Läufer-Burnout: Wenn nichts mehr geht

Geschrieben von: Frank Joung
 Dirk Hansen Laufer-Silhouette-burnout

Manchmal will auch der leidenschaftlichste Läufer keinen Schritt mehr tun. Kein Antrieb, keine Lust, keine Kraft. Nichts geht mehr, nichts läuft. Die Gründe dafür sind vielfältig – und nicht zu unterschätzen.

Es gibt Momente, da hilft selbst ein Spruch von Achilles nicht mehr. Klar, ein Motivationsloch hat jeder mal. Aber manchmal fühlt sich selbst der fleißigste, lockerste, coolste Läufer wie ein antriebsloses Häufchen Elend, manchmal ist selbst die emsigste, spaßigste, ehrgeizigste Läuferin am Ende ihrer Kräfte. Manchmal ist einfach nur Leere.

Zunächst einmal: Das kann jedem passieren. Selbst Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno litt schon mal unter einem Burn-Out. In einem Interview mit der WELT sagte er: „Ich hatte überhaupt gar keinen Bock mehr, auch nicht aufs Training. Das war alles Quälerei, Dinge, die sonst ganz einfach sind, haben nicht geklappt. Das war mehr als ein Loch, wo man sagt: Weichei, reiß dich zusammen."

"Vollgas geben ist super – wenn man gut drauf ist"

Einfach mal ausbrechen aus dem (Trainings-)Alltag, einfach alles hinschmeißen. „Sch... auf Bestzeit, Intervalle, Stabilisationsübungen." Diese Gedanken sind ganz normal. Wer seinen Körper fordert, muss ihm auch Zeit und Raum für Regeneration geben. Eine Lektion, die auch Frodeno gelernt hat: „Die Ressourcen sind endlich. Ich bin keine Maschine. Vollgas geben ist super – wenn man gut drauf ist."

Doch gerade Sportler – auch Hobbysportler – übertreiben es häufig und versuchen, ihre Grenzen endlos hinauszuschieben. Und: Jeder halbwegs ambitionierte Sportler hat Ziele. Der eine will die 4-Stunden-Marathonmarke knacken, der andere die 3-Stunden. Beide arbeiten mitunter hart für das Ziel. Aber was, wenn's schief geht?

"Viele können nicht mit negative Emotionen umgehen"

„Hoch leistungsmotivierte Personen sind meist auch Perfektionisten mit anspruchsvollen Zielen. Viele können aber nicht mit den negativen Emotionen umgehen, wenn sie ihr Ziel mal nicht erreichen. Dann geraten sie in eine Negativspirale von Selbstgesprächen und Hoffnungslosigkeit – sie machen sich schlechter als sie sind.

Und wenn das, was sie in ihren Sport reinstecken und das, was sie rausbekommen, in keinem angemessenen Verhältnis mehr steht, kann es zum Ausbrennen kommen", sagt Oliver Stoll, Sportpsychologe von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

"Wann brauche ich eine Pause?

Doch ein Burnout – das in den vergangenen Jahren fast schon zu einer Art Modekrankheit geworden zu sein scheint – passiert nicht von heute auf morgen. Antriebslosigkeit hat viele Abstufungen. Gerade Läufer, deren Sport zum Teil darin besteht, sich aufzuraffen oder zu überwinden, kennen viele Facetten der Motivationslosigkeit.

Wichtig wäre zu erkennen, wann der Körper und auch die Psyche wirklich eine Pause brauchen. Wann man Fünfe gerade sein lassen kann und sollte. Manchmal wäre es besser, zum Grillabend mit Freunden zu gehen, statt sich mit Bergläufen zu quälen. Oder entspannt ein Buch in der Hängematte liest und nicht ins Fitness-Studio rennen.

Denn das stete „Höher, schneller, weiter" wird irgendwann zur Last, die man nicht mehr tragen kann. Und selbst wenn sich die Überforderung nicht in einem wirklichen Burnout manifestiert, können sich die negativen Folgen andere Bahnen und Felder suchen: wiederkehrende Infekte, depressive Schübe, Verletzungen.

Die Lust lässt uns laufen

Nichts gegen Ehrgeiz. Man benötigt ein Mindestmaß an Ambitionen, um regelmäßig laufen zu gehen, aber man muss eben auch drauf achten, dass der Spaß nicht auf der Strecke bleibt. Auch Achim Achilles musste die bittere Pille schlucken. Dass seine Leistungskurve nicht steil nach oben geht, hat der 50-Jährige früh bemerkt (und ignoriert), doch mittlerweile hat auch er seine Lektion gelernt.

Seine Botschaft: „Ohne Spaß nützen auch ambitionierte Pläne nichts. Nicht die Vernunft, sondern allein die Lust lässt uns laufen."

 

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