Kleine Einführung ins Laufen mit GPS

Gestern ist mir etwas seltsames passiert: Ich wollte gerade los laufen, da zeigte meine GPS-Laufuhr, dass die Batterien schwach sind - kurz darauf war das Display aus. Ich musste ohne GPS laufen - seit 2006 das erste mal. Nicht dass ich den Weg auf meiner Hausstrecke nicht wiederfinden würde, nein, es war vielmehr die fehlende Pace-Kontrolle, die mich völlig aus dem Ruder brachte.

GPSies Klaus ohne GPS Laufuhr

Mein eigenes Gefühl für Geschwindigkeit ist praktisch nicht mehr existent. Ich fühlte mich wie in einem Papierflieger eingesperrt, ohne Fenster und ohne zu wissen, wann und wo ich ankomme. Ok, ich weiß genau was ihr denkt - und ihr habt ja Recht: "Hilfe, ich bin ein GPSie, holt mich hier raus!"

Bevor ich jedoch irgendwo verirrt meine Runden drehe, möchte ich euch gerne das Thema Laufen mit GPS kurz vorstellen und auf einige Besonderheiten eingehen.

Strecke aufzeichnen ohne Anzeige

Die einfachste Möglichkeit, GPS beim Laufen zu benutzen, ist das reine Aufzeichnen einer Strecke mit einem GPS-Datenlogger. Einfach die Aufzeichnung starten und schon werden einzelne Geokoordinaten als Punkte gespeichert - wie bei Hänsel und Gretel mit den Brotkrümeln. Die Strecke kann später am PC beispielsweise mit Google Earth betrachtet oder mit dem Laufstreckeneditor gespeichert werden. Zusätzlich kann mit einer Analysesoftware wie zum Beispiel SportTracks (PC) oder TrailRunner (Mac) hinterher der Lauf ausgewertet werden (wie schnell war ich wo, wie viele Höhenmeter hatte ich).

Die einfachen Geräte verfügen über kein Display und kommunizieren mit dem Benutzer teilweise nur über farbige und blinkende Leuchtdioden (z.B. "kein GPS Signal", "Akku bald leer", "Speicher voll"). Dafür sind sie sehr günstig (ab ca. 40 EUR). Ein schöner Nebeneffekt: diese einfachen Geräte können auch noch zum "Geotaggen" von Fotos verwendet werden: Einfach in die Tasche stecken und los geht es.

Geschwindigkeitskontrolle

Wer während des Laufens lieber die Kontrolle über die Kilometer oder den aktuellen Pace haben möchte, benötigt zumindest ein Gerät mit einem kleinen Bildschirm. Das könnten beispielsweise verbesserte GPS-Datenlogger sein, die über eine einfache Anzeige verfügen, um Geschwindigkeit, Höheninformationen oder die Streckenlänge anzuzeigen.

Zum anderen kann man auch das eigene Handy oder Smartphone zum Laufen mitnehmen - GPS ist ja mittlerweile fast immer eingebaut. Nur noch schnell eine App herunterladen und los geht es. Für Achim-Achilles.de-Nutzer, die ein iPhone haben, empfehle ich die kostenlose App GPSies für das iPhone. Läufern mit Android-Smartphones rate ich zur ebenfalls kostenlosen App Maverick. Mit beiden Apps können die Strecken direkt vom Smartphone zur Streckensammlung von Achim-Achilles.de hoch geladen werden.

GPSies für iPhone

Leider haben diese teuren Smartphones ein paar Nachteile: Sie sind sehr empfindlich und benötigen viel Akkulaufzeit - den Marathon müsst ihr dann eben unter drei Stunden laufen, denn sonst ist der Saft aus. Fragt sich nur, bei wem zuerst ...

Ich benutze mein Smartphone eigentlich gar nicht beim Laufen, ich weiß nicht mal, ob die Bedienung mit meinen verschwitzen Fingern über den Touchscreen funktionieren würde. Und bei Regen würde ich mich dann bestimmt unterstellen ;-)

Gegen Regen schützen übrigens spezielle Smartphone-Taschen, die man am Arm oder Handgelenk befestigen kann. Praktisch ist dabei, dass somit noch MP3s abgespielt werden können. Doch das Ablesen vom Bildschirm erfordert schon einige Akrobatik und Verrenkungen.

Die Gewinner in diesem Segment sind spezielle Laufuhren, die genau für den Ausdauersport konzipiert wurden und oft auch wasserdicht oder stoßfest sind. Außerdem verfügen die Geräte meist auch über einen Pulsmesser, der bei der Auswertung genau Auskunft geben kann, wie hoch der Puls bei jedem Punkt der Strecke war.

