Vorname Lars
Geschlecht Männlich Persönliches „Werbung, oder so…“5 km 00:00:00
10 km 00:00:00 Halbmarathon 01:34:40 Marathon 03:34:30|
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patella hat den Blogeintrag NRW 2012 Kreis Gladb... erstellt „Das werden wir in aller Ruhe analysieren und in den Gremien eine Bewertung abgeben.“, sagen die Politiker auf diese Fragen meist im Anschluss an die Zahlen. So will ich es jetzt auch halten. Und das Gremium ist hier…. Es lag noch Eis auf der Frontscheibe, als ich um halb Sieben mein Rad ins Auto bugsierte. Natürlich war ich wieder eine halbe Stunde vor dem Weckerklingeln wach. Wie bei jedem Wettkampf. Dabei war ich nicht wirklich aufgeregt heute. Im Gegenteil. Als Fan der Düsseldorfer Fortuna befindet man sich in den letzten Tage in einem Zustand permanenten Dauerstresses der einhergeht mit nervösem Augenzucken und periodisch auftretenden Panikattacken. Da ist ein Kurztriathlon wirklich Balsam für die geschundene Seele und eine willkommene Ablenkung von den wirklich existentiellen Fragen im Leben eines leidgeprüften und dauerpessimistischen Anhänger des hiesigen Fußballvereins. Nachdem die Scheibe frei und der Navi programmiert war, ging es auf nach Gladbeck. Noch zeigte die Anzeige 0 Grad Celsius an, aber blauer Himmel und die aufgehende Sonne verhießen für den Tag zumindest Regenfreiheit. Wie jedes Jahr habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Mutter mit einem Sportwettkampf zu ehren. Mal ein Marathon, diesmal halt die Kombination vom Schwimmen, Radfahren, Laufen um ihr meinen Dank zu zeigen. Das erste Missgeschick widerfuhr mir auf dem Parkplatz. Das Vorderrad reagierte auf die Druckerhöhung auf 8 bar mit einem spontanen Riss am Ventil. „Besser jetzt als beim Wettkampf…“, dachte ich. Schlauch wechsel, einchecken und einen neuen Ersatzschlauch zu nachtschlafener Zeit gekauft. Dann bewies ich, dass man innerhalb von dreißig Minuten zwei Powergels entsorgen kann, ohne die angedachten Energiereserven dorthin gebracht zu haben, wo sie eigentlich hin sollten. Das erste gekauft, und dann am Kaffeestand liegengelassen, wo sich anscheinend der nächste über den kostenfreien Kraftlieferanten freute. Wieder einen gekauft. Den dann sicherheitshalber direkt in der Rückentasche verstaut, aus der er sich beim Schwimmen selbst verabschiedete… A pro pos Schwimmen! A pro pos Wettkampf. Fürs Schwimmen hatte ich eigentlich nichts Gutes erwartet. Permanente Unlust zum Üben der ersten Disziplin hat mich in diesem Jahr bisher erst auf magere fünfzehn Trainingskilometer kommen lassen. Da schien mir ein Verlassen des Beckens nach zwanzig Minuten durchaus realistisch zu sein, was ich in besserer Form schon mal 150 Sekunden früher erreicht habe. Die Vorabsprache auf der Bahn ergab, dass fast alle um die neunzehn Minuten schwimmen wollten. Ich hing mich hintendran und hatte ein wunderbares Erlebnis: Wasserschatten spart tatsächlich Kraft und Zeit. Die häufigen Berührungen meiner Hände an den Füßen des Vordermanns mögen zwar seine Nerven strapaziert haben, aber mir bescherten sie einen unerwartet frühen Schwimmausstieg. Nach 18.33min hatte ich die tausend Meter hinter mir. Und jetzt wartete das, was ich am meisten trainiert habe. Radfahren. Es war zwar schon etwas wärmer geworden (Start war 9.35 Uhr), aber dennoch habe ich mir eine Premiere gegönnt. Dickes Radjacke über dem nassen Anzug. Mag zwar fünfzehn Sekunden gekostet haben, aber ich habe es nie bereut auf den folgenden 38,5 Kilometern. Trainingszustand und ein etwas schwächeres Schwimmen ließen mich entgegen sonstiger Gewohnheiten sogar gelegentlich überholen. Sieben Runden à 5.5km auf einem Rundkurs, der zum Ende ein seltenes Wetterphänomen zeigte: Permanent gefühlter Gegenwind! Wahrscheinlich ein rechtsdrehender Wirbel direkt über dem Wittringer Schlosspark …. Im Ernst: Es war kaum Wind auf der Strecke, es fühlte sich nur wie so oft so an, als wenn die laue Luft ständig von Vorne kam. Am Ende hatte ich einen 34 er Schnitt auf dem Tacho, was mir umso respektabler erschien, da die lästige Schiebepassage durch die Wechselzone mit in die Zählung eingegangen war. Laufen! Ich liebe die Gladbecker Kilometer. Vielleicht sollte ich dorthin ziehen. Zwischen 3.30min (!!!) und 4.30min pendelten sich die Zeitabstände ein, zwischen denen ich immer wieder beim passieren eines Kilometerschildes meinen Zwischenzeitenspeicher strapazieren durfte. Wie jedes Jahr verschafft mir der Gladbecker Triathlon für wenige Tage die Illusion, ein bärenstarker Läufer zu sein. Es gibt schlechteres im Leben! 43.35min standen am Ende auf der Ergebnisliste hinter meinem Namen für die Zehn Kilometer. So schnell laufe ich momentan anderswo nie, auch dann nicht, wenn ich auf den kraftraubenden Auftakt aus Schwimmen und Radfahren verzichte. Bei 2.13.59min blieb für mich die Uhr stehen. Und jetzt weiß ich nicht, ob das Ergebnis gut oder nur akzeptabel ist. Das liegt vor allem daran, dass die permanente Beständigkeit der Strecke in Gladbeck es zulässt, Ergebnisse zuverlässig miteinander zu vergleichen. 2007 war ich ganze zweieinhalb Minuten langsamer. 2006 gar fast drei Minuten. So weit so gut. Wenn ich nicht 2002 knappe sechzehn Sekunden und im Vorjahr achtzehn Sekunden schneller gewesen wäre. Und nach den vielen Radkilometern dieses Jahr hatte ich zumindest gehofft, in dieser Teildisziplin eine neue Bestmarke zu setzen. Hat aber leider nicht ganz gereicht. Dafür war das Laufen und das Schwimmen erstaunlich gut. War es also jetzt gut oder enttäuschend? Lag es gar am kalten Wetter, dass die groben Kolben nicht so rotierten, wie sie es vielleicht hätten tun können. Waren vielleicht alle anderen auch schwächer auf dem Rad? Dafür spricht, dass die Gesamtplatzierung (77 von 166) mich ein wenig deutlicher in die vordere Hälfte des Feldes brachte als bei meiner Bestleistung vom Vorjahr, wo ich als 94 von 189 gerade noch ins Vorderfeld gerutscht war! Unsinnige Fragen über unsinnige Fragen. Doch! Am Ende bin ich mit mir, der Platzierung und der Form doch zufrieden. Und ab morgen geht sowieso das Zittern wieder los und für Dienstagabend dürft ihr mir gerne die Daumen drücken, wenn ich im Stadion einen permanenten WSA (Wettkampfspezifische Ausdauer)-Puls bei körperlicher Ruhe erleide….
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Mai 13 |
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patella hat den Blogeintrag Kenianer am Ziel... erstellt ZieleinlaufEs waren einige Wochen vergangen, seit er Abschied genommen hatte von Passstraßen, Alpenpanoramen und hitzigen Bergduellen. Er war wieder zurück in der Welt von Steuerklärungen, Dienstanweisungen, unbezahlten Rechnungen und schmalen Zeitfenstern zum Sporttreiben. Er bereute keinen Tag der Tour, auch wenn er sich rückblickend den einen oder anderen etwas anders hätte einteilen sollen. Den Schwager würde er beizeiten wieder in die Schranken weisen, das war klar. So leicht sollte der sich nicht aus dem Wettkampf stehlen können. Heiratsantrag….? Pah! Er meinte es anscheinend ernst, aber deshalb hätte er ihn doch nicht am entscheidenden Schlussanstieg machen müssen. Hätte er das nicht wie ein vernünftiger Ausdauerathlet im Zieleinlauf erledigen können? So wie jedes Jahr, wenn mal wieder ein Sportler in Berlin zigtausendfaches Fremdschämen erzeugt, weil er über die Außenmikrofone des Stadtmarathon seine atemlose Angebetete fragt, ob sie auch den Rest des Lebens gemeinsam mit ihm laufen will. Nein, das hatte sich der Schwager erspart. Und eigentlich war das auch gut so. Trotzdem hätte der Kenianer gerne die Bergwertung sportlich entschieden, aber aufgehoben war ja nicht aufgeschoben! Was war ihm geblieben von den fünf intensiven Tagen inmitten der hohen Berge? Wunderbare Erinnerungen, die ihm über die Ödnis mancher Arbeitstage halfen; nicht minder schöne Fotos, die digital abgespeichert auf seiner Festplatte der Öffnung harrten und gute Beine, die ihm die schweren Etappen für den Rest der Triathlonsaison bescherten. Endlich einmal konnte er an den Hügeln hiesiger Wettkampfstrecken mit den Carbonjüngern mithalten. Die vielen Kilometer im Sattel hatten seinen Beinen gutgetan. Er war endlich so schnell, wie er es sich nach dem Schwimmausstieg wünschte. Und natürlich wollte er dieses seltene Glück so oft wie möglich auskosten, weshalb es für ihn auch nicht in Frage kam, die Teilnahme am Hennefer Triathlon in Frage zu stellen. „Du willst doch da nicht wirklich starten? Hast du mal auf den Wetterbericht geachtet?“ Ja, das hatte er. Zugegebenermaßen waren Temperaturen über vierzig Grad bei ununterbrochener Sonneneinstrahlung nicht das, war er als ideales Wettkampfwetter bezeichnen würde, aber das hielt ihn nicht davon ab, das Rad am Sonntag in den Kofferraum zu packen. Sie verbanden den Ausflug mit einem Besuch bei guten Freunden, die vor wenigen Jahren eine berufliche Weiterentwicklung mit dem Leben in der Kleinstadt erkauft hatten. Der Kenianer hatte sich große Mühe gegeben, den Familienkalender so lange zu manipulieren, bis es nur noch einen Termin für den lange geplanten Besuch gab. Nämlich den Tag des Triathlons. „Wenn wir schon da sind, dann kann ich ja auch eben an der Kurzdistanz teilnehmen…!“, hatte er daraufhin verkündet. „Dein Mann will doch nicht ernsthaft starten…?“, waren die ersten Worte, die er nach der Begrüßung an der Haustür vernahm. Frauen unter sich. Das Weib zuckte verzweifelt die Schultern, schnitt Grimassen und machte mit dem Scheibenwischer klar, was sie vom Geisteszustand ihres Gatten hielt. Während sich die Kinder schon im Planschbecken vergnügten traf ihn die gesammelte Wucht des Unverständnisses für sinnlose Sportexzesse. Lediglich der Herr des Hauses - seines Zeichen Marathonläufer (wenn auch langsamer als der Kenianer)- zeigte schweigend Billigung und schnappte sich die Kamera, um den Gast auf den verschiedenen Teilstücken des Wettkampfes abzulichten. Sogar das Wasser war warm. Der kleine Allner Stausee hatte sich in den letzten Wochen innerhalb einer intensiven Hitzeperiode aufgewärmt. Das Neoprenschwimmen war vom Kampfgericht verboten worden. Das war nichts für die Bleienten. Ohne Auftrieb spendenden Anzug verzichteten viele auf einen Start im dunklen Freiwasser. Der Kenianer tat es nicht und wälzte sich 1500 Metern durch den kleinen See. Die Veranstalter hatten sich alle Mühe gegeben, um die geforderte Distanz durch Wenden und Runden in dem Gewässer zusammenzubringen. Er grinste seinem Freund zu („Klick, Klick“) und lief in der drückenden Hitze zur Wechselzone. Auf einem abgeernteten Feld warteten viele Räder, aber kein Schatten. Die vierzig Kilometer verteilten sich auf zwei Runden, an deren Anfang jeweils eine kräftige Steigung im Wald wartete. Der Anstieg war natürlich nichts gegen den Jaufenpass und die Auffahrt zu dem Ort, dessen Name ihm nicht mehr einfallen wollte, aber im Wettkampf gefahren tat er trotzdem weh. Umso mehr, da sich direkt am Ende derselben der Wald lichtete und der Rest der Strecke in sengender Sonne gefahren wurde. Beim zweiten Durchlauf rang er sich in einer Serpentine ein Lächeln ab („Klick, Klick“). Er passierte gnädige Feuerwehrleute, die für wenige Meter die Wettkampfstrecke mit Wasser berieselten („Klick, Klick“). Spaß hatten vor allem die Kinder. Endlich einmal durften sie wildfremde Menschen mit überdimensionierten Wasserkanonen nassspritzen. Die meisten dankten es ihnen und die anderen waren zu schwach, um sich über den unerwünschten Schuss aus der Kanone zu beklagen. Während die Frauen sich schattige Plätzchen suchten sprang Sohnemann mit seinen Freunden von einem Teilnehmer zum anderen. Der Kenianer bewegte sich in einem Tempo, welches nur schwerlich noch als „Laufen“ durchging. Wettkampf war es schon lange nicht mehr. Trotzdem klärte er seinen Freund darüber auf, dass es bei Androhung von Disqualifikation verboten sei, Teilnehmer auf dem Fahrrad zu begleiten. Das war in seinem Fall zwar herzlichst egal, zockelte er doch fern von Gut und Böse durchs Gelände, aber der Begleiter gab der Spießerseele des Kenianers Ruh´ und ließ ihn alleine. Über dem Kornfeld stand die Luft. Kein Teilnehmer war mehr vor ihm zu sehen. Seine Sohlen schienen am Asphalt des Feldweges zu kleben und mühsam schnappte er nach heißer Luft. Während er in Zeitlupe unterwegs war, verlangsamte sich auch seine Wahrnehmung. Für Momente schien die Uhr stehenzubleiben. Irgendjemand hatte die große Pausentaste gedrückt. Es war apokalyptisch still und heiß um ihn herum. Er aber lief. Gerade so langsam, wie es ihm sein überhitzter Motor erlaubte. Das war weder vernünftig oder gesund und auch nicht wirklich lustig, aber es war alles, was er in diesem Moment machen wollte. So schwer, wie ihm die Schritte an diesem Tag fielen, so simpel war die Aufgabe. Anstrengend, aber unkomplizierter als eine Eigenheimfinanzierung. Atemberaubend, aber nicht so bedrückend wie die Sorge um den Arbeitsplatz. Bedrohlich, aber nichts gegen ein erschreckendes Gespräch mit dem Hausarzt. Er brauchte nur sein Tempo der Summe der restlichen Kilometer anpassen. Wenn doch bloß alles im Leben so einfach wäre wie Triathlon! Und so kam es, dass er wenige Kilometer vor dem Ende des Wettkampfs am Ziel war.
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Mär 07 |
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patella hat den Blogeintrag Der Kenianer beim Br... aktualisiert Endlich ein Wettkampf, der ihre spontane Zustimmung fand. „Triathlon auf Ameland? Da müssen wir hin.“ Für einen Ausflug auf ihre Lieblingsinsel nahm sie in Kauf, dass der Kenianer einen ganzen Tag mit Sporttreiben beschäftigt wäre. Nicht, dass er dort für eine Kurzdistanz so lange brauchen sollte, aber sie wusste genau, dass ein Wettkampftag in aller früh mit einem ausgewogenen Frühstück begann und spät in der Nacht mit einem stöhnenden und krampfgeplagten Mann im Doppelbett endete. Dazwischen würde er siebzehnmal die Tasche kontrollieren, immer wieder die Toilette blockieren und der ganzen Familie mit Verpflegungsanweisungen auf die Nerven gehen. Trotzdem. Da wollte sie hin. „Warum sind wir da noch nie gewesen? Du weißt doch, wie gerne wir dorthin fahren. Selbst für ein Wochenende…!“ Was sollte er sagen? Vielleicht die Wahrheit? Dass ihn 36km kurze Radstrecken nicht interessierten? Dass es doch kein richtiger Triathlon war, weil man nur mit breiten Reifen fahren durfte? Dass Veranstaltungen, die keine fünfzig Euro kosteten, keine ernstzunehmende Wettkämpfe sein konnten? Dass das Datum nicht in seinen Jahreszyklus passte? Das würde sie nicht verstehen. „Ist mir bisher noch gar nicht aufgefallen, dass es dort einen Triathlon gibt. Aber wenn du möchtest, bitte… Fahren wir halt dahin.“ Diesen Gefallen würde er ihr gerne machen. Sie hatte gerade die Website der Veranstaltung gefunden. „Cross Triathlon? Was bedeutet das denn?“ Der Kenianer stöhnte… So viel Unwissenheit. „Ist eigentlich alles normal, außer dass man mit einem Mountainbike fahren muss…“ „Aber du hast doch gar keins…“ „…ist kein Problem. Kann man auf der Insel leihen...“ Sie öffnete die Streckenbeschreibung. Ein blaue Linie auf einem Satellitenbild markierte den Verlauf der Radstrecke. „Wo fahren die denn da?“ Sie deutete auf die Karte. „ Da sind doch gar keine Wege.“ „Doch, doch. Das liegt an unserem Browser. Die Linien sind etwas verrutscht. Die fahren auf den Radwegen aus Muschelkalk und am Strand entlang zurück!“, er war sich zu sicher. Denn es lag nicht am Browser. Die Linie war nicht verrückt und die Radstrecke wirklich auf Wegen, wo keine Wege waren und am Ende war ihm jeder Meter der Strecke zu viel. Brutal lernte er den Unterschied kennen. Den Unterschied zwischen herkömmlichen Triathlon und der Crossvariante seiner Sportart. Schon das Schwimmen war anders. Es war eine Premiere für ihn, zum ersten Mal in Salzwasser zu schwimmen. Doch statt der klaren und warmen Dünung vor Hawaii wartete auf ihn vor Ameland das Wattenmeer. Fünfzehn Grad kaltes Nordseewasser schwappte an den Deich. Die erste Prüfung war das Fluten des Anzugs. Er presste Zeigefinger und Daumen aufeinander, um seinem Sohn zu signalisieren, wie kalt das Wasser war. Das war wirklich kälter, als alles, was er bisher erlebt hatte. „Ok. Jungs, einmal reingehen reicht doch, oder nicht? Das ist doch nur ein Spaß, das wir hier schwimmen sollen. Das ist doch bestimmt mur so ein Inselritual, dass man als Mutprobe ins Wasser springt, oder nicht?“ dachte er still. Wen hätte er es auch fragen sollen? Landsleute waren kaum da. Vielleicht werde ich ja bester Deutscher, hoffte er. Aber es war kein friesischer Initiationsritus. Die Holländer machten ernst. Ein Startschuss, dann jagte das Feld durchs Watt aufs Meer hinaus. Fünfzig Meter konnte man noch im Schlick gehen, dann gab es kein entkommen mehr. Ein Kilometer eisiges Wasser mussten sie hinter sich bringen. Zwei Bojen um schwimmen. Wenn er die Bojen denn sah. In Wellentälern sah er nichts als Berge aus dunklem Wasser und einige Badekappen um sich herum. „Was mache ich hier eigentlich?“ fragte er sich, als er schon das zweite Mal einen kräftigen Schluck Salzwasser genommen hatte. Selbst im Neoprenanzug wurde es kalt, die Dünung machte das atmen schwer und orientieren war Glückssache. „Wohl doch kein Kinderspiel!“ Er setzte all seine Energie ein, um die ganze Strecke durch zu kraulen. „Wenn ich schon nicht als erster aus dem Wasser steige, so will ich später zumindest nicht Brustschwimmen. Und wenn ich das Schwimmen hinter mir habe, dann ist das schlimmste vorbei…“ dachte er, als er durch die Nordsee pflügte. Mit dem Kraulen hatte es geklappt. Er hatte das Brustschwimmen vermeiden können. Aber mit der Annahme, dass der angenehmere Teil an Land begann, lag er gründlich daneben, als er sich auf das Leihrad mit den breiten Reifen schwang. Er hatte es im Verleih kritisch beäugt. Eine Schaltgruppe, deren Namen mehr einer Warnung als einer Verheißung nahe kam und Bremsen, wie es sie schon lange nicht mehr im Handel waren. Aber egal. Erstens sollten es ja nur die paar Kilometer über die Insel sein, zweitens könnte er dann ja auch nichts wertvolles kaputtmachen und drittens wusste er eh nicht, wie sich ein gutes Mountainbike anfühlte. Um genau zu sein, wusste er überhaupt nicht, wie sich ein Mountainbike anfühlte. Weder ein gutes noch ein schlechtes. Er hatte noch nie auf einem gesessen. Nach wenigen Metern merkte er, dass es keine gute Idee war. Es war keine gute Idee, hier mit dem Mountainbiken zu beginnen. Erst recht war es keine gute Idee, es in einem Wettkampf mit achthundert Teilnehmern zu tun. Zwischen Sandlöchern, Grasnarben, schmalen Matschpfaden und dem steten Auf- und Ab von Dünen wurde er zum Verkehrshindernis. Rechts und links überholten ihn die Holländer. „Chottverdommet…!“ tönte es hinter ihm, wenn er mal wieder schmale Pfade blockierte, weil er mit gezogenen Bremsen Dünen hinunterrutschte. Ohne jede Erfahrung hatte er sich in ein Abenteuer gestürzt und zahlte den Preis dafür. Erst fünf Kilometer vorbei. Diese 36 Kilometer würden lang werden. Verdammt lang. Mehrere Stürze sah er. Der erste fuhr auf dem Feldweg in ein Schlammloch und landete mit einem spektakulären Überschlag im Entwässerungsgraben. Mitten in einem Gemisch aus Brackwasser und Schafsscheiße. Der zweite versuchte erfolglos von einer schmalen Furche auf eine breitere zu wechseln und der dritte passierte sein Vorderrad, als es im tiefen Sand stecken blieb. Das machte ihn noch bänger. Zudem war es auch noch anstrengend. Keine Sekunde Pause. Lenken, Treten, Durchgeschüttelt und Überholt werden. Nach fünf Kilometern brannten die Beine, nach zehn Kilometer schmerzten die Hände, nach fünfzehn Kilometer waren die Rückenmuskeln ein einziger, schmerzender Granitblock . Was sollte er tun? Ins Gras werfen und weinen? Verlockende Idee. Er wollte nicht mehr. Nicht mehr fahren durch wilde Naturschutzgebiete. Das waren Pfade, auf denen er nicht mal Laufen wollte. Rechts und Links jagten holländische Meisjes an ihm vorbei und versuchten ihn aufzumuntern. Er hatte keine Ahnung, was die sagten. Er sehnte sich nach dem Strand. Die letzten zehn Kilometer der Radstrecke führten über den Sandstrand. „Bei Ebbe lässt es sich bestimmt gut fahren“, hoffte er. Es war Ebbe. Aber es ließ sich nicht gut fahren. Für einen Doppelzentner war der Sand immer noch zu weich. Und es war Gegenwind. Kurz vor dem Ziel erwischte es auch ihn. Nachdem er sein Rad wieder auf die Dünenkrone geschleppt hatte, versuchte er sich wieder mit Fahren. Von einer schmalen Grasnarbe rutschte er in ein Sandloch. Das Vorderrad blieb stecken und der Kenianer überholte in zwei Meter Höhe den Lenker. Er rollte sich über die untere Zahnreihe ab und testete die Bissfestigkeit von Nordseesand. Der knirschte zwischen den Zähnen, aber sonst war alles gut gegangen. Er spuckte aus, schimpfte über die Ungerechtigkeit der Welt und schnappte sich sein Rad. Ein beherzter Tritt in die Pedale, ein Ruck und dann war kein Widerstand mehr auf der Kette. Was war denn das? Er traute seinen Augen nicht. Der Tag hatte noch weitere Überraschungen für ihn parat. Jetzt war es die erstaunliche Erkenntnis, das Schaltwerke in der Mitte durchreißen können. Es baumelte lose an der Kette. So etwas hatte er noch nie gesehen. Fahren ging nicht mehr. Ein Kilometer noch. Doch von Verzweiflung keine Spur. Im Gegenteil! Der Kenianer konnte sein Glück kaum fassen. Das war sein weißer Ritter für die grauenvolle Crosstriathlonpremiere. Die glorreiche Ausrede für eine schwache Zeit (Anm. Bis zu diesem Zeitpunkt decken sich die Erlebnisse des Autors mit denen des Protagonisten der Geschichte…). Das gerissene Schaltwerk machte aus ihm einen Helden, als er das Rad in die Wechselzone schob. Der Streckensprecher bejubelte den „Kenianer uit Duitsland“. Die Zuschauer klatschten begeistert. Trotz Defekts nicht aufgegeben. Was für ein toller Kerl! Er deponierte den Schrotthaufen an seinem Wechselplatz und begab sich auf die Laufstrecke. Nach den ersten beiden Disziplinen machte er sich keine Illusionen mehr. Schwimmen und Radfahren war mörderisch hart gewesen. Fürs Laufen erwartete er nichts anderes. Und diesmal hatte er Recht! In dem kleinen Wäldchen wurde keine Steigung ausgelassen, jedes Loch durchlaufen und zu allem Überfluss musste er noch einige Kilometer am Strand rennen. Durch tiefsten Sand die Dünen runter und wieder hoch. Und das ganze zwei Mal. Was half ihm jetzt noch? Die netten Zuschauer, die anderen Teilnehmer, die klaglos über die Strecken liefen und der Gedanke an die Hotelsauna. Es war kein Vergnügen. 36 Kilometer Radfahren und zwölf Kilometer Laufen fühlen sich anders an. Jedenfalls, wenn der Zusatz „Cross“ vor der ganzen Sache steht. Kilometerschnitt? Er wollte es nicht wissen. Zeit und Platzierung? So etwas von egal. Er war am Ende des Wettkampfes überglücklich, den schönsten Zielbereich seiner Karriere an der alten Windmühle laufend zu erreichen. Er hatte anderes erhofft, aber nach dreieinhalb Stunden war es das Beste, was er erreichen konnte. Zieleinlauf! Leider interessierte sich noch nicht mal seine eigene Familie dafür. Kaum war er im Ziel, da begannen sein Weib und Sohnemann zu erzählen. Es war wichtigeres geschehen. Während der Kenianer Sand schluckte, hatte nämlich Sohnemann die Kindervariante gefinisht! Der kleine Mann hatte seine Triathlonpremiere absolviert. Er berichtete ohne Unterlass. Vom Schwimmen im Hallenbad, wo er als erster seine Bahn verlassen hatte. Vom Radfahren über die Wiese und seiner geschickten Renneinteilung beim Laufen. Das Weib platzte vor Stolz. „Toll!“, dachte der Kenianer. „Wenn ich Sport mache, dann ist es lästig. Aber bei Sohnemann ist das natürlich was ganz anderes!“ So sah es aus. Kenianers Zieleinlauf war Nebensache. Keiner interessierte sich für sein gerissenes Schaltwerk, das eiskalte Wasser und seine heldenhaft ertragenen Schmerzen. Er spielte die Nebenrolle. Auch bester Deutscher war er nicht. Einer der wenigen Landsmänner war nämlich Erster geworden. Kurz nachdem er Meister über die Langdistanz geworden war nutzte Georg Potrebitsch die Insel um sich auf Hawaii vorzubereiten und nebenbei freundlich lächelnd zu gewinnen. Noch in der Sauna war sein Sohn nicht zu bremsen. „Ey Papa. Das ist so Hammer. Ich habe meinen ersten Triathlon gemacht.“ Auf der Finisherparty stolzierte Sohnemann durch die Reihen. Plötzlich noch einen ganzen Kopf größer. Der Kenianer ertränkte seine Erschöpfung in kühlem Heineken. Nach dem zweiten fühlte er sich, als wenn er schon immer der beste Kumpel von Georg gewesen sei, mit dem er an der Theke die Vorzüge der Insel pries. Das war ein extrem versöhnlicher Abschluss des Tages. Denn Crosstriahlon war was anderes als das, was er sonst so machte. Wo schon hundert Meter Pflasterstein reichten, damit er böse Kommentare über skandalöse Streckenführung ins Internet stellte. Hier haben sich die Leute reihenweise zerlegt, aber das war für niemand ein Grund zur Beschwerde. „Cross ist krass!“ , das hatte er heute gelernt. Aber er würde sicher nicht das letzte Mal dabei gewesen sein.
