Survival-Trainer: "Der Ruf der Wildnis... wie Rambo durch den Wald rennen"

Geschrieben von: David Bedürftig

Viele erkranken heute an zu viel Digitalität und Komfort – in der Natur können wir uns wieder erfüllt fühlen, sagt US-Survival-Trainer Creek Stewart. Ein Interview über die Entfremdung von der Natur, den größten Fehler und die wichtigste Fähigkeit in der Wildnis.

Achim-Achilles.de: Hallo Creek, bist du ein MacGyver-Fan?

Creek Stewart: Als Kind habe ich die TV-Serie geliebt, ich bin damit aufgewachsen.

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"In der Natur brauchst du: Feuer, Schutz, Wasser und Nahrung"

Du baust zum Beispiel einen Strohhalm in einen Fischköder um und nutzt so, ähnlich wie der TV-Star, Alltagsgegenstände, um dir in schwierigen Situationen zu helfen.

Genau, "survival"- also die Überlebenskunst, die ich lehre - hat sehr viel mit Improvisation und Kreativität zu tun. Du benutzt, was du hast, um zu bekommen, was du brauchst. Um mich herauszufordern, bin ich immer wieder in die Natur gegangen mit nur drei von den vier überlebenswichtigen Dingen: Feuer, Schutz, Wasser und Nahrung. Das jeweils Fehlende musste ich dann immer finden. Da lernst du, innovativ zu sein.

Seit 21 Jahren bringst du Menschen bei, in der Natur zu überleben: Was fasziniert deine Schüler an „survival“?

Sobald du aus deiner Komfortzone heraus trittst, passieren gute Dinge. Viele meiner Kursbesucher wollen aus ihrer Routine heraus. Die Natur lädt ihre leergesaugten Akkus wieder auf, indem sie den Stecker ziehen. Raus aus der Alltagsumgebung, raus aus dem Büro, raus aus der Stadt. Heute kommen wir überhaupt nicht mehr in Kontakt mit der Natur, haben keine Ahnung von grundlegenden Survival-Kompetenzen und bezahlen Leute für Wasser, Essen und Unterkunft. Der Ruf der Wildnis ist etwas Besonderes und lehrt dich, einfache Dinge zu schätzen.

"Wirklich für sich selbst zu sorgen, ist ermächtigend"

Was genau macht den Ruf der Wildnis aus?

Zeit in der Natur zu verbringen, ist immer gesund – das ist mein körperliches Training. Survival-Trips schärfen deine Sinne, deine Muskeln und deine Disziplin. Außerdem erfüllt es dich nicht, den Wasserhahn zu öffnen, um Wasser zu trinken oder Essen aus der Mikrowelle zu holen. Baust du aber in der Natur deinen eigenen Unterschlupf, entzündest ein Feuer und suchst dir Wasser und Essen, gehst du mit einem unglaublich erfüllten Gefühl schlafen: Ich habe etwas geleistet. Wirklich für sich selbst zu sorgen, ist sehr ermächtigend. So gemütlich, wie viele es dann gerne auf Instagram darstellen, ist es allerdings nicht.

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Ist es nicht sehr unwahrscheinlich, überhaupt mal in so eine Extremsituation zu geraten?

Ich habe eine TV-Show, in der wir Überlebensszenarien analysieren, die wirklich passiert sind. Nehmen wir beispielsweise immer öfter auftretende Naturkatastrophen. Sie können Menschen aus dem Nichts aus der modernen Gesellschaft in ein solches Szenario werfen. Grundlegende Survival-Kompetenzen werden also immer wichtiger: Nicht für drei Wochen in der wilden Natur, aber für das Überleben von kurzzeitigen Extremsituationen von ein paar Stunden oder Tagen, die immer wieder passieren.

"Wie Rambo durch den Wald rennen"

Ist so ein Survival-Kurs nicht trotzdem eher etwas für Menschen, die ihrem inneren Kind etwas zu spielen geben wollen und Lust auf Abenteuer haben?

Survival macht auch Spaß. Und wenn ich ehrlich bin, wollte ich anfangs auch nur wie Rambo durch den Wald rennen (lacht). Was ich aber lehre: echte Kurzzeit-Szenarios, echte Fähigkeiten. Es ist wie beim Laufen – du kannst einen Marathon im Kopf so oft laufen wie du willst, aber für einen echten musst du viel üben. Aber klar, andere Teile der Survival-Industrie leben von dieser Kindheitsfantasie oder auch von Ängsten rund um Verschwörungstheorien und angeblichen Bedrohungen aus dem All.

Wie lange würde ich als verwöhnter Durchschnittseuropäer denn in einem Überlebensszenario durchhalten?

Die Meisten denken als erstes: Wie soll ich bloß Essen in der Natur finden. In Extremsituationen können Menschen aber drei Wochen ohne Essen überleben, aber nur drei Stunden ohne Schutz und drei Tage ohne Wasser. Um diese drei Dinge zu finden, brauche ich natürlich bestimmte Kompetenzen. Diese kann ich nicht intuitiv, ich muss sie lernen. Ein Durchschnittseuropäer würde also nicht sehr lange in extremen Bedingungen – in der Wüste oder im Schnee etwa – überleben. Maximal ein paar Tage.

"Der simpelste Trick? Vorbereitung"

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Welche Fehler begehen Menschen am häufigsten in Notsituationen?

Sie irren umher. Man sollte erst mal bleiben, wo man ist und auf Hilfe warten. Bewegt man sich fort, kann man sich verletzen und noch mehr verlaufen und ein bewegliches Ziel wird natürlich schwieriger gefunden. Aber auch wenn ich an einem Ort bleibe, brauche ich Fertigkeiten, um für Schutz, Wasser und Essen zu sorgen.

Viele Survial-Anleitungen klingen ungemein kompliziert: Welcher ist der wichtigste Skill?

Feuer machen. Feuer hält dich warm und du brauchst erst mal keine Unterkunft. Es säubert unreines Wasser, kocht Nahrung und spendet Licht in der Nacht. Wenn du aber in den Wald gehst und zwei Stöcke aneinander reibst, kannst du lange auf Funken warten. Das braucht jahrelange Übung und gute äußere Umstände. Ich unterrichte sowas nur, damit die Leute realisieren, dass sie niemals in eine Situation geraten sollten, in der sie auf diese Kunst angewiesen wären.

Und der simpelste Trick?

Vorbereitung. Ich lehre immer, dass man einen Notfallrucksack mit Wasser, Essen, Messer und Feuer Zuhause oder auf einem Trip dabei haben sollte.

Alle Fotos: Creek Stewart

 

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Zur Person: Creek Stewart, Jahrgang 1976, wurde in Indiana, USA geboren und lehrt seit 21 Jahren Survival-Kurse, in denen er Menschen beibringt, in Extremsituationen zu überleben. Auf dem deutschen Buchmarkt erschien jüngst sein Buch "Survival Basics - 365 Überlebenstechniken für den Ernstfall".

 

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