Lauftraining Plogging: Laufend Müll sammeln

Kategorie: Lauf-Training
Geschrieben von: Anita Horn

Was ist das? Laufende Menschen, die freiwillig Müll sammeln? Genau das. Plogging erobert hoffentlich ganz bald die Welt. Denn das "Ploggen" verbindet Joggen mit Umweltschutz. Unsere Autorin Anita Horn von "Plogging Cologne" erklärt, warum das Ganze eine saubere Sache ist.

In die Hocke, langstrecken, aufrichten. Losspurten, und nochmal das Ganze. Das Anlaufen und Stoppen, das Hinabbeugen, Aufrichten und das Laufen dazwischen machen die Mischung für DAS neue Lauftraining, das gerade deutsche Städte erobert: Plogging – Joggen und dabei (Plastik-) Müll aufsammeln.

Extra-Trainingseffekt durch Müll sammeln

Ich habe Handschuhe an und trage einen Müllbeutel. Der wird schon auf den ersten Metern gefüllt mit Zigarettenstummeln, Brötchentüten und diversen anderen Dingen, die definitiv nicht an den Straßenrand oder die Fußgängerzone gehören.

Und einen Kilometer weiter, am Kölner Rheinufer, wird es richtig dreckig. Leere Flaschen, Taschentücher, Hundekotbeutel und volle Babywindeln, sogar eine kaputte Tastatur und Pappkartons mit alten Magazinen liegen herum – an der Wasserkante. So gerade noch davor bewahrt, in den Fluss und später ins Meer geweht zu werden.

Und ich habe einen Extra-Trainingseffekt durch das Zusatzgewicht.

Müllabfuhr kommt nicht nach

Plogging ist Sport, aber auch Umweltschutz. Eine Mischung aus Schönem und Nützlichem. Wer regelmäßig joggen geht, der wird auf Anhieb vielleicht gar nicht sofort wissen, ob die Strecke dreckig oder sauber ist. Weil man oft nicht darauf achtet. Müll ist eben irgendwie normal. Leider.

Aber wer auf seiner nächsten Runde mal genauer hinschaut, wird auf den Wiesen, im Wald und auf den Wegen alle paar Meter Müll finden. Und vermutlich auch Mülleimer in nicht allzu weiter Ferne.

Warum schmeißen Menschen ihren Dreck eigentlich auf den Boden? „Wir haben doch eine Müllabfuhr“, habe ich beim Plogging schon ein paar Mal gehört. Aber die kommt gar nicht nach, bei all dem Dreck. Also packen wir lieber selbst mit an, anstatt uns nur zu beschweren.

Sprint zum Plastikbecher

Plogging kommt ursprünglich aus Schweden. Da heißt „plocka up“ soviel wie „pflücken“ oder „aufheben“. Gepaart mit dem Wort „Jogging“ ist der neue Trend komplett.

Mittlerweile gibt es in Deutschland mehrere Gruppen, die sich mehr oder weniger regelmäßig treffen und aus der Aufräumaktion ein sportliches Team-Event machen. So wie wir in Köln. Über die Internetseite „Plogging Cologne“ verabreden wir uns etwa alle vier Wochen und grasen die Stadt ab.

plogging-deutschland-koelnAnita Horn (vorne im Bild) in Aktion beim Plogging (Foto: Jörg Schüler)

Bisher sind wir immer in zwei Gruppen losgelaufen, eine etwas langsamere mit maximal fünf Kilometern, inklusive Kinderwagen. Walken erlaubt. Dazu gibt es eine etwas schnellere Gruppe mit bis zu zehn Kilometern.

Und dann bricht direkt der Sammelwahn aus. „Mein Becher!“ „Das schnappe ich mir, weg da!“ Die Sprints pfeffern den Lauf nochmal mit Extra-Trainingsreizen. Wunderbar. Das gibt Muskelkater. Vor allem im Rücken und in den Beinen. Aber irgendwie ist das ein gutes Gefühl.

Nach etwa einer Stunde sind wir erledigt. Die Beutel sind randvoll und wiegen mittlerweile locker fünf Kilo. Aber fertig sind wir noch lange nicht. Es gibt viel zu tun. Wir erploggen uns die Welt, bis sie uns wieder gefällt.

Info: Auf der Facebook-Seite „Plogging Germany“ können alle deutschen Plogging-Gruppen und auch SUPPicking-Gruppen (Plogging auf dem Wasser mit dem SUP-Board) ihre Veranstaltungen melden und veröffentlichen.

Und auf einer interaktiven Deutschlandkarte auf www.plogging-Cologne.de können sich Gruppen verorten und ihre Plogging-Aktionen einfügen. Damit in Zukunft noch mehr Leute mitmachen und wir unsere Laufstrecken und Städte ein bisschen sauberer machen. Instagram @plogging_germany

 

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