Halbmarathon in Dresden - Lohn der ganzen Quälerei

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hermann67

Hi. Wird wohl endlich mal Zeit, wieder was von mir hören zu lassen. Ich laufe noch. Und wie der eine oder andere festgestellt hat, nicht gerade wenig in den letzten Wochen. Und warum? Weil ich noch einmal in diesem Jahr einen Halbmarathon bestreiten wollte. Und anders als dieser gruselige HM im April sollte es diesmal mit besserem Resultat zu Ende gehen.

Im Juni, als mich Helfertätigkeiten im Rahmen des Sportscheck-Stadtlaufs wieder mal nach Dresden führten, mit anschließend schöner Laufrunde meinerseits auf dem Elberadweg verstärkte sich mein Wunsch, den nächsten Halbmarathon in Dresden zu laufen. Dresden ist und bleibt ne tolle Stadt. Und nachdem ich 2009 hier meinen ersten ordentlich vorbereiteten HM gelaufen war mit genialem Ausgang, konnte fast gar nichts mehr schief gehen.

Aber ohne harte Arbeit kein Erfolg, dachte sich wahrscheinlich der Trainer. Denn anders kann ich es mir nicht erklären, dass ich diesmal derart durch die Gegend gejagt wurde. Zugegeben, es machte Spaß, sehr viel Spaß. Aber knappe 100km in einer Woche als Maximum? Für einen Halbmarathon? Ok, mein Rad hatte in dieser Woche den Dienst eingestellt, aber über 80km wären es auch so geworden. Und das merkwürdige an der Sache: Es ging mir gut dabei.

Abwechslung in den Trainingsalltag brachten vereinzelte Wettkämpfe. Da rennt man das ganze Jahr wie blöd umher, auch mit sehr guten Leistungen bei Wettrennen, aber der richtig große Erfolg, sprich eine schöne neue Bestzeit, blieb mir bisher verwehrt. Zugegeben, neulich gab es ein super 10km-Rennen. Aber eine Bestzeit, die gerade mal eine Sekunde schneller ist als die alte Zeit? Na ich weiß ja nicht. Das liegt ja noch im Fehlerbereich. Jedenfalls hatte ich so nach und nach mit diesem Jahr abgeschlossen. Bestzeiten, ich rede da von so richtigen 5er- oder 10er-Rekorden, nicht von Streckenbestzeiten, würde es wohl nicht mehr geben.

Freilich, ein Versuch blieb mir noch, der Halbmarathon in Dresden. Um keine Trainingseinheit ausfallen lassen zu müssen nahm das ganze Vorhaben schon merkwürdige Züge an. Man hielt mich bisher schon für verrückt. Aber mit Trainingseinheiten zu nachtschlafender Zeit oder schlaftrunken am frühen Morgen hatte ich dann wohl den Vogel abgeschossen. Sei’s drum. Nichts konnte mich aufhalten!?

Es glich schon fast einer Verschwörung, aber ja näher der große Tag rückte, um so mehr nahm das Geschniefe und Gekrächze um mich herum zu. Ausweichen unmöglich. Am liebsten hätte ich mich in meinem Zimmerlein verbarrikadiert, war nur leider nicht möglich. Ich musste irgendwie durchhalten. Das Gefühl, sich irgendwo was eingefangen zu haben sowie das Abhandenkommen meiner Lockerheit beim Laufen wenige Tage vor dem Großereignis ließen Zweifel in mir aufkeimen. Das Desaster in Burg war in meinen Kopf präsent wie schon lange nicht mehr. Sagen, der Lauf von damals wäre abgehakt ist das eine, aber in solchen Momenten kommt es eben wieder hoch.

Fragt mich nicht wie, aber ich konnte den Virenattacken standhalten. Also ab nach Dresden.

Der Samstag sollte mir dazu dienen, Anspannungen abzulegen und locker zu werden. Im Trainingsplan hatte ich den Tag einfach mal blockiert. Startnummer holen, Nudeln verputzen, bisschen shoppen. Am Abend noch etwas Erwärmung bei lustigen Videospielen…

Dann war auch schon der Sonntag angebrochen und ich machte mich auf Richtung Start. Dresden ist ja fast wie ein Heimrennen. Viele Bekannte, quatschen, angesprochen mit Namen werden von Leuten, die ich nirgendwo einordnen kann. Alles gut zur Ablenkung und Ausblendung der Nervosität.

