Test: Apple Watch Nike+: "Man fühlt sich wie bei "Star Trek""

Geschrieben von: Ellen-Jane Austin
Apple Watch Nike+ nach dem Lauf

Unsere Redakteurin Ellen-Jane Austin durfte die Apple Watch Nike+ einige Monate testen – beim Laufen, Schwimmen, Yoga und im Alltag. Ob und für wen sich die sportliche Smartwatch lohnt, schreibt sie in ihrem Erfahrungsbericht.

Der subjektive Langzeittest

Testerin: Ellen-Jane Austin, leidenschaftliche Läuferin in Teilzeit, Musik-Junkie, Foodie, Redakteurin bei Achim Achilles und Fitness-Gadget-Fangirl: "Polar, Fitbit, Garmin, ... ich hab' sie alle gehabt." 
Alter: 34 Jahre
Status: Läuft (wenn sie fit ist) zwischen 15 und 30 Kilometer pro Woche – am liebsten früh, wenn der Rest der Welt noch schläft, hat schon den Halbmarathon in unter zwei Stunden geknackt, versucht ein bis zwei Mal die Woche zum Yoga zu kommen und bestreitet ihre Wege wenn möglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Kann nicht still sitzen.  
Nutzung der Uhr: Drei Monate – fast immer, außer beim Schlafen und zum Laden.

Bewertung der sportlichen Funktionen

(eine Auswahl)

GPS: 

Was ich besonders mochte: Die Uhr hat meine Läufe minimal geschönt. Das GPS funktioniert nämlich an sich schnell und gut, aber ab und an werden zackige Wendemanöver in schön geschwungene, großzügige Bögen verwandelt – und somit meine Distanz auf die gelaufene Zeit verlängert. Wenn man akkurate Ergebnisse braucht, ist das natürlich ärgerlich, mich hat es eher zum Schmunzeln gebracht. Und so riesig waren die Verlängerungen auch nicht.

Nach dem Lauf kann ich danke Nike+App auf der Uhr eine hübsche Karte meiner Strecke sehen. Um hinterher zu erfahren, welche Pace ich bei welchem Kilometer gelaufen bin, muss ich allerdings in die App auf dem Handy schauen. 

Herzfrequenzmessung übers Handgelenk:

Ist in Ordnung. Ich bezweifle zwar, dass mein Puls bei der Arbeit ab und zu auf unter 30 geht und auch beim Sport habe ich ein paar Aussetzer feststellen müssen, aber im Großen und Ganzen sind die Ergebnisse solide.

Beim Laufen habe ich die Werte mit den Ergebnissen vom Brustgurt mit Runtastic App verglichen. Die Werte lagen je Kilometer nur zwei bis drei Schläge auseinander. Die besten Ergebnisse erhält man natürlich, wenn man die Uhr eng genug trägt – was leider nicht so mein Ding ist.

Activity Tracker:

Wie heißt es so schön bei "Herr der Ringe" von J.R.R. Tolkien? "Einen Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden...".

Bei der Apple Watch Nike+ gibt es drei Ringe – und sie haben mich in den Wahnsinn getrieben.

ActivityTracker

Der Blaue zeigt, wie oft man mindestens zwei Minuten pro Stunde gestanden hat. Der Rote zeigt den Kalorienverbrauch während der Bewegung und der Grüne die aktive Bewegungszeit. Diese Ringe kann man versteckt halten oder standardmäßig auf dem Display anzeigen lassen. In einem der für die Nike+Uhr speziell designte Ziffernblätter.

Der Steh-Ring war tatsächlich eine gute Motivation, um ab und an vom Schreibtisch aufzustehen. Gefördert durch eine Aufforderung auf der Uhr, wenn eine Stunde fast beendet war und man bisher nur gesessen hatte. Wenn ich über den Tag verteilt an zwölft Stunden aufrecht war, schloss sich der Kreis.

Den Ring für Bewegung habe ich auch meist problemlos vollbekommen, oft sogar doppelt – auch an Nicht-Sport-Tagen. Aber dieser rote Ring für den Kalorienverbrauch ... das habe ich wirklich selten hinbekommen. 

Workout Apps:

Wie der Name der Uhr schon ankündigt ist die Nike+ Run Club App vorinstalliert.