PS: Wer mehr über diese tolle Veranstaltung wissen will, der kann sich diesen zehnminütige Film von 2011 (holländischer Kommentar, aber schöne Bilder) anschauen. |
Nov 16 |
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patella hat den Blogeintrag Cross ist krass! - D... erstellt Cross ist krass! Endlich ein Wettkampf, der ihre spontane Zustimmung fand. „Triathlon auf Ameland? Da müssen wir hin.“ Für einen Ausflug auf ihre Lieblingsinsel nahm sie in Kauf, dass der Kenianer einen ganzen Tag mit Sporttreiben beschäftigt wäre. Nicht, dass er dort für eine Kurzdistanz so lange brauchen sollte, aber sie wusste genau, dass ein Wettkampftag in aller früh mit einem ausgewogenen Frühstück begann und spät in der Nacht mit einem stöhnenden und krampfgeplagten Mann im Doppelbett endete. Dazwischen würde er siebzehnmal die Tasche kontrollieren, immer wieder die Toilette blockieren und der ganzen Familie mit Verpflegungsanweisungen auf die Nerven gehen. Trotzdem. Da wollte sie hin. „Warum sind wir da noch nie gewesen? Du weißt doch, wie gerne wir dorthin fahren. Selbst für ein Wochenende…!“ Was sollte er sagen? Vielleicht die Wahrheit? Dass ihn 36km kurze Radstrecken nicht interessierten? Dass es doch kein richtiger Triathlon war, weil man nur mit breiten Reifen fahren durfte? Dass Veranstaltungen, die keine fünfzig Euro kosteten, keine ernstzunehmende Wettkämpfe sein konnten? Dass das Datum nicht in seinen Jahreszyklus passte? Das würde sie nicht verstehen. „Ist mir bisher noch gar nicht aufgefallen, dass es dort einen Triathlon gibt. Aber wenn du möchtest, bitte… Fahren wir halt dahin.“ Diesen Gefallen würde er ihr gerne machen. Sie hatte gerade die Website der Veranstaltung gefunden. „Cross Triathlon? Was bedeutet das denn?“ Der Kenianer stöhnte… So viel Unwissenheit. „Ist eigentlich alles normal, außer dass man mit einem Mountainbike fahren muss…“ „Aber du hast doch gar keins…“ „…ist kein Problem. Kann man auf der Insel leihen...“ Sie öffnete die Streckenbeschreibung. Ein blaue Linie auf einem Satellitenbild markierte den Verlauf der Radstrecke. „Wo fahren die denn da?“ Sie deutete auf die Karte. „ Da sind doch gar keine Wege.“ „Doch, doch. Das liegt an unserem Browser. Die Linien sind etwas verrutscht. Die fahren auf den Radwegen aus Muschelkalk und am Strand entlang zurück!“, er war sich zu sicher. Denn es lag nicht am Browser. Die Linie war nicht verrückt und die Radstrecke wirklich auf Wegen, wo keine Wege waren und am Ende war ihm jeder Meter der Strecke zu viel. Brutal lernte er den Unterschied kennen. Den Unterschied zwischen herkömmlichen Triathlon und der Crossvariante seiner Sportart. Schon das Schwimmen war anders. Es war eine Premiere für ihn, zum ersten Mal in Salzwasser zu schwimmen. Doch statt der klaren und warmen Dünung vor Hawaii wartete auf ihn vor Ameland das Wattenmeer. Fünfzehn Grad kaltes Nordseewasser schwappte an den Deich. Die erste Prüfung war das Fluten des Anzugs. Er presste Zeigefinger und Daumen aufeinander, um seinem Sohn zu signalisieren, wie kalt das Wasser war. Das war wirklich kälter, als alles, was er bisher erlebt hatte. „Ok. Jungs, einmal reingehen reicht doch, oder nicht? Das ist doch nur ein Spaß, das wir hier schwimmen sollen. Das ist doch bestimmt mur so ein Inselritual, dass man als Mutprobe ins Wasser springt, oder nicht?“ dachte er still. Wen hätte er es auch fragen sollen? Landsleute waren kaum da. Vielleicht werde ich ja bester Deutscher, hoffte er. Aber es war kein friesischer Initiationsritus. Die Holländer machten ernst. Ein Startschuss, dann jagte das Feld durchs Watt aufs Meer hinaus. Fünfzig Meter konnte man noch im Schlick gehen, dann gab es kein entkommen mehr. Ein Kilometer eisiges Wasser mussten sie hinter sich bringen. Zwei Bojen um schwimmen. Wenn er die Bojen denn sah. In Wellentälern sah er nichts als Berge aus dunklem Wasser und einige Badekappen um sich herum. „Was mache ich hier eigentlich?“ fragte er sich, als er schon das zweite Mal einen kräftigen Schluck Salzwasser genommen hatte. Selbst im Neoprenanzug wurde es kalt, die Dünung machte das atmen schwer und orientieren war Glückssache. „Wohl doch kein Kinderspiel!“ Er setzte all seine Energie ein, um die ganze Strecke durch zu kraulen. „Wenn ich schon nicht als erster aus dem Wasser steige, so will ich später zumindest nicht Brustschwimmen. Und wenn ich das Schwimmen hinter mir habe, dann ist das schlimmste vorbei…“ dachte er, als er durch die Nordsee pflügte. Mit dem Kraulen hatte es geklappt. Er hatte das Brustschwimmen vermeiden können. Aber mit der Annahme, dass der angenehmere Teil an Land begann, lag er gründlich daneben, als er sich auf das Leihrad mit den breiten Reifen schwang. Er hatte es im Verleih kritisch beäugt. Eine Schaltgruppe, deren Namen mehr einer Warnung als einer Verheißung nahe kam und Bremsen, wie es sie schon lange nicht mehr im Handel waren. Aber egal. Erstens sollten es ja nur die paar Kilometer über die Insel sein, zweitens könnte er dann ja auch nichts wertvolles kaputtmachen und drittens wusste er eh nicht, wie sich ein gutes Mountainbike anfühlte. Um genau zu sein, wusste er überhaupt nicht, wie sich ein Mountainbike anfühlte. Weder ein gutes noch ein schlechtes. Er hatte noch nie auf einem gesessen. Nach wenigen Metern merkte er, dass es keine gute Idee war. Es war keine gute Idee, hier mit dem Mountainbiken zu beginnen. Erst recht war es keine gute Idee, es in einem Wettkampf mit achthundert Teilnehmern zu tun. Zwischen Sandlöchern, Grasnarben, schmalen Matschpfaden und dem steten Auf- und Ab von Dünen wurde er zum Verkehrshindernis. Rechts und links überholten ihn die Holländer. „Chottverdommet…!“ tönte es hinter ihm, wenn er mal wieder schmale Pfade blockierte, weil er mit gezogenen Bremsen Dünen hinunterrutschte. Ohne jede Erfahrung hatte er sich in ein Abenteuer gestürzt und zahlte den Preis dafür. Erst fünf Kilometer vorbei. Diese 36 Kilometer würden lang werden. Verdammt lang. Mehrere Stürze sah er. Der erste fuhr auf dem Feldweg in ein Schlammloch und landete mit einem spektakulären Überschlag im Entwässerungsgraben. Mitten in einem Gemisch aus Brackwasser und Schafsscheiße. Der zweite versuchte erfolglos von einer schmalen Furche auf eine breitere zu wechseln und der dritte passierte sein Vorderrad, als es im tiefen Sand stecken blieb. Das machte ihn noch bänger. Zudem war es auch noch anstrengend. Keine Sekunde Pause. Lenken, Treten, Durchgeschüttelt und Überholt werden. Nach fünf Kilometern brannten die Beine, nach zehn Kilometer schmerzten die Hände, nach fünfzehn Kilometer waren die Rückenmuskeln ein einziger, schmerzender Granitblock . Was sollte er tun? Ins Gras werfen und weinen? Verlockende Idee. Er wollte nicht mehr. Nicht mehr fahren durch wilde Naturschutzgebiete. Das waren Pfade, auf denen er nicht mal Laufen wollte. Rechts und Links jagten holländische Meisjes an ihm vorbei und versuchten ihn aufzumuntern. Er hatte keine Ahnung, was die sagten. Er sehnte sich nach dem Strand. Die letzten zehn Kilometer der Radstrecke führten über den Sandstrand. „Bei Ebbe lässt es sich bestimmt gut fahren“, hoffte er. Es war Ebbe. Aber es ließ sich nicht gut fahren. Für einen Doppelzentner war der Sand immer noch zu weich. Und es war Gegenwind. Kurz vor dem Ziel erwischte es auch ihn. Nachdem er sein Rad wieder auf die Dünenkrone geschleppt hatte, versuchte er sich wieder mit Fahren. Von einer schmalen Grasnarbe rutschte er in ein Sandloch. Das Vorderrad blieb stecken und der Kenianer überholte in zwei Meter Höhe den Lenker. Er rollte sich über die untere Zahnreihe ab und testete die Bissfestigkeit von Nordseesand. Der knirschte zwischen den Zähnen, aber sonst war alles gut gegangen. Er spuckte aus, schimpfte über die Ungerechtigkeit der Welt und schnappte sich sein Rad. Ein beherzter Tritt in die Pedale, ein Ruck und dann war kein Widerstand mehr auf der Kette. Was war denn das? Er traute seinen Augen nicht. Der Tag hatte noch weitere Überraschungen für ihn parat. Jetzt war es die erstaunliche Erkenntnis, das Schaltwerke in der Mitte durchreißen können. Es baumelte lose an der Kette. So etwas hatte er noch nie gesehen. Fahren ging nicht mehr. Ein Kilometer noch. Doch von Verzweiflung keine Spur. Im Gegenteil! Der Kenianer konnte sein Glück kaum fassen. Das war sein weißer Ritter für die grauenvolle Crosstriathlonpremiere. Die glorreiche Ausrede für eine schwache Zeit (Anm. Bis zu diesem Zeitpunkt decken sich die Erlebnisse des Autors mit denen des Protagonisten der Geschichte…). Das gerissene Schaltwerk machte aus ihm einen Helden, als er das Rad in die Wechselzone schob. Der Streckensprecher bejubelte den „Kenianer uit Duitsland“. Die Zuschauer klatschten begeistert. Trotz Defekts nicht aufgegeben. Was für ein toller Kerl! Er deponierte den Schrotthaufen an seinem Wechselplatz und begab sich auf die Laufstrecke. Nach den ersten beiden Disziplinen machte er sich keine Illusionen mehr. Schwimmen und Radfahren war mörderisch hart gewesen. Fürs Laufen erwartete er nichts anderes. Und diesmal hatte er Recht! In dem kleinen Wäldchen wurde keine Steigung ausgelassen, jedes Loch durchlaufen und zu allem Überfluss musste er noch einige Kilometer am Strand rennen. Durch tiefsten Sand die Dünen runter und wieder hoch. Und das ganze zwei Mal. Was half ihm jetzt noch? Die netten Zuschauer, die anderen Teilnehmer, die klaglos über die Strecken liefen und der Gedanke an die Hotelsauna. Es war kein Vergnügen. 36 Kilometer Radfahren und zwölf Kilometer Laufen fühlen sich anders an. Jedenfalls, wenn der Zusatz „Cross“ vor der ganzen Sache steht. Kilometerschnitt? Er wollte es nicht wissen. Zeit und Platzierung? So etwas von egal. Er war am Ende des Wettkampfes überglücklich, den schönsten Zielbereich seiner Karriere an der alten Windmühle laufend zu erreichen. Er hatte anderes erhofft, aber nach dreieinhalb Stunden war es das Beste, was er erreichen konnte. Zieleinlauf! Leider interessierte sich noch nicht mal seine eigene Familie dafür. Kaum war er im Ziel, da begannen sein Weib und Sohnemann von zu erzählen. Es war wichtigeres geschehen. Während der Kenianer Sand schluckte, hatte nämlich Sohnemann die Kindervariante gefinisht! Der kleine Mann hatte seine Triathlonpremiere absolviert. Er berichtete ohne Unterlass. Vom Schwimmen im Hallenbad, wo er als erster seine Bahn verlassen hatte. Vom Radfahren über die Wiese und seiner geschickten Renneinteilung beim Laufen. Das Weib platzte vor Stolz. „Toll!“, dachte der Kenianer. „Wenn ich Sport mache, dann ist es lästig. Aber bei Sohnemann ist das natürlich was ganz anderes!“ So sah es aus. Kenianers Zieleinlauf war Nebensache. Keiner interessierte sich für sein gerissenes Schaltwerk, das eiskalte Wasser und seine heldenhaft ertragenen Schmerzen. Er spielte die Nebenrolle. Auch bester Deutscher war er nicht. Einer der wenigen Landsmänner war nämlich Erster geworden. Kurz nachdem er Meister über die Langdistanz geworden war nutzte Georg Potrebitsch die Insel um sich auf Hawaii vorzubereiten und nebenbei freundlich lächelnd zu gewinnen. Noch in der Sauna war sein Sohn nicht zu bremsen. „Ey Papa. Das ist so Hammer. Ich habe meinen ersten Triathlon gemacht.“ Auf der Finisherparty stolzierte Sohnemann durch die Reihen. Plötzlich noch einen ganzen Kopf größer. Der Kenianer ertränkte seine Erschöpfung in kühlem Heineken. Nach dem zweiten fühlte er sich, als wenn er schon immer der beste Kumpel von Georg gewesen sei, mit dem er an der Theke die Vorzüge der Insel pries. Das war ein extrem versöhnlicher Abschluss des Tages. Den Crosstriahlon war was anderes als das, was er sonst so machte. Wo schon hundert Meter Pflasterstein reichten, damit er böse Kommentare über skandalöse Streckenführung ins Internet stellte. Hier haben sich die Leute reihenweise zerlegt, aber das war für niemand ein Grund zur Beschwerde. „Cross ist krass!“ , das hatte er heute gelernt. Aber er würde sicher nicht das letzte Mal dabei gewesen sein.
PS: Wer mehr über diese tolle Veranstaltung wissen will, der kann sich diesen zehnminütige Film von 2011 (holländischer Kommentar, aber schöne Bilder) anschauen: |
Nov 16 |
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patella hat den Blogeintrag Frank und Corinna... erstellt „Hast du schon gehört? Frank läuft am Sonntag seinen ersten Halbmarathon…“ „Frank? Welcher Frank?“ „Na, der Frank von Corinna.“ „Corinna…?“ „Mensch, Kenianer! Außer deinen Sportergebnissen merkst du dir aber auch gar nichts mehr. Die alte Schulfreundin von mir, die wir letztens auf der Party getroffen haben. Der Mann ist dieser Große! Wirtschaftsprüfer. Zwei Kinder. Drei und fünf Jahre alt. Leonard und Victoria…“ Jetzt fiel es ihm ein. Leonard. Dieser unerträgliche Schreihals, der den anderen Kindern immer ihre Spiele kaputt gemacht hat, was den Frank aber gar nicht interessiert hatte. „Ach klar. Der Frank von Corinna…!“ Oh ja. Typische Nordbürger aus Düsseldorf. Teure Autos, doppeltes Einkommen in führenden Positionen. Dazu private Ganztageskitas für Leonard und Victoria und eine Teenager Armada als Babysitter. Jahrelang waren Studienbedingungen und Berufsaussichten ihre Themen gewesen. Dann kamen die Kinder und das Sommermärchen. Plötzlich interessierten sich Corinna und Frank für Kinderbetreuung und Fußball. Zu Schulzeiten war ein Fußballstadion für beide eine „No-Go Area“ und den Balltretern zuzuschauen nur was für besoffene Prollos. Corinna und Frank fanden Massenveranstaltungen mit siebentausend Zuschauern im Rheinstadion „irgendwie bedrückend“. Jetzt trugen die Kinder im Sandkasten „St. Pauli“ Sweatshirts und Frank war stolzes Mitglied im Club der Düsseldorfer Vereinsfreunde. Auf den Partys nervte er irrsinnig mit Halbwissen. Letztens hatte er dem Kenianer den Erfolg der Fortuna damit erklärt, „dass wir (WIR!!!) dieses Jahr viel besser gegen den Ball arbeiteten als in der letzten Saison!“ Und das „man doch am besten das System von Barcelona kopieren sollte…“ Und ausgerechnet der wollte morgen am großen Stadtlauf in der Nachbarstadt teilnehmen. „Frank läuft Halbmarathon? Wieso das denn…?“ „Wieso…? Das ausgerechnet du das fragst, ist schon lustig. Du kannst es dir deine Rennerei ja selbst nicht erklären…“ „Nein, so meinte ich das nicht! Wie kommt der dazu? Der war doch immer so sportlich wie Cindy aus Marzahn… “ „Die haben in der Firma eine Laufgruppe mit Trainer und so. Da haben die sich ein halbes Jahr darauf vorbereitet. Ist doch eigentlich ganz nett. Vielleicht kannst du dich mit ihm mal verabreden...?“ Dem Kenianer wurde heiß. Laufen mit Frank käme gar nicht in Frage. Dann müsste er sich die ganze Zeit Tiraden über die Unzulänglichkeiten der staatlichen Schulen anhören und das der neue „Hybridpanamera“ die passende Antwort auf den Klimawandel sei. Das würde er sich nicht antun. Was aber viel schlimmer war, dass Frank überhaupt lief. „Wenn solche Leute in meine Sportwelt einbrechen, ist das überhaupt noch meine Welt?“, fragte er sich. Er erinnerte sich mit Grausen an die WM. Das war doch eins von den Paaren, die ihm nach dem zweiten Spiel der deutschen Mannschaft 2006 mit schwarz-rot-goldenen Zöpfen und dem Original „Ballack“ Trikot den Platz vorm Fernseher beim Kneipengucken weggenommen hatten. Den Rest der WM hatte er dann alleine mit seinem alten Herrn vorm Fernseher verbracht. Das war der Beginn des Fußballbooms, der jetzt schon rauchfreie Familienblöcke und Schiedsrichterinnen in der Bundesliga hervorbrachte. Frank beim Halbmarathon! Früher bewegte der sich nur beim Billard und Backgammon. Und jetzt hatte der sich mit einem engagierten Laufcoach in der Firma pulszonenkontrolliert auf einen Halbmarathon vorbereitet. „Schlimm!“, dachte der Kenianer als ihm plötzlich weitere Schreckensszenarien in den Sinn kamen. Wie lange würde es dauern, bis die Firmengruppe auf der Suche nach neuen Gemeinschaftsevents den logischen Weg zum Triathlon finden würde? Es bräuchte nur einen neuen Abteilungsleiter mit der Obsession für den Ausdauerdreikampf und kurze Zeit später ständen hundert Wirtschaftsprüfer in der Teilnehmerliste für die Firmenstaffeln. Und dann würde Frank im sündteuren Neoprenanzug plötzlich neben ihm auf dem Schwimmponton im Medienhafen stehen und Sachen sagen wie: „Wir haben im Zielbereich eine eigene Lounge von unserer Firma! Da kommen nachher auch die Sieger hin. Komm doch vorbei, vielleicht kann ich dich da mit reinbringen…“, würde er ihm großmütig anbieten. Das war doch zum Brechen. Er wollte in keiner Gemeinschaft Mitglied sein in deren Mitte die Corinnas und Franks dieser Welt standen. Corinna würde ihren Freundinnen beim Glas Minztee erzählen, dass „es auch für die Kinder total wichtig wäre, wenn der Frank ihnen ein gutes Vorbild wäre. Gerade heutzutage ist es soo wichtig, dass man Sport als Ausgleich macht…“ Und nach der Staffel würd der Frank sicher schnell auf die Idee kommen, dass ein Eisenmann hervorragend in seinen Lebensentwurf passen würde. Als Rookie würde er sich ein unglaubliches Traumrad und einen Personal Coach kaufen und dann mit der Firmenleitung einen Plan ausarbeiten der seine Trainingszeiten und die Geschäftsziele für ein Jahr unter einen Hut bringen würde. Wer sollte das denn noch bezahlen können? Wenn sich die Franks dieser Welt den Triathlon kauften, dann könnte der Kenianer demnächst nur noch mit einem Kleinkredit oder tief im Dispo die Anmeldung für eine Großveranstaltungen bezahlen. „Die wollen für die Teilnahmegebühr in Frankfurt mehr haben, als uns ein komfortables Ferienhaus in den Sommerferien an der Nordsee kostet! Und das ist nur die Teilnahmegebühr! Ohne Anfahrt, Hotel und PowerGels.“, hatte sich das Weib letztens schon empört. „Das ist doch der Hammer!“ Erfolglos hatte der Kenianer versucht, den Preis mit „dem hohen Wettkampfstandard“, „komplett gestreckte Strecken und den vielen Verpflegungspunkten“, „sowie den vielen Hawaiislots“ zu erklären. Kein Wunder. Wenn es Starter gibt, die für das Neuwagenleasing doppelt so viel zahlen wie der Durchschnitt der Gesellschaft für Wohnungsmiete, und die zudem noch innerstädtische Parkgaragenplätze zum monatlichen Hartz IV Satz belegen. Er klagte dem Weib sein Leid. „Dann kann ich demnächst gar nicht mehr mitmachen! Wenn Frank Triathlon macht, dann ist das nicht mehr mein Sport…“ „Also zum ersten…“ Sie hielt den ersten Finger geduldig in die Höhe… „…läuft der nur einen Halbmarathon. Das muss noch lange nicht heißen, dass der später Triathlon machen. Zum zweiten muss man ja nicht in den Großstädten vor spektakulären Skylines starten. Die kleinen Seesportfeste in der Provinz mit den Kinderveranstaltung und den Kuchentheken der Vereinsmitglieder gefallen mir als Zuschauer eh besser. Und zum dritten…“ sie legte eine bedeutungsschwangere Pause ein. „…müsste es doch für einsame Trainingsläufe im Wald, Radfahrten am frühen Morgen und stupides Bahnenziehen im Bad total unwichtig sein, ob die Sportart kommerziell total ausgelutscht ist. Es bleibt immer noch dein Sport! Das kannst du auch in zig Jahren noch machen. Und wenn es dir zu teuer wird, dann machst du halt nur noch deine eigene Triathlons am Schwimmbad wie zu Neujahr.“ Sie hatte mal wieder Recht. |
Okt 15 |
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patella hat den Blogeintrag Berlin! Berlin! Auch... aktualisiert Es ist drei Tage her. Aber noch immer schwirren mir die Erinnerungen an diese faszinierende Stadt im Kopf herum. Es war ein überwältigendes Wochenende. Berlin!... „Ist ein Wolke“, sagen wohl die einheimischen. Für mich war es einfach der Wahnsinn. Zum ersten Mal war ich dort, wenn ich mal die meist betrunkenen Erinnerungen von der Stufenfahrt im Jahr 1985 außer Acht lasse. Zum einen liegen die Bilder von damals in einem Schimmer von Jonny Walker und Berliner Weiße und zum anderen hat sich in der Stadt ja einiges verändert, wenn ich das mal vorsichtig formulieren darf. Der ICE 947 spülte mich in der Nacht auf Freitag an den Lehrter Bahnhof, wo mich ein alter Schulfreund („Der dicke Schäng“) abholte. Inzwischen gehört er zum Heer der Wochenpendler. Kleine Wohnung in der Hauptstadt und am Wochenende zurück zu seinen Lieben, wie so viele andere. Mich brachte es in den Genuss einer kostenlosen Wohnmöglichkeit und einiger hervorragenden Tipps für Berlin. Leider konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht den Marathon laufen, wie wir es uns eigentlich vorgenommen hatten. Zwei Tage habe ich Berlin besichtigt bis zum Umfallen. Naja, nicht ganz bis zum Umfallen, aber jeden Abend war das linke Knie geschwollen. Ehrlich! Das passiert mir beim Laufen nie. Was habe ich alles gesehen? Bahnhof, Reichstag, Kanzlerinnenamt, Mahnmäler, Plätze, Friedhöfe mit prominenter Besetzung, Parteizentralen, alte Flughäfen, Grenzübergänge, Tränenpalast usw. usw. Bis dahin dachte ich in einer Stadt zu wohnen, die sich nicht zu Unrecht als Großstadt bezeichnet. Inzwischen finde ich, dass sie den Namenszusatz „ …dorf“ im Vergleich zur Deutschen Metropole mit Recht trägt. Berlin braucht mich zwar nicht, aber ich werde wiederkommen. Ich war und bin begeistert. Ich hätte auch am Samstag nach Hause fahren können. Doch da war noch etwas: Stimmt. Marathonlaufen. Hatte ich bis zu dem Abend fast verdrängt. Erst das Treffen mit vielen netten Leuten, die sich alle zu diesem Ziel nach Berlin aufgemacht hatten, brachte mich auf den Boden dieser Erkenntnis zurück. Inmitten all der Vorstarthibbeler in der Kreuzberger Pizzeria lies ich mich anstecken. „Ich muss nach Hause! Schlafen! Renntaktik und Startnummer zurechtlegen! Trainieren! Frühstücken… Scheiße, scheiße…“ Die letzte Nacht verbrachte ich mit dem Schwager in der Wohnung seines Vaters. Auch er konnte wie der Schäng nicht laufen, obwohl er es sich vorgenommen hatte. Da aber schon die Treppen am Bahnhof-Zoo eine ernste Belastungsprobe für seinen lädierten Knieknorpel waren, war die (bereits im Vorfeld getroffene) Laufabsage durchaus nachvollziehbar. Nett, dass er trotzdem nach einer Dienstreise noch den Abstecher nach Berlin machte, um mich ein wenig zu unterstützen Am nächsten Morgen tat er es dadurch, dass er mich ungestört Frühstücken ließ und tief und fest weiterschlief. Sechs Uhr dreißig. Ich in einer fremden Stadt, in einer fremden Wohnung, vor einem fremden Kühlschrank und mit einem einsamen Frühstück. Dann machte ich mich auf mit einem Fahrrad ins Getümmel des Marathons. Um 9.20 ging ich auf die Reise. Vier Stunden und 17 Minuten später war ich im Ziel. Knapp eine dreiviertel Stunde hinter meiner Bestzeit aus dem letzten Jahr. Nicht das ich jetzt auf irgendwelchen Zeiten rumreiten will oder gar prahlen möchte. Es hilft aber, die Leistung und den Lauf einzuordnen. Eine Bestzeit hatte ich gar nicht im Visier. Die Vorbereitung und meine Form sprachen deutlich dagegen. Das Tempo des letzten Jahres halte ich momentan maximal über zwanzig Kilometer. Auch die Renntaktik (wenn man sie so nennen will) war eine ganz andere. Letztes Jahr war es Sekt oder Selters in meiner Heimatstadt. Mit der Aussicht, von überall aus mit einem Taxi aufs heimische Sofa zu kommen. Dieses Jahr stand mir noch ein ganzer Tag mit schwerem Gepäck und eine Nacht im ICE bevor. Sightseeing. Fotos schießen. Genießen. Das war meine Devise. Was nicht heißt, das ich keine Angst vor dem Tag hatte. 42 Kilometer müssen erst mal gelaufen werden. Auch langsamer ist das kein Kinderspiel. Wie ich es fand? Zwiespältig. Wo ist der Punkt, an dem die Begeisterung für ein fantastisches Massenerlebnis umschlägt in ein Gefühl der Bedrückung durch zu viele Menschen? Wo ist die Grenze zwischen Freude über so viele Zuschauer, die einem am Streckenrand zujubeln und dem Moment, ab dem man die einzelnen Bands und Anfeuerungen nur noch als lauten Einheitsbrei empfindet und man sich nach der Ruhe der Vorbereitungsläufe am Nordseestrand zurücksehnt? Wann sind die vielen Mitläufer auf der Strecke Brüder und Schwestern im Geiste, die alle eine gemeinsame Idee Marathon in sich tragen und wann rauben einem die Massen an Läufern das Gefühl für den exklusiven „Mythos Marathon“? Während mich die Beine in einem Wohlfühltempo über die Strecke trugen, wandelte ich emotional immer an diesen Polen entlang. Mal voller Freude über die unglaublich fröhlichen und begeisternden Zuschauermengen am Straßenrand, dann wieder mit dem Gefühl, einsam und verlassen in einer anonymen Menge buntgekleideter Grenzgänger zu sein. Dazu kam eine leichte Enttäuschung darüber, dass mein „Wohlfühltempo“ doch eine Idee langsame war, als ich es gehofft hatte. Glücklicherweise ließ ich mich nicht verleiten, das Tempo dem Diktat einer Zielmarke zu opfern und ließ daher die Hasenballons ziehen. Bis zum Kilometer Zwanzig wusste ich nicht, ob die wenigen Läufe über drei Stunden reichen würden. Ab Kilometer Fünfundzwanzig war ich mir sicher, dass ich laufend durchs Brandenburger Tor kommen würde. Das hob meine Stimmung und ließ meinen emotionalen Kompass immer häufiger zu den positiven Polen ausschlagen. Es war mir zunehmend egal, dass ich auch jenseits der Dreissig Kilometer Marke noch über Wiesen musste um frei Laufen zu können. Ich amüsierte mich über die Klebesohlen nach den Isoständen, über die Schlurfschritte durch knöchelhoch liegenden Plastikmüll. Alle paar Kilometer ging der Kampf aufs Neue los. Wo muss ich mich am besten platzieren, um verletzungsfrei an die Getränkebecher zu kommen. Dann lief ich Hammermannopferslalom und telefoniert zwischendurch mit dem Schwager („Wo bist du gerade? Schaffe ich gerade nicht!“ Später „Kudamm? Siehst du noch das Kaufhaus?“ „Ja, bin gerade dran vorbei!“ „Scheiße, schon wieder verpasst!“), machte ein paar Handyfotos, die leider unter der verschwitzten Linse zu leiden hatten und freute mich auf den Zieleinlauf. Es würde klappen. Mein sechster Marathon! Und das in Berlin! Bei Kilometer 41 traf ich den Schwager dann doch noch. Vor dem Brandenburger Tor ließ ich mich von einer freundlichen Streckenpostin ablichten (ein historisch tolles Bild, welches ich später historisch doof einem Copy§Paste Fehler opfern würde…) und wurde dann von einer Gänsehaut überrascht, die mir bei der Passage desselben über den Rücken lief. Auf fünfzig Meter Breite wurden Medaillen verteilt. Trotzdem Stau. Dann schob man sich dichtgedrängt in der Sonne Richtung Verpflegungsstände. Ich war froh, mich besser zu fühlen als viele um mich herum. Gedränge, noch nicht bei den Getränken zu sein und dann völlig im Arsch, das ist bestimmt nicht so prickelnd. Nicht falsch verstehen. Es ist keine Kritik am Veranstalter. Es ist alles top organisiert. Aber es ist ein Massenevent. Da darf man sich nicht drüber beschweren. Das ist wie im Auto sitzen und über Stau schimpfen, den man selbst mit verursacht. Ich wollte nur raus. Ein Weizen, auf den Werbe- und Mitgiftbeutel habe ich verzichtet und bin schnell aufs Fahrrad, in die Schwagerwohnung zum Duschen und Kaffeetrinken. Dann wieder zurück. Mit dem Fahrrad zum Treffpunkt der Forenmitglieder vom Vorabend. Ich hatte schon fast keine Hoffnung mehr, sie zu treffen, als ich sie beinahe über den Haufen fuhr. Glücklicherweise waren sie aufmerksamer als ich und erkannten mich sofort. Ich kam noch in den Genuss eines tollen Abschluss der Veranstaltung in einem Biergarten, der schwangere Auster oder so heißt. Es war Klasse, die ganzen frischen Läufergeschichten mal nicht erst übers Netz zu lesen. Und richtig fertig sah für mich keiner aus. Leider mussten dann doch viele bald zurück zum Bahnhof. Ich hatte noch bis zum Abend Zeit. Mein Fazit: Berlin ist mehrere Reisen wert. Am liebsten natürlich zum Pokalfinale der Fortuna… Bei dem Marathon weiß ich nicht, ob mir eine reicht! Die Begeisterung der Zuschauer ist überwältigend, die Organisation top und auch die vielen Läufer aus aller Herren Länder sorgen für ein Wahnsinnsgefühl der Verbundenheit. Aber manchmal war mir das alles zu viel. Wer sich ein eigenes Bild machen will, dem seien die Videoaufnahmen empfohlen, die es bei dieser Veranstaltung für jeden Teilnehmer gibt. Gebt hier 27280 ein und drückt dann auf das Videosymbol. Und nur um Missverständnisse vorzubeugen. Die Bilder sind allesamt von den letzten 15 Kilometern und nicht vom Start. Der, der größer ist als alle anderen, das bin ich… PS: Ich hatte kurz nach dem Wilden Eber einen Mann am Straßenrand gesehen, den ich für unseren Bundespräsidenten hielt. Der stand dort aber recht ungeschützt und fröhlich alleine, so dass ich es mir nicht vorstellen konnte, dass er es war. Später erfuhr ich vom Schäng, dass der dort wohnen soll. Hat noch jemand den Mann auf der linken Seite der Straße gesehen und ihn gar erkannt? |
