Extrem-Spaßläufer Höhler: "Alles halb so wild"

Geschrieben von: Frank Joung
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Immer mehr Menschen nehmen an Extrem-Hindernisläufen teil. Sie robben durch Schlamm, tauchen durch eiskaltes Wasser – und fast immer gewinnt Knut Höhler. Im Interview erklärt der Medizinstudent, warum er sich das antut und weshalb er keinen professionellen Sport betreibt.

 

 

Achim-Achilles.de: Herr Höhler, Sie haben zwei Mal das härteste Rennen der Welt, den „Tough Guy“ in England, gewonnen, vier Mal den „StrongmanRun“, zwei Mal den „Urbanathlon“ in Hamburg. Mit Verlaub, Sie sehen nicht aus wie ein Kraftpaket. Warum kommen Sie fast immer als Erster ins Ziel?

 

knut höhler strongmanrun brooks tough guy Zur Person: Knut Höhler, Jahrgang 1983, ist Marathon-läufer der LG Olympia Dortmund (Bestzeit: 2:36). Der Medizin-student aus Göttingen ist zweimaliger Gewinner des angeblich härtesten Hindernislaufs der Welt, dem Tough-Guy-Rennen in England, vier Mal hat er beim deutschen Strongman- Run gesiegt. Dieses Jahr hat er gleich beide Rennen für sich entschieden. Vor seinen Erfolgen bei Extrem-Hindernisläufen war er bereits Junioren-Team-Europameister im Triathlon. www.knut-hoehler.de.

Knut Höhler: Die Kombination macht’s: Ich bin zwar nicht der Allerschnellste, aber ich komme gut über die Strecke. Auf der anderen Seite bin ich nicht so ein dünnes Hemd wie die Kenianer. Das heißt, ich bin auch in der Lage, über Hindernisse zu springen oder ein Stück zu schwimmen.

Kann es sein, dass Sie der Einzige sind, der diese Spaßveranstaltungen sportlich ernsthaft angeht?

Naja, also die ersten Hundert von den Zehntausenden von Startern bei diesen Rennen gehen es schon sportlich an. Florian Neuschwander etwa, Vorjahressieger beim „StrongmanRun“,ist Sportler durch und durch, der läuft den Marathon in 2:20 Stunden. Selbst die Läufer auf Platz 15 oder 16 sind sehr fitte Athleten. Ich will zwar schon gewinnen – Erfolg ist immer gut –, aber ich laufe da auch mit, weil ich Spaß haben will.

Beim Tough Guy-Rennen müssen sie 21 Hindernisse auf 12 Kilometern überwinden, beim StrongmanRun sind es sogar 30 Hindernisse auf 22 Kilometern. Hinterher gibt’s nicht mal Preisgeld oder eine tolle Siegerehrung. Warum konzentrieren Sie sich nicht auf einen professionellen Sport?

Würde ich gerne, aber welchen? (lacht). Ich habe früher Triathlon gemacht, bin in der Bundesliga und im Europacup gestartet und wäre sehr gerne Profi geworden, aber dafür bin ich eben nicht gut genug. Irgendwann muss man dem Ernst des Lebens ins Auge schauen – ich studiere zurzeit Medizin und sehe mich als reinen Hobbysportler.

Extrem-Hindernisläufe boomen und bekommen viel mehr Aufmerksamkeit und Presse als die meisten 10-Kilometer-Rennen. Sie sind einer der Besten und können trotzdem nicht vom Sport leben?

Ich bekomme von einem Sportartikelhersteller kostenlos Klamotten und Schuhe, aber ich verdiene kein Geld. Ich habe auch keine Sponsoringverträge. Für mich sind das reine Spaßveranstaltungen.

Ganz so lustig ist es aber auch nicht. Beim Tough Guy unterschreibt man sogar sein eigenes „Todesurteil“, man haftet also für seinen eigenen möglichen Tod. Auch wenn das ein Marketing-Gag ist, Sie haben sich auch schon derbe Kopf- und Muskelverletzungen eingehandelt.

Alles halb so wild. Es kommt darauf an, mit welchem Risiko man durch den Parcours geht. Da ich schnell unterwegs bin, bekomme ich immer ein paar Schürfwunden oder Kratzer. Das bleibt nicht aus. Aber wer langsamer läuft, hat wenig Verletzungsgefahr – auch wenn die Veranstalter immer betonen, wie gefährlich ihr Event ist.

Sie schließen dieses Jahr Ihr Medizinstudium ab. Wie lange wollen Sie noch über Autoreifen sprinten und sich durch Stromkabel schlängeln?

So lange es geht. Aber es wird in der Tat immer schwieriger. Dieses Jahr konnte ich schon nicht viel trainieren. Nur vier bis fünf Mal die Woche.

Und das ist wenig?

Ohne Witz. Als ich noch aktiver Triathlet war, habe ich drei Mal am Tag trainiert.

Haben Sie spezielle Trainingstipps?

Nein, ich absolviere kein besonderes Training. Ich kann nur jedem raten, so viel wie möglich abseits von asphaltierten Straßen zu laufen. Viele Läufer haben auf Wiesen und Waldwegen Angst, umzuknicken und sich zu verletzen, aber wenn man das oft macht, stärkt das die Bänder. Für die Kraftausdauer renne ich gerne den Berg rauf und runter. Nichts besonderes. Und wer ins Fitnessstudio geht, sollte nicht nur den Bizeps aufpumpen, sondern mehr für den Rumpf tun.

Was haben Sie noch für sportliche Ziele?

Ich würden gerne mal beim Ironman in Hawaii starten, dann aber erst in der Altersklasse 50+. Ansonsten könnte ich mir vorstellen, die Straße von Gibraltar zu durchschwimmen oder den Ultratrail du Mont Blanc zu absolvieren. Große körperliche Herausforderungen reizen mich. Aber ich habe nichts geplant. Das ist alles für den Hinterkopf.

Nichts geplant für dieses Jahr?

Mein Traum war immer, mal bei Olympia zu starten, aber in diesem Jahr wird es wohl knapp (lacht). Mitte Oktober würde ich gerne mit meinem Team von der LG Olympia Dortmund bei den Deutschen Marathonmeisterschaften in München mitlaufen. Drei Tage vor dem Rennen schreibe ich aber mein Examen. Das wird eng.

 

 Interview: Frank Joung

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