, keine 10.000m mehr in der Halle zu laufen, aber Meinungen können sich bekanntlich schnell ändern ;-)
Anders als im letzten Jahr maß ich diesem Lauf jedoch keine besondere Bedeutung bei. Keine wirkliche Zielzeit im Vorfeld angegeben, höchstens dass ich schneller als 2010 sein wollte. Das Rennen sollte schlicht das Jahr 2011 einleiten und Spaß machen. Wenn möglich also völlig ohne irgendwelchen Druck ran gehen.
Sehr bedanken möchte ich mich bei Frau Holle. Immerhin hatte sie bereits einige Wochen vor dem Wettkampf das Bettenschütteln eingestellt. Somit waren die Straßen wenigstens soweit frei, dass ein ordentliches Training stattfinden konnte. Am Ende zog sich der Winter sogar soweit zurück, dass die kurze Hose wieder zum Einsatz kam und die Ärmel hochgestreift wurden. Frühlingsgefühle gesellten sich zu meinem läuferischen Hochgefühl. Alles war EASY. Da mochte der Trainer mich im Extremfall noch bis zu 80-90km/Woche durch die Gegend scheuchen. Mir doch egal. Es fühlte sich einfach nur toll an.
Dann stand der Wettkampf vor der Tür. Sieben Wochen waren mittlerweile seit meinem letzten Rennen vergangen und ich somit doch etwas angespannt. Wo stand ich? Was war so früh in der Saison bereits möglich?
Der Hallenmarathon in Senftenberg war eine Zweitagesveranstaltung. Läufe von 250m bis 50km-Ultramarathon verteilen sich auf das Wochenende. Ich wählte schon seit meinem ersten Start in Senftenberg einen Lauf aus dem Samstagsangebot aus, einfach weil an diesem Tag auch die Auswertung der Lausitz-Laufserie der vergangenen Saison stattfand. Und einfach nur der Auswertung wegen hinfahren kam nicht in Frage ;-)

Es war zwar ein neues Jahr, aber an der Startlinie standen die selben bekannten Gesichter wie schon unzählige Male zuvor.
Am 21.01.2011 gegen 11 Uhr wurde schließlich meine Laufsaison 2011 eingeleitet. Knappe 60 Läufer stürmten auf der schmalen Bahn der ersten Kurve entgegen. Die ganz schnellen konnten die Überhöhung in der Kurve gut ausnutzen, ich selber hielt mich zumindest auf den ersten Metern etwas zurück. Diese Zurückhaltung währte jedoch nicht lange. Als ich zwei Läuferinnen davon eilen sah war der alte Ehrgeiz sofort wieder geweckt. Eine ordentliche Zeit zu laufen war das eine, Wettkampffeeling im Sinne von Mann gegen Mann das andere. Obwohl mir bereits im Vorfeld klar war, dass ich zumindest gegen eine der beiden Läuferinnen chancenlos war, wurde die Verfolgung aufgenommen.
Somit setzte ich, mir durchaus bewusst, meinen Plan von einer niedrigen 48, evtl. ja sogar 47:xx leichtfertig aufs Spiel. Derartiges Vorgehen endete meistens mit einer Beinahekatastrophe. 66er Runden zu Beginn. Das konnte nicht gut gehen. 4:22 für KM 1. Vier Runden geschafft, „nur“ noch 36!
Und das Überundetwerden war bereits voll im Gange.
Einen Überblick über die Zwischenzeiten zu haben ist problematisch in einer Halle. Auf die offizielle Rundenzähltechnik war in den vergangenen Jahren kein Verlass. GPS funktionierte nicht, Schrittzähler habe ich keinen, ein Freiwilliger zum Rundenzählen ließ sich nicht finden. Selber zählen? Hatte ich auch schon mal versucht, aber war nicht weiter als „Vier“ gekommen. Also musste doch die Technik herhalten. Jede Runde die „Lap“-Taste zu drücken hielt ich nicht für machbar, zu viel Ablenkung, aber alle vier Runden = jeden Kilometer sollte ich das schon irgendwie zustande bringen.

