Ganz schön vertrackt: Fitbit Charge HR vs. Runtastic Orbit im Test

Geschrieben von: Jörg Donner
Jörg Donners Hand mit zwei Fitness-Trackern

Den inneren Schweinehund zu überlisten, ist nicht immer einfach. Fitnesstracker wie der Fitbit Charge oder der Orbit von Runtastic sollen dabei helfen. Das gelingt allerdings mehr schlecht als recht, auch weil die Tracker eher mäßige Ergebnisse liefern. Aber interessante Spielereien sind sie allemal.

Über das Thema Fitnesstracker kann man mindestens genauso gut streiten wie über Geschmack. Ich persönlich nutze gern digitales Spielzeug, laufe grundsätzlich mit Musik im Ohr und schaue mir auch mal am Computer meine Performance-Daten an, die sich so ansammeln.

Andere finden es völlig albern, sich ständig analysieren zu lassen, manche halten die „totale Überwachung“ in Kombination mit dem Lagern von Daten in der Cloud sogar für gefährlich.

Ob man einen Fitnesstracker benutzt, hat also durchaus mehrere Aspekte, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass der Markt für Fitness-Daten-Analyse und die zugehörigen Geräte in den vergangenen zwei Jahren geradezu explodiert ist – und das macht die Wahl des richtigen Geräts nicht unbedingt einfacher, zumal es beim Preis relativ große Unterschiede gibt.

Mit knapp 100 Euro für den Runtastic Orbit und 150 Euro für den Fitbit Charge HR liegen die beiden Tracker im Test im unteren Preissegment für Geräte mit numerischem Display, also einer Anzeige, die tatsächlich Werte anzeigt, statt nur zu blinken oder zu leuchten, wie manche billigen Geräte.

Ohne Smartphone geht fast nichts

Bei der Funktionsweise liefern beide Armbänder recht ähnliche Möglichkeiten: Uhrzeit, gelaufene Schritte und verbrannte Kalorien zeigen beide auf Knopfdruck an, der Orbit liefert noch einen „Aktivitätsindex“, der Charge gibt die täglich zurückgelegt Strecke in Kilometern an und liefert Aufschluss über Höhenmeter in Form von Stockwerken. Der Charge HR misst außerdem über einen Sensor an der Unterseite ständig die Herzfrequenz und zeigt sie auf Wunsch an.

Für diese Werte braucht es bei beiden Geräten theoretisch auch kein Smartphone, die Tracker messen Schritte ganz allein über Lage- und Bewegungsfühler. Allerdings: Koppelt man die Armbänder nicht mit einem iPhone oder Android-Gerät, gehen gefühlt 95 Prozent der Möglichkeiten flöten. Denn eigentlich dienen die Tracker nur als zusätzliches Display für die wesentlich umfangreicheren Apps, die es in den zugehörigen Stores gibt. Dazu später mehr.

Der Tragekomfort ist bei beiden Geräten in etwa gleich: Der Orbit hakt über zwei Kugelköpfe in entsprechende Löcher des Armbands ein. Dazu muss man gelegentlich etwas frickeln, dafür bietet das Armband recht große Flexibilität – man kann es beispielsweise auch über der Jacke tragen.

In der Verpackung liegen sogar zwei Armbänder in unterschiedlichen Farben und eine Hülle, mit der man den Orbit als Schrittzähler an die Hose klippen kann. Das funktioniert, weil das eigentliche Gerät nur ein kleines Plastikgehäude ist, das sich mit wenigen Handgriffen in eine andere Hülle stecken lässt. Für 30 Euro kann man sogar drei weitere Armbänder in anderen Farben im Runtastic-Shop bestellen – individuelle Abstimmung auf die Farbe der Laufkleidung ist also möglich, wenn man’s braucht.

Performance: suboptimal

Der Charge HR ist hingegen fest in sein Armband integriert, man muss sich also für eine von fünf Farben und für eine von drei Größen entscheiden – was die Flexibilität deutlich einschränkt. Denn das Armband in „Large“ passt beim besten Willen nicht über eine Jacke. Der Verschluss ist klassisch, wie bei einer Uhr, mit Dorn.

Größter Nachteil aus meiner Sicht im Vergleich zum Orbit: Geht das Armband kaputt, etwa weil man irgendwo hängen bleibt, ist der Spaß vorbei. Dann muss man den Charge entsorgen. Klarer Minuspunkt. Vom Tragekomfort her bevorzuge ich trotzdem eindeutig den Charge HR.

Dafür hat der Charge gegenüber dem Orbit einen deutlichen Vorteil: Ein Lagesensor aktiviert das Display, sobald man den Arm hebt, um draufzuschauen. Das funktioniert zwar nur in etwa 80 Prozent der Fälle, aber spätestens beim dritten Versuch lässt sich die Uhrzeit ablesen. Nachteil: Ist die „Anzeige bei Kippbewegung“-Funktion aktiv, reagiert das Display auch auf Bewegungen, die eher nicht dazu dienen, die Uhrzeit anzuzeigen. Das zehrt den schwachbrüstigen Akku noch schneller auf.

Beim Orbit hingegen muss man den Knopf unterhalb des Displays drücken, sonst bleibt es schwarz. Was gut für den Akku ist, stört im Alltag nicht unbedingt, dafür nervt es vor allem bei Aktivitäten, wie etwa beim Radfahren, oder wenn man nur eine Hand frei hat.

