Gerolsteiner Brückenlauf des ASV Köln: Nur mit Wasser läuft's

Geschrieben von: Anita Horn
anita horn anna lisa hahner

Heißes Spätsommerwetter ließ bereits im Vorfeld alle Bestzeiten-Visionen schmelzen. Aber darum ging es beim 35. Gerolsteiner Brückenlauf des ASV Köln auch gar nicht. Es ging um Spaß. Achilles-Autorin Anita war dabei. Hier ihre erfrischenden Eindrücke von einem heißen Lauf.

Bereits vor dem Lauf haben alle Durst

Puh, war das heiß! Die Sonne kannte kein Erbarmen. In meiner bescheidenen Freizeitsportkarriere musste ich bislang bei einem Lauf-Event noch nie gehen, aber am Sonntag, bei den rund 15 Kilometern beim Gerolsteiner Brückenlauf musste ich gleich mehrfach anhalten.

Okay, das diente auch meinen kurzen Interviews mit dem Publikum und den anderen Läufern. Aber die zwei Hauptgründe waren: Trinken – Pipipause. Immer schön abwechselnd. Ich bin fast nicht zum Laufen gekommen, so beschäftigt war ich mit Nachfüllen und Austreten. Die Hitze, ihr wisst schon.

Bereits vor dem Lauf hatten alle Durst. Wir waren fast 3.000 Läuferinnen und Läufer – und dachten alle vor dem Start am Sport- und Olympiamuseum im Rheinauhafen nur an eins: WASSER! Es floss aus allen Richtungen – aus den Startbeuteln, dem Wasserhahn und dem eigens mitgebrachten Kontingent.

Bereits bei KM 3 wollte ich am liebsten in den Sitzstreik treten. Auch zwei Mitstreiter neben mir ächzten schon nach wertvollem Nass – und liefen mit verzerrtem Lächeln über die Brücken. Wobei die vier Brücken auf der Strecke nicht das eigentliche Problem waren, sondern im wahrsten Sinne des Wortes die "Höhepunkte". Das hieß eben auch: Man muss da rauf – also: Treppen steigen. Stufe für Stufe der Sonne entgegen. Und warme Luft steigt bekanntlich nach oben.

Fotos von Anitas GoPro-Kamera

Trotz Gehen lag mein Puls schon bei 167 Schlägen – im Schnitt! Eigentlich, dachte ich, bin ich ganz gut im Training. Aber: Nicht jammern, das Motto war ja #runwithasmile – also lächeln :)

Dabei war ich am Vortag nicht einmal Karneval feiern. Ja, ganz richtig – hier feiert man nicht Mid-Sommer, sondern Mid-Karneval. Der ein oder andere Läufer und auch einige jubelnde Jecken im Publikum hatten tatsächlich noch die Pappnasen auf.

Ich lernte Uli kennen. Der Kölner Jung hatte beide Anlässe wahrgenommen und legte am Rheinufer deshalb auch erstmal ein lockeres Päuschchen ein. Wir redeten kurz. Er konnte die erste Gerolsteiner-Verpflegungsstation kaum erwarten. Die kam vor der Hohenzollernbrücke mit den vielen Schlössern. Und war heiß begehrt. Ich fühlte mich wie bei meinem ersten Ultralauf meines Lebens – auch ein schönes Gefühl.

Wasser in die Luke, Wasser in den Nacken, Wasser ins Gesicht und nochmal was nachladen. Die Helfer hatten wirklich alle Hände voll zu tun. Was für eine Erfrischung! Aber schon am Ende der Brücke war das köstliche Nass leider schon wieder komplett verdampft. Ergo: Wir mussten es irgendwie bis zur nächsten Wasserstelle schaffen. Also Treppen runter, in der prallen Sonne am Rhein entlang Richtung Mülheimer Brücke.

Immer mit dem Ziel vor Augen: Wasser! Und Schatten!

