Ingalena Heuck: "Laufen ist nicht nur Körper"

Geschrieben von: Wendelin Hübner

Sie ist eine der größten Nachwuchshoffnungen unter Deutschlands Läuferinnen: Ingalena Heuck, mehrfache Juniorenmeisterin auf Langstrecken. Im Interview zeigt sich die 23-Jährige als eine Frau, die über Sport und Bestzeiten hinaus denkt.

Achim-Achilles.de: Ingalena, Sie sind gerade zurück aus dem Trainingslager in Marokko. Wie waren die drei Wochen dort?

Ingalena Heuck: Ich war in Ifrane, das liegt auf rund 1800 Metern im Atlasgebirge. In die kleine Stadt kommen viele Sportler aus Europa, Franzosen, Tschechen, aber auch die marokkanische Nationalmannschaft trainiert hier. So ein Trainingslager bedeutet Effektivität gekoppelt mit Spaß und Genuss.

Achim-Achilles.de: Genuss im Trainingslager? Das müssen Sie erklären.

Heuck: Ich genieße es, raus zu kommen, ein neues Umfeld zu haben, eine fremde Kultur kennenzulernen. Dazu gehört, nach einem harten Training vor dem Haus zu sitzen und bei einer Tasse Schokolade die Menschen zu beobachten. Oder in unserem Quartier mit den marokkanischen Köchinnen zu reden und über ihr Leben zu erfahren. Wenn man hört, wie hart das Leben woanders ist, reflektiert man erst, wie gut es uns geht in Deutschland.

Achim-Achilles.de: Und was sind die unangenehmen Momente eines Trainingslagers?

Heuck: Wenn man schon viel trainiert hat, und es stehen noch zwei Mal 15 Minuten im Wettkampftempo auf dem Plan. Das tut richtig weh. Auf einen langen Dauerlauf mit einem guten Essen hinterher freue ich mich dagegen immer.

Achim-Achilles.de: Trainieren Sie anders, wenn Sie zu Hause in München sind?

Heuck: Ich studiere Sportwissenschaften und muss meine Trainingseinheiten dem Stundenplan anpassen. Klar, dass darunter die Umfänge und die Qualität des Trainings leiden. Andererseits habe ich hier die Möglichkeit, Alternativtraining zu machen, zum Beispiel Aqua-Jogging.

Achim-Achilles.de: Ihre Kommilitonen taumeln wahrscheinlich gerade aus den Nachtclubs nach Hause, während Sie schon wieder trainieren. Müssen Sie viel verzichten?

Heuck: Ich sage nicht, ich bin Leistungssportlerin und lebe deshalb nach ganz strengen Regeln. Ich esse auch schon mal Schokolade oder gehe ausnahmsweise bis drei Uhr früh mit meinen Freunden aus. Das brauche ich für die Psyche und damit mir der Spaß am Sport nicht verloren geht.

Achim-Achilles.de: Bei welchen Wettkämpfen kann man sich in diesem Jahr mit Ihnen messen?

Heuck: Am Wochenende starte ich bei den Deutschen Halbmarathon-Meisterschaften in Bad Liebenzell, zwei Wochen später sind die Deutschen Meisterschaften über 10.000 Meter in Ohrdruf. Hobbyläufer können mich im Mai beim Avon-Frauenlauf in Berlin treffen oder beim München-Marathon im Oktober.

Achim-Achilles.de: Welche großen Ziele haben Sie mit Ihrem Sport? Olympia? Weltmeisterschaften?

Heuck: Es ist natürlich ein Traum, 2012 oder 2016 einen Olympia-Marathon zu laufen. Ich möchte aber auch über den Sport hinaus etwas bewegen und den Menschen zeigen, dass Laufen nicht nur zu körperlicher Gesundheit beiträgt, sondern auch zur Charakterbildung.

Achim-Achilles.de: Sie verstehen sich als Botschafterin?

Heuck: Das ist jetzt ein etwas zu großes Wort. Aber das Laufen hat viele Aspekte, die über das rein Sportliche hinausweisen: Laufen ist das schönste Gefühl von Freiheit, es ist Willensschulung, es hat eine soziale Komponente, es fordert die Auseinandersetzung mit der Umwelt ...

Achim-Achilles.de: Wie meinen Sie das?

Heuck: Jemand, der durch den Wald läuft, sieht den Müll, der dort vielleicht rumliegt – im Gegensatz zu demjenigen, der mit dem Auto vorbei rauscht. Laufen schafft Bewusstsein, es reduziert sich nicht allein auf den Körper, auch der Kopf gehört dazu.

Die Fragen stellte Wendelin Hübner

 

Fotostrecke: Ingalena Heuck

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