Minuspunkte sammeln beide Tracker für die Displaygröße bzw. die Qualität der Anzeige. Im normalen Tageslicht sind die Werte noch halbwegs gut abzulesen, im Sonnenschein hingegen muss man sich ziemlich anstrengen, um etwas zu erkennen.

Die Displaygröße trägt auch nicht unbedingt zur besseren Lesbarkeit bei: Längere Texte scrollen langsam durchs Display, etwa wenn der Charge den Namen eines Anrufers auf dem Telefon signalisiert. Das schmälert den Nutzwert gewaltig und lässt einen sehr schnell den Mehrwert von Smartwatches erkennen, die in der Regel wesentlich bessere und aussagekräftigere Displays bieten.

Ohne Saft steht man im Regen

Geladen werden sowohl Orbit als auch Charge HR per USB-Kabel. Besonders ärgerlich dabei: Beide nutzen keine Standard-Stecker an der Uhr, sondern proprietäre Lösungen. Hat man also das zugehörige Kabel nicht dabei, lässt sich der Tracker auch nicht laden. Da beide mit relativ kurzer Performance aufwarten – mehr als vier bis fünf Tage sind in der Regel nicht drin – steht man dann schon mal unterwegs ohne Strom im Regen.

Übrigens: Die Batterie ist in beiden fest verbaut, die Lebensdauer also durchaus begrenzt.

A propos Regen: Den sollte man mit dem Charge nach Möglichkeit vermeiden. Fitbit weist darauf hin, dass der Tracker nur spritzwassergeschützt ist. Duschen sollte man damit also besser nicht. Den Orbit kann man hingegen sogar beim Schwimmen am Arm lassen, bis zu einer Tiefe von 100 Metern ist er laut Runtastic wasserdicht.

Während die Anzeige der beiden Tracker auf den kleinen Displays eher Spielerei sind, kommt mit der Kopplung eines Smartphones echter Mehrwert ins Spiel – und zwar vor allem beim Charge HR. Der Orbit ist im Prinzip nicht mehr als eine Verlängerung der Runtastic-App. Startet man ein Training, zeigt der Orbit verschiedene Werte wie zurückgelegte Strecke, Zeit, Durchschnittsgeschwindigkeit und Pace an, glücklicherweise bleibt das Display dabei die ganze Zeit aktiv.

Per Vibration gibt der Orbit zudem Feedback, wenn das Training startet oder beendet ist. Viel mehr Information liefert das Gerät aber nicht. Die zugehörige „Me“-App zeigt dieselben Werte wie der Tracker auf einen Blick an und erlaubt ein paar Einstellungen, beispielsweise für den Wecker oder die persönlichen Daten wie Gewicht, Größe und Alter, aus denen sich der Kalorienverbrauch errechnet.

Insgesamt bleibt der Mehrwert aber recht übersichtlich. Wer ohne Kopfhörer löuft und seine Runtastic-Werte einsehen will, ohne das Handy aus der Tasche zu zerren, ist mit dem Orbit gut bedient. Um einen echten Fitnesstracker im eigentlichen Sinn, handelt es sich meines Erachtens nach nicht.

App mit Mehrwert

Diesen Zweck erfüllt der Charge HR schon eher. Zum einen deshalb, weil er auch die Herzfrequenz misst und damit einen elementaren Baustein für die Datenanalyse liefert, zum anderen weil die App sehr umfangreich ausgestattet ist und sehr viele Spielmöglichkeiten zulässt – wenn man die Zeit dafür hat.

So lassen sich hier nicht nur die vom Tracker gemessenen Werte analysieren, sondern auch andere Daten analysieren. So kann man hinterlegen, wie lange und wie gut man geschlafen hat, wie viel Wasser man zu sich nimmt und was man gegessen hat – inklusive entsprechender Kalorienzähler. Pflegt man diese Daten peinlich genau, liefert die App äußerst umfangreiche Analysen.

Aber ganz ehrlich: Sein Mittagsmenü bestehend aus Leberkäse, Kartoffelsalat und einem stillen Wasser einzutragen, dauert schon fünf Minuten. Wer jeden Snack und jedes Glas Wasser hinterlegt, muss am Tag sicher 30 Minuten Dateneingabe rechnen.

Das ist mir beim besten Willen zu kompliziert und zu anstrengend. Dann doch lieber ein wenig ungenauer leben. Und ungenau ist auch das größte Problem des Fitbit Charge HR: Sowohl Schrittzähler als auch Herzfrequenzmesser lassen sich nicht mit der Qualität von Smartwatches vergleichen.

So weist der Charge im ersten Test nach knapp zehn gelaufenen Kilometern gerade mal eine zurückgelegte Strecke von acht Kilometern aus, im Langzeitvergleich beträgt die Abweichung zwischen 10 und 20 Prozent. Verlässlichkeit sieht anders aus.

Fazit: Mehr Spielerei als Tracker

Als Spielerei taugen beide Geräte, der Charge HR mehr, der Orbit etwas weniger, zumal er wirklich nur mit Runtastic-Apps seine volle Leistungsfähigkeit zeigt.

Als Fitnesstracker, nach dem man seinen Energieumsatz und sein Tagespensum an Bewegung messen kann, sind beide Geräte eher suboptimal. Wenn die Anzeige von Schritten, Herzfrequenz oder verbrannten Kalorien dabei hilft, den inneren Schweinehund zu besiegen und sich statt aufs Sofa zu legen lieber doch die Laufschuhe anzuziehen, ist das Ziel wohl erreicht.

 

Fotostrecke: Runtastic Orbit vs. Fitbit Charge HR

 

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