Lebenszeichen aus dem Osten - Ein Rückblick

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hermann67

Keine Angst, mich gibt es noch. Und laufen tu ich auch. Zwar bei weitem nicht mehr so viele Wettkämpfe wie in den vergangenen Jahren, aber man wird ja älter ;-)

Gerade einmal an vier Wettläufen habe ich bisher teilgenommen. Der Höhepunkt im Frühjahr sollte der Berliner Halbmarathon werden. Dafür wurden so einige andere Rennen „geopfert“. Hat es was gebracht? Ich würde sagen eher nicht. Auch beim dritten Anlauf an den angestrebten 1:45h gescheitert. Aber der Reihe nach.

Das Jahr begann vielversprechend. Dem verschneiten Dezember ordentlich Paroli geboten und Anfang Januar beim 10.000m-Lauf unerwartet eine neue Bestzeit auf die Bahn gezaubert. Super Start ins Jahr. Da sollte doch so einiges möglich sein.

Der nächste Vorbereitungswettkampf war für Ende Februar geplant. Aber wie heißt es doch so schön: „Der beste Plan ist Mist, wenn er nicht zu ändern ist!“ ;-) Soll heißen, kurz vor dem WK hieß es dem sibirischen deutschen Winter den Rücken kehren und ab in warme Gefilden. Kein Wettkampf, nicht einmal Training. Welche Auswirkungen würde das auf die Form haben? Was würd das für den HM bedeuten? Panik! Na wenigstens der Trainer machte sich keinerlei Sorgen.

Die ersten Schritte wieder daheim waren dann genauso schrecklich, wie ich es erwartet hatte. Nichts war von der Lockerheit zu spüren. Fängt man wirklich schon nach wenigen trainingsfreien Tagen wieder bei Null an? So kam es mir jedenfalls vor. Die nächsten Tage schlich bzw. kämpfte ich mich auf meinen Runden vorwärts. Zum Glück fühlte es sich nach einigen Trainingseinheiten wieder wie vor der Zwangspause an.


Jetzt war es aber höchste Zeit, in die wichtigeren Laufserien der Gegend einzusteigen. Mitte März, beim Schlossparklauf in Bad Muskau sollte es endlich so weit sein und eine erste Standortbestimmung erfolgen. Neues Jahr,neues Glück. Wer weiß schon im Vorfeld, welche verrückten Läufer neu dazustoßen werden.

Der erste frühlingshafte Tag, gute Stimmung, voll motiviert,... und nach wenigen Metern hätte ich am liebsten gleich wieder kehrt gemacht. Fünf Kilometer sollten es nur werden, aber schon nach ein paar hundert Metern waren die Beine schwer. Schöne Sch****! So hatte ich mir das Rennen nicht vorgestellt. War es Unachtsamkeit, schlechte Wegstrecke, beides? Das weiß ich gar nicht so recht. Ich weiß nur, dass ich bei etwa KM 1,5 zum Überholen ansetzte und mich kurze Zeit später auf dem Boden wiederfand. Schöne Sch****, zum Zweiten. Das Rennen verlief so ganz und gar nicht wie ich es mir vorgestellt hatte. Schwere Beine, kraftlos, zerkratzt. Einfach nur zum Vergessen. Und anstatt ein paar aufmunternde Worte, nur schmunzeln um mich herum. Jaja, wer den Schaden hat braucht für den Spott nicht zu sorgen.


Nun galt es, diesen gruseligen Lauf schnell aus dem Gedächtnis zu streichen, denn schon eine Woche später wollte ich in Dresden beim Citylauf [10 km] antreten. Mein erster Start bei dieser Veranstaltung und zugleich als Generalprobe für den Halbmarathon zwei Wochen später in Berlin gedacht. Nach dem Reinfall letzter Woche wollte ich primär einfach nur ankommen, hoffte aber schon auf eine 48er Zeit. Und es kam mal wieder ganz anders. Statt der vorgenommenen 4.50/km-Anfangstempo ging es munter mit Zeiten zwischen 4.35-30/km los. Aber im Gegensatz zum 5er in Bad Muskau fühlte es sich wunderbar an. Die Beine waren locker. Ich einfach gut drauf. Die 5km-Zwischenzeit besser als die Endzeit in Bad Muskau, und deutlich einfacher zu laufen. Was war denn diesmal nur anders? Ob es daran lag, dass ich von Feuerraeder „verfolgt“ wurde und mir keine Blöße geben wollte? Oder einfach daran, dass Dresden scheinbar ein gutes Pflaster für mich ist? Ich weiß bis heute nicht, welch unsichtbare Kraft mich da vorwärts getrieben hatte, am Ende sprang jedenfalls das erste Mal eine Zeit von unter 46min für die 10km heraus. Wahnsinn!


Das eigentliche Rennen stand mir aber noch bevor. Der lange vorbereitete Halbmarathon. Zum dritten Mal wollte ich einen Angriff auf die 1:45h starten. Ich war besser denn je vorbereitet und irgendwann musste es doch mal klappen.

