Road to Roth (4) : Trainingslager auf Mallorca - "Catwalk für Rennradfahrer"

Guido geht dieses Jahr bei der Challenge Roth an den Start. Er ist top motiviert, seinen Traum zu verwirklichen – auf geht's: Zehn Tage ins Trainingslager nach Mallorca. Der vierte Teil seines "Road to Roth"-Blogs.

"Nichts wie weg in den Frühling" - 10 Tage Trainingslager auf Mallorca

Als im Herbst die Einladung der Berliner Triathlon Union an die Kaderathleten kam, über Ostern ins Trainingslager zu fahren, bei dem mein Sohn sowieso dabei ist, kam mir sofort der Gedanke mich dort dranzuhängen. Und wieder meinte es das Trainingsglück gut mit mir und es war noch ein Platz im Bungalow frei.

Die Zeit verging wie im Flug und nachdem die Taschen mit Material für die drei Sportarten sowie massenweise Riegel und Gels gepackt waren, ging es in großer Gruppe der Berliner Triathlon Union plus einigen Familien meines Vereins die Weltraumjogger Berlin und vom TUS Neukölln eine Woche vor Ostern für zehn Tage nach Mallorca.

Das Wetter konnte passender kaum sein. Unmittelbar zum Abreisetag stürzten die Temperaturen in Deutschland in den Keller. Also nichts wie weg in den Frühling.

Kaum angekommen am riesigen Flughafen von Malle merkt man, dass man mit seinem Vorhaben nicht allein ist. Spätestens im Norden der Insel in Alcudia und Can Picafort wird man erfasst vom Sportsgeist, der zu dieser Zeit auf Mallorca, der sonstigen Partyinsel, herrscht.

Radkoffer und am Handgepäck baumelnde Radhelme verraten, dass sich hier gefühlt jeder zweite deutsche Triathlet auf die Saison vorbereitet.

Unser Hotel Valentin Playa de Muro in Can Picafort liegt direkt im Naturschutzgebiet und die Straße zwischen Alcudia und Can Picafort gleicht einem Catwalk für Rennradfahrer. Der 25m Pool und die Strandpromenade sowie ein Pinienwäldchen runden die optimalen Trainingsbedingungen ab.

Fotostrecke: Impressionen vom sonnigen Trainingslager

(Alle Fotos: Guido Kleemann)

"Belastung, Entlastung, Athletik, Dehnen, Ausruhen und: ganz viel Essen!"

Und so fühlt man sich nun ganz profi-like und kümmert sich nur um seinen Sport - Belastung, Entlastung, Athletik, Dehnen, Ausruhen und: ganz viel Essen! Alle Alltagsprobleme habe ich zu Hause im winterlichen Berlin gelassen. Keine Arbeit, keine Entschuldigungen mehr bei den Liebsten wegen verschobener Termine aufgrund überzogener Radausfahrten.

Keine Vorhaltungen weil man mal wieder nicht wie der Rest der Familie in der Familienkutsche zu Besuch oder zum Spaziergang fährt, sondern dort verschwitzt mit dem Rad oder laufend ankommt. Hier auf Malle ist das Leben unter Gleichgesinnten ganz einfach und der Geist ist frei für jeden Kilometer – fast wie auf Drogen.

Die nächsten Tage hänge ich mich mal an die Berliner Triathlon Union - Trainingsgruppe oder mache meine Ausfahrten auf eigene Faust. Mein Ziel: Trainingskilometer und Höhenmeter in die Beine zu bekommen ohne zu übertreiben. Denn die Radkilometer, die ich in Berlin bisher gesammelt habe, sind sicherlich keine optimale Vorbelastung für das anstehende Programm.

Es folgen in den ersten Tagen Eingewöhnungstouren mit zunehmendem Berganteil. Als schöne Abwechslung wird ab und zu ein Kaffeestopp eingelegt. Hierzu laden unzählige Bars und Cafés in allen Orten der Insel ein, was allerdings anscheinend auch von allen Radfahrern auf der Insel wahrgenommen wird.

Den Rekord nahm eindeutig ein Café auf dem Marktplatz von Petra ein. Hier versorgen ein Dutzend Cafés auf der Größe eines halben Fußballfeldes gefühlt etwa 5000 Radfahrer. Da wurde die Pause schon mal auf 1,5 Stunden ausgedehnt bis endlich der Café con Leche mit Erdbeerkuchen serviert war. Aber ein bisschen sind wir ja auch im Urlaub.

So vergehen nun die Tage mit morgendlichen Läufen anschließenden Radausfahrten und abendlichen Schwimmeinheiten abgewechselt mit Koppeleinheiten. Vor dem Abendessen noch die Muskeln über die Rolle malträtiert damit der nächste Tag nicht ganz so schmerzhaft wird und zwischendrin noch Athletik eingebaut.

Das alles in einem Rhythmus drei Tage Belastung, ein Tag Entlastung. Schwimmen ist und bleibt meine unbeliebteste Disziplin und fällt deshalb etwas geringer aus.

"Ich fühle mich fast schon, als sei ich im Wettkampf"

Das Wetter spielt mit. Bei täglichem Sonnenschein und 21-24 Grad genießen wir es kurz/kurz zu fahren und beim Buffet morgens und abends gibt es kein Halten mehr. Hier trifft man Finishershirts aus aller Welt an und an den Tischen gibt es meistens nur ein Thema: den sport. Da pralt man mit der Statistik des Tages, mit den Zeiten für bestimmte Bergpassagen oder auch gerne die gefahrenen Höhenmeter.

Und tatsächlich kommt da einiges Zusammen. In der Gruppe fahren wir am dritten Tag zum Kloster Ljuc und drei Tage später zum Kap Formentor. Beeindruckende Landschaften bleiben ebenso in Erinnerung wie harte Bergpassagen und schnelle Intervalltrainings.

Auf eigene Faust fahre ich nach Sa Calobra und freue mich über ein Bergzeitfahren von der Bucht bis zum Col de Reis in 40 Minuten. Stolz bin ich auch auf den allein gefahrenen so genannten Küstenklassiker an einem Tag über die Berge von Pollencia bis Andratx mit insgesamt 222 Kilometern und 3170 Höhenmetern in 10,5 Stunden.

Aber immer bleibt auch noch Zeit, die wunderbare Landschaft zu genießen. Und wenn dann nach einer 150 Kilometern Radausfahrt über den Orient noch 13 Kilometer Koppellauf auf der Strandpromenade oder direkt am Strand folgen, fühle ich mich fast, als sei ich schon im Wettkampf.

Leider ist aber auch diese Zeit irgendwann zu Ende und schließlich summieren sich die Trainingseinheiten auf insgesamt:

  • 1100 Radkilometer (12650 Höhenmeter)
  • 82 Laufkilometer
  • 8 Schwimmkilometer

Beeindruckende Zahlen – finde ich. Und meine Knochen, Muskeln, Bänder und Sehnen haben brav mitgespielt. Zurück in Berlin heißt es erst einmal etwas Umfänge rausnehmen und ein bisschen Zeit nehmen für die armen bei Graupelschauer und winterlichen Temperaturen Daheimgebliebenen.

Nun geht es in die Heiße Phase mit großen Umfängen und intensiven Belastungen. Mallorca war nur der Anfang jetzt heißt es dranbleiben. Wie und ob mir das gelingt erfahrt Ihr im nächsten Blog.

 

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