Sep 28 |
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patella hat den Blogeintrag Berlin! Berlin! Auch... erstellt Es ist drei Tage her. Aber noch immer schwirren mir die Erinnerungen an diese faszinierende Stadt im Kopf herum. Es war ein überwältigendes Wochenende. Berlin!... „Ist ein Wolke“, sagen wohl die einheimischen. Für mich war es einfach der Wahnsinn. Zum ersten Mal war ich dort, wenn ich mal die meist betrunkenen Erinnerungen von der Stufenfahrt im Jahr 1985 außer Acht lasse. Zum einen liegen die Bilder von damals in einem Schimmer von Jonny Walker und Berliner Weiße und zum anderen hat sich in der Stadt ja einiges verändert, wenn ich das mal vorsichtig formulieren darf. Der ICE 947 spülte mich in der Nacht auf Freitag an den Lehrter Bahnhof, wo mich ein alter Schulfreund („Der dicke Schäng“) abholte. Inzwischen gehört er zum Heer der Wochenpendler. Kleine Wohnung in der Hauptstadt und am Wochenende zurück zu seinen Lieben, wie so viele andere. Mich brachte es in den Genuss einer kostenlosen Wohnmöglichkeit und einiger hervorragenden Tipps für Berlin. Leider konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht den Marathon laufen, wie wir es uns eigentlich vorgenommen hatten. Zwei Tage habe ich Berlin besichtigt bis zum Umfallen. Naja, nicht ganz bis zum Umfallen, aber jeden Abend war das linke Knie geschwollen. Ehrlich! Das passiert mir beim Laufen nie. Was habe ich alles gesehen? Bahnhof, Reichstag, Kanzlerinnenamt, Mahnmäler, Plätze, Friedhöfe mit prominenter Besetzung, Parteizentralen, alte Flughäfen, Grenzübergänge, Tränenpalast usw. usw. Bis dahin dachte ich in einer Stadt zu wohnen, die sich nicht zu Unrecht als Großstadt bezeichnet. Inzwischen finde ich, dass sie den Namenszusatz „ …dorf“ im Vergleich zur Deutschen Metropole mit Recht trägt. Berlin braucht mich zwar nicht, aber ich werde wiederkommen. Ich war und bin begeistert. Ich hätte auch am Samstag nach Hause fahren können. Doch da war noch etwas: Stimmt. Marathonlaufen. Hatte ich bis zu dem Abend fast verdrängt. Erst das Treffen mit vielen netten Leuten, die sich alle zu diesem Ziel nach Berlin aufgemacht hatten, brachte mich auf den Boden dieser Erkenntnis zurück. Inmitten all der Vorstarthibbeler in der Kreuzberger Pizzeria lies ich mich anstecken. „Ich muss nach Hause! Schlafen! Renntaktik und Startnummer zurechtlegen! Trainieren! Frühstücken… Scheiße, scheiße…“ Die letzte Nacht verbrachte ich mit dem Schwager in der Wohnung seines Vaters. Auch er konnte wie der Schäng nicht laufen, obwohl er es sich vorgenommen hatte. Da aber schon die Treppen am Bahnhof-Zoo eine ernste Belastungsprobe für seinen lädierten Knieknorpel waren, war die (bereits im Vorfeld getroffene) Laufabsage durchaus nachvollziehbar. Nett, dass er trotzdem nach einer Dienstreise noch den Abstecher nach Berlin machte, um mich ein wenig zu unterstützen Am nächsten Morgen tat er es dadurch, dass er mich ungestört Frühstücken ließ und tief und fest weiterschlief. Sechs Uhr dreißig. Ich in einer fremden Stadt, in einer fremden Wohnung, vor einem fremden Kühlschrank und mit einem einsamen Frühstück. Dann machte ich mich auf mit einem Fahrrad ins Getümmel des Marathons. Um 9.20 ging ich auf die Reise. Vier Stunden und 17 Minuten später war ich im Ziel. Knapp eine dreiviertel Stunde hinter meiner Bestzeit aus dem letzten Jahr. Nicht das ich jetzt auf irgendwelchen Zeiten rumreiten will oder gar prahlen möchte. Es hilft aber, die Leistung und den Lauf einzuordnen. Eine Bestzeit hatte ich gar nicht im Visier. Die Vorbereitung und meine Form sprachen deutlich dagegen. Das Tempo des letzten Jahres halte ich momentan maximal über zwanzig Kilometer. Auch die Renntaktik (wenn man sie so nennen will) war eine ganz andere. Letztes Jahr war es Sekt oder Selters in meiner Heimatstadt. Mit der Aussicht, von überall aus mit einem Taxi aufs heimische Sofa zu kommen. Dieses Jahr stand mir noch ein ganzer Tag mit schwerem Gepäck und eine Nacht im ICE bevor. Sightseeing. Fotos schießen. Genießen. Das war meine Devise. Was nicht heißt, das ich keine Angst vor dem Tag hatte. 42 Kilometer müssen erst mal gelaufen werden. Auch langsam ist das kein Kinderspiel. Wie ich es fand? Zwiespältig. Wo ist der Punkt, an dem die Begeisterung für ein gemeinsames Massenerlebnis umschlägt in Bedrückung durch zu viele Menschen? Wo ist die Grenze zwischen Freude über so viele Menschen, die einem am Streckenrand zujubeln und dem Punkt, wo man die einzelnen Bands und Anfeuerungen nur noch als lauten Einheitsbrei empfinden und man sich nach der Ruhe der Vorbereitungsläufe am Nordseestrand zurücksehnt? Wann empfindet man die vielen Mitläufer auf der Strecke als Brüder und Schwestern im Geiste, die alle eine gemeinsame Idee Marathon in sich tragen und wann rauben einem die Massen an Läufern das Gefühl für den exklusiven „Mythos Marathon“? Während mich die Beine in einem Wohlfühltempo über die Strecke trugen, wandelte ich emotional immer an diesen Polen entlang. Mal voller Freude über die unglaublich fröhlichen und begeisternden Zuschauermengen am Straßenrand, dann wieder mit dem Gefühl, einsam und verlassen in einer anonymen Menge buntgekleideter Grenzgänger zu sein. Dazu kam eine leichte Enttäuschung darüber, dass mein „Wohlfühltempo“ doch eine Idee langsame war, als ich es gehofft hatte. Glücklicherweise ließ ich mich nicht verleiten, das Tempo dem Diktat einer Zielmarke zu opfern und ließ daher die Hasenballons ziehen. Bis zum Kilometer Zwanzig wusste ich nicht, ob die wenigen Läufe über drei Stunden reichen würden. Ab Kilometer Fünfundzwanzig war ich mir sicher, dass ich laufend durchs Brandenburger Tor kommen würde. Das hob meine Stimmung und ließ meinen emotionalen Kompass immer häufiger zu den positiven Polen ausschlagen. Es war mir zunehmend egal, dass ich auch jenseits der Dreissig Kilometer Marke noch über Wiesen musste um frei Laufen zu können. Ich amüsierte mich über die Klebesohlen nach den Isoständen, über die Schlurfschritte durch knöchelhoch liegenden Plastikmüll. Alle paar Kilometer ging der Kampf aufs Neue los. Wo muss ich mich am besten platzieren, um verletzungsfrei an die Getränkebecher zu kommen. Dann lief ich Hammermannopferslalom und telefoniert zwischendurch mit dem Schwager („Wo bist du gerade? Schaffe ich gerade nicht!“ Später „Kudamm? Siehst du noch das Kaufhaus?“ „Ja, bin gerade dran vorbei!“ „Scheiße, schon wieder verpasst!“), machte ein paar Handyfotos, die leider unter der verschwitzten Linse zu leiden hatten und freute mich auf den Zieleinlauf. Es würde klappen. Mein sechster Marathon! Und das in Berlin! Bei Kilometer 41 traf ich den Schwager dann doch noch. Vor dem Brandenburger Tor ließ ich mich von einer freundlichen Streckenpostin ablichten (ein historisch tolles Bild, welches ich später historisch doof eine Copy§Paste Fehler opfern würde…) und wurde dann von einer Gänsehaut überrascht, die mir bei der Passage desselben über den Rücken lief. Auf fünfzig Meter Breite wurden Medaillen verteilt. Trotzdem Stau. Dann schob man sich dichtgedrängt in der Sonne Richtung der Verpflegungsstände. Ich war sehr froh, mich besser zu fühlen als viele um mich herum. Gedränge, noch nicht bei den Getränken zu sein und dann völlig im Arsch, das ist bestimmt nicht so prickelnd. Nicht falsch verstehen. Es ist keine Kritik am Veranstalter. Es ist alles top organisiert. Aber es ist ein Massenevent. Da darf man sich nicht drüber beschweren. Das ist wie im Auto sitzen und über Stau schimpfen, den man selbst mit verursacht. Ich wollte nur raus. Ein Weizen, auf den Werbe- und Mitgiftbeutel habe ich verzichtet und bin schnell aufs Fahrrad, in die Schwagerwohnung zum Duschen und Kaffeetrinken. Dann wieder zurück. Mit dem Fahrrad zum Treffpunkt der Forenmitglieder vom Vorabend. Ich hatte schon fast keine Hoffnung mehr, sie zu treffen, als ich sie beinahe über den Haufen fuhr. Glücklicherweise waren sie aufmerksamer als ich und erkannten mich sofort. Ich kam noch in den Genuss eines tollen Abschluss der Veranstaltung in einem Biergarten, der schwangere Auster oder so heißt. Es war Klasse, die ganzen frischen Läufergeschichten mal nicht erst übers Netz zu lesen. Und richtig fertig sah für mich keiner aus. Leider mussten dann doch viele bald zurück zum Bahnhof. Ich hatte noch bis zum Abend Zeit. Mein Fazit: Berlin ist mehrere Reisen wert. Am liebsten natürlich zum Pokalfinale der Fortuna… Bei dem Marathon weiß ich nicht, ob mir eine reicht! Die Begeisterung der Zuschauer ist überwältigend, die Organisation top und auch die vielen Läufer aus aller Herren Länder sorgen für ein Wahnsinnsgefühl der Verbundenheit. Aber manchmal war mir das alles zu viel. Wer sich ein eigenes Bild machen will, dem seien die Videoaufnahmen empfohlen, die es bei dieser Veranstaltung für jeden Teilnehmer gibt. Gebt hier (http://results.scc-events.com/2011/index.php?pid=search) 27280 ein und drückt dann auf das Videosymbol. Und nur um Missverständnisse vorzubeugen. Die Bilder sind allesamt von den letzten 15 Kilometern und nicht vom Start. Der, der größer ist als alle anderen, das bin ich… PS: Ich hatte kurz nach dem Wilden Eber einen Mann am Straßenrand gesehen, den ich für unseren Bundespräsidenten hielt. Der stand dort aber recht ungeschützt und fröhlich alleine, so dass ich es mir nicht vorstellen konnte, dass er es war. Später erfuhr ich vom Schäng, dass der dort wohnen soll. Hat noch jemand den Mann auf der linken Seite der Straße gesehen und ihn gar erkannt? |
Sep 28 |
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patella hat den Blogeintrag ♂tga/2NO -XXXX- Die ... aktualisiert Es war eine Mischung aus viel Stolz, etwas Erleichterung, ein wenig Wehmut und einer Menge Anspannung, die seine Vorbereitungen zur letzten Etappe begleiteten. -Stolz, weil das Ziel bald erreicht war. Der kleine Pass mit dem niedlichen Namen „Ballino“ und vierzig Kilometer lagen zwischen den Teilnehmern und dem Ziel am Ufer des Gardasee. Die Herausforderung nahm sich bescheiden aus im Vergleich zum Jauffenpass und der Straße mit den vielen Namen, die er allesamt schon vergessen hatte. „Passo Campo was…? Nie gehört! Da war ich nicht!“ In wenigen Kilometern würden sie die Alpen überwunden haben. Auf dem Fahrrad. Dann würden der große See in dem riesigen Talkessel vor ihnen liegen. Mit einem riesen Sack voller Erinnerungen und Eindrücken in ihrem Gepäck, trefflich geeignet zum prahlen im Kollegenkreis. -Erleichterung, weil die Schinderei ein Ende finden würde. Weil ab morgen die Schmerzen in den Beinen nachlassen würden und die leergefahrenen Speicher mit gutem Gewissen in den nächsten Tagen aufgefüllt werden durften. Vier Tage Sport ergaben acht Tage hemmungslose Kalorienexzesse. Weil sich ein sportlicher Traum erfüllt hatte. Und weil er den Schwager am Jauffenpass geschlagen hatte. - Wehmut…? Nach vier Tagen hatte er sich an das Leben eines Radfahrers gewöhnt. Fahren, Essen, Schlafen, Fahren… Mehr brauchten die Tage nicht. Anstrengend und einfach. Dieser Rhythmus ließ ihn am Ende des Tages zufrieden ins Bett zu sinken. Keine Steuererklärungen, keine Elternsprechtage, keine Arbeitsaufträge, keine Blogbeiträge und keine wichtigen Fernsehsendungen machten ihm das Leben unübersichtlich. Was kümmerten ihn unbezahlte Rechnungen, wenn er seine mit dem Schwager auf der Passhöhe beglichen hatte? Am morgen stand ein Frühstück am Buffet, dann setzten sie sich in den Sattel und fuhren Cora hinterher und am Abend schleppte er sich mit Mordshunger an den Tisch, der sich unter Leckereien bog. Zum Ende des Tages klebte ihm der Geschmack von bestem Espresso am Gaumen. Espresso aus lebenden Maschinen, bedient von freundlichen Menschen. Kein seelenloser Kaffeevollautomat, dem eine Kapsel Aromamischung für perfekte und immer gleiche Ergebnisse reichte. Selbstzufrieden fiel er dann aufs Bett, telefonierte mit der Familie und versuchte gar nicht, die Erlebnisse des Tages in passende Worte zu fassen. Die Tage waren von faszinierender Schlichtheit. Er würde gerne weiterfahren. Zwei Tage, drei Tage oder noch mehr? Immer weiter weg von dem Alltagsbrei. Aber morgen müsste er wieder seinen Tagesgeschäften nachgehen. Grauenvoll. Denn es warteten ja noch wichtige Dinge auf ihn. 1:1 war der Stand im Kampf gegen den Mann, den er jetzt schon seit Jahren als Schwager bezeichnete, auch wenn er es nicht war. Und deshalb… - Anspannung! Der Ballino lag vor ihnen. Die letzte Entscheidung. Die Schlacht um den Gesamtsieg. Eine Pass noch, dann wäre das Ergebnis klar. Dann würden sie nur noch die rasante Abfahrt zum Gardasee vor sich haben. Dreihundert Höhenmeter. Was ihm zu Hause schauer über den Rücken jagte, war nach den letzten Tagen nur noch eine lächerliche Randzacke in dem eindrucksvollen Höhenprofil der Tour. Nach Pässen stand es 1:1. Heute musste er noch mal alles geben, um das Spiel zu seinen Gunsten zu entscheiden. „Der soll mich nicht noch mal abhängen. Das fehlt mir noch, dass der sich auf der nächsten Feier als Bergkönig preisen lässt. Dann werde ich ihn erst mal darauf hinweisen, dass er immer noch nicht zur Familie gehört.“ Aber so weit sollte es gar nicht kommen. Er wollte gewinnen. Der kurze Schlussabschnitt war wie geschaffen für eine Party mit einem gut geschüttelten Laktatcocktail in den dicken Beinen. Er überließ nichts dem Zufall. Noch mal ein halbes Bar mehr presste er in die Reifen und verzichtete auf die Trinkflasche. „So kurz und direkt bergauf, da zählt jedes Gramm…!“ Die Satteltasche mit dem Werkzeug verschwand ebenso wie die Luftpumpe im Bus. Sichtlich nervös war auch der Schwager. Unruhig fummelte er an seinem Rad herum und gesellte sich dann zur Gruppe. „Ich denke, ich werde die letzte Steigung mit Schwesterherz fahren. Heute wollte ich mich mal ein bisschen zurückhalten…“ Der Kenianer war misstrauisch. Als ob sich der Schwager den diesen Kampf entgehen lassen würde. Das konnte doch nur ein Finte sein. „Wer während der Pinkelpause zur Attacke bläst, der kann auch schamlos lügen. Bestimmt lutscht der sich an meinem Hinterrad hoch und springt dann im letzten Moment aus dem Windschatten! Aber nicht mit mir. Ich werde den Berg hochstürmen. Von Anfang an. Und was soll das überhaupt heißen: „…zurückhalten…“? Der ist angespannt bis unter die Haarspitzen. Dem steht die Nervosität so etwas von ins Gesicht geschrieben. Wenn der heute nichts plant, dann will ich meine Menschenkenntnis über Bord werfen.“, der Kenianer war sicher, dass der Schwager Großes für den Tag plante. Hektische Flecken im Gesicht und zittrige Finger, mit denen der Kontrahent kaum den Helm schließen konnte. Das konnte nicht das Ergebnis das Ergebnis der Biere vom Vorabend sein. „Ich lasse mich nicht überraschen.“, nahm er sich vor. Schnell angehen und so langsam wie möglich sterben! Diese Renntaktik kannte er aus seinen Zehn Kilometer Läufen. Dort hatte sie sich bewährt. Für heute hatte er sich das gleich vorgenommen. Der Pass war kurz. Zwanzig Minuten Anschlag fahren hatte er kalkuliert. „Wollen doch mal sehen, wer dann als erster am Ballino ist!“ „Ihr fahrts immer Richtung Ballino! Könnts ihr gar nicht verfehlen. Da oben gibt’s an Platz mit ana Brunnen. Dort wartets ihr auf den Rest…“ Cora hatte noch nicht beendet, da stürmte er los. Es ging durch Weinberge und kleine Dörfer stetig den Berg hoch. Die Bergziegen hatten ihn schnell eingeholt. Auch für sie sollte es die ultimative Prüfung sein. Er machte nicht noch einmal den Fehler vom Vortag und lies sie ziehen. Sein eigenes Tempo war brutal genug, da brauchte er nicht noch eine Schüppe mehr um sich die Beine in Windeseile dick zu fahren. „Nicht umschauen. Nicht umschauen. Das gibt dem Hintermann nur Auftrieb.“ Hintermann? Ja. Denn da war er. Der Hintermann… Klappern, Quitschen und Keuchen erfüllte die Luft hinterm Kenianer. Er war nicht alleine auf der Flucht. Der unvermeindliche Feind saß ihm im Nacken. „Der Sauhund! Hat er nicht gerade gesagt, dass er mit Schwesterherz hochfahren will? Und jetzt lutscht der schon im Windschatten.“ Der Kenianer empörte sich still. „Unglaublich…! Bin mal gespannt, was Schwesterherz nachher dazu sagt.“ Das Rasseln der trockengelaufenen Kette und der schwere Atem waren die untrüglichen Zeichen des Kontrahenten am Hinterrad. „Nicht umschauen! Keine Schwächezeigen!“ Stattdessen schaltete er einen Gang höher und beschleunigte. Den Schwager wollte er loswerden. Abschütteln wie eine lästige Fliege. „Wie schmeckt dir das?“, dachte er. Das Rasseln war kurz verschwunden. Die Hoffnung mit der Forcierung des Tempos ausreichend Meter gewonnen zu haben erfüllte sich aber nicht. Schon bald war das Keuchen wieder da. Etwas lauter. Es rächte sich die fehlende Streckenkenntnis. Es wurde etwas flacher. Der Windschatten wurde wertvoller. Der Kenianer arbeitet allein im Wind. „Du lässt es dir gutgehen! Du Sack!“, er wurde wütend „Erholst dich am Hinterrad. Sparst Kräfte und stürmst dann am Pass vorbei. Das ist doch wieder gegen jede Radfahrerehre.“ Aber es war zu spät für taktische Spielchen. Nach einem Kilometer wurde es wieder steiler und schon bald zeigte sich im Wald die Passhöhe. Und er konnte nicht mehr zusetzen. Für den Kenianer rächte sich das hohe Anfangstempo und der stete Kampf gegen den Luftwiderstand. Er ahnte was kommen würde. Der Lutscher hatte sich in dem Flachstück erholt und würde ihn kurz vor dem Schild kassieren. „Verdammter Mist! Ich bin am Limit!“ Die Beine waren voll mit Milchsäure, die Lungen arbeiteten auf Hochtouren und im Kopf begann er nach Ausreden zu suchen… Und dann geschah das unvermeidliche. Er hörte einen Schaltvorgang, dem unweigerlich der Antritt folgen musste, der ihn ins Tal der Tränen stürzen sollte. Dem Schwager in den Bergen unterlegen. Diese Schmach müsste er sich in den nächsten Jahren immer wieder anhören: „Jaja, Kenianer. Klar das du in Bocholt stärker bist als ich, die Strecke ist ja auch nicht selektiv. Bergfahrer wie ich können es halt besser in Warstein!“ Womit direkt zwei wunde Punkte in seiner Sportlervergangenheit angesprochen wären. Die Niederlage im Pässeduell und die Schmach von Warstein. Ein Vorderrad schob sich in sein Blickfeld, dann der Rest des Rades. Er wollte nicht hinschauen und beschäftigte sich mit seinem Flaschenhalter. „Da ist doch irgendetwas locker. Mistding…“ er fluchte leise vor sich hin. Wenn man schon überholt wird, dann soll es zumindest so aussehen, als wenn es einem nichts ausmacht. „Ich bin doch gar kein Rennen gefahren. Ich habe gar nicht gemerkt, dass du hinter mir warst. Mir sind Ortsschildduelle echt zu albern. Aus dem Alter bin ich raus…“ So wird aus der Niederlage Altersweisheit. Doch was war das? Da schoben sich Turnschuhe an ihm vorbei!? Der Schwager in Turnschuhen? So weit sinkt selbst der doch nicht. Wie konnte das sein? Sollte am Ende… Tatsächlich! Es war gar nicht der Schwager. Es war der Turnschuhfahrer. Diese Niederlage war zwar auch schmerzhaft und peinlich, aber es war nicht der Schwager, der da frech und unverschämt die ganze Zeit gelutscht hatte, um ihn jetzt vor dem Pass zu kassieren. Empört und erleichtert wagte er jetzt endlich einen Blick nach hinten. Da war nichts. Gähnende Leere. Kein Schwager weit und -vor allem- breit zu sehen. Den Turnschuhfahrer ließ er ziehen. „Na warte Freundchen! Du kriegst gleich noch was von mir zu hören. Das ist doch kein Benehmen. Sechs Kilometer Windschattenfahren und fünfhundert Meter Antritt für einen billigen Triumph. Deine Sozialkompetenz endet wohl auch mit dem Abräumen der Tabletts bei McDonalds…“ Er würde ihm gleich passende Worte sagen. Aber was viel wichtiger: Er hat den Schwager geschlagen. Die Passwertung mit 2:1 für sich entschieden. 2:1… Die Zahlenkombination, die ihm das Weib jedes Jahr im Hollandurlaub auszusprechen verbietet. Er war angekommen in Ballino, dem kleine Ort zum kleinen Pass. Nachdem er den Turnschuhfahrer lautstark über die Grundregeln radsportlicher Fairness belehrt hatte, setzte er sich an den Brunnen und wartete auf den Schwager. Er wollte seinen Triumph genießen. Nach und nach trudelten die Teilnehmer ein. Doch es war kein Schwager in Sicht! Wo war der Verlierer? Hungerast? Ausgeschlossen. Sie waren gerade vom Frühstückstisch aufgestanden. Defekt? Nein. Das hätten die anderen schon erzählt. Wahrscheinlich schämt er sich so für die Niederlage, dass er sich nicht her traut. Das Treibholz kam an. Sogar die Frauen waren vollzählig. Cora auch, die sonst immer die rote Laterne pflichtbewusst nach oben fuhr. Die einzigen, die fehlten, waren Schwesterherz und Schwager. „Die machens a kloane Pausen am Pass. Aber die kimmen auch gleich. I muast dene noch an Foto schiassen und dann hatt der Typ gesagt, dass sie gloach nachkumma. Brauchst dia kana Sorgen zu machen….!“ „Sorgen?“ Unsinn. Sorgen machte er sich nicht. Er ärgerte sich. Was nutzt der schönste Sieg ohne das enttäuschte Gesicht des Verlierers? Kurz danach kamen sie. Ohne eine Spur von Enttäuschung. Keine Niedergeschlagenheit in ihren Blicken. Gutgelaunt und mit breiten Grinsen fuhren die beiden an den Brunnen von Ballino. Was sollte das denn? Wo war die Demut? Wo war die Anerkennung für seinen Sieg? Wo waren die Huldigungen an den besten Bergfahrer? Schwesterherz sah es ihm wohl an: „Jaja, Kenianer! Wir wissen es. Du hast uns geschlagen. Herzlichen Glückwunsch!