Wandertour in Norwegen: Kraft im Körper, klar im Kopf

Kategorie: Lauf-Training
Geschrieben von: Aufgezeichnet von David Bedürftig

Laufen kann jeder. Mancher sieht Schneewanderungen als perfekte Alternative zum Laufen im Winter – und als Trainingseffekt für Körper und Geist. Ein Erlebnisbericht.

Deutschland bekommt so langsam aber sicher den wohlverdienten Frühling. In Norwegen sieht das noch anders aus. Meterhoher Schnee, vereiste Hütten, Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Genau mein Ding – schließlich will ich das Wandern in rauer, verschneiter Natur als Alternative zum Winterlaufen ausprobieren.

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Frau und Kind im Gepäck gönnen wir uns den letzten Luxus auf der Color-Line-Fähre von Kiel nach Oslo. Noch einmal warm duschen, noch einmal ein richtiges Bett mit Matratze. Nach 20 Stunden auf See liegt endlich Oslo weiß gepudert vor uns, zehn Tage im eiskalten Nirgendwo warten auf uns.

Bei minus fünf Grad statten uns Pulka-Bauer Alexander Bierwald  und die Jungs vom Outdoor-Laden "Piteraq - Tinder & Banditter“ mit einem Expeditionsschlitten aus. Das kleine Teil passt locker in den Kofferraum – genial. Für Polarverhältnisse ausgelegte Klamotten hatten wir uns schon in Deutschland besorgt.

Dann schnell ab gen Norden – unser Ziel heißt Rogne und liegt drei Stunden nördlich von der Hauptstadt. Minus 23 Grad herrschten dort in den vergangenen Wochen. Hoffentlich schaffen wir es, unsere Hütte noch bei Helligkeit zu erreichen.

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Kurz vor der Dämmerung stellen wir den 20-Jahre alten Volvo V70 ein Stück weit von der Hütte entfernt ab, mit dem Auto ist der letzte kleine Pfad nicht mehr zu bewältigen. Die Pulka mit mehr als 60 Kilogramm Equipment beladen, wartet die erste Trainingseinheit auf uns: Unter normalen Bedingungen dauert der Weg zehn Minuten, aber dank anderthalb Metern Schnee kämpfen wir uns über eine Stunde durch die weiße Wand.

Trotz Snow Shoes kämpfen wir ganz schön. Diese speziellen Schuhe sind dafür gemacht, auf Tiefschnee zu laufen – früher wurde dafür eine Art Tennisschläger unter Schuhe genäht. Man sinkt aber trotzdem etwa 20 Zentimeter ein – und muss die Beine immer wieder mit viel Kraft aus dem Schnee herausziehen. Ich komme das erste Mal ins Schwitzen, meine Unterschenkel melden sich stärker als bei jedem Feierabendlauf.

Dann steht endlich unsere vereiste Unterkunft vor uns. Genauso hatte ich mir das vorgestellt: eine 90 Jahre alte Hütte, ein Kamin Wohnzimmer, überall knarzt es. Und schon wartet die nächste Sporteinheit auf mich: Die Hütte ächzt vor Schneelasten und die Pinguine, die Windfächer auf den Schornsteinen, sind komplett eingeschneit, so dass ich aufs Dach klettern und die Schneemassen mit allem was ich habe entfernen muss.

Schneeschippen ist ein super Training: Vor allem meine Brustmuskel und mein Rücken werden beansprucht. Da der ganze Schnee wirklich droht, die Hütte zu erdrücken, muss auf spaßvolle sportliche Betätigung an den ersten Tagen erst mal verzichtet werden. Aber auch das Bewegen von Tonnen von gefrorenen Kristallen bringt richtig Bewegung in den Kreislauf. Ganzkörpertraining an der frischen Luft – viel besser geht es ja eigentlich nicht.

Nachdem die Gasflasche (Strom gibt es in der Hütte nicht) angeschlossen, die vereiste Tür zum Verschlag für das Feuerholz geöffnet ist und auch der Brunnen von Schnee und Eis befreit ist, können wir endlich unsere Wandertouren angehen.

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Ab in den Tiefschnee: Snow Shoes sind einfach genial und erlauben selbst bei diesen Schneemassen pure Bewegungsfreude – und man trainiert auf so einer Wanderung den gesamten Körper. Wir machen eher kurze Touren, maximal eine Stunde. Erstens ist die achtjährige Tochter dabei und zweitens können wir nicht so weit weg von der Hütte, denn im Feuer muss immer Holz nachgelegt werden, damit das Haus nicht wieder zum Eisschrank wird.

Trotzdem trainieren wir unsere Ausdauer ungemein: Mit den Schneeschuhen läuft man stets mit eine hohen Belastung und mit extremer Intensität. Es fühlt sich an, als ob jemand an deinen Beinen zieht. Aufgrund der Rutschgefahr muss man die ganze Zeit eine hohe Körperspannung an den Tag legen – Muskelkater ist vorprogrammiert.