Wer nicht mit Nike+ trainieren will, kann die andere in die Uhr integrierte Workout App nutzen. Im Angebot stehen: 

  • Rad Outdoor
  • Gehen Outdoor
  • Laufen Outdoor
  • Gehen Indoor
  • Laufen Indoor
  • Rad Indoor
  • Crosstrainer
  • Rudergerät
  • Stepper
  • Beckenschwimmen
  • Freiwasser
  • Sonstiges

Ich hätte mir noch Sportarten wie Pilates und Tanzen gewünscht, auch wenn man diese nach dem Training unter "Sonstiges" noch einstellen kann. Aber dafür kann man auch auf eine Drittanbieter-App wechseln. 

Wasserdichte:

Duschen, Schwimmen, Badewanne – hat die Uhr alles problemlos mitgemacht. Herrlich ist auch das Lüftungspiepen, wenn man den Wasserschutzmodus deaktiviert. Der ist übrigens auch praktisch, um das Display der Uhr zu sperren.

Die Wasserdichte beträgt laut Apple bis zu 50 Meter. Ordentliche Schwimmeinheiten sind also kein Problem, Tiefseetauchen mit der Uhr würde ich allerdings lassen.

Motivation/Trainingsverhalten:

Vom ersten Moment, an dem die Uhr um mein Handgelenk gewickelt war, wollte ich laufen. Ein Blick und gedanklich war ich schon unterwegs. Tatsächlich hat dieser Effekt über die Monate auch kaum nachgelassen. Weshalb ich die Uhr auch ausziehen musste, als ich zu krank zum Laufen wurde – furchtbar deprimierend, immer erinnert zu werden, dass man sich doch eigentlich bewegen möcht – aber stattdessen nur schniefend und röchelnd im Bett dahinsiecht.

Eine nette Funktion der Nike+ Run Club App ist die Lauf-Erinnerung, die man für die Uhr einstellen kann. Es gibt auch die Möglichkeit, sich via iPhone in der Nike+ Run Club App einen kostenlosen Trainingsplan erstellen zu lassen. Wenn ich grade in der Vorbereitung auf einen Wettkampf wäre, hätte ich es sicher genutzt.

Die einzige Sportart, bei der ich die Uhr irgendwann doch weggelassen habe, war Yoga. Die Technik, auf die ich sonst so gerne starre, hat mich dabei völlig aus dem Konzept gebracht.


 

Bewertung der Alltags-Funktionen 

(eine Auswahl)

Akku: 

Das für mich gefühlt größte Manko an der Uhr. Das Ding hält kaum einen ganzen Tag durch. Erst recht nicht, wenn man viel trackt. Klar kann ich es einfach jede Nacht laden. Aber was, wenn ich feiern gehe und stolz sehen will, wie viele Kilometer ich vertanzt habe? Und wenn ich es vergesse zu landen und dann direkt nach dem Schlafen laufen will?

Außerdem saugt es bei Kopplung mit der Smartwatch den Akku des iPhones regelrecht aus.

Armband:

Das Sportarmband gibt es in verschiedenen Farben und ist gefertigt aus einem Hochleistungs-Fluorelastomer mit formgepressten Perforationen  – sprich: Es hat Löcher für die Belüftung.

Trägt sich angenehm, sitzt erstaunlich sicher und wird auch beim schweißtreibenden Sport nicht ekelhaft glitschig.

Bedienung:

Es ist fast, als habe man ein winziges iPhone am Handgelenk. Wenn man sich kurz eingefuchst hat und der Welt von Touchscreens nicht völlig fremd ist, ist die Uhr intuitiv und einfach zu bedienen.

Design:

Hübsch ist der kleine Handgelenkscomputer ja schon – mit klarem Design, wie von Apple gewohnt. Aber vor allem finde ich, dass die Uhr sich herrlich anfühlt. Ich habe schon einige irritierte Blicke kassiert, als ich in der U-Bahn mit dem Glas der Uhr über meine Wange strich. Es ist einfach so unglaublich zart. 

Musik-Player:

Für mich eines der absoluten Highlights der Smartwatch und eigentlich auch eine Sportfunktion – denn endlich kann ich ganz ohne Handy laufen und dennoch Musik in den Ohren haben. Allerdings nur mit Bluethooth-Kopfhörern. Bis zu zwei Giga Byte Dudelei kann man auf der Uhr speichern und abspielen. 