Noch kurz ein Absatz über die Genauigkeit. GPS ist zwar ein Wunderwerk der Technik und funktioniert mittlerweile sehr gut, aber man darf nicht alles glauben, was diese Geräte gerade anzeigen oder aufzeichnen. Oft spielen uns kleine atmosphärische Störungen oder Reflektionen zum Beispiel in Häuserschluchten kleine Streiche, die unser Ergebnis verfälschen. Wenn der aktuelle Pace gerade auf satte 2 min/km steht und man nicht der Olympiasieger beim 5.000 Meter Lauf ist, dann braucht man das nicht zu glauben. Ich orientiere mich stets an dem Durchschnittspace der Gesamtstrecke oder des letzten Kilometers. Auch die Messung der Streckenlänge hängt von GPS-Signal, von Klima- und Ortsbedingungen ab und kann gut und gerne mal 2% daneben liegen. Hier eine Beispielstrecke im Berliner Tiergarten, die ich vor kurzem gelaufen bin (original GPS Aufzeichnung mit Garmin Forerunner 310XT, ohne Korrektur). Übrigens, die Höhenmeter, die durch GPS ermittelt werden, sind sehr ungenau. Schwankungen von 20-50 Metern zur "echten" Höhe über NN sind leider normal. Abhilfe schafft eine barometrische Höhenmessung, die aber in den Laufuhren bisher nur selten eingebaut ist.

Strecke nachlaufen

Die Königsklasse beim Laufen mit GPS sind Geräte, mit denen man die Strecken auch nachlaufen kann. Neben der Aufzeichnung, die ja sowieso parallel läuft, wird auf einer kleinen Karte die vorher ausgesuchte Strecke zum Nachlaufen angezeigt.

Ich mache das nun schon seit über vier Jahren und bin immer noch so begeistert wie am ersten Tag. Oft suche ich mir Sonntags mit meiner Frau zusammen eine schöne Laufstrecke im Berliner Grunewald aus. Die Auswahl ist riesig, alleine für dieses kleine Gebiet gibt es über 200 Laufstrecken, die in Frage kommen. Nach dem Download übertrage ich die Strecke einfach auf die Uhr, und los geht es. Oft plane ich auch pro-aktiv eine Strecke im Streckeneditor, zum Beispiel am Urlaubsort, wo es noch keine Laufstrecke gibt. Und wenn man Glück hat, erkennt man schon auf den Satellitenkarten, dass sich in dem Terrain wilde Stiere rumtreiben ...

Zugegeben, die Uhren sind so schick wie Kniestrümpfe im Hochsommer. Meiner Frau ist es peinlich, mit solch einem Koloss am Handgelenk zu laufen. Mir macht das natürlich nichts aus und ich erkenne freudig schon aus 100 Metern Entfernung, ob mir ein Läufer mit einer GPS-Laufuhr entgegenkommt. Wir grüßen uns dann wie Motorradfahrer im Frühjahr – sofern wir den Arm überhaupt noch hoch kriegen.

Vor drei Jahren gab es nur GPS-Laufuhren von Garmin. Heute hat jeder Sportuhren Hersteller GPS -Uhren im Sortiment. Ich würde darauf achten, dass das Gerät keinen externen GPS-Empfänger hat, also dass es sich nur um ein einziges Gerät handelt; ansonsten läuft man Gefahr, dass man noch zwei Akkus laden muss. Ich laufe mit einem Garmin Forerunner 310XT, der aufgrund der 20 Stunden Akkulaufzeit und Wasserdichtigkeit auch zum Triathlon geeignet ist. Aber mein absoluter Geheim- und Preistipp ist nach wie vor der Garmin Forerunner 205 (ca. 125 EUR, ohne Pulsmesser) oder der Garmin Forerunner 305 (ca. 170 EUR, mit Pulsmesser).

Fazit

GPS ist bei den Läufern angekommen. Ich treffe bei Wettkämpfen immer mehr Läufer, die zur Leistungskontrolle eine GPS-Laufuhr am Handgelenk haben. Praktisch ist auch der Austausch oder Dokumentation von Strecken, alleine auf GPSies.com gibt es schon über 500.000 Strecken. Immer mehr Veranstalter bieten Strecken als GPS-Download an, Tendenz stark steigend.

Trotzdem ist Laufen mit GPS ein komplexes Thema, das eine Einarbeitung und ein technisches Verständnis erfordert ("Warum ist meine aufgezeichnete Marathonstrecke 44 km lang?", "Wieso habe ich hier keinen Empfang?").

Ich rate jedem, sich in das GPS-Thema einzulesen. Ich weiß nicht warum, aber es gibt noch keine GPS-Bücher für Läufer. Vielleicht wäre das mal ein Thema für Achim. (Hm, ich glaube nicht, denn das wird er nicht verstehen ;-)). Zum Abschluss empfehle ich noch zwei Bücher aus dem Fahrradgenre, deren Tipps bis auf die Geräteempfehlungen zu 90 Prozent auch von Läufern übernommen werden können: "GPS am Fahrrad: Technik und Tourenplanung einfach erklärt" (Tom Bierl / Thomas Rögner) oder "GPS für Biker" (Thomas Froitzheim). Eine der besten Internetseiten zum Thema GPS findet ihr bei kowoma.de.

 

 

 

 

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