Auf den Bänken am Streckenrand saßen, winkten und lachten zahlreiche Zuschauer. Zum Teil mit Regenschirm, um sich die Sonne vom Leib zu halten. Zum Teil mit Eis in der Hand. Ein harter Job, gestand mir Zuschauer Paul grinsend. Der Ur-Kölner lächelte mich so freundlich an, dass ich mich kurzerhand ein paar Minuten zu ihm setzte. Ihm sei ziemlich warm, gestand er mit gespielter Anstrengung. Und der Weg mit dem Fahrrad bis an die Laufstrecke fand er auch sehr mühsam. Dann nahm er einen großen Schluck aus seiner Wasserflasche. Das war zuviel für mich. Ich musste weiter. Immer mit dem Ziel vor Augen: Wasser! Und Schatten!

Die Hahner-Twins Anna und Lisa hatten es vor dem Lauf von der Bühne aus allen Starterinnen und Startern geraten: Trinkt viel Wasser, sagten sie. Das werde heute anstrengend aufgrund der Hitze. Und sie hatten Recht. Selbst mit Päuschen und Pläuschchen war jeder Schritt eine echte Herausforderung.

Der Asphalt auf der Mülheimer Brücke flirrte und auch die ehrgeizigsten Mitstreiter merkten spätestens bei KM 9: Bestzeit läuft heute keiner mehr. Ab hier wurde es lockerer, man plauderte und half sich gegenseitig beim Wasser-Einschenken. Denn der Zeitdruck war verflogen – wie das Nieselwasser aus der Gerolsteiner Regendusche. Ich glaube, selbst in drei Stunden darunter wäre ich nicht ansatzweise durchnässt gewesen.

Egal, jetzt war es ja nicht mehr so weit. Wir mussten nur noch vorbei an all den chillenden Leuten auf ihren Picknickdecken, den Jungs und Mädels in Badeklamotten, die das Rheinufer in einen ellenlangen Strand verwandelten, an den Eis schleckenden Kindern und Schatten suchenden Spaziergängern. Ein Kinderspiel. Nur noch fünf Kilometer.

Immerhin lernte ich jetzt alle paar Meter neue Leute kennen. „Heiß, was? – Ach Quatsch. Ich hätte gerne einen Tee." Gut, dass sich Richtung Innenstadt das Publikum wieder verdichtete. „Wahnsinnsleistung! Ihr seht spitze aus!", rief einer. War zwar gelogen, aber danke, Fremder. Es half.

"Wieso liege ich eigentlich nicht am See?"

Und plötzlich war sie da: die letzte Brücke. In Deutz ging es noch einmal über den schillernden Rhein. Ich hatte jetzt nicht mehr nur Brand, sondern auch Sonnenbrand. Wirklich viel Schatten konnte ich auf der Strecke außer in den Büschen leider nicht ausmachen.

Alexandra, die eine Weile neben mir lief, fand zum Glück doch noch welchen: „Wir haben echt einen großen Schatten, hier heute mitzumachen", scherzte sie. "Wieso liege ich eigentlich nicht am See?" Ganz einfach. Weil es richtig Spaß macht, mit so vielen Jecken eine solche Sache zu meistern.

Auf der Deutzer Brücke traf ich Pappnasen-Uli wieder, wir hatten noch Zeit für ein schnelles Selfie vor dem Kölner Dom und dann ging es in den "Endspurt": langsam, aber sicher. Vorbei am Schokomuseum, über Kopfsteinpflaster geradezu auf den Zielbogen.

Geschafft! Hier gab es Applaus, Schatten – und Wasser. Was will ein Läuferherz mehr? Ganz klar, noch mehr Wasser! Und vielleicht ein bisschen Quark gegen den Sonnenbrand. Meine Schultern glühten. Unser Stolz aber auch. Finished. Der 35. Gerolsteiner Brückenlauf war heiß, aber auch ziemlich cool.

Fotos vom Gerolsteiner Brückenlauf

 

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