“ Schwang da so etwas wie Ironie in ihrer Stimme mit? Das war doch ganz und gar nicht angemessen… „…aber es gibt auch mal wichtigeres als erster auf dem Pass zu sein…“ Was sollte schon wichtiger sein? Sie waren in den Bergen und fuhren Rennrad. Da ging es doch ums gewinnen, oder nicht… Er hatte ihre roten Wangen und den Glanz ihrer Augen übersehen. Das alles ohne Atemnot… „…wir wollten dir nämlich was sagen…“ Sie taten sehr geheimnisvoll. Was könnte es sein? „Bestimmt holen die mir jetzt ein rotgepunktetes Trikot raus, was sie mir überreichen wollen.“ , dachte er und sah sich schon beim Fototermin. „Macht es doch nicht so spannend? Was kann denn so wichtig sein? Habt ihr euch für den Eiermann in Frankfurt angemeldet? Wollt ihr nach Hawaii? Die Transalp Challenge fahren? Race Across America?“ Es musste irgendetwas großartiges sein. „…Nein, es hat nichts mit Sport zu tun…“ Menno, so langsam wurden sie unheimlich. Außerdem war er enttäuscht, da es nichts mit dem Bergtrikot wurde. Sie deutete auf ihren Mitfahrer, der verschüchtert an seinem Helm herum nestelte… „…er hat mich gerade gefragt, ob er nicht im nächsten Jahr dein richtiger Schwager sein darf…“ „Wie jetzt?“, er verstand es nicht. „Er ist doch der Schwager! Er war es doch immer!“, sagte er, als es ihm dämmerte. Ihnen fehlte der Segen der großen Institutionen für einen gemeinsamen Familienstand. „Ihr wollt heiraten? So richtig?“ „Jep! Er hat mich gefragt und ich habe Ja gesagt!“, erzählte sie voller Stolz. Der Kenianer rang um Fassung. Er hatte auf eine Siegerehrung und Lobpreisungen für seine Kletterqualitäten gerechnet und eine rührselige Schmonzette bekommen. Das konnte doch nicht deren Ernst sein. Er fuhr sich in einem wichtigen Rennen die Beine platt und dann kamen die mit einer Herz-Schmerz Geschichte. Das war doch bestimmt nur eine Ausrede vom Schwager für sein Schwächeln am Berg. Anstatt sich dem Kampf Mann gegen Mann zu stellen hatte er sich mit so einer weicheiigen Nummer aus der Pflicht gestohlen. Schon wollte er etwas sagen von „Fehlendem Respekt für sportliche Leistung!“ als er sich auf die Zunge biss. Die Transalp Tour sollte das Verhältnis zu den beiden ja wieder befrieden. Was würde das Weib wohl dazusagen, wenn er die Ankündigung einer Liebesheirat mit Schimpftiraden wegen der fehlenden Anerkennung seiner Radsporterfolge begleitet hätte? „Na, denn….?! Herzlichen Glückwunsch!“, drückte er heraus. Auch wenn in ihm ein schlimmer Verdacht keimte. Was, wenn der Schwager diesen Antrag nur wegen fehlender Siegchancen am Ballino vorgeschoben hätte? Wenn er sich so ein Alibi für schlechte Beine besorgt hätte? Ja, so musste es gewesen sein. Was für eine billige Ausrede für den verlorenen Kampf ums Bergtrikot. Das würde er ihm Heimzahlen. Er wusste nur noch nicht wie… „So! Aufi Leute. Jetzt geht’s nuhmerhr runta bis nach Riva. Ist superschön. Zwischendurch machens wir noch mal an Fotostopp. Aber ansonsten seids bitte vorsichtig und geniesst die schöne Abfahrt.!“ Der warme Wind begleitete die Abfahrt. Serpentinen und herrliche Aussichten auf den Gardasee machten ihm den bevorstehenden Abschied vom Radfahren schwer. Zum Glück, hatte das prall aufgepumpte Hinterrad ein Einsehen und sammelte noch einen Stein in Riva ein. Die Luft entwich und bescherte ihm Vorfreude auf das Ende der Tour. Zum zweiten Mal war er es, der der Gruppe eine Zwangspause bescherte. Für allgemeine Verwunderung sorgte die fehlende Pumpe an seinem Rad –„Des is aba oa Leichtsinn, ohna Pumpan zu foahren. Kannst di doch net imma auf die anderen verlassen“. Und dann war es soweit. Vier Tage nach dem nassen Abschied vom Tegernsee stürzten sie sich in die kühlen Fluten des Gardasees. Dazwischen lag ein Haufen von Erlebnissen, vierhundert Kilometer, 6000 Höhenmeter, eine Vmax von 74kmh, eine Vmin von acht bevor er sich in den Bach stürzte, zwei gewonnene Pässe, eine fast vergessene Niederlage sowie ein erfolgreicher Heiratsantrag. Und während er kraulend im Gardasee endlich mal schneller als Cora war, fiel es ihm ein. „Das war die Idee.“ Er würde den beiden etwas organisieren zum Abschied aus dem Junggesellenleben. Keine Trinktour durch die Düsseldorfer Altstadt in peinlichen Kostümen, noch peinlicheren Aufgaben und viel Alkohol. Nein, er würde den beiden einen wirklich schmerzhaften Kater besorgen. Einen Junggesellenabschiedstriathlon! Selbstorganisiert und hart. Knüppelhart. Dann würde der Schwager seine herzerweichende Ausrede für die Niederlage noch bereuen. Der Schuft. Nur weil der am Ballino den kürzeren zog, musste Schwersterherz jetzt auch offiziell vor den Altar treten. „Ob ihr überhaupt klar ist, warum er sie gefragt hat? Wegen ein paar fehlender Körner in seinen Beinen klebt sie jetzt am honigsüßen Fliegenfänger und freut sich…!“ argwöhnte er . Aber er wollte keinen geschenkten Sieg. Er wollte einen ultimativen Wettkampf vor dem offiziellen Eintritt in die Familie. Dann würde sich klären, wer der stärkere der beiden ist. „Alles was ich brauche ist ein schöner Ort, ein paar Helfer und etwas mehr Teilnehmer, die ihm im nächsten Sommer die Fersen zeigen werden. Da sollte man doch was organisieren können.“ Genau: Er würde einen eigenen Wettkampf organisieren. Wann und wo? Irgendwann im Jahr 2012. Am besten auf der ersten festinstallierten Triathlonstrecke der Welt. Mit Schwimmbad, ausgeschilderter und verkehrsarmer Radstrecke und einem Lauf, der wieder am Schwimmbad endete. Und wo sollte das sein? Mal schauen, welche Gemeinde sich diesen einmaligen Breitensportevent sichert. Der Kenianer ist da als Ausrichter und Teilnehmer genauso unbestechlich wie die Mitglieder des FiFa - Exekutivkomitees und freut sich über Bewergungen und Geldgeschenke... |
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patella hat den Blogeintrag ♂tga/2NO -XXXX- Die ... aktualisiert Es war eine Mischung aus viel Stolz, etwas Erleichterung, ein wenig Wehmut und einer Menge Anspannung, die seine Vorbereitungen zur letzten Etappe begleiteten. -Stolz, weil das Ziel bald erreicht war. Der kleine Pass mit dem niedlichen Namen „Ballino“ und vierzig Kilometer lagen zwischen den Teilnehmern und dem Ziel am Ufer des Gardasee. Die Herausforderung nahm sich bescheiden aus im Vergleich zum Jauffenpass und der Straße mit den vielen Namen, die er allesamt schon vergessen hatte. „Passo Campo was…? Nie gehört! Da war ich nicht!“ In wenigen Kilometern würden sie die Alpen überwunden haben. Auf dem Fahrrad. Dann würden der große See in dem riesigen Talkessel vor ihnen liegen. Mit einem riesen Sack voller Erinnerungen und Eindrücken in ihrem Gepäck, trefflich geeignet zum prahlen im Kollegenkreis. -Erleichterung, weil die Schinderei ein Ende finden würde. Weil ab morgen die Schmerzen in den Beinen nachlassen würden und die leergefahrenen Speicher mit gutem Gewissen in den nächsten Tagen aufgefüllt werden durften. Vier Tage Sport ergaben acht Tage hemmungslose Kalorienexzesse. Weil sich ein sportlicher Traum erfüllt hatte. Und weil er den Schwager am Jauffenpass geschlagen hatte. - Wehmut…? Nach vier Tagen hatte er sich an das Leben eines Radfahrers gewöhnt. Fahren, Essen, Schlafen, Fahren… Mehr brauchten die Tage nicht. Anstrengend und einfach. Dieser Rhythmus ließ ihn am Ende des Tages zufrieden ins Bett zu sinken. Keine Steuererklärungen, keine Elternsprechtage, keine Arbeitsaufträge, keine Blogbeiträge und keine wichtigen Fernsehsendungen machten ihm das Leben unübersichtlich. Was kümmerten ihn unbezahlte Rechnungen, wenn er seine mit dem Schwager auf der Passhöhe beglichen hatte? Am morgen stand ein Frühstück am Buffet, dann setzten sie sich in den Sattel und fuhren Cora hinterher und am Abend schleppte er sich mit Mordshunger an den Tisch, der sich unter Leckereien bog. Zum Ende des Tages klebte ihm der Geschmack von bestem Espresso am Gaumen. Espresso aus lebenden Maschinen, bedient von freundlichen Menschen. Kein seelenloser Kaffeevollautomat, dem eine Kapsel Aromamischung für perfekte und immer gleiche Ergebnisse reichte. Selbstzufrieden fiel er dann aufs Bett, telefonierte mit der Familie und versuchte gar nicht, die Erlebnisse des Tages in passende Worte zu fassen. Die Tage waren von faszinierender Schlichtheit. Er würde gerne weiterfahren. Zwei Tage, drei Tage oder noch mehr? Immer weiter weg von dem Alltagsbrei. Aber morgen müsste er wieder seinen Tagesgeschäften nachgehen. Grauenvoll. Denn es warteten ja noch wichtige Dinge auf ihn. 1:1 war der Stand im Kampf gegen den Mann, den er jetzt schon seit Jahren als Schwager bezeichnete, auch wenn er es nicht war. Und deshalb… - Anspannung! Der Ballino lag vor ihnen. Die letzte Entscheidung. Die Schlacht um den Gesamtsieg. Eine Pass noch, dann wäre das Ergebnis klar. Dann würden sie nur noch die rasante Abfahrt zum Gardasee vor sich haben. Dreihundert Höhenmeter. Was ihm zu Hause schauer über den Rücken jagte, war nach den letzten Tagen nur noch eine lächerliche Randzacke in dem eindrucksvollen Höhenprofil der Tour. Nach Pässen stand es 1:1. Heute musste er noch mal alles geben, um das Spiel zu seinen Gunsten zu entscheiden. „Der soll mich nicht noch mal abhängen. Das fehlt mir noch, dass der sich auf der nächsten Feier als Bergkönig preisen lässt. Dann werde ich ihn erst mal darauf hinweisen, dass er immer noch nicht zur Familie gehört.“ Aber so weit sollte es gar nicht kommen. Er wollte gewinnen. Der kurze Schlussabschnitt war wie geschaffen für eine Party mit einem gut geschüttelten Laktatcocktail in den dicken Beinen. Er überließ nichts dem Zufall. Noch mal ein halbes Bar mehr presste er in die Reifen und verzichtete auf die Trinkflasche. „So kurz und direkt bergauf, da zählt jedes Gramm…!“ Die Satteltasche mit dem Werkzeug verschwand ebenso wie die Luftpumpe im Bus. Sichtlich nervös war auch der Schwager. Unruhig fummelte er an seinem Rad herum und gesellte sich dann zur Gruppe. „Ich denke, ich werde die letzte Steigung mit Schwesterherz fahren. Heute wollte ich mich mal ein bisschen zurückhalten…“ Der Kenianer war misstrauisch. Als ob sich der Schwager den diesen Kampf entgehen lassen würde. Das konnte doch nur ein Finte sein. „Wer während der Pinkelpause zur Attacke bläst, der kann auch schamlos lügen. Bestimmt lutscht der sich an meinem Hinterrad hoch und springt dann im letzten Moment aus dem Windschatten! Aber nicht mit mir. Ich werde den Berg hochstürmen. Von Anfang an. Und was soll das überhaupt heißen: „…zurückhalten…“? Der ist angespannt bis unter die Haarspitzen. Dem steht die Nervosität so etwas von ins Gesicht geschrieben. Wenn der heute nichts plant, dann will ich meine Menschenkenntnis über Bord werfen.“, der Kenianer war sicher, dass der Schwager Großes für den Tag plante. Hektische Flecken im Gesicht und zittrige Finger, mit denen der Kontrahent kaum den Helm schließen konnte. Das konnte nicht das Ergebnis das Ergebnis der Biere vom Vorabend sein. „Ich lasse mich nicht überraschen.“, nahm er sich vor. Schnell angehen und so langsam wie möglich sterben! Diese Renntaktik kannte er aus seinen Zehn Kilometer Läufen. Dort hatte sie sich bewährt. Für heute hatte er sich das gleich vorgenommen. Der Pass war kurz. Zwanzig Minuten Anschlag fahren hatte er kalkuliert. „Wollen doch mal sehen, wer dann als erster am Ballino ist!“ „Ihr fahrts immer Richtung Ballino! Könnts ihr gar nicht verfehlen. Da oben gibt’s an Platz mit ana Brunnen. Dort wartets ihr auf den Rest…“ Cora hatte noch nicht beendet, da stürmte er los. Es ging durch Weinberge und kleine Dörfer stetig den Berg hoch. Die Bergziegen hatten ihn schnell eingeholt. Auch für sie sollte es die ultimative Prüfung sein. Er machte nicht noch einmal den Fehler vom Vortag und lies sie ziehen. Sein eigenes Tempo war brutal genug, da brauchte er nicht noch eine Schüppe mehr um sich die Beine in Windeseile dick zu fahren. „Nicht umschauen. Nicht umschauen. Das gibt dem Hintermann nur Auftrieb.“ Hintermann? Ja. Denn da war er. Der Hintermann… Klappern, Quitschen und Keuchen erfüllte die Luft hinterm Kenianer. Er war nicht alleine auf der Flucht. Der unvermeindliche Feind saß ihm im Nacken. „Der Sauhund! Hat er nicht gerade gesagt, dass er mit Schwesterherz hochfahren will? Und jetzt lutscht der schon im Windschatten.“ Der Kenianer empörte sich still. „Unglaublich…! Bin mal gespannt, was Schwesterherz nachher dazu sagt.“ Das Rasseln der trockengelaufenen Kette und der schwere Atem waren die untrüglichen Zeichen des Kontrahenten am Hinterrad. „Nicht umschauen! Keine Schwächezeigen!“ Stattdessen schaltete er einen Gang höher und beschleunigte. Den Schwager wollte er loswerden. Abschütteln wie eine lästige Fliege. „Wie schmeckt dir das?“, dachte er. Das Rasseln war kurz verschwunden. Die Hoffnung mit der Forcierung des Tempos ausreichend Meter gewonnen zu haben erfüllte sich aber nicht. Schon bald war das Keuchen wieder da. Etwas lauter. Es rächte sich die fehlende Streckenkenntnis. Es wurde etwas flacher. Der Windschatten wurde wertvoller. Der Kenianer arbeitet allein im Wind. „Du lässt es dir gutgehen! Du Sack!“, er wurde wütend „Erholst dich am Hinterrad. Sparst Kräfte und stürmst dann am Pass vorbei. Das ist doch wieder gegen jede Radfahrerehre.“ Aber es war zu spät für taktische Spielchen. Nach einem Kilometer wurde es wieder steiler und schon bald zeigte sich im Wald die Passhöhe. Und er konnte nicht mehr zusetzen. Für den Kenianer rächte sich das hohe Anfangstempo und der stete Kampf gegen den Luftwiderstand. Er ahnte was kommen würde. Der Lutscher hatte sich in dem Flachstück erholt und würde ihn kurz vor dem Schild kassieren. „Verdammter Mist! Ich bin am Limit!“ Die Beine waren voll mit Milchsäure, die Lungen arbeiteten auf Hochtouren und im Kopf begann er nach Ausreden zu suchen… Und dann geschah das unvermeidliche. Er hörte einen Schaltvorgang, dem unweigerlich der Antritt folgen musste, der ihn ins Tal der Tränen stürzen sollte. Dem Schwager in den Bergen unterlegen. Diese Schmach müsste er sich in den nächsten Jahren immer wieder anhören: „Jaja, Kenianer. Klar das du in Bocholt stärker bist als ich, die Strecke ist ja auch selektiv. Bergfahrer wie ich können es halt besser in Warstein!“ Womit direkt zwei wunde Punkte in seiner Sportlervergangenheit angesprochen wären. Die Niederlage im Pässeduell und die Schmach von Warstein. Ein Vorderrad schob sich in sein Blickfeld, dann der Rest des Rades. Er wollte nicht hinschauen und beschäftigte sich mit seinem Flaschenhalter. „Da ist doch irgendetwas locker. Mistding…“ er fluchte leise vor sich hin. Wenn man schon überholt wird, dann soll es zumindest so aussehen, als wenn es einem nichts ausmacht. „Ich bin doch gar kein Rennen gefahren. Ich habe gar nicht gemerkt, dass du hinter mir warst. Mir sind Ortsschildduelle echt zu albern. Aus dem Alter bin ich raus…“ So wird aus der Niederlage Altersweisheit. Doch was war das? Da schoben sich Turnschuhe an ihm vorbei!? Der Schwager in Turnschuhen? So weit sinkt selbst der doch nicht. Wie konnte das sein? Sollte am Ende… Tatsächlich! Es war gar nicht der Schwager. Es war der Turnschuhfahrer. Diese Niederlage war zwar auch schmerzhaft und peinlich, aber es war nicht der Schwager, der da frech und unverschämt die ganze Zeit gelutscht hatte, um ihn jetzt vor dem Pass zu kassieren. Empört und erleichtert wagte er jetzt endlich einen Blick nach hinten. Da war nichts. Gähnende Leere. Kein Schwager weit und -vor allem- breit zu sehen. Den Turnschuhfahrer ließ er ziehen. „Na warte Freundchen! Du kriegst gleich noch was von mir zu hören. Das ist doch kein Benehmen. Sechs Kilometer Windschattenfahren und fünfhundert Meter Antritt für einen billigen Triumph. Deine Sozialkompetenz endet wohl auch mit dem Abräumen der Tabletts bei McDonalds…“ Er würde ihm gleich passende Worte sagen. Aber was viel wichtiger: Er hat den Schwager geschlagen. Die Passwertung mit 2:1 für sich entschieden. 2:1… Die Zahlenkombination, die ihm das Weib jedes Jahr im Hollandurlaub auszusprechen verbietet. Er war angekommen in Ballino, dem kleine Ort zum kleinen Pass. Nachdem er den Turnschuhfahrer lautstark über die Grundregeln radsportlicher Fairness belehrt hatte, setzte er sich an den Brunnen und wartete auf den Schwager. Er wollte seinen Triumph genießen. Nach und nach trudelten die Teilnehmer ein. Doch es war kein Schwager in Sicht! Wo war der Verlierer? Hungerast? Ausgeschlossen. Sie waren gerade vom Frühstückstisch aufgestanden. Defekt? Nein. Das hätten die anderen schon erzählt. Wahrscheinlich schämt er sich so für die Niederlage, dass er sich nicht her traut. Das Treibholz kam an. Sogar die Frauen waren vollzählig. Cora auch, die sonst immer die rote Laterne pflichtbewusst nach oben fuhr. Die einzigen, die fehlten, waren Schwesterherz und Schwager. „Die machens a kloane Pausen am Pass. Aber die kimmen auch gleich. I muast dene noch an Foto schiassen und dann hatt der Typ gesagt, dass sie gloach nachkumma. Brauchst dia kana Sorgen zu machen….!“ „Sorgen?“ Unsinn. Sorgen machte er sich nicht. Er ärgerte sich. Was nutzt der schönste Sieg ohne das enttäuschte Gesicht des Verlierers? Kurz danach kamen sie. Ohne eine Spur von Enttäuschung. Keine Niedergeschlagenheit in ihren Blicken. Gutgelaunt und mit breiten Grinsen fuhren die beiden an den Brunnen von Ballino. Was sollte das denn? Wo war die Demut? Wo war die Anerkennung für seinen Sieg? Wo waren die Huldigungen an den besten Bergfahrer? Schwesterherz sah es ihm wohl an: „Jaja, Kenianer! Wir wissen es. Du hast uns geschlagen. Herzlichen Glückwunsch!“ Schwang da so etwas wie Ironie in ihrer Stimme mit? Das war doch ganz und gar nicht angemessen… „…aber es gibt auch mal wichtigeres als erster auf dem Pass zu sein…“ Was sollte schon wichtiger sein? Sie waren in den Bergen und fuhren Rennrad. Da ging es doch ums gewinnen, oder nicht… Er hatte ihre roten Wangen und den Glanz ihrer Augen übersehen. Das alles ohne Atemnot… „…wir wollten dir nämlich was sagen…“ Sie taten sehr geheimnisvoll. Was könnte es sein? „Bestimmt holen die mir jetzt ein rotgepunktetes Trikot raus, was sie mir überreichen wollen.“ , dachte er und sah sich schon beim Fototermin. „Macht es doch nicht so spannend? Was kann denn so wichtig sein? Habt ihr euch für den Eiermann in Frankfurt angemeldet? Wollt ihr nach Hawaii? Die Transalp Challenge fahren? Race Across America?“ Es musste irgendetwas großartiges sein. „…Nein, es hat nichts mit Sport zu tun…“ Menno, so langsam wurden sie unheimlich. Außerdem war er enttäuscht, da es nichts mit dem Bergtrikot wurde. Sie deutete auf ihren Mitfahrer, der verschüchtert an seinem Helm herum nestelte… „…er hat mich gerade gefragt, ob er nicht im nächsten Jahr dein richtiger Schwager sein darf…“ „Wie jetzt?“, er verstand es nicht. „Er ist doch der Schwager! Er war es doch immer!“, sagte er, als es ihm dämmerte. Ihnen fehlte der Segen der großen Institutionen für einen gemeinsamen Familienstand. „Ihr wollt heiraten? So richtig?“ „Jep! Er hat mich gefragt und ich habe Ja gesagt!“, erzählte sie voller Stolz. Der Kenianer rang um Fassung. Er hatte auf eine Siegerehrung und Lobpreisungen für seine Kletterqualitäten gerechnet und eine rührselige Schmonzette bekommen. Das konnte doch nicht deren Ernst sein. Er fuhr sich in einem wichtigen Rennen die Beine platt und dann kamen die mit einer Herz-Schmerz Geschichte. Das war doch bestimmt nur eine Ausrede vom Schwager für sein Schwächeln am Berg. Anstatt sich dem Kampf Mann gegen Mann zu stellen hatte er sich mit so einer weicheiigen Nummer aus der Pflicht gestohlen. Schon wollte er etwas sagen von „Fehlendem Respekt für sportliche Leistung!“ als er sich auf die Zunge biss. Die Transalp Tour sollte das Verhältnis zu den beiden ja wieder befrieden. Was würde das Weib wohl dazusagen, wenn er die Ankündigung einer Liebesheirat mit Schimpftiraden wegen der fehlenden Anerkennung seiner Radsporterfolge begleitet hätte? „Na, denn….?! Herzlichen Glückwunsch!“, drückte er heraus. Auch wenn in ihm ein schlimmer Verdacht keimte. Was, wenn der Schwager diesen Antrag nur wegen fehlender Siegchancen am Ballino vorgeschoben hätte? Wenn er sich so ein Alibi für schlechte Beine besorgt hätte? Ja, so musste es gewesen sein. Was für eine billige Ausrede für den verlorenen Kampf ums Bergtrikot. Das würde er ihm Heimzahlen. Er wusste nur noch nicht wie… „So! Aufi Leute. Jetzt geht’s nuhmerhr runta bis nach Riva. Ist superschön. Zwischendurch machens wir noch mal an Fotostopp. Aber ansonsten seids bitte vorsichtig und geniesst die schöne Abfahrt.!“ Der warme Wind begleitete die Abfahrt. Serpentinen und herrliche Aussichten auf den Gardasee machten ihm den bevorstehenden Abschied vom Radfahren schwer. Zum Glück, hatte das prall aufgepumpte Hinterrad ein Einsehen und sammelte noch einen Stein in Riva ein. Die Luft entwich und bescherte ihm Vorfreude auf das Ende der Tour. Zum zweiten Mal war er es, der der Gruppe eine Zwangspause bescherte. Für allgemeine Verwunderung sorgte die fehlende Pumpe an seinem Rad –„Des is aba oa Leichtsinn, ohna Pumpan zu foahren. Kannst di doch net imma auf die anderen verlassen“. Und dann war es soweit. Vier Tage nach dem nassen Abschied vom Tegernsee stürzten sie sich in die kühlen Fluten des Gardasees. Dazwischen lag ein Haufen von Erlebnissen, vierhundert Kilometer, 6000 Höhenmeter, eine Vmax von 74kmh, eine Vmin von acht bevor er sich in den Bach stürzte, zwei gewonnene Pässe, eine fast vergessene Niederlage sowie ein erfolgreicher Heiratsantrag. Und während er kraulend im Gardasee endlich mal schneller als Cora war, fiel es ihm ein. „Das war die Idee.“ Er würde den beiden etwas organisieren zum Abschied aus dem Junggesellenleben. Keine Trinktour durch die Düsseldorfer Altstadt in peinlichen Kostümen, noch peinlicheren Aufgaben und viel Alkohol. Nein, er würde den beiden einen wirklich schmerzhaften Kater besorgen. Einen Junggesellenabschiedstriathlon! Selbstorganisiert und hart. Knüppelhart. Dann würde der Schwager seine herzerweichende Ausrede für die Niederlage noch bereuen. Der Schuft. Nur weil der am Ballino den kürzeren zog, musste Schwersterherz jetzt auch offiziell vor den Altar treten. „Ob ihr überhaupt klar ist, warum er sie gefragt hat? Wegen ein paar fehlender Körner in seinen Beinen klebt sie jetzt am honigsüßen Fliegenfänger und freut sich…!“ argwöhnte er . Aber er wollte keinen geschenkten Sieg. Er wollte einen ultimativen Wettkampf vor dem offiziellen Eintritt in die Familie. Dann würde sich klären, wer der stärkere der beiden ist. „Alles was ich brauche ist ein schöner Ort, ein paar Helfer und etwas mehr Teilnehmer, die ihm im nächsten Sommer die Fersen zeigen werden. Da sollte man doch was organisieren können.“ Genau: Er würde einen eigenen Wettkampf organisieren. Wann und wo? Irgendwann im Jahr 2012. Am besten auf der ersten festinstallierten Triathlonstrecke der Welt. Mit Schwimmbad, ausgeschilderter und verkehrsarmer Radstrecke und einem Lauf, der wieder am Schwimmbad endete. Und wo sollte das sein? Mal schauen, welche Gemeinde sich diesen einmaligen Breitensportevent sichert. Der Kenianer ist da als Ausrichter und Teilnehmer genauso unbestechlich wie die Mitglieder des FiFa - Exekutivkomitees und freut sich über Bewergungen und Geldgeschenke... |
Aug 10 |