Noch war die Kleiderfrage nicht ganz geklärt. Ein warmer, sonniger Herbsttag sollte es werden. Singlet, Kurztight, mir wird eh immer viel zu schnell warm. Noch etwas Stress vor dem WC-Häuschen, dann rasch rein in den Startbereich. Dichtes Gedrängel. Schrecklich. Ich stand mal wieder viel zu weit hinten. So richtig habe ich den Dreh noch nicht raus. Ist ja auch erst mein zweiter Wettkampf in so einem großen Starterfeld. Das muss aber besser werden. Die ersten Meter nach dem Startschuss somit auch sehr stockend. Jetzt Ruhe bewahren! Einer zu schnellen Startphase jedenfalls erstmal aus dem Weg gegangen. Aber jetzt gleich viele viele Sekunden einbüßen? Doofes Zickzacklaufen! Die Entscheidung, mit Singlet zu laufen stellte sich schon zu Beginn als Gut und Richtig heraus. Wer bitte hatte denn Ende Oktober noch mal den Sommer bestellt?

Zwei Kilometer hatte ich mich gerade mal durch die Massen gequält und lag schon 50Sekunden hinter den gesteckten Zielen zurück. Das würde heute schwer werden. Die dichte Menge bewegte sich durch Dresden. Schon erstaunlich, in dem Gewühle Bekannte ausfindig zu machen. „Ulf!“ Er meinte noch was von, er könne sich Zeit lassen und dann war ich auch schon vorbei.

Bei Kilometer 5 lief ich noch immer der „verlorenen“ Zeit aus der Startphase hinterher. Ich hatte zwar mittlerweile den gewünschten Kilometerschnitt erreicht, aber mehr ging nicht. Es fühlte sich auch nicht so locker und leicht an, wie ich es mir gewünscht hatte, aber immerhin ließ es sich laufen.


Kreuz und quer durch Dresden wurden die Läufer geführt. Nach Attraktivität der Strecke sich ein Laufevent zu suchen finde ich bald quatsch. Fragt mich bitte nicht, wo wir überall vorbeigekommen sind. Es mag was anderes sein, wenn es ein Genusslauf werden sollte. Aber da ich auf Zeit fixiert war, nahm ich das Geschehen abseits der Strecke kaum war.

10 Kilometer waren nun schon verstrichen. Etwas Zeit hatte ich aufgeholt, lag aber immer noch einiges zurück. Es war anstrengend. Und wieder schoss mir Burg durch den Kopf. Bloß nicht verunsichern lassen. Nicht die gewünschte Lockerheit, aber auch noch nicht so am Ende wie im April. Und was bitte hatte ich denn erwartet. Ich wollte hier Bestzeit laufen, und ohne Anstrengung war das nun mal nicht möglich. Wenn ich leicht und locker durch Dresden hätte laufen wollen, hätte ich eine Zielzeit von 2h angegeben ;o

Und weiter ging’s. Großer Garten und plötzlich durchfuhr mich ne Art Energiestoß. Die nächsten 3-4km fühlten sich einfach nur toll an. Die Kilometer flogen dahin. Eine verlorene Sekunde nach der anderen holte ich mir wieder zurück. So ein Zwischenhoch ist einfach nur klasse. Dummerweise war es nur von kurzer Dauer. Ab KM 14 wurde es wieder anstrengender. Nach 15 Kilometer war es dann endlich so weit. Ich war in der gewünschten Zeit unterwegs. Die Freude währte aber nur kurz. Denn jetzt folgte der unangenehmste Teil des Wettkampfes. Noch sechs lange Kilometer lagen vor mir und ich wollte immer weniger weiterlaufen. Zudem meldete der Kopf immer wieder, ich solle einfach mal stehen bleiben. Stehen geblieben bin ich nicht, aber ich wurde etwas langsamer. Traumzeit würde es nicht mehr werden, aber noch war ich auf Bestzeitkurs unterwegs. Allzuweit war es nicht mehr, aber die Beine waren müde, ich war müde, es wurde schwer. Zu allem Überfluss war ziemlich genau an der 19km-Marke auch noch der Saft alle. Beine wie Pudding. Jeder Schritt kostete immense Überwindung. Gefühltes Schleichtempo. Die Sekunden verstrichen, ohne dass ich vorwärts kam. Dieser 20. Kilometer war Quälerei pur. Und gerade hier mussten noch einige winzig kleine Bodenwellen passiert werden. Hölle. Aber das Ziel winkte. Das musste doch noch zu schaffen sein. Bestzeit! Los jetzt. Das schaffst du noch! Auf dem letzten Kilometer alle noch irgendwo vorhandenen Kräfte mobilisiert. Der Gedanke an ein baldiges Ende kann einem Flügel wachsen lassen. Die letzte Kurve, die gerade. Das Ziel vor Augen. Endspurt! Und dann war es geschafft. 1:47:irgendwas zeigte die Uhr im Ziel. SUPER! Bestzeit garantiert, da selbst Brutto schneller als meine bisherige HM-Bestzeit. Da hat sich die Quälerei das ganze Jahr über doch noch ausgezahlt. So kann die Saison 2010 zu Ende gehen.