Immer dabei: unsere Pulka. Er ist so leicht, dass selbst die 8-Jährige 60 Kilogramm durch den ebenen Schnee ziehen kann. Dank der beheizten Handschuhe und den Polar-Klamotten frieren wir überhaupt nicht. Die raue Natur bietet nicht nur eine super Alternative zum Winterlauf in Deutschland – sie ist auch pures Vergnügen!

Wandern und Snow Shoe Running durch den Tiefschnee trainieren die Ausdauer und halten uns fit, Schlittenfahren und Schneeballschlachten sorgen für spaßige Abwechslung.

Ansonsten ist der Tagesablauf davon bestimmt zu heizen, Energie in den Körper zu bekommen, Wasser vorrätig zu haben, jeden Tag die Schneemassen von den Dächern zu bewegen und Holznachschub heran zu schleppen. Der Körper wird ständig auf verschiedenste Art und Weise gefordert. Ich spüre Muskeln, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie besitze.

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Das beste an solchen Tagen: Ich bekomme den Kopf komplett frei, denn ich bin den ganzen Tag vorrausschauend beschäftig, muss planen. Endlich keine Zeit mehr für belanglose Kopf-Problemchen. Manchmal schaue ich auch einfach den Eiszapfen beim wachsen zu. Zu so einer meditativen Übung findest du im lärmenden Deutschland kaum.

Einmal stelle ich einen Liegestuhl im Nirgendwo auf. Ich schließe die Augen, lasse mir die Sonne aufs Gesicht strahlen und könnte glücklicher nicht sein. Durchatmen. Mehr nicht. Nur drei Menschen haben wir in zehn Tagen getroffen.

Endlich wieder klar im Kopf: Mein Geist dankt mir die Ruhe in Norwegen immer noch. Und mein Körper hat erfahren, dass Wandertouren in der verschneiten Natur eine grandiose Alternative zum Laufen im Winter sind und verschiedenste Muskeln trainieren.

Alle Fotos: Privat

 

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❄️Final days in Norway ❄️ Wer träumt nicht von einer einsamen Hütte irgendwo tief in den Wäldern Norwegens? Wir haben uns diesen Traum von Ruhe und Natur pur erfüllt 🙏🏻 (Ein paar Eindrücke seht ihr oben in der Gallerie) Luxus gab es tatsächlich nur bei der An- und Abreise auf der Fähre, ansonsten war es wie eine Art SURVIVAL-Camp: Der Weg zur Hütte war schon spektakulär. Unter normalen Bedingungen dauert der Weg ca. 10 Minuten, jedoch nicht bei 1,5 m Schnee - da braucht man dann eben mal knapp eine Stunde für 250 m - auch eine Form des Workouts ❄️😅 Dank unserem #acapulka Schlitten (der übrigens in einen Smart reinpasst) konnten wir immerhin das mehr als 60 kg schwere Gepäck gut transportieren, welches sogar ein Kind ziehen kann💪🏼 Für die ersten 24 h hatten wir zum Glück Wasser mit dabei, aber für später musste man erst einmal den Brunnen finden und freilegen 💦 (s. 6. Bild). Um die Hütte irgendwie warm zu bekommen, muss man alle 2-3 h heizen. Die Treppen zur Hütte haben wir mit unseren Schneeschuhen von @tubbssnowshoes „freigetreten“. Allgemein war die Fortbewegung auf die Berge hoch und runter nur mit Schneeschuhen möglich, was aber gleichzeitig eine ziemlich coole Alternative zum Laufen ist. ✌🏼Ihr glaub gar nicht, wie das in die Beine geht 💪🏼😱 . Kann euch nur empfehlen, sowas mal auszuprobieren - denn sogar die Kids haben Spaß dabei durch den Schnee zu stapfen und in unberührter Natur zu sein. 🌲🌩☃️☀️ . Mit dem richtigen Equipment ist so ein Abenteuerurlaub auf jeden Fall ein TRÄUMCHEN für Körper UND Geist 🤗 Ihr glaubt gar nicht, wie tiefenentspannt ich bin. 🧘🏼‍♂️ Manchmal ist eben alles was man braucht, ein bisschen Ruhe, Natur und das Handy auf lautlos ✊🏻 . Wer von euch hätte auch mal Lust so einen Abenteuer-Urlaub zu machen oder hat vielleicht schon mal einen gemacht? . Und wer hat schon mal eine Schneeschuh-Wanderung gemacht und wie findet ihr den Trainingseffekt dabei? . Vielen Dank an dieser Stelle für das großartige Equipment, was uns für diese Zeit zur Verfügung gestellt wurde: Schneeschuhe: @tubbssnowshoes Schlitten: Acapulka , Klamotten: @mountainforce und UVU, Schuhe: @lowa.outdoor Brillen: @gloryfy Handschuhe: @eskagloves Handwärmer: @onlyhot_warmers

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