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patella hat den Blogeintrag ♂tga/2NO -XXXX- Die ... erstellt Es war eine Mischung aus viel Stolz, etwas Erleichterung, Wehmut und Anspannung, die seine Vorbereitungen zur letzten Etappe begleiteten. -Stolz, weil das Ziel bald erreicht war. Der kleine Pass mit dem niedlichen Namen „Ballino“ und vierzig Kilometer lagen zwischen den Teilnehmern und dem Ziel am Ufer des Gardasee. Die Herausforderung nahm sich bescheiden aus im Vergleich zum Jauffenpass und der Straße mit den vielen Namen, die er allesamt schon vergessen hatte. „Passo Campo was…? Nie gehört! Da war ich nicht!“ In wenigen Kilometern würden sie die Alpen überwunden haben. Auf dem Fahrrad. Dann würden der große See in dem riesigen Talkessel vor ihnen liegen. Mit einem riesen Sack voller Erinnerungen und Eindrücken in ihrem Gepäck, trefflich geeignet zum prahlen im Kollegenkreis. -Erleichterung, weil die Schinderei ein Ende finden würde. Weil ab morgen die Schmerzen in den Beinen nachlassen würden und die leergefahrenen Speicher mit gutem Gewissen in den nächsten Tagen aufgefüllt werden durften. Vier Tage Sport ergaben acht Tage hemmungslose Kalorienexzesse. Weil sich ein sportlicher Traum erfüllt hatte. Und weil er den Schwager am Jauffenpass geschlagen hatte. - Wehmut…? Nach vier Tagen hatte er sich an das Leben eines Radfahrers gewöhnt. Fahren, Essen, Schlafen, Fahren… Mehr brauchten die Tage nicht. Anstrengend und einfach. Dieser Rhythmus ließ ihn am Ende des Tages zufrieden ins Bett zu sinken. Keine Steuererklärungen, keine Elternsprechtage, keine Arbeitsaufträge, keine Blogbeiträge und keine wichtigen Fernsehsendungen machten ihm das Leben unübersichtlich. Was kümmerten ihn unbezahlte Rechnungen, wenn er seine mit dem Schwager auf der Passhöhe beglichen hatte? Am morgen stand ein Frühstück am Buffet, dann setzten sie sich in den Sattel und fuhren Cora hinterher und am Abend schleppte er sich mit Mordshunger an den Tisch, der sich unter Leckereien bog. Zum Ende des Tages klebte ihm der Geschmack von bestem Espresso am Gaumen. Espresso aus lebenden Maschinen, bedient von freundlichen Menschen. Kein seelenloser Kaffeevollautomat, dem eine Kapsel Aromamischung für perfekte und immer gleiche Ergebnisse reichte. Selbstzufrieden fiel er dann aufs Bett, telefonierte mit der Familie und versuchte gar nicht, die Erlebnisse des Tages in passende Worte zu fassen. Die Tage waren von faszinierender Schlichtheit. Er würde gerne weiterfahren. Zwei Tage, drei Tage oder noch mehr? Immer weiter weg von dem Alltagsbrei. Aber morgen müsste er wieder seinen Tagesgeschäften nachgehen. Grauenvoll. Denn es warteten ja noch wichtige Dinge auf ihn. 1:1 war der Stand im Kampf gegen den Mann, den er jetzt schon seit Jahren als Schwager bezeichnete, auch wenn er es nicht war. Und deshalb… - Anspannung! Der Ballino lag vor ihnen. Die letzte Entscheidung. Die Schlacht um den Gesamtsieg. Eine Pass noch, dann wäre das Ergebnis klar. Dann würden sie nur noch die rasante Abfahrt zum Gardasee vor sich haben. Dreihundert Höhenmeter. Was ihm zu Hause schauer über den Rücken jagte, war nach den letzten Tagen nur noch eine lächerliche Randzacke in dem eindrucksvollen Höhenprofil der Tour. Nach Pässen stand es 1:1. Heute musste er noch mal alles geben, um das Spiel zu seinen Gunsten zu entscheiden. „Der soll mich nicht noch mal abhängen. Das fehlt mir noch, dass der sich auf der nächsten Feier als Bergkönig preisen lässt. Dann werde ich ihn erst mal darauf hinweisen, dass er immer noch nicht zur Familie gehört.“ Aber so weit sollte es gar nicht kommen. Er wollte gewinnen. Der kurze Schlussabschnitt war wie geschaffen für eine Party mit einem gut geschüttelten Laktatcocktail in den dicken Beinen. Er überließ nichts dem Zufall. Noch mal ein halbes Bar mehr presste er in die Reifen und verzichtete auf die Trinkflasche. „So kurz und direkt bergauf, da zählt jedes Gramm…!“ Die Satteltasche mit dem Werkzeug verschwand ebenso wie die Luftpumpe im Bus. Sichtlich nervös war auch der Schwager. Unruhig fummelte er an seinem Rad herum und gesellte sich dann zur Gruppe. „Ich denke, ich werde die letzte Steigung mit Schwesterherz fahren. Heute wollte ich mich mal ein bisschen zurückhalten…“ Der Kenianer war misstrauisch. Als ob sich der Schwager den diesen Kampf entgehen lassen würde. Das konnte doch nur ein Finte sein. „Wer während der Pinkelpause zur Attacke bläst, der kann auch schamlos lügen. Bestimmt lutscht der sich an meinem Hinterrad hoch und springt dann im letzten Moment aus dem Windschatten! Aber nicht mit mir. Ich werde den Berg hochstürmen. Von Anfang an. Und was soll das überhaupt heißen: „…zurückhalten…“? Der ist angespannt bis unter die Haarspitzen. Dem steht die Nervosität so etwas von ins Gesicht geschrieben. Wenn der heute nichts plant, dann will ich meine Menschenkenntnis über Bord werfen.“, der Kenianer war sicher, dass der Schwager Großes für den Tag plante. Hektische Flecken im Gesicht und zittrige Finger, mit denen der Kontrahent kaum den Helm schließen konnte. Das konnte nicht das Ergebnis das Ergebnis der Biere vom Vorabend sein. „Ich lasse mich nicht überraschen.“, nahm er sich vor. Schnell angehen und so langsam wie möglich sterben! Diese Renntaktik kannte er aus seinen Zehn Kilometer Läufen. Dort hatte sie sich bewährt. Für heute hatte er sich das gleich vorgenommen. Der Pass war kurz. Zwanzig Minuten Anschlag fahren hatte er kalkuliert. „Wollen doch mal sehen, wer dann als erster am Ballino ist!“ „Ihr fahrts immer Richtung Ballino! Könnts ihr gar nicht verfehlen. Da oben gibt’s an Platz mit ana Brunnen. Dort wartets ihr auf den Rest…“ Cora hatte noch nicht beendet, da stürmte er los. Es ging durch Weinberge und kleine Dörfer stetig den Berg hoch. Die Bergziegen hatten ihn schnell eingeholt. Auch für sie sollte es die ultimative Prüfung sein. Er machte nicht noch einmal den Fehler vom Vortag und lies sie ziehen. Sein eigenes Tempo war brutal genug, da brauchte er nicht noch eine Schüppe mehr um sich die Beine in Windeseile dick zu fahren. „Nicht umschauen. Nicht umschauen. Das gibt dem Hintermann nur Auftrieb.“ Hintermann? Ja. Denn da war er. Der Hintermann… Klappern, Quitschen und Keuchen erfüllte die Luft hinterm Kenianer. Er war nicht alleine auf der Flucht. Der unvermeindliche Feind saß ihm im Nacken. „Der Sauhund! Hat er nicht gerade gesagt, dass er mit Schwesterherz hochfahren will? Und jetzt lutscht der schon im Windschatten.“ Der Kenianer empörte sich still. „Unglaublich…! Bin mal gespannt, was Schwesterherz nachher dazu sagt.“ Das Rasseln der trockengelaufenen Kette und der schwere Atem waren die untrüglichen Zeichen des Kontrahenten am Hinterrad. „Nicht umschauen! Keine Schwächezeigen!“ Stattdessen schaltete er einen Gang höher und beschleunigte. Den Schwager wollte er loswerden. Abschütteln wie eine lästige Fliege. „Wie schmeckt dir das?“, dachte er. Das Rasseln war kurz verschwunden. Die Hoffnung mit der Forcierung des Tempos ausreichend Meter gewonnen zu haben erfüllte sich aber nicht. Schon bald war das Keuchen wieder da. Etwas lauter. Es rächte sich die fehlende Streckenkenntnis. Es wurde etwas flacher. Der Windschatten wurde wertvoller. Der Kenianer arbeitet allein im Wind. „Du lässt es dir gutgehen! Du Sack!“, er wurde wütend „Erholst dich am Hinterrad. Sparst Kräfte und stürmst dann am Pass vorbei. Das ist doch wieder gegen jede Radfahrerehre.“ Aber es war zu spät für taktische Spielchen. Nach einem Kilometer wurde es wieder steiler und schon bald zeigte sich im Wald die Passhöhe. Und er konnte nicht mehr zusetzen. Für den Kenianer rächte sich das hohe Anfangstempo und der stete Kampf gegen den Luftwiderstand. Er ahnte was kommen würde. Der Lutscher hatte sich in dem Flachstück erholt und würde ihn kurz vor dem Schild kassieren. „Verdammter Mist! Ich bin am Limit!“ Die Beine waren voll mit Milchsäure, die Lungen arbeiteten auf Hochtouren und im Kopf begann er nach Ausreden zu suchen… Und dann geschah das unvermeidliche. Er hörte einen Schaltvorgang, dem unweigerlich der Antritt folgen musste, der ihn ins Tal der Tränen stürzen sollte. Dem Schwager in den Bergen unterlegen. Diese Schmach müsste er sich in den nächsten Jahren immer wieder anhören: „Jaja, Kenianer. Klar das du in Bocholt stärker bist als ich, die Strecke ist ja auch selektiv. Bergfahrer wie ich können es halt besser in Warstein!“ Womit direkt zwei wunde Punkte in seiner Sportlervergangenheit angesprochen wären. Die Niederlage im Pässeduell und die Schmach von Warstein. Ein Vorderrad schob sich in sein Blickfeld, dann der Rest des Rades. Er wollte nicht hinschauen und beschäftigte sich mit seinem Flaschenhalter. „Da ist doch irgendetwas locker. Mistding…“ er fluchte leise vor sich hin. Wenn man schon überholt wird, dann soll es zumindest so aussehen, als wenn es einem nichts ausmacht. „Ich bin doch gar kein Rennen gefahren. Ich habe gar nicht gemerkt, dass du hinter mir warst. Mir sind Ortsschildduelle echt zu albern. Aus dem Alter bin ich raus…“ So wird aus der Niederlage Altersweisheit. Doch was war das? Da schoben sich Turnschuhe an ihm vorbei!? Der Schwager in Turnschuhen? So weit sinkt selbst der doch nicht. Wie konnte das sein? Sollte am Ende… Tatsächlich! Es war gar nicht der Schwager. Es war der Turnschuhfahrer. Diese Niederlage war zwar auch schmerzhaft und peinlich, aber es war nicht der Schwager, der da frech und unverschämt die ganze Zeit gelutscht hatte, um ihn jetzt vor dem Pass zu kassieren. Empört und erleichtert wagte er jetzt endlich einen Blick nach hinten. Da war nichts. Gähnende Leere. Kein Schwager weit und -vor allem- breit zu sehen. Den Turnschuhfahrer ließ er ziehen. „Na warte Freundchen! Du kriegst gleich noch was von mir zu hören. Das ist doch kein Benehmen. Sechs Kilometer Windschattenfahren und fünfhundert Meter Antritt für einen billigen Triumph. Deine Sozialkompetenz endet wohl auch mit dem Abräumen der Tabletts bei McDonalds…“ Er würde ihm gleich passende Worte sagen. Aber was viel wichtiger: Er hat den Schwager geschlagen. Die Passwertung mit 2:1 für sich entschieden. 2:1… Die Zahlenkombination, die ihm das Weib jedes Jahr im Hollandurlaub auszusprechen verbietet. Er war angekommen in Ballino, dem kleine Ort zum kleinen Pass. Nachdem er den Turnschuhfahrer lautstark über die Grundregeln radsportlicher Fairness belehrt hatte, setzte er sich an den Brunnen und wartete auf den Schwager. Er wollte seinen Triumph genießen. Nach und nach trudelten die Teilnehmer ein. Doch es war kein Schwager in Sicht! Wo war der Verlierer? Hungerast? Ausgeschlossen. Sie waren gerade vom Frühstückstisch aufgestanden. Defekt? Nein. Das hätten die anderen schon erzählt. Wahrscheinlich schämt er sich so für die Niederlage, dass er sich nicht her traut. Das Treibholz kam an. Sogar die Frauen waren vollzählig. Cora auch, die sonst immer die rote Laterne pflichtbewusst nach oben fuhr. Die einzigen, die fehlten, waren Schwesterherz und Schwager. „Die machens a kloane Pausen am Pass. Aber die kimmen auch gleich. I muast dene noch an Foto schiassen und dann hatt der Typ gesagt, dass sie gloach nachkumma. Brauchst dia kana Sorgen zu machen….!“ „Sorgen?“ Unsinn. Sorgen machte er sich nicht. Er ärgerte sich. Was nutzt der schönste Sieg ohne das enttäuschte Gesicht des Verlierers? Kurz danach kamen sie. Ohne eine Spur von Enttäuschung. Keine Niedergeschlagenheit in ihren Blicken. Gutgelaunt und mit breiten Grinsen fuhren die beiden an den Brunnen von Ballino. Was sollte das denn? Wo war die Demut? Wo war die Anerkennung für seinen Sieg? Wo waren die Huldigungen an den besten Bergfahrer? Schwesterherz sah es ihm wohl an: „Jaja, Kenianer! Wir wissen es. Du hast uns geschlagen. Herzlichen Glückwunsch!“ Schwang da so etwas wie Ironie in ihrer Stimme mit? Das war doch ganz und gar nicht angemessen… „…aber es gibt auch mal wichtigeres als erster auf dem Pass zu sein…“ Was sollte schon wichtiger sein? Sie waren in den Bergen und fuhren Rennrad. Da ging es doch ums gewinnen, oder nicht… Er hatte ihre roten Wangen und den Glanz ihrer Augen übersehen. Das alles ohne Atemnot… „…wir wollten dir nämlich was sagen…“ Sie taten sehr geheimnisvoll. Was könnte es sein? „Bestimmt holen die mir jetzt ein rotgepunktetes Trikot raus, was sie mir überreichen wollen.“ , dachte er und sah sich schon beim Fototermin. „Macht es doch nicht so spannend? Was kann denn so wichtig sein? Habt ihr euch für den Eiermann in Frankfurt angemeldet? Wollt ihr nach Hawaii? Die Transalp Challenge fahren? Race Across America?“ Es musste irgendetwas großartiges sein. „…Nein, es hat nichts mit Sport zu tun…“ Menno, so langsam wurden sie unheimlich. Außerdem war er enttäuscht, da es nichts mit dem Bergtrikot wurde. Sie deutete auf ihren Mitfahrer, der verschüchtert an seinem Helm herum nestelte… „…er hat mich gerade gefragt, ob er nicht im nächsten Jahr dein richtiger Schwager sein darf…“ „Wie jetzt?“, er verstand es nicht. „Er ist doch der Schwager! Er war es doch immer!“, sagte er, als es ihm dämmerte. Ihnen fehlte der Segen der großen Institutionen für einen gemeinsamen Familienstand. „Ihr wollt heiraten? So richtig?“ „Jep! Er hat mich gefragt und ich habe Ja gesagt!“, erzählte sie voller Stolz. Der Kenianer rang um Fassung. Er hatte auf eine Siegerehrung und Lobpreisungen für seine Kletterqualitäten gerechnet und eine rührselige Schmonzette bekommen. Das konnte doch nicht deren Ernst sein. Er fuhr sich in einem wichtigen Rennen die Beine platt und dann kamen die mit einer Herz-Schmerz Geschichte. Das war doch bestimmt nur eine Ausrede vom Schwager für sein Schwächeln am Berg. Anstatt sich dem Kampf Mann gegen Mann zu stellen hatte er sich mit so einer weicheiigen Nummer aus der Pflicht gestohlen. Schon wollte er etwas sagen von „Fehlendem Respekt für sportliche Leistung!“ als er sich auf die Zunge biss. Die Transalp Tour sollte das Verhältnis zu den beiden ja wieder befrieden. Was würde das Weib wohl dazusagen, wenn er die Ankündigung einer Liebesheirat mit Schimpftiraden wegen der fehlenden Anerkennung seiner Radsporterfolge begleitet hätte? „Na, denn….?! Herzlichen Glückwunsch!“, drückte er heraus. Auch wenn in ihm ein schlimmer Verdacht keimte. Was, wenn der Schwager diesen Antrag nur wegen fehlender Siegchancen am Ballino vorgeschoben hätte? Wenn er sich so ein Alibi für schlechte Beine besorgt hätte? Ja, so musste es gewesen sein. Was für eine billige Ausrede für den verlorenen Kampf ums Bergtrikot. Das würde er ihm Heimzahlen. Er wusste nur noch nicht wie… „So! Aufi Leute. Jetzt geht’s nuhmerhr runta bis nach Riva. Ist superschön. Zwischendurch machens wir noch mal an Fotostopp. Aber ansonsten seids bitte vorsichtig und geniesst die schöne Abfahrt.!“ Der warme Wind begleitete die Abfahrt. Serpentinen und herrliche Aussichten auf den Gardasee machten ihm den bevorstehenden Abschied vom Radfahren schwer. Zum Glück, hatte das prall aufgepumpte Hinterrad ein Einsehen und sammelte noch einen Stein in Riva ein. Die Luft entwich und bescherte ihm Vorfreude auf das Ende der Tour. Zum zweiten Mal war er es, der der Gruppe eine Zwangspause bescherte. Für allgemeine Verwunderung sorgte die fehlende Pumpe an seinem Rad –„Des is aba oa Leichtsinn, ohna Pumpan zu foahren. Kannst di doch net imma auf die anderen verlassen“. Und dann war es soweit. Vier Tage nach dem nassen Abschied vom Tegernsee stürzten sie sich in die kühlen Fluten des Gardasees. Dazwischen lag ein Haufen von Erlebnissen, vierhundert Kilometer, 6000 Höhenmeter, eine Vmax von 74kmh, eine Vmin von acht bevor er sich in den Bach stürzte, zwei gewonnene Pässe, eine fast vergessene Niederlage sowie ein erfolgreicher Heiratsantrag. Und während er kraulend im Gardasee endlich mal schneller als Cora war, fiel es ihm ein. „Das war die Idee.“ Er würde den beiden etwas organisieren zum Abschied aus dem Junggesellenleben. Keine Trinktour durch die Düsseldorfer Altstadt in peinlichen Kostümen, noch peinlicheren Aufgaben und viel Alkohol. Nein, er würde den beiden einen wirklich schmerzhaften Kater besorgen. Einen Junggesellenabschiedstriathlon! Selbstorganisiert und hart. Knüppelhart. Dann würde der Schwager seine herzerweichende Ausrede für die Niederlage noch bereuen. Der Schuft. Nur weil der am Ballino den kürzeren zog, musste Schwersterherz jetzt auch offiziell vor den Altar treten. „Ob ihr überhaupt klar ist, warum er sie gefragt hat? Wegen ein paar fehlender Körner in seinen Beinen klebt sie jetzt am honigsüßen Fliegenfänger und freut sich…!“ argwöhnte er . Aber er wollte keinen geschenkten Sieg. Er wollte einen ultimativen Wettkampf vor dem offiziellen Eintritt in die Familie. Dann würde sich klären, wer der stärkere der beiden ist. Das musste auf jeden Fall geklärt werden, bevor er offiziell in die Familie eingeführt wurde. „Alles was ich brauche ist ein schöner Ort, ein paar Helfer und etwas mehr Teilnehmer, die ihm im nächsten Sommer die Fersen zeigen werden. Da sollte man doch was organisieren können.“ Genau: Er würde einen eigenen Wettkampf organisieren. Wann und wo? Irgendwann im Jahr 2012. Am besten auf der ersten festinstallierten Triathlonstrecke der Welt. Mit Schwimmbad, ausgeschilderter und verkehrsarmer Radstrecke und einem Lauf, der wieder am Schwimmbad endete. Und wo sollte das sein? Mal schauen, welche Gemeinde sich diesen Breitensportevent sichert. Der Kenianer ist da als Ausrichter und Teilnehmer genauso unbestechlich wie die Mitglieder des FiFa - Exekutivkomitees. |
Aug 10 |
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patella hat den Blogeintrag ♂tga/2NO -XXXVIII- D... aktualisiert Es war der dritte Tag. Als er morgens auf dem Balkon stand und sich von der Morgensonne wärmen ließ, da ahnte er noch nicht, welche Erfahrungen heute auf ihn warteten. Es sollte ein Tag werden, den er in nicht so schnell vergessen würde. Ein Tag großer Gefühle. Dramen und Triumphe. Siege und Leidensgeschichten. Ein Tag, wie er ihn gewünscht und befürchtet hatte. Hätte er ihn anders begonnen, wenn er geahnt hätte, wie er enden würde? Definitiv ja! Aber der Reihe nach: Sein Körper hatte die Rebellionen eingestellt. Inzwischen war er daran gewöhnt, dass auf einen schweren Tag im Sattel ein weiterer folgte. Die Schmerzen waren zu einem Begleiter geworden, der kaum mehr registriert wurde. Es stellte sich Routine ein. Auf der Treppe zum Speisesaal begrüßte er die müden Beine wie alte Bekannte: „Ah, auch wieder da! Mal sehen, wie es heute wird mit euch. Schön, dass ihr mich noch nicht verlassen habt.“ Es wiederholten sich die gleichen Rituale. Die Gruppe vernichtete sämtliche Vorräte an Nuss Nougat Creme am Frühstücksbuffet und jeder aß für drei. Dann wurden die Sachen auf den Zimmern zusammengepackt. Schwesterherz und Schwager suchten mal wieder verzweifelt irgendetwas. Diesmal war es ihr Personalausweis. Kurz darauf traf man sich am Parkplatz, wo schon der Begleitwagen wartete. Die Taschen wurden eingepackt und die einzige Standpumpe machte die Runde. Er machte sich keine Sorgen mehr. „Die ersten beiden Tage habe ich überstanden. Morgen stehen nur noch vierzig Kilometer bis zum Gardasee auf dem Programm. Also eigentlich ist das heute der letzte Tag. Den werde ich zum Angriff nutzen.“ Um die Streckenbeschreibungen hatte er sich nicht mehr gekümmert. Gestern war die Königsetappe gewesen. Soviel stand fest. Die paar Steigungen heute würden ihm nichts mehr anhaben können. Und den Schwager hatte er am Jauffenpass in die Schranken gewiesen. Es stand 1:0. Und so wartete er voller Vorfreude in Auer auf die Abfahrt. Wieder hundertundvierzig Kilometer. Wieder zweitausend Höhenmeter. Dazu strahlender Sonnenschein und schon Wärme am frühen Morgen. Heute stellten sich keine Kleiderfragen. Der Dresscode des Tages schrieb modisches Kurzarmtrikot und Sonnencreme vor. Etwas störte nur die wachsende Verzweiflung mit der Schwesterherz seit gestern Abend nach ihrem Personalausweis suchte. Gemeinsam mussten sie ihn an der Rezeption vorzeigen, um Einlass zu finden ins Hotel. „Der kann doch nicht weg sein!“ hatte er voll brüderlicher Fürsorge gemurmelt, bevor er in den Schlaf gefallen war. War er aber doch. Und sie sah sich schon im Einwohnermeldeamt ihrer Heimatstadt zum Neuantrag sitzen und in einem Fotostudio spaßfreie Passbilder schießen. „Und ob die mich dann heute abend überhaupt ins nächste Hotel lassen? So streng wie die hier sind…“ Das Zimmer hatte sie durchkämmt, die Taschen durchwühlt, den Schwager beschimpft, aber es half nicht. Der Kenianer hatte sich natürlich lustig gemacht über ihre Schusseligkeit und das man ihr aber auch gar nichts in die Hand drücken sollte. „Wenn ihr mal Kinder kriegt, dann sollte ihr ihnen direkt einen GPS Sender implantieren, damit ihr die nicht zwischen Klo und Küche verliert…!“ „Kenianer. Schau doch bitte noch mal in deiner Tasche nach. Vielleicht ist der da reingerutscht!“ Mensch, die konnte nerven. Er wollte sich aufs Fahren konzentrieren. Die Hektik störte empfindlich seine Vorstartrituale. „Wie soll denn dein Personalausweis in meine Tasche kommen, kannst du mir das mal sagen? Ich habe doch extra immer alle meine Sachen in die hinterste Ecke gepackt und verschlossen gehalten, damit bloß keine Durchmischung passiert. Ich wusste doch schon vorher, dass euch nichts in die Hände fallen darf. Gestern hatte der Schwager schon seine Regenkleidung auf dem Balkon gelassen. Wenn ich nicht geschaut hätte, dann wäre der ohne Jacke am Jauffenpass angekommen. Ihr verbaselt doch alles, nicht ich…!“ Das sah sie ein. Sie ging noch mal an die Rezeption um zu fragen, ob etwas abgegeben worden war. „Ich brauch noch etwas Kleingeld.“ Er fummelte in seinem Portemonaie herum, als plötzlich…. „Oh, Schwesters Ausweis!“, erstaunlich. Wie kam denn der in seine Brieftasche? Er dachte nach. Siedend heiß wurde es ihm klar: Er selber hatte ihn gestern an der Rezeption mitgenommen und eingepackt. Wie peinlich. Ihm gingen die Sprüche durch den Kopf, mit denen er das verzweifelte Suchen begleitet hatte („Ihr bringt es fertig und startet noch ohne Fahrrad zur Tour oder ohne Neopren zum Triathlon!“). Um seine Position zu retten, schmuggelte er den Ausweis beim Schwager in die Tasche. Dort wurde er kurz darauf gefunden. Schwesterherz war außer sich („Der lag doch ganz oben auf deiner Sache, wie konntest du ihn da nicht finden?“), aber trotzdem froh ihn wieder zu haben. Es ging los. Sie rollten erst einmal eine halbe Stunde über einen fantastischen Radweg durchs Etschtal. „Ick hab heut jute Beene!“, dieses Zitat von Erik Zabel ging ihm durch den Kopf, als er nach einer privaten Pinkelpause der Gruppe hinterherjagte. Tatsächlich. Es fühlte sich gut an. Es fühlte sich großartig an! Wenn schon das gefühlte Tempo langsamer war als die Anzeige am Tacho, dann war Topformzeit. Anscheinend brauchten die zwei Tage Marter um richtig in Fahrt zu kommen. Aber noch schonte er die Beine. Gemütlich rollten sie durch breite Täler. Schwesterherz brauchte Unterstützung. Zum einen war sie immer noch sauer auf den Schwager („Da liegt der Ausweis mitten in seiner Tasche. Und er hatte steif und fest behauptet, er hätte alles abgesucht. Zur Strafe muss der mir heute am ersten Berg helfen…!“) und zum anderen jammerte sie beständig, dass sie sich einen riesen Wolf gefahren hätte. Wund an Stellen, von denen ein großer Bruder gar nicht wissen will, dass die kleine Schwester sie hat. Sie litt Schmerzen. Schon auf grader Strecke ging sie immer wieder aus dem Sattel. „Aber ich kann doch nicht den ganzen Tag im Stehen fahren…!“ klagte sie weiter. „Und ich habe mir schon alle möglichen Cremes und Gleitmittel eingerieben.“ So genau wollte der Kenianer es gar nicht hören. Daher verabschiedete er sich schnell wieder an die Spitze. Nach wenigen Kilometer hielt Cora die Gruppe an. „So Leute! Hier biegen wir jetza ab. Da geht’s gleich aufi und nach wenigen Kilometer kommt a steile Schlucht. Auf der anderen Seiten könnts ihr dann schon den nächstan Ort sehen. Da müssts ihr hin. Ihr fahrts also erst noma runter und dann zwoa Kilometer wieda auf. Der Ort heisst Tuenno oder so. Dort suchts ihr euch anan Platz zum Warten. I fahr mit den langsamen locker den Berg hoch.“ Steffi hatte sich inzwischen aus der Gruppe verabschiedet. Sie musste am Abend am Gardasee sein und hatte sich deshalb schon am frühen Morgen auf die Reise gemacht. „Die fahts heuer zwei Etappen nacheinander….!“ Der Kenianer hatte es aufgegeben, sich über die Leistungsfähigkeit der weiblichen Guides zu wundern. Und jetzt ließ er die Pferde los. Während die anderen noch Gels und Wasser verdrückten, war er schon in der Steigung. Einmal vorne sein. Dieses Gefühl wollte er einige Momente genießen, bevor ihn die drei Bergziegen der Gruppe einholen würden. Die Leichtgewichte, die jede Steigung zu einem hoffnungslosen Rennen gegen Steffi genutzt hatten. Die schon beim zweiten Getränk gewesen waren, als er mit dem Schwager am Jauffenpass ins Cafe kam. Die Beine waren gut. Er fand einen schnellen Rhythmus und stampfte den Berg hoch wie Jens Voigt auf sinnloser Soloflucht. Nichts für Ästheten, aber mit der Kraft von zwei groben Kolben, die die alte Dampflok zuverlässig über die Passhöhe bringen wollten. Nach jedem Tritt fanden sich plötzlich wieder neue Körner in den massigen Oberschenkeln. „Mist! Eine Baustelle. Passt mir gerade nicht in den Kram.“ Sie passierten ein kleines Dorf, in dem die Straße aufgerissen wurde. Er wollte nicht stehenbleiben und die Gruppe wieder herankommen lassen. Daher umfuhr er die Baumaschinen über den Bürgersteig, klingelte eine Rentnerin zur Seite und war dann wieder auf der Straße. Wo blieben eigentlich die Bergziegen? Sie waren dran, aber sie überholten nicht. Zu seiner Überraschung hörte er sie schwer atmen hinter sich. Sollte er heute so gut sein, dass er die Führungsgruppe nach Tuenno führen sollte? „Heh, du gibst ja richtig Gas. Hast wohl heute die Teamfreigabe bekommen?“ – Die Frage des Hintermanns ging runter wie Kettenöl. „Naja, ich wollte halt meiner Schwester über die Berge helfen. Hatte ich ihr zu Weihnachten versprochen. Deshalb habe ich mich bisher zurückgehalten. Heute hat sie mich von der Leine gelassen und ich kann mal was flotter fahren.“ log er. Es war kein „flotter fahren“. Es war „Berghochfliegen“. Überrascht von der eigenen Form führte er die kleine Gruppe durch den ersten Ort hindurch. Dann sahen sie das Tal vor sich. Ein tiefer Einschnitt. Auf der anderen Seite, fast auf gleicher Höhe liegend das Örtchen Tuenno. Dazwischen zwei Kilometer halsbrecherischer Abfahrt und wieder zwei Kilometer brutale Serpentinen aufwärts. „Attacke auf der Abfahrt. Das kann ich.