Die ersten Runden gingen sehr gut, evtl. zu gut? Nach wenigen Umläufen hatte ich eine der Damen wieder eingeholt und zog an ihr vorbei. Na hoffentlich war das kein Fehler. Überrunden und überrundet werden. Langweilig war es erstmal nicht. Hin und wieder vernahm ich etwas Musik, die aus den Lautsprechern zur Unterhaltung der Läufer und Zuschauer ertönte. Aber zu 95% war ich ganz woanders, einfach zu sehr auf das Rennen konzentriert, um die Dinge um mich herum bewusst zu registrieren. Einzig meinem guten Freund, dem Fotografen schenke ich wiederholt ein Lächeln.
Die ersten drei Kilometer sind immer kritisch. Hier entscheidet sich bei mir ein Rennen. Wird es ein schrecklicher oder ein „angenehmer“ Kampf?
Die drei Kilometer verstrichen ohne besondere Vorkommnisse. Die Beine schienen gut zu funktionieren. Ein Trugschluss? Ich war deutlich schneller als die gesteckten Zeitziele von 4.45-40/km unterwegs. Flucht nach von war mal wieder das Motto. Und es ging so weiter. Keine Runde langsamer als 70 Sekunden.
Bis Kilometer 5 war alles noch im halbwegs grünen Bereich. Aber dann. Plötzlich hieß es nicht mehr „schon 20 Runden“, sondern „noch 20 laaange Runden“. Jetzt musste ich anfangen zu kämpfen. Gegen den Kopf und das ewige Runden Gelaufe zum einen, gegen deutlich müder werdende Beine zum anderen. Schnell wurden aus den 68-69er Runden 70er-, 71er-, 72er- sogar 73er-Runden. Nur nicht nachlassen! Kilometer 7 und 8 von der Motivation her am schwierigsten. Noch 16- Runden, nach 14-Runden, noch... Es will kein Ende nehmen. Warum? Nicht nachlassen!
Mittlerweile begann sich die Bahn zu lichten. Ein schneller Mann nach dem anderen überquerte die Ziellinie. Was die verbliebenen Läufern nicht daran hinderte, mir immer gerade in der Kurve vor die Füße zu laufen. Kilometer 8 und 9. Es fehlte an Kraft und Willen, in der überhöhten Kurve an langsamen Läufern vorbeizugehen. Wieder war ein Sekündchen verloren.
„Kämpferisch durchziehen!“ Dieser Kommentar im Plan tauche vor meinem geistigen Auge auf. Ich wusste, ich lag sehr gut in der Zeit. Selbst wenn ich die letzten zwei Kilometer in 5min/km laufen würde, wäre eine Zeit deutlich unter 48min drin.
Die letzten Runden waren vielleicht ein Stück harte Arbeit, kann ich da nur sagen. Verbissen gekämpft und gequält wie schon lange nicht mehr. „Schlussspurt“ auf der letzten Runde. Die große Uhr im Ziel auf den letzten Metern immer im Blick. 46:10,...,46:12,...,46:14,...,46:16.....
Total fertig, nach Luft ringend, zu nix im Moment zu gebrauchen, völlig kraftlos saß ich wenige Augenblicke später auf der Bank und versuchte, das eben Geschehene zu begreifen. In mir drin ein unbeschreibliches Gefühl von Freude und Glück.

(die offizielle Rundenzähltechnik hat übrigens das erste Mal funktioniert und die Runden ordentlich angezeigt, jedenfalls bei mir)

geschrieben von berlifan, February 10, 2011
geschrieben von catcat, February 08, 2011
geschrieben von kittymuc, February 08, 2011
geschrieben von oppelnhoppel, February 08, 2011











Mal abwarten, was das Jahr so bringen wird ;-)
LG