Uhr-Telefonie:

Man fühlt sich wie bei "Star Trek", wenn man sein Handgelenk zum Kopf führt um ein Gespräch anzunehemen. Und tatsächlich auch zu führen. Denn ja, dank Lautsprecher und Mikro kann man mit der Uhr statt dem Handy telefonieren.

Fotos:

Man mit der Apple Watch nicht nur Fotos betrachten und sie als Hintergrund des Zifferblatts verwenden, man kann die Uhr auch als Fernbedienung für die iPhone-Kamera nutzen.

Spiele:

War mir zu pfriemelig auf dem kleinen Bildschirm. Kenne aber einige, die sich damit beim Pendeln die Zeit vertreiben. Anscheinend gibt es sogar Rollenspiele für die Uhr.

Push-Notifications:

Sehr, sehr praktisch. Man glotzt nicht ständig aufs Handy, sondern sieht aus dem Augenwinkel, wenn eine Nachricht, Mail oder was auch immer eintrudelt – je nach persönlicher Einstellung.

Gesamtfazit – "Fit-Lifestyle-Smart-Watch"

Was für ein herrliches Spielzeug. Braucht man so eine sportliche Smartwatch? Nein. Will man sie? Unbedingt. Zumindest wenn man auf technische Spielereien steht und einen aktiven Lebensstil anstrebt oder sogar schon lebt – und keine höheren Ambitionen hat. Als quasi gepimpte Sportuhr für ambitionierte, ernsthafte Sportler taugt sie meiner Meinung nach eher weniger. Da können dedzierte Sportuhren von der Konkurenz schon noch mehr bieten.

Ich würde die Aplle Watch Nike+ als "Fit-Lifestyle-Smart-Watch" bezeichnen. Macht viel Spaß. Kann tatsächlich zu mehr Bewegung im Alltag motivieren. Bietet Unmengen an Trainings- und Leistungssteigerungsfunktionen und sorgt immer wieder für Gesprächsstoff.

Außerdem kann man sich endlich mal fühlen wie "Michael Knight" aus "Knight Rider", wenn man sau lässig an einer Ecke steht und Siri die Einkaufsliste als SMS für den Partner diktiert, als wäre man dabei "K.I.T.T." zu rufen.

Vor ein paar Tagen musste ich die Uhr wieder abgeben. Mein Handgelenk hat Liebeskummer.

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Die wichtigsten Fakten:

Die Basics

  • - Retina Display mit Force Touch
  • - Umgebungslichtsensor
  • - Bluetooth
  • - Wlan
  • - Akku: bis zu 18 Stunden
  • - Ladekabel mit magnetischer Ladefläche
  • - Betriebssystem: IOS (nur mit Apple Geräten koppelbar)
  • - funktioniert auch ohne konstante Verbindung zum Smartphone
  • - ...

Das Sportliche

  • - Herzfrequenz-Messung am Handgelenk
  • - GPS
  • - Beschleunigungssensor
  • - vorinstalliert: die Nike+ Apps, Aplle Workout App
  • - Aktivitäts- und Schritt-Tracking integriert
  • - wasserdicht bis 50 Meter (schwimmtauglich)
  • - Sportarmband (Space Grau/Schwarz/Gelb)
  • - sportliche Display Designs inkl. Aktivitätsanzeige im Uhrenbild
  • - motiviert durch regelmäßige Aufforderungen zum Sport
  • - Drittanbieter Sport-Apps wie Runtastic oder Runkeeper
  • - ...

Das Smarte

  • - Vielzahl an Displaydesigns möglich (auch mit eigenen Bildern)
  • - Telefonien mit der Uhr möglich
  • - Siri (Bedienung durch Sprachsteuerung)
  • - Anzeige von push Notifications, Nachrichten, Mails und Anrufen
  • - Große Auswahl an Drittanbieter Apps (Navigation, Spiele, Sport, Nachrichtendienste, To Do Tools, ...)
  • - bis zu 2 GB integriertem Musikspeicher
  • - ...

Kosten: 

  • - Je nach Händler ca. 419,00 Euro bis 449,00 Euro

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