“ Kaum waren sie über die Kuppe, beschleunigte er hinein in vier magische Kilometer. Vier Kilometer, die ihm die Illusion bringen sollten, ein starker Radrennfahrer zu sein. Vier Kilometer auf denen die Tritte von selbst kamen. Vier Kilometer, für die sich hunderte Trainingskilometer gelohnt hatten. Erst eine Abfahrt ohne Autos. Guter Asphalt, schöne Kurven und ein Gefälle, stark genug für hohes Tempo, aber auch nicht so steil, als das er auf der Bremse hätte stehen müssen. Er stürmte durch die Serpentinen und konnte im Nacken spüren, wie sich seine Verfolger schwer taten. So schnell wie er kamen die drei Leichtgewichte nicht den Berg herunter. Nach der Senke rettete er den Schwung so lang wie möglich auf dem großen Blatt in die Steigung, bevor er sich den Segnungen von 34 Zähnen ergab. Keuchend kamen die Bergziegen wieder heran. „Du fährst ja wie der Teufel! Da komme ich kaum mit.“ Ein Kompliment vom Bergkönig. Besser als eine Gehaltserhöhung vom Arbeitgeber oder ein Liebesschwur in der neunten Klasse. Aber für den Sieg am Ortseingang musste er jetzt taktieren. „Jute Beene“ musste ja nicht bedeuten „Kräfte vergeuden und den Sieg verschenken“. „So ihr Bergziegen, macht ihr mal Führungsarbeit.“ Er forderte die anderen in den Wind und ließ sich ans Ende der Gruppe fallen. Und für den letzten Kilometer bis zum Ortsschild wollte er hier bleiben. So langsam begannen die Muskeln zu schmerzen. Jetzt wollte er aber nicht mehr abreißen lassen. Die einmalige Chance war zum Greifen nahe. Einmal als erster oben sein. Die drei wechselten sich in der Führung ab. Er täuschte Schwäche vor und lutschte sich im Windschatten den Berg hoch. In der vorletzten Kehre beschleunigten sie nochmal. „Ihr werdet mich nicht los.“ „Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat! Also lasst uns frohlocken und uns seiner freuen.“ Warum kam ihm ausgerechnet jetzt dieser Taufspruch in den Sinn? Ja! Er wollte frohlocken und er wollte sich seiner freuen. Das sollte sein Tag werden. Und mit der Kraft neuentdeckter Frömmigkeit klemmte er sich eng ans Hinterrad. Es wurde etwas flacher. Noch Zweihundert Meter. Das braune Schild mit der Aufschrift „Tuenno“ markierte seine Ziellinie. Er musste Erster werden. Den Titel wollte er haben. „Der Tiger von Tuenno!“ Gehört nicht zu jeder Sportgröße ein Ehrentitel? Ein Hinweis auf den Wohnort oder den größten Sieg? So wie der „Adlers von Herning“ (Bjaerne Rijs), die „Katze von Anzing“ (Sepp Maier), der „Bär aus der Pfalz“ (Gregor Braun) oder der „Fliegenden Mantuaner“ (Tazio Nuvolari) die Herkunft des Heldens bezeugen, so deuten der „Löwe von Flandern“ (jeder, der dieses Rennen mehrfach gewonnen hatte, z.B Johann Museeuw) „Monsieur Paris-Roubaix“ (Roger de Flaming) auf den Ort des Triumphs hin. Ehrentitel wie „Dr. Faust“, der „Titan“ oder der „Chef“ sind auch noch allesamt besser als Beinamen wie „Keule“, „Axt“ oder „Hammer“, die vielleicht mehr dem gemeinschaftlichen Duschen als sportlichen Fähigkeiten zu verdanken sind. Hundert Meter noch. Keiner machte Anstalten, den Spurt anzuziehen. „Bleib ruhig, stell dich nicht zu früh in den Wind. Das rächt sich…“ Er musste sich zusammenreißen. Schon so oft hat der bessere verloren, weil er zu ungeduldig war. Achtzig, Siebzig, - immer noch kein Antritt. „Die Sauhunde!“ denkt er. „Sechzig, Fünfzig“ – was ist los? Vierzig, Dreissig - jetzt war es so weit. Er warf die Kette aufs große Blatt und stieg aus dem Sattel. Und dann beschleunigte er. Die Hände tief am Lenker. Mit aller Kraft stemmte er die braungebrannten Schenkel in die Pedale. Unwiderstehlich flog er an den dreien vorbei. Zwanzig, Zehn – „Nicht umblicken!“ Rudi Altigs Weisheiten begleiteten seinen Zielsprint. Ohne Blick für seine Verfolger flog er auf das Schild zu. „Drei, zwei, eins, meins….“ Geschafft! Triumphierend streckte er die Faust gen Himmel. Der Tiger von Tuenno! Das war sein Sieg. Das war sein Moment! Endlich brauchte er sich nicht mehr Platzierung im Hinterfeld schönreden. Er brauchte keine Ausreden für Schwächen. Er war Erster. Er registrierte gar nicht, dass er alleine gesprintet war. Er hatte das Ortsschild im Blick behalten, nicht die Konkurrenten. Aber als sie eine Eisdiele in der Ortsmitte fanden, an der sie auf die Gruppe warten wollten, gratulierten ihm die Mitfahrer zu seiner Leistung. „Wir haben gar nicht gewusst, dass du so die Berge hochfliegen kannst. Klasse Leistung. Respekt!“ Er platzt vor Stolz und wartete mit einem Eis in der Hand auf den Rest der Gruppe. Es dauerte Ewigkeiten, bis Schwesterherz und der Schwager da waren und er endlich seine Heldengeschichte loswerden konnte. „Ich habe gewonnen!“ Unverständnis bei Schwesterherz. „Wie gewonnen? Was gewonnen? Wo gewonnen?“ „Ich war erster in Tuenno!“ „Ach, sind wir plötzlich in einem Rennen?“ Sie teilte seine Begeisterung nicht. Sie saß auf einem Nagelbrett und hatte andere Sorgen als Platzierungen im Ortsschildsprint. Ihr war es egal, wer vor ihr als erster in einem Ort angekommen war. Sie wollte es nur selber ins Ziel schaffen. Es schien ihr gar peinlich zu sein wie offensiv der Kenianer seinen Triumph demonstrierte. Naja, sollte die Trine halt ein wenig vor sich hin nörgeln. Er war der Größte. Und mit stolz geschwellter Brust schwang sich der Tiger von Tuenno in den Sattel, um die Gruppe für den Rest des Tages zu beherrschen. Wenn er doch nur schon zu Ende gewesen wär…
Die Symbole stellten so etwas wie den „Arbeitstitel“ dar, den ich seit einem Jahr mit mir herumgetragen habe. Und da ich mich zum einen immer über die Eventnamen wie „run4ideas“ oder „b2b“ amüsiere/ärgere und ich zum anderen eine Titelzeile mit Wiedererkennungswert in der großen Bloggerwelt gesucht habe, kam ich auf die etwas unelegante Übersetzung von „Der () Tiger (tga) von (/ - als mathematisches Zeichen) Tuenno (2no – so wird es auch gesprochen, wenn mich nicht alles täuscht). Der Titel ist aber inzwischen ad acta. Nach langem Suchen habe ich einen gefunden, der auch dem Verlag zusagte. Mit „Sind wir nicht alle ein bisschen tri?“ kann ich eigentlich auch viel besser leben.
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Aug 03 |
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patella hat den Blogeintrag ♂tga/2NO -XXXVII - D... aktualisiert Die Szene erinnerte ihn an seine Bundeswehrzeit. Alle angetreten, der Feldwebel vor der Front! „Loas! Alles aufsitzen! Zwoa Kilometer könnts ihr euch einrollen, denna geht’s direkt hoch auffen Jauffenpass! Fünfzehn Kilometer bergan. Ist aba moderat und lässt sich guat fahren…! Teilts euch eure Kräfte sorgfältig auf.“ Diesmal stand aber statt eines Kettenrauchenden Spiess in Olivgrün eine sportliche junge Dame in hautengem Radlerdress vor der Front. „Fahrradfahren? Jetzt?“ Nein, das musste ein Fehler sein. Sein Körper sendete seit dem Aufstehen Schmerzsignale aus. „Das ist ein Riesen Missverständnis! Fahrradfahren war gestern. Jetzt ist Pause angesagt. Beine hochlegen und Fernsehen.“ In ihm regte sich Protest. Der gestrige Tag war schwer gewesen. Die Kilometer steckten ihm in den Knochen. Eigentlich verlangten die Fasern seines Körpers jetzt nach allem möglichen. Am meisten nach einer Verlängerung des Frühstücks, einem ruhigen Schlafplatz oder einem Panoramaliegestuhl neben dem Schwimmbad mit Blick auf die hohen Berge. Oder Massage und eine gediegene Saunalandschaft. Das alles konnte er sich besser vorstellen als um neun Uhr früh zu einer Tour mit bedrohlichem Höhenprofil zu starten. Mit wenig Anlauf sollte es direkt hinauf zum Jauffenpass gehen, der Verbindungsstraße zwischen St.Leonhard und Sterzing. Hätte er nicht für die Reise bezahlt, er würde einen Teufel tun und wieder in den Sattel steigen. Da konnte Cora noch so oft betonen, dass die Steigung „moderat und gut zu fahren wäre“. Dass er andere Auffassungen von Steigungsprozenten und der Art sie zu bezeichnen hatte, war ihm gestern klar geworden. Er wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte, als er sich ungelenk auf sein Fahrrad mühte. Die Nacht war wieder kurz gewesen. Zwar hatten sie sich früh vom Abendessen zurückgezogen und sich den Wein verkniffen, aber als er im Bett lag, war es ihm aufgefallen… „Ist hier die Klimaanlage an? Wo kommt den diesen Krach her?“ „Hast du es nicht mitbekommen, Bruder? Das sind die Lastwagen…“ „…die werden doch über Nacht die Motoren ausstellen, oder nicht?“ „Nein. Werden sie nicht. Hat mir Cora gerade noch beim Nachtisch erklärt. Das sind Kühlwagen, und die müssen die ganze Nacht laufen. Wegen ununterbrochener Kühlkette oder so. Sie meinte, das kann „aweng“ laut sein über Nacht, wenn man das Fenster nicht schließt!“ Fensterschließen war nicht wirklich angenehm mit drei Sportlern und Unmengen an benutzter Funktionskleidung im Zimmer. War aber immer noch besser, als den Lastwagen direkt neben dem Kopfkissen. Zwei Minuten schien Ruhe einzukehren. Doch dann drang das sonore Dröhnen der schweren Motoren wieder unvermindert zu ihnen durch und bohrte sich ins Bewußtsein. Nach wenigen Stunden leichten Schlafs mussten sie wieder raus. Zumindest schien die Sonne an diesem kühlen Morgen. Sie konnten das Regenzeug wegpacken. Oder wahlweise direkt auf dem Balkon hängen lassen, wie es der Schwager machte. „So Leute. Die Steffi fährt mit den Schnellen hoch, ich hinten dran und auf der Passhöhe ist ein kleines Cafe, dort treffen wir uns wieder…!“ Mit diesen schlichten Worten wurden sie entlassen. Entlassen auf einen Weg, der schwer sein würde. Er hatte beim Frühstück gerechnet. Fünfzehn Kilometer bergauf. Eine Stunde? Anderthalb? Irgendetwas in der Größenordnung. Und das beständig gegen zehn Prozent. Er hatte sich fest vorgenommen, sein eigenes Tempo zu fahren. „Ich muss einen Rhythmus finden, die Steigung ist lang und ich will mich nicht übernehmen. Bloß keine Duelle am frühen Morgen…“ Schwesterherz hatte sich in das Unausweichliche gefügt und den beiden Herren schon vor dem Start großzügig mitgeteilt, dass sie nicht auf sie warten müssten. Als aber nach zweihundert Metern der Turnschuhfahrer überholte, da waren all seine Vorsätze über den Haufen geworfen. „Von dem Honk lasse ich mich doch nicht abhängen.“ Er sprang ans Hinterrad und überließ ihm die Tempoarbeit. Mit vierzehn Stundenkilometern und der Aussicht auf Shorts und Joggingschuhe fuhr er die ersten Kilometer durch den dichten Wald bergauf. Das Feld zog sich schnell auseinander. Die Bergziegen vorweg und das Treibholz weiter hinten. Er wagte einen Schulterblick! Einer klebte ihm am Hinterrad. Nicht irgendwer. Kein beliebiger Teilnehmer aus der Gruppe. Das Geräusch nicht gefetteter Lager und eine quietschende Kette begleitete das charakteristische Keuchen, welches ihm so vertraut war. Welches ihn Nächte verfolgt hatte und welches ihn in den holländischen Bergen und auf den Dünen von Ameland zu ungesunden Anstrengungen verleitet hatte. Der Schwager höchstselbst. Direkt hinter ihm. Ein Gesichtsausdruck, der Kampfeslust nur schwer verbergen konnte. Das sollte also der erste Tag der Rache sein. Rache für einige Gemeinheiten aus dem letzten Jahr. Jetzt würde er die Zeche zahlen müssen, für nasse Schuhe und verstellte Bremskörper. Er hatte es befürchtet. Müde Beine durften jetzt keine Ausrede sein. Der Schwager war da und trieb ihn den Pass hoch! Er schenkte ihm sein diabolisches Grinsen. Für einen Moment trafen sich ihre Blicke. Und in diesem kurzen Augenblick war unausgesprochen klar, was auf dem Spiel stand. Der Schwager startete den ersten Angriff! Zunächst klemmten sie sich aber gemeinsam an den Turnschuhfahrer. Doch nicht lange… „Fahrt ihr mal vor! Ich muss mal etwas langsamer machen…“ Es war ein stiller Triumph für beide Protagonisten, als sich die Turnschuhe aus der Führungsarbeit verabschiedeten. „Anfänger!“ raunte der Schwager dem Kenianer zu, als sie merkten, dass ihr Begleiter sich schon früh übernommen hatte. Außerdem konnten sie jetzt selber das Tempo bestimmen. Der Tacho war immer nahe an der Einstelligkeit, doch den Typen waren sie losgeworden. „Ich muss mal pinkeln…!“ „Mach ruhig, ich fahr meinen Stiefel weiter…“ Waaas? Er fasste es nicht. Der Schwager trat alle radsportlichen Grundregeln mit Füßen. Das war doch verboten. Das verstieß gegen den Ehrenkodex der Sportler. Attacken während der Pinkelpause! Dopingsünder finden schnell den Weg zurück in die Familie des Profipelotons, aber wehe es wagt einer, Toilettengänge oder Pannen der Konkurrenz für eigene Siegambitionen zu nutzen. Der würde kein Rennen mehr gesund beenden. Nur dem Schwager waren diese Regeln egal oder unbekannt. Den Kenianer ließ so eine Ehrverletzung aus der Haut fahren. Das Adrenalin schoss ihm schmerzlindernd in die müden Schenkel. Voller Wut machte er sich an die Verfolgung. Es war ein einsamer Kampf. Er befand sich im Wald und die engen Kehren gaben ihm das Gefühl von Einsamkeit. Er wusste nicht, wieweit der Schwager ihm enteilt war und ob er überhaupt eine Chance zum Aufschließen hätte. Der Feind war nicht zu sehen. Von hinten kam auch nichts mehr und wenn nicht hin und wieder dröhnende Motorradgruppen an ihm vorbeigeschossen wären, so hätte er glauben können, alleine auf dieser Welt zu sein. Ein stiller Kampf gegen den Asphalt, der nur langsam unter ihm vorbeizog. Zwanzig Minuten Einsamkeit. Nach jeder Kehre suchte er verzweifelt die Straße ab. Wo steckt der Sack? Er sehnte sich nach dem Anblick der unrasierten Beine. Kein Schwager in Sicht. Sollte ihm heute eine grandiose Pleite bevorstehen? Vom Erzfeind am Dach der Tour geschlagen? „Vielleicht steht der nachher mit einem Fotoapparat an der Passhöhe. Macht Bilder von mir im Anstieg, nur um beweisen zu können, das er zuerst da war.“ Schon begann er, böse Schmähungen und Ausreden zu finden, die allesamt mit Unsportlichkeit und fiesem Ausnutzen von Pinkelpausen zu tun hatten. „Pah, auf solche Siege könnte ich verzichte! Ich habe das doch nicht nötig, mir einen Triumph auf unredliche Art zu stehlen. Ich habe ihn doch immer sauber besiegt…!“ Naja, Erinnerungen können trüben doch Anblicke können klären. Denn plötzlich war er wieder da. Nach einer Kehre sah er ihn vor sich. Zweihundert Meter vielleicht, aber immerhin. „Ich komme wieder näher!“ Mir diebischer Freude registrierte er die Schulterblicke des Schwagers. „Der hat Angst, dass ich komme! Zu Recht! Gleich habe ich dich, Bürschchen!“ Meter um Meter knabberte er am Vorsprung. Die Silhouette wurde immer breiter und kurz bevor sich der Wald lichtete, hatte er ihn wieder. „Na, alles klar?“ „Ich bin ganz schön im Arsch!“ verstand der Kenianer. „Selber schuld! Du hast es nicht anders verdient.“, dachte er. „ Jetzt zahlst du die Zeche für deine Frechheit.“ „Ich fahr meinen Rhythmus weiter!“ sagte er jetzt mit einer gehörigen Portion Gehässigkeit. Den lasse ich stehen wie einen Sonntagsradler am Rheindeich. Und wenn ich oben bin, dann mache ich in aller Ruhe einige Fotos, wie er sich die Serpentinen hochquält. Der Erfolg machte ihn euphorisch. Die Schmerzen in den Beinen hatte er sich schon lange herausgefahren. Mehr als die Hälfte des Passes war geschafft. Atemberaubende Ausblicke ins Tal entschädigten für eine dreiviertel Stunde im Wald. Jetzt würde er entspannt seinen Rhythmus weiterfahren und das Passfahren genießen. Doch während er sich an Wiesen und hohen Bergen mit schneebedeckten Gipfeln freute, mischte sich eine unschöne Begleitmusik in die Idylle. Verdammt! Der Schwager ließ sich nicht abhängen. Geräuschvoll hatte er sich wieder ans Hinterrad gekämpft. „Und ich dachte, den bin ich los. Hat der nicht gesagt, das er im Arsch sei?“ überlegte er. Wie konnte das sein? Ein schlimmer Verdacht drängte sich auf. „Der blufft nur! Der ist noch fit und gar nicht so naiv und unerfahren, wie er immer tut. Der führt mich an der Nase herum. Erst provoziert er mich mit dem Regelbruch, dann lässt er mich kommen, wiegt mich in Sicherheit, um sich dann an mich heranzuklemmen und mir kurz vor der Passhöhe den Rest zu geben. Aber nicht mit mir. Ich habe dich durchschaut, Bürschchen.“ Es war also nichts mit einer gemütlichen Auffahrt. Im Duett trieben sie sich durch die Kehren. Schneereste am Straßenrand und ein Wind, der die schweißnassen Körper schnell abkühlte. Jetzt wäre eigentlich der rechte Moment, um die Westen aus der Trikottasche zu holen. Aber keiner wollte sich die Zeit nehmen. Und so kamen sie der Passhöhe immer näher. Wer würde als erster oben sein? Diese Frage wollte der Kenianer auf keinen Fall zu seinen Ungunsten beantwortet wissen. Sie passierten Motorradgruppen bei ihrer Rauchpause am Panoramaparkplatz. Gleich musste die Entscheidung fallen. Vielleicht zweihundert Meter. Er bemühte sein altes Wissen um Renntaktik aus seiner Tour de France Fernsehzuschauer Zeit. Taktisch klug suchte er das Hinterrad und achtete auf ein Zucken des Schwagers. Doch der zuckte nicht. Im Gegenteil. Der machte einen schweren Fehler. Er suchte die tiefliegenden Serpentinen nach Schwesterherz ab. Das war die Chance! Der Kenianer sprang links an ihm vorbei. Mit einem beherzten Antritt zog er davon. Der verdutzte Erzfeind hatte keine Konterchance mehr. Der Kenianer war erster am Passschild. „Ich wollte noch schnell ein Foto von dir machen, deshalb habe ich etwas beschleunigt.“, erklärte er kurz danach. „Ach so… Und ich dachte schon, du wolltest ein Rennen. Da stand mir gar nicht der Sinn nach. Ich mache mir vielmehr Sorgen um deine Schwester.“, Scheinheiligkeit hatte einen neuen Namen: „Schwager“. Sie erholten sich in der Hütte, wo schon die Bergziegen mit Steffi beim Milchkaffee saßen. Nach und nach trudelte die Gruppe ein. „Sollen wir mal schauen, wo sie bleibt? Vielleicht können wir ihr noch etwas entgegenfahren um ihr über die letzten Kehren zu helfen?“ Nach einem Heißgetränk regte sich bei beiden das Gewissen. Hatten sie nicht versprochen, sie über die Berge zu bringen? Doch kaum waren sie vor der Tür, da kam Schwesterherz schon angerollt. „War gar nicht so schlimm!“ behauptete sie allen Ernstes. Ganz locker aus bog sie zum Cafe ab. Als wenn sie gar nicht gefahren wäre. „Du bist doch bestimmt mit dem Bus hochgekommen….!“, das war zwar nicht das, was sie von ihrem großen Bruder hören wollte, nachdem sie gerade tausend Höhenmeter am Stück bezwungen hatte, aber sie nahm den Kern der Aussage als Kompliment an. Sie hatte alle überrascht. Dass sie so gut den Jauffenpass erklimmen würde, hatte wirklich niemand erwartet. Kaffee, Kuchen, Erinnerungsfotos vom Pass, warme Sachen für die Abfahrt anziehen und schon ging es auf die Abfahrt. „Seid bitte vorsichtig!“ hatte Schwesterherz noch gemahnt. „Ja klar! Wir können doch abfahren.“ Und wie. Zwanzig Kilometer ohne Treten ging es hinab. Enge Serpentinen, langsame Autofahrer, die sich auf die Panoramaparkplätze retteten und weiche Bremsgummis bei Tempo 75. „Man muss die Felgen abkühlen, in dem man auch mal aufs Bremsen verzichtet!“ hatte der Kenianer irgendwo gelesen. Und er tat es. Mit einem unglaublichen Vorsprung kamen beide unten in St. Leonhard an. Sie suchten sich ein schattiges Plätzchen, wo sie auf den Rest warten konnten. Und plötzlich war Sommer! Keine halbe Stunde hatten sie von der Passhöhe herunter gebraucht. Oben war es noch kühl und das Wetter des Vortages noch präsent gewesen. Hier unten waren es bald dreißig Grad. Die Sonne brannte herunter und in den Vorgärten standen Palmen. Sie machten sich so frei, wie es ihnen die guten Sitten gerade noch erlaubten. Irgendwann ging es weiter. Meran! Großstadtverkehr und Postkartenidylle. Malerische Gässchen und Touristen-Nepp. Egal. Mittagspause in der Fußgängerzone. Die Fahrräder wurden im Hinterhof versteckt. Bewacht von den Teilnehmern in Wechselschicht. Die erste Hälfte des Tages war rum. Fahrradfahren gar nicht so schlimm, wie es sich am morgen noch angefühlt hatte. Einen Tag nach dem Regen am Tegernsee war jetzt die Mittagshitze in Meran ihr Begleiter. Im geschlossenen Verband kämpfen sie sich durch die Vororte. Begleitet von den Flüchen italienischer Autofahrer sollten sie einen Teil des Gampenpasses erklimmen. Auf Rennen hatte der Kenianer jetzt keine Lust mehr. Er nutzte mal wieder den Fotoapparat, um sich immer neue Ausreden für kurze Pausen zu geben. „Diese schöne Aussicht!“ „In der Kurve kann ich mal einige Teilnehmer fotografieren….“ Usw.. Schwesterherz begann zu schwächeln. Der erste Pass, das Mittagessen in Meran und die Beschimpfungen der Autofahrer, die sie als Schlusslicht der Kolonne tapfer ertragen musste, hatten Spuren hinterlassen. „Ist grad nicht so gut!“ war ihre knappe Antwort auf seine Frage nach dem Befinden. Kurz überlegte er. Sollte er sie an ihre Sprüche vom Vortag erinnern? „Die Alpen werden im Kopf bezwungen…! „Man muss nur den Rhythmus finden, dann klappt das schon!“ „Ich mache mir keine Sorgen um den Rest der Tour mehr.“ Zum Glück ließ er es. „Was sie am ehesten braucht ist Ruhe.“, entschied er. Er überholte kraftvoll und entfernte sich schnell nach vorne. „Das motiviert die doch am meisten, wenn sie sieht, wie fit ihr großer Bruder ist und ihr um die Ohren fährt…“ Nach eine kurzen Rast auf einem staubigen und überhitzten Parkplatz verließ die Truppe den Gampenpass. „Jetzt geht’s schoa a wenig bergab…“ Eigentlich ein Grund zur Freude. Aber er hatte am Morgen schon die Erfahrung gemacht, das hundertundzehn Kilogramm Systemgewicht auf langen Abfahrten eine harte Prüfung für Bremsgummis ist. Die Hitze der Felgen machte die Gummis weich und irgendwann war die Bremswirkung nicht mehr so, wie er es sich bei rasanter Zufahrt auf eine Serpentinenkurve vor einem Steilhang wünschte. Es gibt weitaus schöner Gemütszustände auf dem Rennrad als die Momente, wo man sich mehr Bremswirkung wünscht. Die klugen Ratschläge empfehlen, immer nur kurz zu bremsen, und dann rollen zu lassen, damit die Felgen nicht überhitzen und die Bremsgummis in Form bleiben. „Können vor lachen!“, dachte der Kenianer. „Sobald ich die Bremsen loslasse, beschleunigt mich die Schwerkraft so schnell, dass ich einfach gleich wieder Bremsen muss. Sonst kann ich es gar nicht mehr kontrollieren…!“ Vor allem in steilen Passagen war es so. Wie jetzt! Erst war es nur ein schwammiges Gefühl beim Bremsen. Dann hatte er plötzlich neue Druckpunkte an den Hebeln und kurz darauf war fast gar keine Verzögerung mal spürbar. Er wollte gerne absteigen, aber er konnte nicht mehr Bremsen. „Scheiße, hoffentlich geht mir jetzt nicht gleich die Straße aus.“ Die Kurve lief eng zu, aber sie öffnete sich rechtzeitig und er konnte mit durchgezogenen Bremsen weiterrollen. Zumindest wurde er nicht schneller. Er dachte gerade über die Hitze der Felgen nach… „PENG!“ Ein Reifenplatzer. Er schaute auf seine Räder. Gott sei Dank, es war nicht sein eigener gewesen. Zum Glück ohne schmerzhaften Folgen. Umso dankbarer war der Kenianer über die Pause. Erholung für sich und die Bremsgummis. Zwei Pässe, viel Hitze, hundert Kilometer und ein Ausscheidungsrennen gegen den Schwager steckten ihm schon in den Beinen. Dass er am Tag zuvor auch gefahren war, hatte er beinahe vergessen. Zwei Tage auf der Landstraße machten Radfahren zur Routine. Hatte er gedacht. Aber er hatte sich getäuscht. Zum einen sorgten die italienischen Autofahrer für Aufregung. Überholvorgänge voller katholischem Gottvertrauen ließen immer wieder das Blut in den Adern gefrieren. Langweilig wurde es nicht. Zum anderen testete eine Katze die Durchlässigkeit eines geschlossenen Radverbandes. Am Straßenrand sitzend, fixierte sie die Radler. „Die bleibt da bestimmt sitzen!“, hatte er wieder geglaubt. Tat sie aber nicht. Sie nutzte exakt die zwanzig Zentimeter, die zwischen dem Kenianer und seinem Vordermann waren für einen Seitenwechsel. „Du blödes Vieh!“ schrie er noch, als sein Vorderreifen auf den Katzenkörper traf. Er schlingerte bedrohlich, geriet leicht an seinen Nebenmann und konnte mit viel Glück einen Sturz verhindern. Das weitere Schicksal der Katze wurde nicht mehr geklärt. So schnell wie sie gekommen war, verschwand sie auch wieder in den Büschen. Und am Ende des Tages war er froh, gesund in Auer im Südtiroler Unterland anzukommen. Endlich im Hotel. Keine Lastwagenparkplätze drumherum. Nur Bergpanorama und Ruhe. Leider hatten die italienischen Behörden vor die Duschen unselige Formalitäten gestellt. Ohne Personalausweis kein Betreten der Zimmer. Ohne Gnade! Auch nicht in fünf Minuten runterbringen. „Die haben doch den A….. auf! Die können meinen Perso gleich quer Essen. Ich will die Sachen ausziehen, ich will mich Duschen, ich will mich aufs Bett hauen. Ich bin schließlich hundertundvierzig Kilometer gefahren, während der sich hier die Beine in den Bauch gestanden hat….“ Er zürnte dem Portier. „Tut mir leid der Herr. Vorschrift ist Vorschrift und die sind hier sehr streng. Tut mir wirklich leid.“ Er machte mal wieder Bekanntschaft mit der Variabilität von Sprachgrenzen. Hier sprach und verstand man also wieder Deutsch. Strafende Blicke von Schwesterherz, während sie ihre Ausweise hervorkramte. Ansonsten war der Abend ein Traum. Feinstes Essen auf der Sonnenterasse. Mehrere Gänge in radfahrergerechten Portionen ließen sie irgendwann kapitulieren. Mehr ging wirklich nicht. Das Dach der Tour erklommen, den Schwager besiegt (und es sogar auf Video festgehalten) und hundert Kilometer Sommer nach dem Dauerregen vom Vortag. Fast platzend vor Selbstzufriedenheit ließ er sich von der Abendsonne bescheinen und bedauerte nur, irgendwann einmal mit dem Rauchen aufgehört zu haben.