Kommentare (9)Add Comment
oppelnhoppel
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geschrieben von oppelnhoppel, November 01, 2010
Na siehstewohl!!! und im nächsten Jahr die 1:45, die 10er pb etc. Alles im Lot! Bist ne super Läuferin, RESPEKT!
hermann67
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geschrieben von hermann67, November 01, 2010
Danke für die vielen Glückwünsche! :-)

Dresden kann ich nur empfehlen. Schöne Stadt, schöner Lauf.
catcat
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geschrieben von catcat, November 01, 2010
Herzlichen Glückwunsch Diana zu deiner tollen neuen HM-Bestzeit. Ich bin ganz geplättet. Und Danke für einen schönen Bericht. Der macht direkt Lust dort auch mal an den Start zu gehen.
lhoneck
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geschrieben von lhoneck, October 31, 2010
Super Bericht, super gekämpft!! Herzlichen Glückwunsch und Grüße aus Freiburg
janmitfun
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geschrieben von janmitfun, October 31, 2010
Et Hermännchen!! Super, Bestzeit gelaufen obwohl nicht alles perfekt war. Genau das könnte die Moral von der Geschichte sein... Lass Dich nicht von großen oder kleinen Unwägbarkeiten aus der Ruhe bringen! Wer soviel und so gut trainiert, den bringt man so schnell nicht vom Ziel ab!

Glückwunsch! vom janmitfun
kittymuc
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geschrieben von kittymuc, October 30, 2010
Hey, super gelaufen! Trotz "Hänger"! Freue mich für dich, dass du zum guten Schluss noch dein Ziel erreicht hast. Damit dürfte Burg wohl endgültig abgetan sein... :))
berlifan
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geschrieben von berlifan, October 30, 2010
Hatte auch schon deinen Bericht vermisst... Gratuliere die natürlich zu deiner neuen Bestzeit! Deine Durststrecke kam anscheinend kurz nachdem wir dich gesichtet hatten (standen ja bei km 18,5). Habe heute meine Bestzeit über Ten Miles auch um eine ganze Sekunde verbessert ;-).
saxwolf
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geschrieben von saxwolf, October 30, 2010
Schön von Dir noch einen Bericht zu lesen, ich hatte ihn schon vermisst. Es ist lustig ich konnte fast jede Zeil mitempfinden. Besonders der Auftrieb nach dem großen Garten. Scheint dort etwas bergab zu gehen. Mir ging es jedenfalls genau so. Irgendwie ging es mir das ganze JAhr ähnlich wie Dir. Viele Wettkämpfe und alle nicht schlecht aber eben auch nicht der Brüller. Genau so mit dem Trainingsplan die letzte Woche noch soviel Kilometer. Aber es hat Dir ja auch was gebracht. Also noch mal Glückwunsch von mir und viel Spaß bei Deinen weiteren Läufen.
Ende November ist Adventslauf in Freiberg :-).
girasole
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geschrieben von girasole, October 30, 2010
Es gibt ihn noch, den Hermann, wie schön! Und sogar wieder mit dem Lieblings-Profilbild.

Glückwunsch zur neuen Bestzeit und danke für den schönen Bericht!
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