Ich bin dann mal wandern – einmal über die Alpen

Geschrieben von: Lina Luftig

Lina Luftig ist wieder unterwegs. Diesmal möchte sie in Wanderschuhen die Alpen überqueren. Dabei geht es ihr nicht um Temporekorde oder andere ehrgeizige Ziele, sondern um die Kraft der Ruhe. Die Höhe und Weite der Berge erden sie. Doch vorher muss sie genau überlegen, was sie in ihren Wanderrucksack einpackt.

Es gibt Menschen, die sich im Urlaub an den Strand legen. Sie lassen sich die Sonne auf den Bauch scheinen und zelebrieren das süße Nichtstun. Zu diesen Leuten zähle ich definitiv nicht. Ganz im Gegenteil, dieses zwei Wochen Rumgedöse ist eine Horror-Vorstellung für mich. Ich schnalle mir lieber meine Wanderschuhe unter und los geht's.

Diesen Sommer steht ein lang gehegter Wunsch auf dem Programm: Es geht einmal über die Alpen in sechs Tagen, von Oberstdorf nach Meran. Für Münchner ist das fast ein Klassiker, den gefühlt jeder einmal zumindest mit dem Rad gemacht hat. Erzähle ich das meinen Freunden aus dem Norden, ernte ich allerdings fast jedes Mal entsetzte Emotionsausbrüche à la „Ist das nicht viel zu gefährlich? Du traust dich was", „Du, über die Alpen? Niemals!" und auch schön „Du könntest auch einfach mit der Bahn fahren, da bist du schneller." 



Zu Fuß über die Alpen – Warum eigentlich?

Mein Ziel ist es natürlich nicht, möglichst schnell von A nach B zu kommen, sondern hier ist tatsächlich der Weg das Ziel.
Wie ich darauf komme? Ganz einfach: Eines schönen Tages, ich verweilte gerade auf einem Gipfel in den Münchner Hausbergen (siehe Foto), da kam mir die Idee, eine Hüttentour zu machen. Eine längere. Da die Alpen quasi vor meiner Haustür liegen, war das Ziel auch schnell klar. Und schon war der Wunsch gesät.

Auf dem Gipfel entstand die Idee

Bergerfahrungen sind einfach immer ganz etwas ganz Besonderes. Nach einer Tagestour mag ich meistens gar nicht mehr zurück, so schnell vergeht die Zeit. Du bist einfach sofort raus, aus der trubeligen Stadt, den stressigen Alltagsgedanken, den ständig bimmelnden Telefon, und genießt nur noch die Ruhe. Na gut, in den Münchner Hausbergen muss man schon früh aufstehen, um halbwegs Ruhe zu haben. Auf die Idee kommen nämlich auch noch 1.000 andere Wanderbegeisterte.

Aber trotzdem, allein das tolle Bergpanorama bringt dich auf ganz andere Gedanken, fernab des üblichen Alltagsthemen.

Ein paar mehrtägige Hüttentouren und den Weitwanderweg GR20 auf Korsika habe ich bereits hinter mir. Jedes Mal fiel mir ein gewisses Schema auf: An Tag 1 habe ich mich noch nicht an das Gepäck und die Strapazen gewöhnt und frage mich immer, warum ich nicht einfach auch nur zum Wellness gehen kann.

Der Flow hält länger an als beim Laufen

Denn soviel ist klar – körperlich anstrengend ist die ganze Sache allemal, da brauchen wir uns nichts vormachen. Aber bereits an Tag 2 gehören die zweifelnden Gedanken schon wieder der Vergangenheit an. Durch das viele Laufen und die zahlreichen Höhenmeter konzentriere ich mich zwangsweise irgendwann auf das Wesentliche: Heil ankommen, Kräfte vernünftig einteilen, auf den Weg achten bei gleichzeitiger Beachtung der tollen Kulisse, Schlafunterkunft herrichten und Essen suchen.

Um mehr geht's auch schon gar nicht. Es gibt keine To-Do-Listen, die nie kürzer werden, keine langwierigen Meetings. Es gibt nur dich, die Natur und deine Mitwanderer. Irgendwann kommst in den Flow, nur anders als beim Laufen hält er länger an. Noch weit über die Wanderung hinaus. Mich erden diese Touren, pusten den Kopf so richtig schön frei und zeigen mir, worauf es wirklich ankommt im Leben.

Auf der nächsten Seite: Was Lina in ihren Wander-Rucksack packt – Jedes Gramm zählt

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