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Aug 03 |
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patella hat den Blogeintrag ♂tga/2NO -XXXIX - De... aktualisiert Es fühlte sich anders an, als er wieder anfuhr. Keine halbe Stunde war vergangen, seit er den atemberaubenden Ortsschildsprint gewonnen hatte. Zwischendurch hatte er ein Eis geschleckt und die Jammereisen seiner Schwester ignoriert. „Wir sind erst dreißig Kilometer gefahren. Uns stehen noch über hundert bevor und wir müssen noch über den Passo Carlo Campo Magno…!“ „Passo Carlo Campo Magno!“? Was sollte das denn sein? Hatte er noch nie gehört. Konnte schon nicht so schlimm sein. Erstens war er doch jetzt der Bergkönig der Gruppe und zweitens war gestern der höchste und schwerste Punkt erreicht worden. Aus langen Internetrecherchen wusste er, dass der „Passo Carlo Campo Magno“ nicht zu den legendären und schwersten Strecken in den Alpen gehörte. „Stilfser Joch“ klang furchterregend und wurde in Erfahrungsberichten sagenhaft beschrieben. Aber doch nicht diese merkwürdige Aneinanderreihung italienischer Wörter. Er hatte sich nicht damit beschäftigt. Und so war ihm nicht klar, dass ihm die Nordrampe dieses Passes nochmal 912 Höhenmeter auf 15 Kilometern bescheren würde. Und das Schwesterherz sich in der Gluthitze des Val di Sole vorausschauend über die kommende Passquerung sorgte, irritierte ihn nicht wirklich. „Die ist halt am Ende und macht sich jetzt in die Dornenhose!“ Ein wenig sprach er ihr zu und versuchte dabei, die Warnsignale seines eigenen Körpers zu ignorieren. Denn plötzlich waren die gleichen Beine, die ihn nach Tuenno hochgepeitscht hatten wie ausgewechselt. Beunruhigt registrierte er die Schmerzen in den Oberschenkeln. Als wenn sich kleine Bergarbeiterheinzelmännchen in seine Muskeln eingraben wollten. Sie hackten sich kleine Gänge durchs Fleisch auf der Suche nach wertvollen Körnern. Sollte er zu viele davon im Ortsschildsprint verschossen haben? Konnten wenige Kilometer Tempofahrt ausreichen, um aus guten Beinen schlechte zu machen? Er redete sich ein, dass diese kleinen Nadelstiche nur vorübergehend sein würden. Es war ja noch nicht mal ein Viertel des Tagespensums erfüllt. Das Val die Sole machte seinem sonnigen Namen alle Ehre. Zäh zog sich die Gruppe schon in der Ebene auseinander. Mal fuhr er vorne mit, um das Tempo zu kontrollieren, dann ließ er sich Fallen um das Treibholz nach vorne zu ziehen und immer häufiger zückte er den Fotoapparat, um Bergpanoramen als willkommene Erholungspause zu missbrauchen. Noch immer hoffte er, dass sich die vier Köpfe des Oberschenkelmuskels medusengleich aufrichten würden und ihn auch am nächsten Berg triumphieren lassen würden. Es waren bestimmt 35 Grad, als sich die Gruppe um einen kleinen Brunnen in Dimare versammelte. Der Ort, der den Einstieg in die Passstraße markierte. Cora gab noch einige Hinweise. „Am Anfang geht’s aweng aufwärts, doch zur Mitte wird’s dann moderat…!“ Die Kombination der beiden Begriffe ließ alle Alarmglocken schrillen. „Aweng“ zum Beginn. Und das in der Hitze. Und „moderat“ nach sieben Kilometern war auch nicht wirklich ein Ziel, auf das es sich mit Freude hinzuarbeiten lohnte. „Oben wartet der Begleitwagen. Da könnts ihr euch was Frisches anziehen und dann setzts euch einfach in dene Terassen von die Kneipn und schiassts a paar Fotos von dena, die nach euch kumma! Geht’s ruhig an. Es ist hoaß und machts euch noch mal die Flaschen voll!“ Die Gruppe machte sich bereit. Wasser in den Nacken, Trikots öffnen und Helme lockern. Es war heiß. Unglaublich heiß. „Was ist mit Dir? Fährst Du mit uns vorneweg?“ Die Bergziegengruppe formierte sich. Die Angriffslust in der Stimme des alten Bergkönigs war nicht zu überhören. Der Kenianer dachte „Ja, klar! Ich fahre dich gleich wieder aus den Schuhen!“, sagte aber: „Mal schauen was die Beine so machen. Ich starte locker den Berg hoch!“ Natürlich startete er nicht locker den Berg hoch. Er wollte auch auf der langen Steigung beweisen, dass 35 Kilo mehr Systemgewicht kein Hindernis im Kampf um die Bergwertung waren. Und so fuhr er mit der Führungsgruppe in die Steigung, als wenn er nie etwas anderes gemacht hätte. Die ersten Serpentinen lagen in der prallen Sonne. Er sehnte sich nach Wald und Schatten und langsameren Tempo. Die ersten beiden Dinge waren absehbar. Langsameres Tempo nicht. Sein Spurt um das Ortsschild von Tuenno hatte den Ehrgeiz der anderen geweckt. Sie fuhren Tempo um den Neuen zu testen. Das war gemein, aber verständlich. Er hätte es nicht anders gemacht. Die Platzhirsche gaben ihr Revier nicht kampflos auf. „Ist zwar schneller als ich eigentlich wollte, aber so leicht werden die mich nicht los!“, redete er sich ein. Nach fünf Minuten hatte er die Trinkflasche leer. Halb getrunken und halb über den Kopf geschüttet. „Im Wald wird sich bestimmt eine Quelle zum nachfüllen finden.“ dachte er. Es wurde schwerer, die Hinterräder zu halten. Immer wieder riss eine Lücke und immer wieder gab er zu viele Körner von seinem spärlichen Habenkonto ab, um sich heran zu lutschen. „Wenn nur bald der Schatten kommt! Im Wald wird es kühler sein, da kann ich locker mitfahren. So lange muss ich halt leiden…“ Mit diesen Gedanken über die ersten zwei Kilometer, des fünfzehn Kilometer langen Anstiegs. Vernünftig war es nicht, so in einen langen Alpenpass zu starten, aber für den Moment alternativlos. Kaum hatte er sich wieder ans Hinterrad gekämpft, wechselten sich die drei in der Führung ab. Abgesprochen? Vielleicht. Drei gegen einen. Hätte er die Beine für diese Tempoverschärfungen gehabt, dann wäre ihm dieser ungleiche Kampf ein Fest gewesen. Leider hatte er sie nicht. Und noch bevor der Waldrand erreicht war musste er die Gruppe ziehen lassen. Es ging nicht. „O.K.! Die Spielchen mache ich nicht mit. Ich werde im Wald meinen Rhythmus suchen und dann kriege ich die wieder. Die verzocken sich…“ hoffte er. Der Wald kam. Die Steigungsprozente und die Hitze aber blieben. Die hochstehende Mittagssonne brannte erbarmungslos auf den Asphaltstreifen. Kein Lüftchen wehte durch die alten Kiefern. Was hätte er um den Regen vom Tegernsee gegeben? - Einen Laufradsatz? Einen Fortunasieg? Einen Tag unbezahlter Arbeit? Ein zweites Fernsehinterview? Die Löschung seiner virtuellen Identität in der weltweiten Sportlergemeinschaft? In der Hitze am Pass begann alles zu verschmelzen. Die Grenzen zwischen Erleben und Erzählen. Ich fahre doch nicht wirklich, ich erstelle nur einen Blogbeitrag. Welche Wertung habe ich wohl hierfür verdient? Den „Oberhammer“ oder das gepunktete Trikot? Fahre ich für mich oder die Leser? Sind die Beine nur der Mittler auf dem Weg zu sinnvollen Tastenkombinationen? Er sah Tasten, er sah Buchstaben und begann Geschichten von Helden und Märtyrern zu schreiben, während er hitzeflimmernde Luft atmete. Fliegen begleiteten seinen Aufstieg. „Wo ist eigentlich meine Tastatur? Scheiße ich habe kein Netz. Systemabsturz…“ Er wurde wirr. Ich muss trinken, ich brauche Kühlung. Ein heller Moment, als überhängende Äste einige hundert Meter Schatten spendierten. Eine Quelle hatte er vor kurzem passiert. Leider hatte er sie nicht genutzt. Da hatte er noch gehofft, die Führungsriege einzuholen. Den Zahn hatte er sich schon lange gezogen. Voller Sorge blickte er sich um. Einige hundert Meter hinter ihm sah er ein Pärchen den Berg hochklettern. Der Schwager und die drahtige Triathletin im Duett. „Wenn ich was getrunken habe, dann fahre ich mit denen zusammen den Berg hoch…!“ Es gab keine Quellen. Dafür aber einen Ort. Hochhäuser. „Prima, ich suche schnell ein Büdchen.“ Er war froh über die Geldreserven in seiner Rückentasche und überlegte, in welcher Sprache er am leichtesten Eistee und Wasser bestellen würde. Doch leider war er nicht im Ruhrgebiet. Wo jede Ansammlung von festen Unterkünften mit Trinkhallen versorgt wird. Wo die Bude mit König Pilsener zu den meritorischen Gütern der Bevölkerung gehört. Es gab keine Buden mit Flaschenkühlschränken in den Hochhausschluchten. „Dann vielleicht ein Bistro…?“ Doch auch die gab es nicht. Es gab auch keine Autos auf den Straßen und die Hochhäuser waren verrammelt. Es war überhaupt keine Menschenseele zu sehen. Er war in einer Retortenstadt gelandet. Diese riesenhaften Hochhäuser im Wald waren Winterquartiere für Urlauber. Im Sommer war hier tote Hose. Absolute! Dann halt raus aus dem Ort. Irgendwo muss doch mal eine Wasserquelle kommen. Schnell bog er wieder auf die Straße. Das Schwagerduett noch knapp hundert Meter zurück. „Nicht den auch noch vorbeilassen müssen.“ Er verzweifelte. Keine Kühlung und keine Getränke und von hinten noch Druck vom Feind. Ihm fiel Tom Simpson ein. Tot vom Rad gefallen auf dem Anstieg zum Mont Ventoux. Dem Briten hatten sie dort ein Denkmal gesetzt. Würde er auch eins bekommen? Der Ortsausgang. Kein Büdchen, kein Restaurant, keine öffentlich Toilette, kein Kneip-Tretbecken und keine hilfreichen Nachbarn, die mit einem Gartenschlauch Athleten kühlen. Wie warm kann Blut werden? Ob der Schwager mir was zu trinken gibt? Er hätte seine Berufsausbildung für einen Liter alkoholfreies Bier verkauft. Eiskalt. Gelb mit Schaumkrone. Er sah eine große Maß vor sich und versuchte wie ein Esel hinter der Möhre herzufahren, als plötzlich etwas am Straßenrand glitzerte… Wasser! Kein See! Kein Fluss! Kein Bach, eher ein winziges Rinnsal. Es fand den Weg vom Hang herunter und verschwand dann unter der Straße. Wenig, aber geschickt vom Himmel. Dieses Bächlein am Ortsausgang von Folgarida war besser als Schöneberger im Männergefängnis oder Robbie Williams bei H&M. Wasser. Kaltes klares Wasser! Er stürzte sich vom Rad und warf sich hinein in die Pfütze. Trinken und Kühlen. Er versuchte beides auf einmal. Über Wasserqualität machte er sich keine Gedanken. Er hätte auch Terpentin getrunken. Aber dieses war klar und kalt… Ein Geschenk des Himmels über den Alpen. „Ich wollte nur kurz was trinken…!“ stammelte er aus der Pfütze heraus, als der Schwager ankam. „Sonst aber alles o.k. bei dir?“ Der Kenianer war ein Bild des Jammers. „Klar, nur kurz abkühlen. Tut gut, willst du nicht auch mal…!“ Es war ein schwacher Versuch, ihn aufzuhalten und vielleicht doch wieder als erster auf der Passhöhe zu sein. „Nee danke. Ich fahre meinen Rhythmus weiter…“ Er hörte alle Gehässigkeiten des Sportlerlebens in den wenigen Worten durch. Der Schwager würde ausgleichen. Nach dem knappen Sieg am Jauffen war eine deutliche Niederlage am Campo Carlo Dingsbums nicht zu verhindern. Aber er störte sich nur kurz am Anblick des entschwinden Schwagers. Noch hatte er sein Treffen mit der Wasserquelle nicht beendet. Immer mehr Teilnehmer passierten, bis er wirklich jeden Teil seiner Körpers in der flachen Pfütze gebadet hatte. Fünf Minuten? Zehn Minuten? Fünfzehn Minuten oder gar mehr? Es war ihm egal. Er war geschlagen. Bestraft vor allem von seinem Hochmut und Ehrgeiz in Tuenno. Ein wenig auch von der Hitze, der er später die alleinige Schuld für seinen Einbruch zuschreiben würde. Glücklicherweise war „moderat“ für einige Kilometer wirklich moderat und er konnte sich erholen und den Pass im Sattel bezwingen. „Hey, was war denn los bei dir? Du wolltest doch mit uns mitfahren?“ Die Bergziegen saßen beim zweiten Radler, der Schwager hatte einen Milchkaffee vor sich. Ihm war nicht nach antworten. Wortlos entschwand er in den Schankraum. Zunächst einmal setzte er alle Bargeldreserven in Apfelschorle um. Dann pumpte er den Schwager an und setzte sich mit einem Stück Kuchen an einen anderen Tisch. Kurz nach ihm hatte es auch Schwesterherz geschafft. Sie so stolz, wie er niedergeschlagen war. Sie hatte irgendwelche Grenzerfahrungen gemacht. Von wegen Dornenkronen, nur nicht auf dem Kopf, sondern in der Hose, aber Hauptsache nicht in den Besenwagen eingestiegen… So fuhr die Gruppe später mit gemischten Gefühlen auf den Schlussabschnitt der Etappe. Es gab keine Attacken mehr. Der Tag hatte alle weichgekocht. Dankbar nahmen sie die Möglichkeit von Fotopausen war. Spektakuläre Schluchten und Tunnel auf einsamen Wegen begleiteten sie nach Lomaso, wo ein Schlosshotel mit ambitionierten Essen wartete. Und wenn mal keine tollen Schluchten zu sehen waren, dann rettete sich der Kenianer in Coras Windschatten und genoss die Aussicht auf einen sportlichen Hintern in einem schmalen Sattel. Anderswo zahlen Herren der Schöpfung viel Geld, um Frauen bei Verrenkungen an dünnen Rohren zuzusehen. Beim Radfahrern in einer gemischtgeschlechtlichen Gruppe war diese Leistung inklusive und lenkte trefflich von den Schmerzen der vergangenen Kilometer ab. Und da am nächsten Tag wirklich nur noch ein kleiner Pass und mickrige dreißig Kilometer bis zum Gardasee warteten, ließen sie diesen Tag in einer Birraria ausklingen. Ein Tag voller Triumphe und Niederlagen wurde in einer lauen Sommernacht unterm Sternenzelt gemeinsam begossen.