Den Abend noch entspannt mit anderen Community-Mitgliedern verbracht, war am nächsten Morgen doch Nervosität zu spüren. Der angebrochene Sommer gefiel mir überhaupt nicht, immerhin fand das gesamte Training im Winter bzw. bei deutlich einstelligen Temperaturen statt. Aber nun war ich schon mal hier und musste irgendwie mein Bestmögliches geben. Die Bitte bei Petrus um einen kühlen Tag fand leider keinerlei Gehör.

Block C. Der Start verlief überraschender Weise problemlos. Eigentlich hatte ich mit großen Zeiteinbußen auf den ersten Kilometern auf Grund der vielen Starter gerechnet. Aber bis auf ein paar unbedeutende kleinere Hindernisse und den ein oder anderen Ellenbogeneinsatz ging es ohne Zwischenfälle voran. Der Zielzeit hinterher laufen musste ich jedenfalls erstmal nicht. So verliefen die ersten sieben Kilometer so entspannt und angenehm, wie es eben bei einem Wettkampf sein kann. Ich war gut vorbereitet, war gut drauf, das wusste ich, das fühlte ich. So konnte es weitergehen.

So hätte es weitergehen sollen. Weitergehen müssen!

Es sollte aber einfach nicht sein. Ab KM8 begann die Kraft zu schwinden. Bereits bei KM10 waren die Beine dermaßen schwer, dass Gedanken ans Aufgeben aufkeimten. Ab Kilometer 12 war es nur noch eine reine Schinderei. Wie schnell es doch von „super gefühlt“ auf „einfach nur platt“ umschlagen kann. Schon beängstigend. Das Wasser zeigte keinerlei Wirkung. Aber Aussteigen wollte ich nicht. Ich MUSSTE ins Ziel. Irgendwie.

Qual. Schinderei. Leid. Schmerz. Kampf.

Ich habe das Ziel erreicht, aber fragt bitte nicht wie.

So endete auch dieser Lauf nicht im entferntesten so, wie erträumt. Aber davon geht die Welt nicht unter. Der nächste Halbmarathon kommt ganz gewiss. Und dann werden die 1:45h fallen, da bin ich mir sicher! ;-)

Und was lerne ich aus den letzten Monaten: Ich bin von konstanten Laufzeiten bzw. Wettkampfzeiten so was von weit entfernt. Der eine Hui, der andere Pfui. Wie Berg-und-Tal-Bahn fahren. Ob es irgendwann besser wird? ;-)

Kommentare (6)Add Comment
barbarine
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geschrieben von barbarine, April 12, 2011
Wieso Berg- und Talfahrt?? Mit nem Jetlag im Körper läufts sich nicht gut, logisch. Und dann dein Dresden-Erfolg, eine PB auf dieser anspruchsvollen Strecke, das hast du toll gemacht. Spricht doch für deine super Form. Und das Berlin nicht in die "Wertung" fällt, ist ja wohl klar. Mocki ist bei Kilometer 12 ausgestiegen und du hast dich "durchgekämpft"...
Kopf hoch und weitermachen, das wird schon, ganz sicher! :-)
feuerraeder
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geschrieben von feuerraeder, April 12, 2011
Netter Bericht, in Dresden hat es geklappt - super.
HM Berlin war zum zufälligem Treffen vor dem Lauf einfach zu voll, sonst hätten wir gern wieder zusammenlaufen können ;-) Aber die Zeit fällt schon noch, sicher!
otti
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geschrieben von otti, April 12, 2011
Schön, dass du wieder hier aktiv bist, Diana! Habe dich vermisst! Berg-und-Tal oder auf-und-ab erlebe ich auch immer wieder und habe auch immer die offensichtlich vergebliche Hoffnung, das es irgendwann mal vorbei sei.... Aber es war heiß in Berlin. Das klappt sicherlich bald mit der 1:45h, möglicherweise dann, wenn du es am wenigsten erwartest!
oppelnhoppel
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geschrieben von oppelnhoppel, April 12, 2011
Gut wieder von dir zu lesen! Dein Berg und Tal Ding motiviert mich ungemein, wo ich selber gerade der Talstation entgegen düse .-) Sehr schöner Bericht. Never givin' up...
girasole
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geschrieben von girasole, April 12, 2011
Also echt, die 1:45 ist sowas von überfällig bei Dir! Oder Du visierst gleich die 1:43 an, dann hättest Du etwas Reserve zur 1:45 ;-)

Glückwunsch zur tollen neuen 10km-Bestzeit. Vielleicht schaffst Du es noch unter 45 diese Saison?

Viel Erfolg für Deine Laufserien!
berlifan
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geschrieben von berlifan, April 12, 2011
Der nächste Lauf müsste nach Deiner Berg-und-Tal-Bahn-Theorie doch bestens laufen ;-). Und die 1:45 fällt schon irgendwann, da bin ich mir bei Dir sicher!
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