AOK-Heldenstaffel: "Laufen hilft, mich zu befreien"

Vor einem Jahr feierte die AOK-Heldenstaffel mit Micha Klotzbier ihre Premiere.  Beim Frankfurt-Marathon am 29. Oktober 2017 wird es jetzt erstmals zwei Heldenstaffeln geben: Die AOK Nordost und Micha Klotzbier schicken Läufer auf die Strecke, die bei ihrem Kampf gegen Herausforderungen und Lebenskrisen das Laufen als wichtige Motivation und Begleiter entdeckt haben.

Wenn Astrid Maas im Bus sitzt, ist sie selten allein. Astrid ist Busfahrerin und ihre Stammgäste sind von besonderem Kaliber. Sie chauffiert die Fan-Ultras des Fußball-Bundesligisten SV Werder Bremen zu Auswärtsfahrten.

„Das ist schon Hardcore“, sagt sie und es bedarf etwas Vorstellungskraft, wie die zierliche Frau Fußball-Fans zähmt. „Ich wiege zwar unter 60 Kilo, kann aber sehr laut sein“, so die 40-Jährige aus dem niedersächsischen Twistringen unweit von Bremen. Durchsetzungsvermögen hat sie also.

Das braucht Astrid auch zuhause: Als alleinerziehende Mutter dreier Kinder kommt sie manchmal ins Grübeln, was fordernder ist: Ein Bus voller Fußball-Fanatiker oder ein Heim mit drei Teenagern. 12, 13 und 15 Jahre sind ihre beiden Söhne und ihre Tochter.

„Das ist schon eine Hausnummer“, sagt Astrid. Ihr Gegenmittel, wenn es mal zu bunt und zu viel wird: Laufen! „Das hilft mir, raus- und runterzukommen, alles hinter mir zu lassen und mich zu befreien.“ Sie mag das Alleinsein beim Laufen, „weil das sonst kaum möglich ist.“

Früher hat Astrid Volleyball gespielt, recht ambitioniert sogar und schaffte es immerhin bis in die Landesliga. „Das war mein Leben, ich habe sehr daran gehangen.“ Dann ging das Knie kaputt. Vorbei mit Volleyball.

Das Laufen entdeckte sie nach der schwierigen Trennung von ihrem Mann. Das ist jetzt vier Jahre her. „Ich musste raus damals, mit und bei mir sein“, beschreibt die Busfahrerin ihre Lauf-Anfänge. Ihr Orthopäde sei wegen des lädierten Knies skeptisch gewesen, aber sie ließ nicht aufhalten.

„Heute ist das Knie besser als vorher“, freut Astrid sich über den Effekt der Lauf-Bewegung. Ihren ersten Marathon ist so noch gewalkt, 2015 lief sie ihren ersten Halbmarathon. Ihr neuer Lebenspartner wurde auch zum Laufbegleiter. Er: Ultraläufer. Sie: Anfängerin. „Er hat mich gepackt und mir gezeigt, dass Laufen auch etwas für mich ist.“

Etwas anderes zu machen - umzuschulen -, wenn es etwas Bewährtes oder Ursprüngliches nicht mehr geht, kennt die heutige Busfahrerin. Eigentlich wollte sie Buchhändlerin werden, hat eine Ausbildung als Diplom-Bibliothekarin gemacht. „Aber ich habe damit keinen Job gefunden“, erzählt sie. Auf dem Arbeitsamt haben sie ihr eine Umschulung empfohlen – zur Busfahrerin. Viereinhalb Monate Theorie und dann Praxis.

„Das war eine völlig fremde Dimension“, beschreibt sie die ersten Versuche, „einen 13 Meter langen Bus um die Ecke zu kriegen.“ Inzwischen lenkt Astrid Maas die 400 PS sicher durch die ganze Republik. „Es ist eine riesige Verantwortung und viel Kopfarbeit.“. Um den Kopf freizukriegen, läuft sie. „Das hält mich vom Denken ab.“

 

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