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Aug 03 |
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patella hat den Blogeintrag ♂tga/2NO -XXXVII - D... erstellt Es fühlte sich anders an, als er wieder anfuhr. Keine halbe Stunde war vergangen, seit er den atemberaubenden Ortsschildsprint gewonnen hatte. Zwischendurch hatte er ein Eis geschleckt und die Jammereisen seiner Schwester ignoriert. „Wir sind erst dreißig Kilometer gefahren. Uns stehen noch über hundert bevor und wir müssen noch über den Passo Carlo Campo Magno…!“ „Passo Carlo Campo Magno!“? Was sollte das denn sein? Hatte er noch nie gehört. Konnte schon nicht so schlimm sein. Erstens war er doch jetzt der Bergkönig der Gruppe und zweitens war gestern der höchste und schwerste Punkt erreicht worden. Aus langen Internetrecherchen wusste er, dass der „Passo Carlo Campo Magno“ nicht zu den legendären und schwersten Strecken in den Alpen gehörte. „Stilfser Joch“ klang furchterregend und wurde in Erfahrungsberichten sagenhaft beschrieben. Aber doch nicht diese merkwürdige Aneinanderreihung italienischer Wörter. Er hatte sich nicht damit beschäftigt. Und so war ihm nicht klar, dass ihm die Nordrampe dieses Passes nochmal 912 Höhenmeter auf 15 Kilometern bescheren würde. Und das Schwesterherz sich in der Gluthitze des Val di Sole vorausschauend über die kommende Passquerung sorgte, irritierte ihn nicht wirklich. „Die ist halt am Ende und macht sich jetzt in die Dornenhose!“ Ein wenig sprach er ihr zu und versuchte dabei, die Warnsignale seines eigenen Körpers zu ignorieren. Denn plötzlich waren die gleichen Beine, die ihn nach Tuenno hochgepeitscht hatten wie ausgewechselt. Beunruhigt registrierte er die Schmerzen in den Oberschenkeln. Als wenn sich kleine Bergarbeiterheinzelmännchen in seine Muskeln eingraben wollten. Sie hackten sich kleine Gänge durchs Fleisch auf der Suche nach wertvollen Körnern. Sollte er zu viele davon im Ortsschildsprint verschossen haben? Konnten wenige Kilometer Tempofahrt ausreichen, um aus guten Beinen schlechte zu machen? Er redete sich ein, dass diese kleinen Nadelstiche nur vorübergehend sein würden. Es war ja noch nicht mal ein Viertel des Tagespensums erfüllt. Das Val die Sole machte seinem sonnigen Namen alle Ehre. Zäh zog sich die Gruppe schon in der Ebene auseinander. Mal fuhr er vorne mit, um das Tempo zu kontrollieren, dann ließ er sich Fallen um das Treibholz nach vorne zu ziehen und immer häufiger zückte er den Fotoapparat, um Bergpanoramen als willkommene Erholungspause zu missbrauchen. Noch immer hoffte er, dass sich die vier Köpfe des Oberschenkelmuskels medusengleich aufrichten würden und ihn auch am nächsten Berg triumphieren lassen würden. Es waren bestimmt 35 Grad, als sich die Gruppe um einen kleinen Brunnen in Dimare versammelte. Der Ort, der den Einstieg in die Passstraße markierte. Cora gab noch einige Hinweise. „Am Anfang geht’s aweng aufwärts, doch zur Mitte wird’s dann moderat…!“ Die Kombination der beiden Begriffe ließ alle Alarmglocken schrillen. „Aweng“ zum Beginn. Und das in der Hitze. Und „moderat“ nach sieben Kilometern war auch nicht wirklich ein Ziel, auf das es sich mit Freude hinzuarbeiten lohnte. „Oben wartet der Begleitwagen. Da könnts ihr euch was Frisches anziehen und dann setzts euch einfach in dene Terassen von die Kneipn und schiassts a paar Fotos von dena, die nach euch kumma! Geht’s ruhig an. Es ist hoaß und machts euch noch mal die Flaschen voll!“ Die Gruppe machte sich bereit. Wasser in den Nacken, Trikots öffnen und Helme lockern. Es war heiß. Unglaublich heiß. „Was ist mit Dir? Fährst Du mit uns vorneweg?“ Die Bergziegengruppe formierte sich. Die Angriffslust in der Stimme des alten Bergkönigs war nicht zu überhören. Der Kenianer dachte „Ja, klar! Ich fahre dich gleich wieder aus den Schuhen!“, sagte aber: „Mal schauen was die Beine so machen. Ich starte locker den Berg hoch!“ Natürlich startete er nicht locker den Berg hoch. Er wollte auch auf der langen Steigung beweisen, dass 35 Kilo mehr Systemgewicht kein Hindernis im Kampf um die Bergwertung waren. Und so fuhr er mit der Führungsgruppe in die Steigung, als wenn er nie etwas anderes gemacht hätte. Die ersten Serpentinen lagen in der prallen Sonne. Er sehnte sich nach Wald und Schatten und langsameren Tempo. Die ersten beiden Dinge waren absehbar. Langsameres Tempo nicht. Sein Spurt um das Ortsschild von Tuenno hatte den Ehrgeiz der anderen geweckt. Sie fuhren Tempo um den Neuen zu testen. Das war gemein, aber verständlich. Er hätte es nicht anders gemacht. Die Platzhirsche gaben ihr Revier nicht kampflos auf. „Ist zwar schneller als ich eigentlich wollte, aber so leicht werden die mich nicht los!“, redete er sich ein. Nach fünf Minuten hatte er die Trinkflasche leer. Halb getrunken und halb über den Kopf geschüttet. „Im Wald wird sich bestimmt eine Quelle zum nachfüllen finden.“ dachte er. Es wurde schwerer, die Hinterräder zu halten. Immer wieder riss eine Lücke und immer wieder gab er zu viele Körner von seinem spärlichen Habenkonto ab, um sich heran zu lutschen. „Wenn nur bald der Schatten kommt! Im Wald wird es kühler sein, da kann ich locker mitfahren. So lange muss ich halt leiden…“ Mit diesen Gedanken über die ersten zwei Kilometer, des fünfzehn Kilometer langen Anstiegs. Vernünftig war es nicht, so in einen langen Alpenpass zu starten, aber für den Moment alternativlos. Kaum hatte er sich wieder ans Hinterrad gekämpft, wechselten sich die drei in der Führung ab. Abgesprochen? Vielleicht. Drei gegen einen. Hätte er die Beine für diese Tempoverschärfungen gehabt, dann wäre ihm dieser ungleiche Kampf ein Fest gewesen. Leider hatte er sie nicht. Und noch bevor der Waldrand erreicht war musste er die Gruppe ziehen lassen. Es ging nicht. „O.K.! Die Spielchen mache ich nicht mit. Ich werde im Wald meinen Rhythmus suchen und dann kriege ich die wieder. Die verzocken sich…“ hoffte er. Der Wald kam. Die Steigungsprozente und die Hitze aber blieben. Die hochstehende Mittagssonne brannte erbarmungslos auf den Asphaltstreifen. Kein Lüftchen wehte durch die alten Kiefern. Was hätte er um den Regen vom Tegernsee gegeben? - Einen Laufradsatz? Einen Fortunasieg? Einen Tag unbezahlter Arbeit? Ein zweites Fernsehinterview? Die Löschung seiner virtuellen Identität in der weltweiten Sportlergemeinschaft? In der Hitze am Pass begann alles zu verschmelzen. Die Grenzen zwischen Erleben und Erzählen. Ich fahre doch nicht wirklich, ich erstelle nur einen Blogbeitrag. Welche Wertung habe ich wohl hierfür verdient? Den „Oberhammer“ oder das gepunktete Trikot? Fahre ich für mich oder die Leser? Sind die Beine nur der Mittler auf dem Weg zu sinnvollen Tastenkombinationen? Er sah Tasten, er sah Buchstaben und begann Geschichten von Helden und Märtyrern zu schreiben, während er hitzeflimmernde Luft atmete. Fliegen begleiteten seinen Aufstieg. „Wo ist eigentlich meine Tastatur? Scheiße ich habe kein Netz. Systemabsturz…“ Er wurde wirr. Ich muss trinken, ich brauche Kühlung. Ein heller Moment, als überhängende Äste einige hundert Meter Schatten spendierten. Eine Quelle hatte er vor kurzem passiert. Leider hatte er sie nicht genutzt. Da hatte er noch gehofft, die Führungsriege einzuholen. Den Zahn hatte er sich schon lange gezogen. Voller Sorge blickte er sich um. Einige hundert Meter hinter ihm sah er ein Pärchen den Berg hochklettern. Der Schwager und die drahtige Triathletin im Duett. „Wenn ich was getrunken habe, dann fahre ich mit denen zusammen den Berg hoch…!“ Es gab keine Quellen. Dafür aber einen Ort. Hochhäuser. „Prima, ich suche schnell ein Büdchen.“ Er war froh über die Geldreserven in seiner Rückentasche und überlegte, in welcher Sprache er am leichtesten Eistee und Wasser bestellen würde. Doch leider war er nicht im Ruhrgebiet. Wo jede Ansammlung von festen Unterkünften mit Trinkhallen versorgt wird. Wo die Bude mit König Pilsener zu den meritorischen Gütern der Bevölkerung gehört. Es gab keine Buden mit Flaschenkühlschränken in den Hochhausschluchten. „Dann vielleicht ein Bistro…?“ Doch auch die gab es nicht. Es gab auch keine Autos auf den Straßen und die Hochhäuser waren verrammelt. Es war überhaupt keine Menschenseele zu sehen. Er war in einer Retortenstadt gelandet. Diese riesenhaften Hochhäuser im Wald waren Winterquartiere für Urlauber. Im Sommer war hier tote Hose. Absolute! Dann halt raus aus dem Ort. Irgendwo muss doch mal eine Wasserquelle kommen. Schnell bog er wieder auf die Straße. Das Schwagerduett noch knapp hundert Meter zurück. „Nicht den auch noch vorbeilassen müssen.“ Er verzweifelte. Keine Kühlung und keine Getränke und von hinten noch Druck vom Feind. Ihm fiel Tom Simpson ein. Tot vom Rad gefallen auf dem Anstieg zum Mont Ventoux. Dem Briten hatten sie dort ein Denkmal gesetzt. Würde er auch eins bekommen? Der Ortsausgang. Kein Büdchen, kein Restaurant, keine öffentlich Toilette, kein Kneip-Tretbecken und keine hilfreichen Nachbarn, die mit einem Gartenschlauch Athleten kühlen. Wie warm kann Blut werden? Ob der Schwager mir was zu trinken gibt? Er hätte seine Berufsausbildung für einen Liter alkoholfreies Bier verkauft. Eiskalt. Gelb mit Schaumkrone. Er sah eine große Maß vor sich und versuchte wie ein Esel hinter der Möhre herzufahren, als plötzlich etwas am Straßenrand glitzerte… Wasser! Kein See! Kein Fluss! Kein Bach, eher ein winziges Rinnsal. Es fand den Weg vom Hang herunter und verschwand dann unter der Straße. Wenig, aber geschickt vom Himmel. Dieses Bächlein am Ortsausgang von Folgarida war besser als Schöneberger im Männergefängnis oder Robbie Williams bei H&M. Wasser. Kaltes klares Wasser! Er stürzte sich vom Rad und warf sich hinein in die Pfütze. Trinken und Kühlen. Er versuchte beides auf einmal. Über Wasserqualität machte er sich keine Gedanken. Er hätte auch Terpentin getrunken. Aber dieses war klar und kalt… Ein Geschenk des Himmels über den Alpen. „Ich wollte nur kurz was trinken…!“ stammelte er aus der Pfütze heraus, als der Schwager ankam. „Sonst aber alles o.k. bei dir?“ Der Kenianer war ein Bild des Jammers. „Klar, nur kurz abkühlen. Tut gut, willst du nicht auch mal…!“ Es war ein schwacher Versuch, ihn aufzuhalten und vielleicht doch wieder als erster auf der Passhöhe zu sein. „Nee danke. Ich fahre meinen Rhythmus weiter…“ Er hörte alle Gehässigkeiten des Sportlerlebens in den wenigen Worten durch. Der Schwager würde ausgleichen. Nach dem knappen Sieg am Jauffen war eine deutliche Niederlage am Campo Carlo Dingsbums nicht zu verhindern. Aber er störte sich nur kurz am Anblick des entschwinden Schwagers. Noch hatte er sein Treffen mit der Wasserquelle nicht beendet. Immer mehr Teilnehmer passierten, bis er wirklich jeden Teil seiner Körpers in der flachen Pfütze gebadet hatte. Fünf Minuten? Zehn Minuten? Fünfzehn Minuten oder gar mehr? Es war ihm egal. Er war geschlagen. Bestraft vor allem von seinem Hochmut und Ehrgeiz in Tuenno. Ein wenig auch von der Hitze, der er später die alleinige Schuld für seinen Einbruch zuschreiben würde. Glücklicherweise war „moderat“ für einige Kilometer wirklich moderat und er konnte sich erholen und den Pass im Sattel bezwingen. „Hey, was war denn los bei dir? Du wolltest doch mit uns mitfahren?“ Die Bergziegen saßen beim zweiten Radler, der Schwager hatte einen Milchkaffee vor sich. Ihm war nicht nach antworten. Wortlos entschwand er in den Schankraum. Zunächst einmal setzte er alle Bargeldreserven in Apfelschorle um. Dann pumpte er den Schwager an und setzte sich mit einem Stück Kuchen an einen anderen Tisch. Kurz nach ihm hatte es auch Schwesterherz geschafft. Sie so stolz, wie er niedergeschlagen war. Sie hatte irgendwelche Grenzerfahrungen gemacht. Von wegen Dornenkronen, nur nicht auf dem Kopf, sondern in der Hose, aber Hauptsache nicht in den Besenwagen eingestiegen… So fuhr die Gruppe später mit gemischten Gefühlen auf den Schlussabschnitt der Etappe. Es gab keine Attacken mehr. Der Tag hatte alle weichgekocht. Dankbar nahmen sie die Möglichkeit von Fotopausen war. Spektakuläre Schluchten und Tunnel auf einsamen Wegen begleiteten sie nach Lomaso, wo ein Schlosshotel mit ambitionierten Essen wartete. Und wenn mal keine tollen Schluchten zu sehen waren, dann rettete sich der Kenianer in Coras Windschatten und genoss die Aussicht auf einen sportlichen Hintern in einem schmalen Sattel. Anderswo zahlen Herren der Schöpfung viel Geld, um Frauen bei Verrenkungen an dünnen Rohren zuzusehen. Beim Radfahrern in einer gemischtgeschlechtlichen Gruppe war diese Leistung inklusive und lenkte trefflich von den Schmerzen der vergangenen Kilometer ab. Und da am nächsten Tag wirklich nur noch ein kleiner Pass und mickrige dreißig Kilometer bis zum Gardasee warteten, ließen sie diesen Tag in einer Birraria ausklingen. Ein Tag voller Triumphe und Niederlagen wurde in einer lauen Sommernacht unterm Sternenzelt gemeinsam begossen.
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Aug 03 |
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patella hat den Blogeintrag ♂tga/2NO -XXXVI- Die... erstellt Es war der dritte Tag. Als er morgens auf dem Balkon stand und sich von der Morgensonne wärmen ließ, da ahnte er noch nicht, welche Erfahrungen heute auf ihn warteten. Es sollte ein Tag werden, den er in nicht so schnell vergessen würde. Ein Tag großer Gefühle. Dramen und Triumphe. Siege und Leidensgeschichten. Ein Tag, wie er ihn gewünscht und befürchtet hatte. Hätte er ihn anders begonnen, wenn er geahnt hätte, wie er enden würde? Definitiv ja! Aber der Reihe nach: Sein Körper hatte die Rebellionen eingestellt. Inzwischen war er daran gewöhnt, dass auf einen schweren Tag im Sattel ein weiterer folgte. Die Schmerzen waren zu einem Begleiter geworden, der kaum mehr registriert wurde. Es stellte sich Routine ein. Auf der Treppe zum Speisesaal begrüßte er die müden Beine wie alte Bekannte: „Ah, auch wieder da! Mal sehen, wie es heute wird mit euch. Schön, dass ihr mich noch nicht verlassen habt.“ Es wiederholten sich die gleichen Rituale. Die Gruppe vernichtete sämtliche Vorräte an Nuss Nougat Creme am Frühstücksbuffet und jeder aß für drei. Dann wurden die Sachen auf den Zimmern zusammengepackt. Schwesterherz und Schwager suchten mal wieder verzweifelt irgendetwas. Diesmal war es ihr Personalausweis. Kurz darauf traf man sich am Parkplatz, wo schon der Begleitwagen wartete. Die Taschen wurden eingepackt und die einzige Standpumpe machte die Runde. Er machte sich keine Sorgen mehr. „Die ersten beiden Tage habe ich überstanden. Morgen stehen nur noch vierzig Kilometer bis zum Gardasee auf dem Programm. Also eigentlich ist das heute der letzte Tag. Den werde ich zum Angriff nutzen.“ Um die Streckenbeschreibungen hatte er sich nicht mehr gekümmert. Gestern war die Königsetappe gewesen. Soviel stand fest. Die paar Steigungen heute würden ihm nichts mehr anhaben können. Und den Schwager hatte er am Jauffenpass in die Schranken gewiesen. Es stand 1:0. Und so wartete er voller Vorfreude in Auer auf die Abfahrt. Wieder hundertundvierzig Kilometer. Wieder zweitausend Höhenmeter. Dazu strahlender Sonnenschein und schon Wärme am frühen Morgen. Heute stellten sich keine Kleiderfragen. Der Dresscode des Tages schrieb modisches Kurzarmtrikot und Sonnencreme vor. Etwas störte nur die wachsende Verzweiflung mit der Schwesterherz seit gestern Abend nach ihrem Personalausweis suchte. Gemeinsam mussten sie ihn an der Rezeption vorzeigen, um Einlass zu finden ins Hotel. „Der kann doch nicht weg sein!“ hatte er voll brüderlicher Fürsorge gemurmelt, bevor er in den Schlaf gefallen war. War er aber doch. Und sie sah sich schon im Einwohnermeldeamt ihrer Heimatstadt zum Neuantrag sitzen und in einem Fotostudio spaßfreie Passbilder schießen. „Und ob die mich dann heute abend überhaupt ins nächste Hotel lassen? So streng wie die hier sind…“ Das Zimmer hatte sie durchkämmt, die Taschen durchwühlt, den Schwager beschimpft, aber es half nicht. Der Kenianer hatte sich natürlich lustig gemacht über ihre Schusseligkeit und das man ihr aber auch gar nichts in die Hand drücken sollte. „Wenn ihr mal Kinder kriegt, dann sollte ihr ihnen direkt einen GPS Sender implantieren, damit ihr die nicht zwischen Klo und Küche verliert…!“ „Kenianer. Schau doch bitte noch mal in deiner Tasche nach. Vielleicht ist der da reingerutscht!“ Mensch, die konnte nerven. Er wollte sich aufs Fahren konzentrieren. Die Hektik störte empfindlich seine Vorstartrituale. „Wie soll denn dein Personalausweis in meine Tasche kommen, kannst du mir das mal sagen? Ich habe doch extra immer alle meine Sachen in die hinterste Ecke gepackt und verschlossen gehalten, damit bloß keine Durchmischung passiert. Ich wusste doch schon vorher, dass euch nichts in die Hände fallen darf. Gestern hatte der Schwager schon seine Regenkleidung auf dem Balkon gelassen. Wenn ich nicht geschaut hätte, dann wäre der ohne Jacke am Jauffenpass angekommen. Ihr verbaselt doch alles, nicht ich…!“ Das sah sie ein. Sie ging noch mal an die Rezeption um zu fragen, ob etwas abgegeben worden war. „Ich brauch noch etwas Kleingeld.“ Er fummelte in seinem Portemonaie herum, als plötzlich…. „Oh, Schwesters Ausweis!“, erstaunlich. Wie kam denn der in seine Brieftasche? Er dachte nach. Siedend heiß wurde es ihm klar: Er selber hatte ihn gestern an der Rezeption mitgenommen und eingepackt. Wie peinlich. Ihm gingen die Sprüche durch den Kopf, mit denen er das verzweifelte Suchen begleitet hatte („Ihr bringt es fertig und startet noch ohne Fahrrad zur Tour oder ohne Neopren zum Triathlon!“). Um seine Position zu retten, schmuggelte er den Ausweis beim Schwager in die Tasche. Dort wurde er kurz darauf gefunden. Schwesterherz war außer sich („Der lag doch ganz oben auf deiner Sache, wie konntest du ihn da nicht finden?“), aber trotzdem froh ihn wieder zu haben. Es ging los. Sie rollten erst einmal eine halbe Stunde über einen fantastischen Radweg durchs Etschtal. „Ick hab heut jute Beene!“, dieses Zitat von Erik Zabel ging ihm durch den Kopf, als er nach einer privaten Pinkelpause der Gruppe hinterherjagte. Tatsächlich. Es fühlte sich gut an. Es fühlte sich großartig an! Wenn schon das gefühlte Tempo langsamer war als die Anzeige am Tacho, dann war Topformzeit. Anscheinend brauchten die zwei Tage Marter um richtig in Fahrt zu kommen. Aber noch schonte er die Beine. Gemütlich rollten sie durch breite Täler. Schwesterherz brauchte Unterstützung. Zum einen war sie immer noch sauer auf den Schwager („Da liegt der Ausweis mitten in seiner Tasche. Und er hatte steif und fest behauptet, er hätte alles abgesucht. Zur Strafe muss der mir heute am ersten Berg helfen…!“) und zum anderen jammerte sie beständig, dass sie sich einen riesen Wolf gefahren hätte. Wund an Stellen, von denen ein großer Bruder gar nicht wissen will, dass die kleine Schwester sie hat. Sie litt Schmerzen. Schon auf grader Strecke ging sie immer wieder aus dem Sattel. „Aber ich kann doch nicht den ganzen Tag im Stehen fahren…!“ klagte sie weiter. „Und ich habe mir schon alle möglichen Cremes und Gleitmittel eingerieben.“ So genau wollte der Kenianer es gar nicht hören. Daher verabschiedete er sich schnell wieder an die Spitze. Nach wenigen Kilometer hielt Cora die Gruppe an. „So Leute! Hier biegen wir jetza ab. Da geht’s gleich aufi und nach wenigen Kilometer kommt a steile Schlucht. Auf der anderen Seiten könnts ihr dann schon den nächstan Ort sehen. Da müssts ihr hin. Ihr fahrts also erst noma runter und dann zwoa Kilometer wieda auf. Der Ort heisst Tuenno oder so. Dort suchts ihr euch anan Platz zum Warten. I fahr mit den langsamen locker den Berg hoch.“ Steffi hatte sich inzwischen aus der Gruppe verabschiedet. Sie musste am Abend am Gardasee sein und hatte sich deshalb schon am frühen Morgen auf die Reise gemacht. „Die fahts heuer zwei Etappen nacheinander….!“ Der Kenianer hatte es aufgegeben, sich über die Leistungsfähigkeit der weiblichen Guides zu wundern. Und jetzt ließ er die Pferde los. Während die anderen noch Gels und Wasser verdrückten, war er schon in der Steigung. Einmal vorne sein. Dieses Gefühl wollte er einige Momente genießen, bevor ihn die drei Bergziegen der Gruppe einholen würden. Die Leichtgewichte, die jede Steigung zu einem hoffnungslosen Rennen gegen Steffi genutzt hatten. Die schon beim zweiten Getränk gewesen waren, als er mit dem Schwager am Jauffenpass ins Cafe kam. Die Beine waren gut. Er fand einen schnellen Rhythmus und stampfte den Berg hoch wie Jens Voigt auf sinnloser Soloflucht. Nichts für Ästheten, aber mit der Kraft von zwei groben Kolben, die die alte Dampflok zuverlässig über die Passhöhe bringen wollten. Nach jedem Tritt fanden sich plötzlich wieder neue Körner in den massigen Oberschenkeln. „Mist! Eine Baustelle. Passt mir gerade nicht in den Kram.“ Sie passierten ein kleines Dorf, in dem die Straße aufgerissen wurde. Er wollte nicht stehenbleiben und die Gruppe wieder herankommen lassen. Daher umfuhr er die Baumaschinen über den Bürgersteig, klingelte eine Rentnerin zur Seite und war dann wieder auf der Straße. Wo blieben eigentlich die Bergziegen? Sie waren dran, aber sie überholten nicht. Zu seiner Überraschung hörte er sie schwer atmen hinter sich. Sollte er heute so gut sein, dass er die Führungsgruppe nach Tuenno führen sollte? „Heh, du gibst ja richtig Gas. Hast wohl heute die Teamfreigabe bekommen?“ – Die Frage des Hintermanns ging runter wie Kettenöl. „Naja, ich wollte halt meiner Schwester über die Berge helfen. Hatte ich ihr zu Weihnachten versprochen. Deshalb habe ich mich bisher zurückgehalten. Heute hat sie mich von der Leine gelassen und ich kann mal was flotter fahren.“ log er. Es war kein „flotter fahren“. Es war „Berghochfliegen“. Überrascht von der eigenen Form führte er die kleine Gruppe durch den ersten Ort hindurch. Dann sahen sie das Tal vor sich. Ein tiefer Einschnitt. Auf der anderen Seite, fast auf gleicher Höhe liegend das Örtchen Tuenno. Dazwischen zwei Kilometer halsbrecherischer Abfahrt und wieder zwei Kilometer brutale Serpentinen aufwärts. „Attacke auf der Abfahrt. Das kann ich.“ Kaum waren sie über die Kuppe, beschleunigte er hinein in vier magische Kilometer. Vier Kilometer, die ihm die Illusion bringen sollten, ein starker Radrennfahrer zu sein. Vier Kilometer auf denen die Tritte von selbst kamen. Vier Kilometer, für die sich hunderte Trainingskilometer gelohnt hatten. Erst eine Abfahrt ohne Autos. Guter Asphalt, schöne Kurven und ein Gefälle, stark genug für hohes Tempo, aber auch nicht so steil, als das er auf der Bremse hätte stehen müssen. Er stürmte durch die Serpentinen und konnte im Nacken spüren, wie sich seine Verfolger schwer taten. So schnell wie er kamen die drei Leichtgewichte nicht den Berg herunter. Nach der Senke rettete er den Schwung so lang wie möglich auf dem großen Blatt in die Steigung, bevor er sich den Segnungen von 34 Zähnen ergab. Keuchend kamen die Bergziegen wieder heran. „Du fährst ja wie der Teufel! Da komme ich kaum mit.“ Ein Kompliment vom Bergkönig. Besser als eine Gehaltserhöhung vom Arbeitgeber oder ein Liebesschwur in der neunten Klasse. Aber für den Sieg am Ortseingang musste er jetzt taktieren. „Jute Beene“ musste ja nicht bedeuten „Kräfte vergeuden und den Sieg verschenken“. „So ihr Bergziegen, macht ihr mal Führungsarbeit.“ Er forderte die anderen in den Wind und ließ sich ans Ende der Gruppe fallen. Und für den letzten Kilometer bis zum Ortsschild wollte er hier bleiben. So langsam begannen die Muskeln zu schmerzen. Jetzt wollte er aber nicht mehr abreißen lassen. Die einmalige Chance war zum Greifen nahe. Einmal als erster oben sein. Die drei wechselten sich in der Führung ab. Er täuschte Schwäche vor und lutschte sich im Windschatten den Berg hoch. In der vorletzten Kehre beschleunigten sie nochmal. „Ihr werdet mich nicht los.“ „Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat! Also lasst uns frohlocken und uns seiner freuen.“ Warum kam ihm ausgerechnet jetzt dieser Taufspruch in den Sinn? Ja! Er wollte frohlocken und er wollte sich seiner freuen. Das sollte sein Tag werden. Und mit der Kraft neuentdeckter Frömmigkeit klemmte er sich eng ans Hinterrad. Es wurde etwas flacher. Noch Zweihundert Meter. Das braune Schild mit der Aufschrift „Tuenno“ markierte seine Ziellinie. Er musste Erster werden. Den Titel wollte er haben. „Der Tiger von Tuenno!“ Gehört nicht zu jeder Sportgröße ein Ehrentitel? Ein Hinweis auf den Wohnort oder den größten Sieg? So wie der „Adlers von Herning“ (Bjaerne Rijs), die „Katze von Anzing“ (Sepp Maier), der „Bär aus der Pfalz“ (Gregor Braun) oder der „Fliegenden Mantuaner“ (Tazio Nuvolari) die Herkunft des Heldens bezeugen, so deuten der „Löwe von Flandern“ (jeder, der dieses Rennen mehrfach gewonnen hatte, z.B Johann Museeuw) „Monsieur Paris-Roubaix“ (Roger de Flaming) auf den Ort des Triumphs hin. Ehrentitel wie „Dr. Faust“, der „Titan“ oder der „Chef“ sind auch noch allesamt besser als Beinamen wie „Keule“, „Axt“ oder „Hammer“, die vielleicht mehr dem gemeinschaftlichen Duschen als sportlichen Fähigkeiten zu verdanken sind. Hundert Meter noch. Keiner machte Anstalten, den Spurt anzuziehen. „Bleib ruhig, stell dich nicht zu früh in den Wind. Das rächt sich…“ Er musste sich zusammenreißen. Schon so oft hat der bessere verloren, weil er zu ungeduldig war. Achtzig, Siebzig, - immer noch kein Antritt. „Die Sauhunde!“ denkt er. „Sechzig, Fünfzig“ – was ist los? Vierzig, Dreissig - jetzt war es so weit. Er warf die Kette aufs große Blatt und stieg aus dem Sattel. Und dann beschleunigte er. Die Hände tief am Lenker. Mit aller Kraft stemmte er die braungebrannten Schenkel in die Pedale. Unwiderstehlich flog er an den dreien vorbei. Zwanzig, Zehn – „Nicht umblicken!“ Rudi Altigs Weisheiten begleiteten seinen Zielsprint. Ohne Blick für seine Verfolger flog er auf das Schild zu. „Drei, zwei, eins, meins….“ Geschafft! Triumphierend streckte er die Faust gen Himmel. Der Tiger von Tuenno! Das war sein Sieg. Das war sein Moment! Endlich brauchte er sich nicht mehr Platzierung im Hinterfeld schönreden. Er brauchte keine Ausreden für Schwächen. Er war Erster. Er registrierte gar nicht, dass er alleine gesprintet war. Er hatte das Ortsschild im Blick behalten, nicht die Konkurrenten. Aber als sie eine Eisdiele in der Ortsmitte fanden, an der sie auf die Gruppe warten wollten, gratulierten ihm die Mitfahrer zu seiner Leistung. „Wir haben gar nicht gewusst, dass du so die Berge hochfliegen kannst. Klasse Leistung. Respekt!“ Er platzt vor Stolz und wartete mit einem Eis in der Hand auf den Rest der Gruppe. Es dauerte Ewigkeiten, bis Schwesterherz und der Schwager da waren und er endlich seine Heldengeschichte loswerden konnte. „Ich habe gewonnen!“ Unverständnis bei Schwesterherz. „Wie gewonnen? Was gewonnen? Wo gewonnen?“ „Ich war erster in Tuenno!“ „Ach, sind wir plötzlich in einem Rennen?“ Sie teilte seine Begeisterung nicht. Sie saß auf einem Nagelbrett und hatte andere Sorgen als Platzierungen im Ortsschildsprint. Ihr war es egal, wer vor ihr als erster in einem Ort angekommen war. Sie wollte es nur selber ins Ziel schaffen. Es schien ihr gar peinlich zu sein wie offensiv der Kenianer seinen Triumph demonstrierte. Naja, sollte die Trine halt ein wenig vor sich hin nörgeln. Er war der Größte. Und mit stolz geschwellter Brust schwang sich der Tiger von Tuenno in den Sattel, um die Gruppe für den Rest des Tages zu beherrschen. Wenn er doch nur schon zu Ende gewesen wär…
Die Symbole stellten so etwas wie den „Arbeitstitel“ dar, den ich seit einem Jahr mit mir herumgetragen habe. Und da ich mich zum einen immer über die Eventnamen wie „run4ideas“ oder „b2b“ amüsiere/ärgere und ich zum anderen eine Titelzeile mit Wiedererkennungswert in der großen Bloggerwelt gesucht habe, kam ich auf die etwas unelegante Übersetzung von „Der () Tiger (tga) von (/ - als mathematisches Zeichen) Tuenno (2no – so wird es auch gesprochen, wenn mich nicht alles täuscht). Der Titel ist aber inzwischen ad acta. Nach langem Suchen habe ich einen gefunden, der auch dem Verlag zusagte. Mit „Sind wir nicht alle ein bisschen tri?“ kann ich eigentlich auch viel besser leben.
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