Bose Freestyle Earbuds im Test: Lose Verbindung

Geschrieben von: Jörg Donner

Rutschende Kopfhörer machen mich wahnsinnig. Von Liebe auf den ersten Blick kann beim Bose Freestyle Kopfhörer deshalb nicht unbedingt die Rede sein. Aber manche Beziehung braucht ja eine Weile, um sich zu entwickeln – und kann dann durchaus glücklich sein.

Meine Ohren sind verknallt. Nicht so richtig verliebt mit ewiger Treue und „keine anderen mehr“. Eher „so lass uns mal schauen, das könnte was werden“.

Erster Eindruck

Dabei war die erste Begegnung mit den Freestyle Earbuds von Bose nicht unbedingt der Knaller. Die Silikon-Ohrstücke mit den Flügelchen fassten sich angenehm an. Der Sitz war recht ordentlich, wenn auch nicht so eng, wie ich das aus meinen bisherigen Beziehungen mit Ohrkanalhörern kannte. Aber für einen Ohrhörer, der nur mittels einer Art Trichter in den Hörkanal ragt, machte der Freestyle seine Sache ganz gut.

Der optische Eindruck war ebenfalls positiv: farbig, in „eisblau“, nicht zu groß, nicht zu klein, ganz schick, wie sie da lagen, in der schlichten Verpackung. Während man bei Kopfhörern anderer Hersteller manchmal schon beim ersten Date an der Plastikhülle scheitert (Philips) oder Angst haben muss, dass der Karton teurer ist als der Inhalt (beats), ist bei Bose alles stimmig: Ohne Schi-schi und leicht zu öffnen, dafür mit allem, was man braucht. Neben dem Headset und Silikonaufsätzen in drei Größen liegt noch ein – relativ großes – Etui und ein Ansteckclip im Karton.

Liebesgeflüster im Ohr

Die Ernüchterung kam dann beim ersten Tanz. Ständig hatte ich das Gefühl, die Earbuds würden sich meinen Ohren entziehen. Immer wieder lockerten sie ihren Sitz, da halfen auch die Flügelchen nichts. Dabei war das, was sie mir ins Ohr flüsterten durchaus spannend: druckvolle Bässe, ansprechende Höhen, heiße Rhythmen.

Nur eben dieses Gefühl der Unsicherheit. Bis ich irgendwann nicht mehr konnte, keine Lust mehr hatte auf dieses ständige Nachjustieren. Und plötzlich wurde es interessant. Denn so unnahbar, wie sie ständig taten, waren die Freestyle Earbuds gar nicht, im Gegenteil: Als ich ihnen Raum ließ, wurde die Beziehung wesentlich angenehmer. Oder anders ausgedrückt: Plötzlich verstanden wir uns blind.

Kein Rumgezuppel mehr, keine Maximalausbeute an Klang und Lautstärke, statt dessen selbstverständlicher Tragekomfort, kaum dass sich meine Ohren der Anwesenheit bewusst wurden. Und auch meine Finger spielten plötzlich mit: An der Fernbedienung mit großen Tasten und gutem Druckpunkt. Am stabilen Kabel, das sich Y-förmig teilt und trotzdem nicht ständig beim Laufen ins Gesicht wippt, wie ich das von anderen Beziehungen kannte.

Zuneigung geht durch den Geldbeutel

Wie frisch verliebt hingen wir ständig aneinander, verbrachten viel Zeit zu zweit. Dass der Stecker der Earbuds nicht gewinkelt sondern gerade ist und daher langfristig beim Tragen in der Bauch- bzw. Hüfttasche einen Kabelbruch erleiden wird – was soll’s. Für den Moment sind wir glücklich.

Auch wenn die Beziehung ganz schön ins Geld geht: 130 Euro sind schließlich kein Pappenstiel. Aber wenn man bedenkt, dass die Earbuds auch im Zug ein angenehmer Begleiter sind oder im Auto dank des integrierten Mikros auch die Freisprecheinrichtung ersetzen, relativiert sich die Ausgabe.

Fazit: Gelegenheits-Beziehung

Ob wir langfristig glücklich werden? Vermutlich ist es keine Beziehung von Dauer. Zu sehr schränkt mich das Kabel in meiner Freiheit ein, zu lose die Beziehung mit meinen Ohren, um mich musikalisch maximal zu befriedigen.

Aber es ist eine feine Sache zu wissen, dass es da immer jemanden gibt, auf den man sich in schwierigen Situationen verlassen kann. Der einem auch im Winter unter der Mütze die Treue hält und ohne Akkuladung lange kann. Die Bose Freestyle Earbuds werden jedenfalls immer einen Platz in meinen Ohren haben. Zumindest gelegentlich.

Testbeurteilung

Verarbeitung: ++
Passform: +
Klang: ++
Zubehör: 0
Funktionalität: ++

jorg-donner-portrait-kZum Autor: Jörg Donner. Stand vor zwei Jahren noch auf Kriegsfuß mit dem Laufsport, bis der Arzt ein Schnitzelverbot aussprach. Bereitet sich jetzt auf seinen dritten Halbmarathon vor, Zielzeit unter 110 Minuten.

Technische Unterstützung ist dabei immer willkommen, solange sie funktioniert. Läuft niemals ohne Musik im Ohr und investiert deshalb mehr Geld in Kopfhörer und Gadgets als in ordentliche Laufschuhe. Dafür büßt der Familienvater regelmäßig mit Schmerzen.

 

 

Fotostrecke: Sportkopfhörer von Bose



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